Plötzlich allein

    Plötzlich allein

    um es vorweg zu sagen: natürlich bin ich nicht ganz allein, ich habe einen lieben Mann und eine große Familie, die für mich da ist, wann immer ich sie brauche. Trotzdem fühle ich mich manchmal allein gelassen, verwaist. Es ist einen Monat her, dass Papa von uns gegangen ist, am 25. gerade mal sechs Monate seit Mamas Tod. Die Wohnung ist still und leer - es fühlt sich an, als wärt Ihr in Urlaub, aber Ihr kommt nicht wieder. Ich weiß, dass Euch beiden der Krebs arg zugesetzt hat, ich habe Euch begleitet bis zum Ende, bis zum letzten Atemzug, ich war froh, dass Ihr gehen durftet und nicht mehr leiden müsst, und trotzdem...
    Eigentlich bin ich dankbar, dass es mir möglich war, bei Euch zu sein und trotzdem... ich kann es nicht in Worte fassen, diese gleichzeitige Trauer, die Lähmung, wenn ich mich länger in Eurer Wohnung befinde und parallel dazu eine Zufriedenheit, beinahe Heiterkeit... Es scheint nicht zu passen und trotzem fühlt es sich richtig an.
    Gestern riefen so viele an: "Ach, einen Monat ist es nun her mit Deinem Papa, wie geht es Dir?" Stereotype Antwort. Wie soll es schon gehen? Ach, eigentlich ganz gut, was soll man machen, blablabla... - das ist so anstrengend. Noch anstrengender ist das Bedauern der anderen: "Ach, Du tust mir so leid, gleich beide Eltern, ach und der schlimme Krebs", blablabla... Ist es gemein, wenn ich einfach nicht mehr hinhöre? Es tut einfach zu weh, trotz des Wissens, dass beide nun erlöst sind. Die nächste dumme Frage: "Was macht ihr mit der Wohnung? Wollt Ihr das Haus verkaufen?" Nein, will ich nicht, mal sehen, was sich so ergibt, es besteht ja keine Eile. - "Mach bloß kein Mausoleum draus, Ihr habt ja kein Grab"... Was soll das? Ich bin kein Friedhofsgänger, kann auch nicht so ganz verstehen, was das Anschauen von Steinen bringen soll, aber jeder ist anders und man muss für sich entscheiden, was man will und die Entscheidung anderer respektieren. Ich bin froh, dass die beiden eine Seebestattung hatten - sie reisen um die Welt, die Vorstellung gefällt mir. Alles andere zählt nicht. Ich trage die beiden im Herzen und spreche mit ihnen...

    Mir wäre es lieber, wenn keiner mehr etwas zum Tod meiner Eltern sagen würde. Die Wunden beginnen zu verheilen, sie schmerzen, aber warum muss man sie immer wieder aufreißen? Auch heute wieder... "Ach, ich hab Dich so lange nicht gesehen, es tut mir so leid, war es schlimm, was hatte denn Dein Vater? Ach ja, ich erinner mich... Krebs... Knochenmetastasen..." ich erinnere mich auch daran, das möchte ich aber nicht. Ich möchte die schönen Stunden erinnern, nicht die Schmerzen. Die vielen heiteren Momente, nicht den Dämmerschlaf am Ende, nicht die vorhergehende Verzweiflung, warum man nicht helfen konnte. Lieber den Spruch "Schwester, lassen Sie bitte noch was dran an mir, sonst erkennt mich meine Frau nicht, wenn ich in See steche" als "Warum hilft mir niemand und gibt mir etwas gegen die Schmerzen?" und die Tränen, die folgten.
    Das lieb gemeinte Herumtrampeln auf der der Trauer setzt mir mehr zu als alles andere. Beide Eltern sagten, ich solle nicht weinen. Das tue ich trotzdem, es sind keine Tränen der Verzweiflung - ich habe nicht am, sondern im Wasser gebaut, sagt mein Mann. Dann ist aber auch gut. Weinen heilt die Seele, das spüre ich. Aber bitte, liebe Freunde, lasst sie heilen, reißt nicht wieder alles auf, sonst kann ich nicht mehr. Im heiß geliebten Garten der Eltern, der mir bereits mehr ans Herz gewachsen ist, als ich mir je hätte träumen lassen, finde ich Frieden und Vergessen. Nein, ich bin nicht bekloppt, sondern fühle mich gut an diesem Ort, tue das im elterlichen Sinn (auch wenn schon das ein oder andere Detail umgestaltet ist...). Gönnt mir ein bisschen mehr Ruhe, dann bin ich irgendwann wieder für Euch da.

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    Liebe Bella, ich finde es sehr schön dass Du den Garten hast. Arbeitest Du auch ein wenig darin? Zupft Du Unkraut, sprichst Du mit den Pflanzen ;) - mir tut das immer gut. Wenn es dicke kommt richte ich ein Beet her.

