Ich wusste es nicht

    Ich wusste es nicht

    hallo an alle !

    ich habe soeben diese seite entdeckt und möchte hier mit euch teilen, was ich die letzten monate durchgemacht habe.

    am 23.5.16 habe ich meine mutter an pleurakarzinose verloren.
    es war plötzlich. ich wusste nichts davon, durfte es auch nicht erfahren. genauso wie der rest der familie und ihrer freunde und ihrem freund.
    das einzige was ich wusste war dies.
    letzten dezember kam meine mutter ins krankenhaus. sie hatte starken husten und wie ich später erfahren hatte auch atemnot und ist wohl auch öfters in der dusche ohnmächtig geworden. wie gesagt, die einzigen beschwerden, von denen ich mitbekommen hatte war ihr starker husten. ich hatte mir jedoch nichts dabei gedacht, da sie viel geraucht hat.
    davon, dass sie beim duschen ohnmächtig geworden ist hatte ich erst mitbekommen, als sie im dezember ins krankenhaus gekommen ist(ich habe eine eigene wohnung).
    sie hatte ebenfalls stark abgenommen, was ich ebenfalls als nicht schlimm empfunden hatte, da sie öfters mal zunahm und wieder abgenommen hatte.
    als ich sie im krankenhaus besuchte hat sie mir nie genau gesagt was sie hat. sie meinte nur es wäre wasser in der lunge, das jetzt abgelassen wird. ich wollte sie nicht weiter stressen indem ich sie immer weiter frage was sie tatsächlich hat, weil sie darauf auch sehr aggressiv reagierte nach einer weile. deshalb habe ich es gegoogelt und habe mich bei bekannten und freunden umgehört und war danach etwas beruhigt, weil ich dachte dass sie einfach nur wasser in der lunge hat was abgelassen wird und das dann nach ein paar wochen krankenhausaufenthalt wieder auskuriert ist. sie war ca 3 wochen im krankenhaus. es wurde ihr eine drainage gelegt und parallel wurde ihre gebärmutter entnommen. was sie mir ebenfalls nicht gesagt hatte (erst die nächsten tage danach). ich war so glücklich als sie mir sagte dass sie endlich aus dem krankenhaus raus kann ! jeden morgen musste jedoch ein pflegedienst kommen, der ihr die flüssigkeit abgelassen hat. am anfang dachte ich, dass das nachtropfen normal wäre, aber es hat einfach nicht aufgehört bis ich sie dann irgendwann nochmal fragte was da eigentlich genau los sei. sie meinte dass sich wasser UM die lunge herum gebildet hätte aber sie sagte nicht wovon das verursacht wurde.
    ich war viel zu naiv ich habe die ärzte nie gefragt ich habe sie einfach gebeten sich nochmal untersuchen zu lassen. sie reagierte auch immer sehr gereizt wenn ich das thema angesprochen hatte oder im gegenteil sie hatte es immer wieder runtergespielt und meinte sogar dass wenn das tropfen nicht aufhören würde, der arzt nochmal etwas machen müsste. ich habe nicht im leben an krebs gedacht. meine mutter bleib bei meiner oma nachdem sie auf dem krankenhaus kam. im februar diesen jahres haben wir dann plötzlich unsere oma, also die mutter meiner mutter an einem herzinfarkt verloren. ende april hatte meine mutter extreme magenschmerzen und hatte nachdem sie wieder ein paar kilos zugenommen hatte wieder extrem abgenommen und einen heftigen blähbauch. sie ist zum arzt gegangen der meinte dass sie einen magenschleimhautentzündung hat. danach anfang mai hatte sie extreme schulterschmerzen, worauf sie ebenfalls zum arzt ging und gesagt bekomen hatte dass es eine muskelverspannung sei. sie bekam spritzen,wärmekissen etc. aber nichts half. sie wollte auch nie von uns ins krankenhaus gebracht werden ( nachts wenn die schmerzen