    Ich wünsche Dir viele schöne Gedanken und Erinnerungen an diesem schönen Platz. Der Mann meiner Freundin starb Heiligabend. Die letzten Jahre waren nur noch durch Alter und Krankheit geprägt. Er war 27 Jahre älter als sie. Sie hat Bilder aus jungen Jahren aufgestellt und spricht mit Geschwistern über ihn in jungen Jahren. Sie sagte dass sie auch schöne lebendige Zeiten hatten und dass ihr Mann eben nicht nur der Kranke der letzten Jahre war. Das Bild hatte das vorherige Leben überschattet und verdrängt. Jetzt sollen diese schönen Erinnerungen wieder ihren Platz haben und das Gleichgewicht wieder her stellen. Ich fand das einen guten Gedanken und Ansatz. Sie nimmt sich bewusst ein Jahr Trauer zeit. Karfreitag hat sie uns zum Essen eingeladen. Wir waren 12 + sie. Am Anfang hat sie ein schönes Gedicht vorgelesen und von ihrem Mann erzählt. Danach waren wir einfach eine fröhliche Runde von Freunden. Ich finde ihre Art mit dem Tod umzugehen sehr schön. Jeder muss für sich einen Weg finden. Sag den Leuten ruhig und freundlich, dass Du das was sie sagen gerade nicht brauchst. Ich finde das legitim.
    Liebe Grüsse
    Resi
    Hallo @RESI
    ja, ich jäte Unkraut, breche die verwelkten Tulpen ab, betreibe Rosenkosmetik (zum Schneiden ist es zu spät...) und pflanze neue Blumen. Ein paar habe ich auch ausgesät, mal schauen was passiert. Ich rede den Pflanzen gut zu - genau wie den Fischen und Fröschen :D

    Die Idee mit der fröhlichen Runde ist schön...

    Ansonsten war heute wieder so ein Tag, den ich nicht einordnen kann. Es fing an, als wir zum Feuerwehrfest gingen (heute konnten auch die Feuerlöscher geprüft werden, das war bei unseren nötig...) . Im letzten Jahr waren wir zu viert, dieses mal nur zu zweit. Alle haben gefühlt geschaut, als wir gekommen sind, aber zum Glück hat niemand mehr etwas gesagt. Wir sind nicht lange geblieben, und zu Hause war es wieder still. Selbst die Katzen hielten ein Schläfchen, so dass auch deren Aktivität stumm war. Die letzte Wäsche aus dem Krankenhaus wurde endlich zusammengelegt und weggeräumt - das war anstrengend. Nein, ich werde Eure Sachen noch nicht wegräumen. Ich muss es nicht tun, und im Moment fehlt mir die Energie. Jetzt habe ich die Tür zugeschlossen und möchte niemanden mehr sehen - mein Mann auch nicht.
    Morgen ist Sonntag, mal sehen, was er bringt.
    @Bella69

    Liebe Bella

    Habe lange überlegt ob ich dir hier ein paar Zeilen schreibe.

    Mir geht's ähnlich wie deinem Umfeld. Man möchte etwas sagen und sagt dann doch das falsche.

    Weißt du, wenn ein Elternteil stirbt ist das schon schlimm, für mich war es jedenfalls so. Auch heute noch gibt es Momente die für mich schlimm sind. So wie jetzt gerade. Der Mai und Juni 2014 waren die schlimmste Zeit meines Lebens und jedes Jahr um diese Zeit sind die Erinnerungen da und ich komm dagegen nicht an.

    Ich weiß nicht wie ich damit umgegangen wäre, wenn mich das Schicksal so getroffen hätte wie dich.

    Aber du machst das toll allein schon der Garten.

    So geht jeder mit Trauer anders um.

    Ich wünsche dir alles Liebe

    Mausi
    Meine Mama
    ED BSDK 05.02.2014
    28.07.1949 - 22.06.2014

    Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

    - Jean Paul -
    Liebe @mausi69,
    ich danke Dir ! ich verstehe den Balanceakt, deshalb scheue ich auch davor zu sagen, dass ich darüber nicht mehr reden möchte. (Darüber zu schreiben ist komischerweise etwas ganz anderes...) Anfangs hat mir das auch nichts ausgemacht, das war "normal", teilweise auch tröstlich, aber nach vier Wochen wird es mir zu viel und ich tendiere dann einfach dazu, mich zurückzuziehen. Für die Leute im Dorf ist es vielleicht schwierig nachzuvollziehen, zumal meine Tante damit ganz anders umgeht. Sie braucht möglichst viel Zuspruch, will viel über alles reden - sie hat Schwester, Bruder & Schwager innerhalb von fünf Monaten verloren..... Ich habe keine Ahnung, ob sie auch die Leute animiert, auf mich / uns zuzugehen, selbst wenn nicht, ist es für die Menschen schwierig zu differenzieren, sie machen sich nicht so viele Gedanken darum.
    Ich setze auf den Zeitfaktor - es kommen andere DInge, die wichtig und interessant sind...
    Allerdings habe ich auch Menschen kennengelernt, die ähnliches erlebt haben und die auf mich zugekommen sind. Sie haben mir ihre Gefühle offenbart und ich fühlte mich verstanden. Aus dem Kiz weiß ich von Christel -sie hat auch ähnliches durchgemacht, kennt sogar die fiesen Knochenmetastasen... Danke @Chris_7819 an dieser Stelle für Deinen Trost. Aber auch an alle anderen hier, die mir Trost und Hilfe gaben und geben. Man kann den Lauf der Dinge nicht ändern, aber man kann lernen, damit zu leben.

    Meine Gedanken gehen wieder spazieren und ich merke, dass ich wieder Schwierigkeiten habe, mich zu konzentrieren. Das habe ich ja nun schon einmal erlebt, ich weiß, dass es normal ist. Es nervt trotzdem...
    Einen ruhigen Abend wünscht
    Bella

    Bella69 schrieb:

    Aus dem Kiz weiß ich von Christel -sie hat auch ähnliches durchgemacht


    Christel ein Herz von einer Seele. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern das ihre Mama genau wie meine Mama 2014 starb, beide an BSDK. Bei ihrem Papa musste ich nachschauen das war 2012. An dieser Stelle ganz liebe grüße an dich @Chris_7819

    Ja wenn man Trauer anders empfindet und auch anders damit umgeht ist es ein Balanceakt.

    Mir ging es ähnlich wie deiner Tante. Die ersten Monate tat mir der Zuspruch gut und ganz viel über Mama reden. Dann kam die Zeit wo ich meine Ruhe haben wollte.

    Trauerbewältigung hat viele Facetten.

    Liebe grüße mausi
    Meine Mama
    ED BSDK 05.02.2014
    28.07.1949 - 22.06.2014

    Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

    - Jean Paul -
    Ja, bei Mama war das anders.Da habe ich unendlich viel geredet. Vielleicht addiert sich bei mir die Trauerzeit, oder ich bin einfach müde zu sprechen...oder es ist einfach zu viel zu verarbeiten, da macht mein Unterbewusstsein dicht. Ich weiß es nicht. Letztendlich ist es auch egal, ich versuche zu erspüren was mir im Moment gut tut.
    Liebe Mausi,

    mausi69 schrieb:

    Christel ein Herz von einer Seele. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern das ihre Mama genau wie meine Mama 2014 starb, beide an BSDK. Bei ihrem Papa musste ich nachschauen das war 2012. An dieser Stelle ganz liebe grüße an dich @Chris_7819


    ich freue mich über deine lieben Grüße....ich lese allerdings viele Nachrichten im KIZ zeitbedingt erst deutlich später.
    Ja es stimmt, wir haben uns im anderen Forum kennengelernt als meine Mama starb und zeitgleich bei deiner Mama die Diagnose gestellt wurde - bei deiner Mama ging’s aber dann leider noch deutlich schneller zu Ende als bei meiner.


    Liebe Bella,

    Bella69 schrieb:

    Allerdings habe ich auch Menschen kennengelernt, die ähnliches erlebt haben und die auf mich zugekommen sind. Sie haben mir ihre Gefühle offenbart und ich fühlte mich verstanden. Aus dem Kiz weiß ich von Christel -sie hat auch ähnliches durchgemacht, kennt sogar die fiesen Knochenmetastasen... Danke @Chris_7819 an dieser Stelle für Deinen Trost.


    es war mir ein großes Bedürfnis dich zu trösten, weil ich weiß, wie es sich anfühlt das Elternhaus in kurzer Zeit zu verlieren. Der Anblick beider frischer Kreuze auf dem Friedhof waren für mich anfangs unerträglich - als Mama starb, war mir als sei auch Papa gerade wieder gestorben. Ich kann auch nie gleichzeitig um beide trauern, an dem einen Tag überwiegt die Trauer um meinen Papa und am nächsten Tag ist es die um meine Mama. Obwohl Mama nun schon 3 Jahre und Papa schon 4,5 Jahre tot sind, kullern immer noch die Tränen bei dem Gedanke an sie, Videos von ihnen (und ich habe sehr viele) kann ich mir immer noch nicht ansehen.
    Ich persönlich hatte und habe zur Verarbeitung meiner Trauer immer noch ein sehr großes Redebedürfnis, mir geht es da wohl wie deiner Tante.

    Ich hoffe du findest einen Weg mit deiner Trauer zu leben und gleichzeitig wieder Lebensqualität zu empfinden

    Liebe Grüße dir und Mausi
    Christel

    mit ihren über alles geliebten Eltern für immer im Herzen

    Papa +15.10.12 (Prostatakrebs)
    Mama + 9.02.14 (Bauchspeicheldrüsenkrebs / Schlaganfall)
    Ja, die Gedanken sind meist nur bei einem von ihnen, momentan verstärkt bei Papa - er ist eben noch nicht so lange fort. Manchmal denke ich, ich müsste auch mehr an Mama denken, aber ich vermisse sie genauso. Der Anblick frischer Grabstätten ist mir dank der Seebestattung erspart geblieben, es ist fast so, als wären die beiden in Urlaub. Ich schaue sogar jeden Tag auf die Wetter-App, wie das Wetter an den Ostfriesischen Inseln ist und freue mich, wenn dort die Sonne scheint. Eigentlich ist das völliger Quatsch, aber ich tue das trotzdem.
    Ich glaube nicht, dass ich häufig zum Friedhof gehen würde, bei einem bin ich mir jedoch sicher: ich würde bei einem Urnengrab sofort einen Stein setzen lassen, nichts ist deprimierender als Grabstätten mit Holzkreuzen. Bei Erdbestattung geht das nicht, da muss man denke ich ein Jahr warten.

    Bella69 schrieb:

    ....bei einem bin ich mir jedoch sicher: ich würde bei einem Urnengrab sofort einen Stein setzen lassen, nichts ist deprimierender als Grabstätten mit Holzkreuzen.


    kann ich bestätigen Bella, seit der Stein sitzt fühle ich mich viel ruhiger, wenn ich am Grab stehe, und kann den Anblick besser ertragen.

    mit ihren über alles geliebten Eltern für immer im Herzen

    Papa +15.10.12 (Prostatakrebs)
    Mama + 9.02.14 (Bauchspeicheldrüsenkrebs / Schlaganfall)
    Gestern war ein schlimmer Tag. Tantchen und ich haben die elterliche Wohnung geputzt - ein verspäteter Frühjahrsputz sozusagen. Gardinen gewaschen, Fenster geputzt, grundgereinigt, ... ist ja nicht viel gemacht worden in der letzten Zeit.
    Die Wohnung wirkte noch so, als wärt Ihr beiden mal eben zum Einkaufen. Ein paar Dinge konnte ich wegräumen, auch die letzten Medikamente sind zusammengepackt und warten auf den Abtransport in die Apotheke. Die Jacken sind auch im Schrank. Mehr ging noch nicht. Die vielen Erinnerungen waren anstrengend, die Tränen bahnten sich ihren Weg und das war gut so.
    Heute geht es mir besser, bin auch ein Stück erleichtert, dass ich diesen kleinen großen Schritt machen konnte, und ich bin froh, dass ich mir Zeit lassen kann mit allem. Wie viel schwerer ist es doch, wenn man eine Wohnung schnell ausräumen muss, weil sonst Mietzahlungen anstehen...