unerträglich wurden). sie ist immer mit dem taxi alleine gefahren. einmal hatte ich sie begleitet und sie wollte nicht, dass ich mit ins krankenhaus reinkomme und hat mich regelrecht angeschrien. ich dachte sie wäre so gereizt , weil ihr das alles zu viel wurde. da ich ihr nicht noch mehr stress machen wollte habe ich auch nicht weiter gefragt wie immer. das letzte mal als ich sie ins krankenhaus brachte war, weil sie mir gesagt hatte dass sie nicht mehr aufstehen kann. sie konnte nicht mehr von einem zimmer ins andere laufen.
    in dieser zeit sollte auch nochmal ih thorax abgecheckt werden (tropfen). dafür haben sie sie wieder in das krankenhaus gebracht in dem sie auch im dezember war.
    danach ging alles rasend schnell. innerhalb einer woche bei jeden besuch / anruf ging es ihr schlechter. ich fragte die krankenschwestern was sie hat doch sie sagten, dass meine mutter ihnen verboten hätte mir und meiner familie zu sagen was los ist. ich lies ihr meine sorge so gut ich es schaffte nicht anmerken, sagte ihr aber trotzdem dass ich mir sorgen mache weil sie so eine heimlichtuerei daraus macht und ich einfach nur wissen will was los ist. sie lag nur noch, konnte nicht mehr reden geschweige denn die augen öffnen oder sich bewegen. ich wusste nicht was los ist ich weinte nur noch.
    bis 2 tage bevor sie von uns gegangen ist der arzt uns bei seite nahm und und gesagt hat dass es meiner mutter sehr schlecht gehgt und sie nur noch ein paar tage hat.
    bis zu dem zeitpuntk dachte ich dass meine mjutter wieder gesund wird. ich wusste dass sie sehr krank sein müsste aber ich hatte niemals an krebs gedach obwohl sie in der onkologie lag.
    ich habe meine mutter nie mit krebs in bverbindung gebracht. es ging so rasend schnell ich weiß immernoch nciht wie das alles passieren konnte. ich wusste einfach von nichts bis 2 tage davor. ich fühle mich wie in einem film, kann es immernoch nicht wahrhaben. es kommt mir alles so vor wie ein witz.was hat meine mutter mit krebs zu tun? es hört sich so lächerlich an. ich fühle mich so leer. ich bin einzelkind und meine eltern waren getrennt mit meinem vater hatte ich nie viel kontakt. meine mutter war mein ein und alles. sie ist ein engel gewesen. der liebste mensch auf erden. ich wünschte ich könnte ihr ganzes leid was sie hatte von ihr nehmen. ich wünschte ich könnte ihre angst die sie womöglich hatte nehmen. ich wünschte mir wäre das alles passiert aber das hätte sie nicht verkraftet. ich war so traurig dass meine sonst kerngesunde oma aus dem nichts einen herzinfarkt bekommen und daran verstorben ist. aber so einen tod kann man sich nur wünschen. ich werde nie das leidende gesicht meiner mutter vergessen. ich werde nie ihr gesicht vergessen.
    ich verstehe einfach gerade nicht was passiert oder passiert ist. ich vermisse sie so sehr aber ich vergesse auch immer was eigentlich passiert ist.
    ist es normaldass ich denke, dass sie einfach an einem fernen ort ist und ich sie nicht mehr sehen kann? ich kann es nicht akzeptieren dass sie krebs hatte ohne je behandelt zu werden. mit vollgas in den krebs.... ich bin einfach so aufgelöst und weiß nicht wohin mit mit. meine mutter hatte sehr viel angst vor dem tod und vor krebs sie konnte es nichteinmal aussprechen. auch in der vergangenheit. warum gerade sie ?
    ich weiß dass mein text total durcheinander und nicht gut zu lesen ist aber ich kann einfach mit niemanden reden und weiß einfach nicht wohin mit mir und meinem ganzen schmerz.