    Morgen ist das erste halbe Jahr ohne Mama vorbei. Ich dachte, wir könnten zu dritt das erste Trauerjahr durchschreiten, aber nun sind wir nur zwei plus zwei Vierbeiner, die Euch auch suchen. Das macht mich traurig, aber andererseits bin ich froh, dass ihr beiden wieder vereint seit.

    Himmelfahrt ist nun das erste Fest ohne Euch. Das war zwar nie etwas besonderes bei uns, aber bei schönem Wetter waren wir entweder am Rhein und anschließend in einer Straußwirtschaft, oder im Garten. Wir machen nichts - vielleicht kommt ein Teil der restlichen Familie mal vorbei und wir haben ein bisschen Spaß. Die neue Sommerbeleuchtung muss auch noch in den Baum gehängt werden, vielleicht erbarmt sich jemand...
    Himmelfahrt ist vorbei - viele Gedanken waren bei Mama, doch es war kein trauriger Tag. Der war erst am Freitag. Wir haben die Mutter meiner Freundin zu Grabe getragen, da kam so manches wieder hoch. Ganz besonders litt mein Patensohn - der hing an seiner Oma und weinte die ganze Zeit. Ich habe nur versucht, bei ihm zu sein - kann ich doch nachempfinden, wie besch... man sich fühlt. Den Pfarrern fällt auch nicht viel ein, aber was soll man auch großartig formulieren? Man versucht, Trost zu spenden, was nur bedingt möglich ist, selten wird es individuell und sie greifen dann auf Standardformulierungen zurück, die als solche nicht wahrgenommen werden, weil der Trauernde normalerweise keine Vergleiche zieht. Über diesen unerwarteten Erkenntnisgewinn freue ich mich keineswegs. Ich habe mal zusammengezählt, wie viele Menschen ich im vergangenen halben Jahr verabschieden musste - es waren unglaubliche 14: meine lieben Eltern, Mamas Bruder, die anderen waren Freunde und Bekannte. Manche waren uns nicht ganz so nah, andere wiederum gehörten ein bisschen zur Familie. Ich hoffe, dass jetzt eine lange Zeit fröhliche Ereignisse die Hauptrolle spielen werden.

    Gestern kam mit der Post die Seekarte mit den Koordinaten, wo Papas Urne beigesetzt wurde. Ich hab mich riesig gefreut, dass es die gleichen waren wie bei Mama, denn ich war mir nicht sicher, ob man das machen konnte. Unsere regionale Bestatterin erzählte mir auch, als sie nach Papas Tod bei den Seebestattern im Norden anrief, hat die arme Frau am Telefon erst mal gefragt, ob sie bei Mama was vergessen hätten, sie hatte im ersten Moment gedacht, sie habe sich verhört. Sie war wohl auch geschockt, dass die beiden so kurz hintereinander gehen mussten. So langsam gewöhnen wir uns aber daran. Ich habe gestern zum ersten Mal in Mamas Küche gebacken- das war ihr großes Hobby und sie hat eine wunderbare Ausstattung dafür. Im ersten Moment war es schwer, aber als ich erst mal angefangen hatte, konnte ich fast nicht mehr aufhören. Ich hab sie auch gehört: "das musst Du so machen, nein, anders herum,...der Backofen ist zu heiß..." was auch immer. An vieles konnte ich mich plötzlich erinnern, obwohl ich jahrelang nicht gebacken habe. Warum sollte ich auch? Sie war ja da, und Papa hatte auch so seine Spezialrezepte, die nur er gebacken hatte.
    Weshalb die Backerei? Ich habe in einem Anfall von Leichtsinn versprochen, zur Konfirmation am nächsten Wochenende einen Kuchen zu backen. Bin allerdings davon ausgegangen, meine Standardtorte zu liefern. Vorgestern kam die Bitte nach einem ganz anderen Kuchen, von dem Mama zum Glück ein Rezept hatte. Nach einigem Suchen hab ich das auch gefunden und ungeübt wie ich bin, musste ich das erst mal ausprobieren. Hat geklappt, hoffentlich wird's auch beim nächsten Versuch. Wie einfach war das doch beim letzten Mal: "Kind mach Dir keine Gedanken, ich mach das schon für Dich. Kümmer Dich um andere Sachen". Tja, das war einmal, jetzt bleibt nur die Erinnerung.
    Bei Aufräumen habe ich das Blatt mit den Liedtexten von Mamas Trauerfeier gefunden. Es enthält auch ein Gedicht von Joachim Ringelnatz. Damals wusste ich noch nicht, dass sie nicht allein gehen wird. Wenn ich die Zeilen heute lese, muss ich sie gedanklich in den Plural setzen und höre einen der letzten Sätze von Papa: "Kind, wein doch nicht. Das Leben auf der Welt war schön, aber jetzt muss ich gehen."


    Der du meine Wege mit mir gehst,
    jede Laune meiner Wimper spürst,
    meine Schlechtigkeiten duldest und verstehst
    Weißt du wohl, wie sehr du mich oft rührst?

    Wenn ich tot bin,
    darfst du gar nicht trauern.
    Meine Liebe wird mich überdauern
    und in fremden Kleidern dir begegnen
    und dich segnen.
    Lebe, lache gut!
    Mache deine Sache gut!
    Joachim Ringelnatz
    Hallo Bella,

    erst jetzt konnte ich lesen, was geschehen ist (Urlaub). Mein tiefes Mitgefühl.

    Wie du schreibst, ist das Reden nicht so dein Ding. Das Schreiben schon, wie du selber feststellst. So geht es vielen. Mir ging es auch so. Ein herzliches Willkommen in diesem Teil des Forums.

    Drei Zeilen aus dem Gedicht von Joachim Ringelnatz haben mich besonders getroffen:

    Bella69 schrieb:

    Meine Liebe wird mich überdauern
    und in fremden Kleidern dir begegnen
    und dich segnen.

    Ich kann sagen, das stimmt. Man muss nur genau hinsehen. Ich meine damit nicht nur meine Lebensgefährtin (die natürlich besonders ;) ), sondern auch noch so einige Menschen, die ich nach dem Tod meiner Frau kennenlernen durfte. Oft Zufallsbegegnungen. Die meisten davon habe ich nie mehr wieder gesehen. Darum ging es auch nicht. Sie hatten einfach den Mut. mich als völlig Fremden in und für diesen Moment anzusprechen und zuzuhören. Es ist nicht so, dass sie etwas ganz besonders Schlaues gesagt hätten. Es war einfach nur der Mut, den sie zeigten in diesem Moment.

    Ein guter Bekannter fragte mich: "Wie geht es dir?" Meine Antwort: "Be...scheiden?" Er fragte nie mehr wieder.

    Ein ehemaliger Kollege fragte: "Wie geht es dir?" Meine Antwort: "Gut." Darauf er: "Wenn ich nicht wissen wollte, wie es dir geht, hätte ich dich nicht gefragt. Also, wie geht es dir?"

    "Wie geht es dir?" ist also nicht immer Verlegenheit oder weil man nichts anderes zu fragen hat und nicht wirklich wissen will. Auf eine ehrliche Frage zu antworten, braucht Mut. Ich glaube, du hast ihn. Die Frage ist nur: wann ist eine Frage ehrlich?


    Liebe Grüße, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    Lieber @Helmut,

    vielen Dank für Deine Worte - sie machen Mut. Ich denke, das Ringelnatz-Gedicht enthält viele Wahrheiten, die sich nach und nach erschließen, wenn man aufmerksam ist. Manches braucht auch Zeit...

    Ich frage mich häufiger, weshalb ich nicht (mehr) so gerne über alles sprechen möchte. Vielleicht ist es der Gedanke, "alles gut zu machen", wie es in dem oben zitierten Gedicht heißt oder einfach auch der Wunsch, nicht mehr "öffentlich" zu weinen. Wenn man unvermittelt angesprochen wird, kommen meist Tränen, die sich ihren Weg nach draußen bahnen. Das ist in Ordnung, aber manche sind dann peinlich berührt, schauen mitleidig oder sonst etwas. Das verlängert den "Heulanfall" und tut mir einfach nicht gut. Ansonsten war ich bisher ein Mensch, der viel und gerne geredet hat - und auch so manchen Blödsinn von sich gegeben hat. Das tue ich auch weiterhin, aber irgendwie ist alles anders.
    Das Schreiben hilft, Gedanken zu ordnen und sich über manches klar zu werden. (Man kann auch manches "ungesagt" lassen, indem man es einfach wieder löscht...)

    Wenn ich nicht weiß, wie die Frage, wie es mir denn gehe, gemeint ist, antworte ich mittlerweile gern mit der Gegenfrage "Wie soll es einem in dieser Situation schon gehen?" - dann merkt man ziemlich schnell, was der Fragesteller im Sinn hatte.

    In diesem Sinn noch einen schönen Rest-Abend und liebe Grüße
    Bella
    Liebe bella
    Du sprichst mir aus der Seele. Ich habe vor knapp 1 Monat meinen Mann an lungenkrebs verloren. Wenn man mich fragt wie es mir geht antworte ich genau wie du mit einer Gegenfrage. Meistens weiss ich dann wie die Frage gemeint war.natürlich geht es mir nicht gut. Nur da leben geht weiter. Ich schreib auch lieber statt zu reden und wenn Redner dann nur mit Leuten die es wirklich interessiert.
    Man hat schon während der Krankheit gemerkt auf wen man sich verlassen konnte und wem das im Grunde egal war.
    Liebe grüsse Kirstin
    Liebe Kirstin @farmer59,
    habe Deine Geschichte mitverfolgt. Ich hätte mir gewünscht, dass Dein Mann noch ein wenig Lebenszeit bekommen hätte, aber wir werden nicht gefragt. Wir Hinterbliebenen müssen einfach sehen, wie wir nun mit allem klar kommen und letztendlich kann uns da auch niemand wirklich helfen. Reden finde ich furchtbar anstrengend, das Schreiben gar nicht.
    @Stern2014 Meine Eltern und wir bewohnten das selbe Haus, Mama und Papa das EG, mein Mann und ich das OG. Mittlerweile fällt es mir etwas leichter, die Wohnung zu betreten, aber wenn ich gehe, ist mir die Leere doppelt bewusst. Deshalb auch immer die Frage, was wir denn nun damit machen wollen. Ehrlich gesagt kann ich darüber noch nicht nachdenken, will ich auch gar nicht. Wir brauchen Zeit, um mit der neuen Situation zurecht zu kommen und zum Glück hat es keine Eile.
    Liebe Grüße
    Bella