    ich habe meine mutter über alles geliebt und liebe sie immernoch überall ich vermisse sie so sehr... ihren duft ihre stimme ihre weiche haut....es hätte alles verhindert werden müssen :(((((((((((((((((((((
    Guten Morgen Ecan,

    zuerst mal ein herzliches Willkommen im Krebs-Infozentrum, auch wenn der Anlass kein schöner ist. Solltest du irgendwelche technischen oder andere Probleme mit dem Forum haben, so wende dich gerne an mich als zuständigen Moderator für diesen Forenteil. Natürlich auch jede/r andere/r ModeratorIn aus unserem Team.

    Die Mutter oder den Vater zu verlieren ist eine schmerzliche Erfahrung. Die meisten Menschen müssen sie machen und man kann sich nicht wirklich darauf vorbereiten. Umso schlimmer unter den von dir beschriebenen Umständen. Das hilflose Danebenstehen, nichts tun können, zu sehen, wie ein geliebter Mensch sich langsam immer weiter entfernt und das unter Qualen. Ich denke, viele hier werden dich verstehen und dir Trost und vielleicht die eine oder andere Antwort geben können.


    Auf einen guten Austausch, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    Hallo @Ecan

    Auch ich als Hinterbliebene Tochter möchte dich hier willkommen heißen.

    Was du fühlst und gerade durchmachst habe auch ich durchgemacht.
    Ja es ist normal das du denkst das deine Mama in der Ferne ist. Mir passiert es noch oft, das mir ein kalter Schauer über den Rücken läuft und mir bewusst wird, meine Mama lebt nicht mehr. So als würde ich es verdrängen.

    Warum deine Mama dir verschwiegen hat wie schwer sie erkrankt ist, für mich unvorstellbar. Ich habe damals ca 1,5 Monate bevor die Diagnose Krebs kam schon geahnt und vermutet wie schwer krank sie ist. Das es letztlich so schlimm kam wusste niemand.

    Hat deine Mama keine Chemotherapie nichts bekommen? Habt ihr weit auseinander gewohnt? Fragen die vielleicht erklären warum sie dir alles verschwiegen hat.

    Fühle dich hier gut aufgehoben.

    Liebe grüße mausi
    Meine Mama
    ED BSDK 05.02.2014
    28.07.1949 - 22.06.2014

    Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

    - Jean Paul -
    Hallo @Ecan,

    auch ich bin eine hinterbliebene Tochter - meine Vater starb am Magenkrebs.
    Ich möchte Dir mein herzliches Beileid ausdrücken.

    Ich kann verstehen, dass Du "vergisst", dass Deine Mutter nicht mehr für Dich da ist ... auch nach einigen Jahren denke ich manchmal "jetzt rufe ich sie an!" und dann fällt mir siedend heiß ein, dass das gar nicht geht.
    Aber setze Dich nicht unter Druck, was "normal" ist oder nicht - in der Trauer gibt es kein "normal.

    Wohnst Du in einer größeren Stadt, in welcher es vielleicht Trauergruppen gibt? Vielleicht könnte Dir der Austausch mit anderen gut tun?
    Ich kann mir gut vorstellen, wie wichtig es für Dich ist, über die letzten Monate zu reden. Bei meinem Vater wusste ich von Anfang an, dass uns knapp 6 Monate bleiben würden - in dieser Zeit konnte ich mich langsam dem Thema Sterben nähern; Du bist ja komplett davon überrumpelt worden....
    Schreib hier ruhig Deine Gefühle nieder - vielleicht hilft es Dir, so eine Art rückblickendes Tagebuch zu erstellen?
    Ich wünsche DIr jedenfalls einen Weg durch die Trauer, der Dir hilft, die vergangenen Monate irgendwie zu verarbeiten.
    Liebe Grüße
    Elke
    Hallo Ecan, mein tiefes Beileid. Ich kann Dich gut verstehen. Wie ein falscher Film der abläuft.
    Ich habe meine Mutter auch an Krebs verloren, doch ich wusste bei ihrer Zweitdiagnose darum, dass sie daran sterben wird, sie lange Zeit nicht.
    Es war ein Schock und hat alles in einem umgegraben.
    Manchmal vergesse ichs auch, wie Du, weil die leidenden Bilder zu schrecklich sind.
    Und die Ebene, dass sie irgendwo noch ist (nicht mehr hier auf der Welt), wo es ihr gut geht, habe ich auch. Die Verbindung ist nach wie vor da.
    Mir persönlich hilft das Schreiben. Einmal die Woche habe ich Gespräch und 1x im Monat ein Treffen mit einer kleinen Trauergruppe.
    Es wird immer weh tun, aber es wird irgendwann anders werden. Du schaffst das. Lass Dir Zeit und von niemandem einreden, was richtig und falsch ist. Beim Trauern gibt es kein richtig und falsch.
    Ich wünsch Dir ganz viel Kraft für die kommende Zeit.
    Liebe Grüße,
    Flo
    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
    Ich werde das nie verstehen...