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    Gestern hab ich fast einen Schreikrampf bekommen: Da war doch tatsächlich noch eine Beileidskarte im Briefkasten. Nein, keine mit Marke drauf (könnt ja dann die Post gewesen sein), sondern die hat jemand aus dem Dorf eingeworfen. Also, wenn man das seit dem 18.4. nicht geschafft hat, brauchts das nun auch nicht mehr. Die Leute waren weder im Urlaub noch krank. Also echt... X(
    ich hab bestimmt nicht Buch geführt, wer geschrieben hat und wer nicht und werd das auch nicht kontrollieren.
    Letzten Dienstag wurde mein Mann mit Herzproblemen ins Krankenhaus eingeliefert - GsD nur Fehlalarm, er hatte einfach zu viel gemacht. Ich habe immer noch Angst, dass etwas nachkommt, aber alle Ärzte sind ausnahmslos der Meinung, dass das Problem hausgemacht war. Er muss mit seiner defekten Aortenklappe eben vorsichtiger sein und darf sich nicht übernehmen. Ein Austausch steht noch nicht an- zum Glück. Dazu funtioniert sie noch zu gut.
    Die Zeit in der Notaufnahme war schrecklich. Klar, hätten wir auch in eine andere Klinik gehen können, aber das ist die beste Herzabteilung weit und breit, also ...
    und dann kamen sie, die Bilder: Mama, wie sie ohnmächtig in der Notaufnahme zusammenbrach, weil sie so lange warten musste und die Situation nicht richtig eingeschätzt wurde, Papa im Rollstuhl, dann, als er im Bett zur Anästhesie gefahren wurde und vor Aufregung immer von Mamas Erkrankung sprach und nicht von seiner eigenen, die hoffnungsvollen Momente, die dann doch zu nichts führten...
    Ich kann dieses Krankenhaus einfach nicht mehr sehen. Selbst mein Mann sagte, er wolle dort nicht mehr hin (wenn auch aus anderen Gründen) und das, obwohl die Ärzte sehr gründlich bei ihm waren. Das ändert sich vielleicht in ein paar Jahren wieder, aber im Moment :evil:
    Seit der Entlassung spricht er sehr viel von Mama und Papa. Sie fehlen uns, darüber sind wir traurig, und doch ist es wie schon die ganze Zeit über: Das Gefühl eines inneren Friedens ist da, das Gefühl, dass alles gut ist. Ich versuche, das in Worte zu fassen, aber es gelingt mir nicht.
    Gestern war wieder so ein doofer Tag. Zusätzlich zu dem ganzen Stress momentan kamen mir in den unmöglichsten Situationen die Tränen. Warum ist das so? Kann das nicht passieren wenn man auch Zeit hat, damit fertig zu werden?
    Die Frau an der Tankstelle schaute auch ganz komisch - hab mich mit einer schlimmen Allergie, (die ich ja gar nicht habe :whistling: ) vor Erklärungen gedrückt.
    Hallo Bella,

    leider ist das so. Unser Kopf macht nur ganz selten Pause und schert sich keinen Deut darum, wann und wo oder ob es uns gerade passt oder nicht. Deine Ausrede allerdings ist gut. Sollte man sich vielleicht merken.

    Am Besten tief einatmen: "Jetzt nicht!". Das geht meistens. Schaffst du das?


    Liebe Grüße, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    Liebe Bella

    Bella69 schrieb:

    kamen mir in den unmöglichsten Situationen die Tränen. Warum ist das so?


    Weil dich die Trauer dann einfach überkommt. Das ist bei mir auch nach drei Jahren noch so.

    So eine gute Ausrede ist mir allerdings nie eingefallen.

    Liebe grüße mausi
    Meine Mama
    ED BSDK 05.02.2014
    28.07.1949 - 22.06.2014

    Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

    - Jean Paul -
    7 Monate ohne Mama - wie schnell die Zeit vergeht...und wie viel ist inzwischen passiert. Irgendwie geht alles weiter, es gibt auch viele schöne Momente- und beide sind im Herzen dabei.
    @Helmut es funktioniert. Danke.Ich glaube ich sollte wieder mit Yoga anfangen, das hat mir immer gut getan.
    Hallo Bella,

    wie Mausi schon sagte, es kommt immer wieder. Zeit spielt da nur eine untergeordnete Rolle.

    "Jetzt nicht!" heißt: später. Trauer lässt sich nicht verdrängen ohne Konsequenzen für uns. Im Umkehrschluss heißt das auch: manchmal müssen wir sie zulassen. Sonst frisst sie uns irgendwann auf. Ich kann mir vorstellen, dass Yoga dabei (egal in welche Richtung) eine gute Hilfe ist. Man sollte sich nur im Klaren darüber sein, dass dabei die Trauer auch mal mit voller Macht zuschlagen kann, dass es einem die Luft zum Atmen abschnürt. Ich habe ähnliches versucht und manchmal hat es mich in ein Häufchen Elend verwandelt. Doch selbst das hat mir im Endeffekt nicht geschadet. Im Gegenteil.


    Liebe Grüße, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    Das letzte stressige Wochenende vor dem Urlaub ist endlich vorbei. Jetzt noch ein bisschen arbeitstechnisch nachdieseln, am Samstag zur Hochzeit unserer Freundin gehen und dann ist erst mal Pause angesagt.
    Wir werden keine große Reise unternehmen- mir fehlt zum einen die Energie, die Sachen zu packen, sich auf den Weg zu machen und zum anderen sind unsere lieben Vierbeiner noch immer etwas durcheinander. Sie schauen immer wieder mal, ob meine Eltern nicht vielleicht doch da sind. Ich möchte ihnen momentan einfach keinen weiteren Abschied, wenn auch nur auf Zeit, zumuten. Am Ende haben wir dann zwei neurotische Katzen - nein danke.
    Wie wird es sein, irgendwann in ein wirklich leeres Haus zurückzukommen? Diese Frage macht mir auch Angst. Vielleicht noch ein Grund, weshalb wir nicht wegwollen. Aber das muss eigentlich auch nicht sein, denn wir wohnen so schön, können auch Tagesausflüge unternehmen. Mein Mann will unbedingt mal in den Opelzoo, ich war schon ewig nicht mehr im Palmengarten, ansonsten wollen wir am Rhein entlang radeln, vielleicht auch mal ins Elsass fahren - Beschäftigung gibt es genug. Und der Garten, der will auch gepflegt sein, man kann sich dort auch prima erholen. Hab schon angefangen, die restlichen Gartenmöbel rauszuholen, denn wir waren bisher nur auf Sparflamme unterwegs - Tisch, zwei Gartensessel, 2 Hocker und am Teich eine Bank. Für mehr war einfach noch keine Gelegenheit, aber jetzt kommen Liegen etc. zum Einsatz. Der Grill steht auch parat, schaun mer mal.
    Andere Eindrücke zu sammeln und zur Ruhe kommen - das wünsche ich mir für meinen Urlaub zu Hause. Deshalb wird hier noch in Ordnung gebracht, was vor dieser Zeit wichtig ist und der Rest muss warten bis danach. Hoffentlich klappt das auch.
    Habe schon wieder gebacken - dieses Mal für die Chorkinder einen Riesen-Marmorkuchen nach Omas Rezept. Bevor ich "papp" sagen konnte, war schon alles aufgegessen. Ich glaube, Ihr hättet Euch darüber gefreut, habt Ihr doch sonst immer für sie was gemacht: Plätzchen gebacken, Kulissen bemalt, dekoriert, ... sie vermissen Euch auch.
    Hallo Bella,

    es ist schwer und doch auch tröstlich, auf ihren Spuren zu gehen. Schön, dass du es versuchst.

    Meine Jüngste sagt, sie koche wie Mama. Naja, stimmt nicht so ganz. Meine Älteste sagt, sie koche auch das, was Mama gekocht hat, doch so, wie sie und ihre Familie es mögen.

    Bella69 schrieb:

    der Rest muss warten bis danach.

    Guter Gedanke.


    Liebe Grüße, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    Heute ist wieder so ein komischer Tag - unser erster Hochzeitstag ohne Euch. Ich weiß noch genau, unseren vierten hatten mein Mann und ich vergessen und Ihr habt uns ein Festmenu serviert. Wir wussten im ersten Moment gar nicht, warum...

    Ich mag gar nicht nachdenken, wie schnell die Zeit verfliegt. Drei Monate ist Papa fort, bei Mama sind es am Montag schon acht. Mein Urlaub ist auch fast vorbei, ich habe mich in Gardinien sehr gut erholt, fast so gut wie an der See. Aber es war auch wirklich viel, was im letzten Jahr auf uns eingestürmt ist, mit der Verarbeitung sind Göga und ich noch lange nicht fertig.

    Habe auch 5kg Johannisbeeren zu Marmelade verarbeitet und bisschen was Neues kreiert: Johann mit After Eight, Vanille oder Zimt. Hat riesigen Spaß gemacht. Schade, dass Ihr nicht mehr probieren könnt, das hätte Euch bestimmt geschmeckt. Allerdings musste ich mich für's Marmeladekochen erst mal im Internet schlau machen. Ich hab zwar häufiger zugeschaut, aber das habt Ihr ja immer zu zweit gemacht, da stand ich nur im Weg. Jetzt konnte ich niemanden mehr fragen, auch die Töpfe etc. musste ich erst mal suchen. Auch die Flotte Lotte hab ich erst entdeckt, als ich schon fertig war. Mann, Ihr fehlt einfach!
    Hallo Bella,

    Marmelade oder Gelee? Ich mag da lieber das Gelee. Bei Johannisbeeren. Dein Rezept hört sich lecker an. Würde ich gerne mal probieren :rolleyes: . Ihr hattet sicher großen Spass beim Zubereiten, Probieren und Kochen. 5 kg? Da gibt es gehörig zu zupfen ^^ Eine Heidenarbeit.

    Es zwickt immer so ein bisschen an solchen Tagen. Es sind doch bestimmt auch sehr schöne Erinnerungen an fröhliche Feste? Trotz "Schade, dass wir nicht mehr zusammen feiern können!"

    Euch beiden einen herzlichen Glückwunsch zum Hochzeitstag und mögen noch viele und glückliche folgen.


    Liebe Grüße, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    Hallo Helmut,

    Vielen Dank für die Glückwünsche. Wir peilen erst mal die Silberne an, das sind noch sechs Jahre :) und ja, die schönen Erinnerungen überwiegen, vor allem, wenn man sich ins Gedächtnis ruft, dass beide sehr schwer krank waren.

    Die 5kg waren schon viel Arbeit und Marmelade wollte ich nicht machen. Auf Entsaften hatte ich keine Lust, also den ganzen Kram durch ein Sieb streichen und den Saft mit Gelierzucker aufkochen. Zimt und Vanillemark kam gleich dazu, das After eight bzw. Die Aldi-Variante habe ich zerkleinert und zum Schluss dazugegeben.

    Noch einen schönen Tag
    Bella

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Bella69“ ()

    Befinde mich gerade in einem Loch. Gestern war ich zur Bürgerversammlung der Windkraftgegner, weil fast vor der Haustür ein Windpark entstehen soll. Ich habe den Vormittag damit verbracht, die dort vorgestellten Argumente zu verifizieren und musste feststellen, dass alles eigentlich noch viel schlimmer ist. Da wurden und werden Fakten zurechtgebogen, nur damit ein vermeintlich profitabler Windpark entstehen kann. Das nahegelegene Wasserschutzgebiet wurde einfach ingoriert - ist ja 2km weit weg, also kann man bauen. Studien, welche die Gefährdung der Greifvögelpopulation, insbesondere des Mäusebussards, wissenschaftlich dokumentieren werden als falsch deklariert, und und und. Abgesehen davon, dass wir im Garten so ein Ding praktisch vor der Nase hätten und die ganzen Geräusce ertragen müssten, finde ich die Vorgehensweise einfach unerhört. Ich werde versuchen, meinen Frust sinnvoll zu nutzen, aber momentan finde ich das äußerst schwierig. In drei Tagen wäre Papas Geburtstag; ich hatte mir das ganze Wochenende frei genommen, damit wir auch ohne Mama einen schönen Tag erleben können und nun ist er auch nicht mehr da. Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich mir das Wochenende mit Arbeit zugeknallt, nur um nicht an den Geburtstag zu denken. Jetzt stehe ich vor diesen Tagen, noch völlig leer und weiß nicht was ich machen soll. Die Fragen zur Windkraft und unserer weiteren Vorgehensweise hätte er auch mit Sicherheit beantworten können. Jetzt stehe ich da... mein Göga ist diesbezüglich leider keine große Hilfe.
    Mir ist gerade danach, mich zu verkriechen, die Welt auszublenden, aber das ist keine Lösung. Arbeit am und im Haus wäre eigentlich auch genügend da, aber ich mag irgendwie nicht. Jetzt laufe ich mit einem schlechten Gewissen herum, weil ich mich zu nichts aufraffen kann.
    Hoffentlich ändert sich das bald.
    Hallo Bella,

    Bella69 schrieb:

    Hoffentlich ändert sich das bald.

    ein schlechtes Gewissen musst du nicht haben. Solche Momente gibt es. Wann es aufhört? Kann lange dauern, weil sie immer mal wieder kommen.

    Ich frage mich nur in der aktuellen Diskussion, wo denn all der Strom herkommen soll, wenn jetzt auch die Elektrifizierung des Straßenverkehrs so vehement voran getrieben werden soll? Ich weiß, gute Frage. Gäbe es nur noch Elektroautos, so müsste die Stromerzeugung nahezu verdoppelt werden. Das ist jetzt kein sogenanntes Totschlagargument, mit dem man jeden Standort für Windkraft rechtfertigen könnte. Sei es Solarenergie, Wasserkraft oder Windkraft ... es wird immer stichhaltige Gegenargumente geben. Ich weiß jedoch nicht, ob man die alle immer und überall wird bedienen können. Diese 3 Arten der Energieerzeugung sind nicht wirklich so umweltfreundlich, wie immer behauptet wird.

    Liebe Grüße, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    Lieber @Helmut,
    bisher hatte ich zum Thema Windkraft eine sagen wir mal neutrale Meinung. Die Notwendigkeit, auf Alternativenergie zu setzen, ist unbestreitbar. Ich rege mich auch nicht auf, dass hier ein Windpark geplant ist, sondern über die Art und Weise, wie dabei vorgegangen wird. zunächst einmal wurden alte Geodaten verwendet und somit wäre der Park zu dicht an bebautem Gebiet, weil der Mindestabstand nicht eingehalten wurde. Das geplante Terrain war früher Vogelschutzgebiet und wurde kurzerhand umdeklariert - macht ja Sinn, weil man zuvor alles versucht hat, damit Bussard und Rotmilan hier wieder heimisch werden. Der Rotmilan hat so genannte Ausweichflächen an der Aar bekommen- geschätzte 70km Luftlinie entfernt, der Bussard scheint egal zu sein. Außerdem gibt es hier zahlreiche Naturdenkmäler, die durch den Bau zerstört würden, weil Zubringerwege eingerichtet werden müssen und die laut Plan durch diese Denkmäler hindurch gehen. Das angrenzende Wasserschutzgebiet interessiert nicht, ist ja außerhalb des Geländes. Dass aber durch die Betonklötze, die in die Erde eingelassen werden, massiv in den Grundwasserhaushalt eingegriffen wird, ist uninteressant. Das Wasser bleibt ja da, wo es sein soll. :huh: *Ironie aus* Ich werde den Gedanken nicht los, dass hier auf Biegen und Brechen was hingestellt werden soll, nur um vermeintlich Profit zu machen. Dagegen wehre ich mich.
    Andere Dinge wie Speichermöglichkeiten des Stroms, unzuverlässige Stromerzeugung (Wind weht nicht immer ;) ) etc. sind Probleme, die bei jeder Anlage auftreten und zu denen man sich sicher auch eine Meinung bilden kann. Dazu fehlen mir einfach genügend Informationen - den alleinigen Aussagen der Windkraftgegner traue ich nicht.
    Über ein Argument des vermeintlichen Betreibers habe ich mich allerdings sehr geärgert: Bei Windkraftanlagen besteht bei Minustemperaturen die Gefahr des Eiswurfs. Weil die Anlage zu dicht an der LAndesstraße steht, müsste diese gesperrt werden (und die Anwohner einen Umweg von 30km fahren, um der Gefahr zu entgehen). Man könne die Straße ja trotzdem befahren, das Risiko sei äußerst gering. Die Gefahr, an Krebs zu erkranken, sei wesentlich höher. Mir ist dazu nichts eingefallen, außer dass der Blutdruck in die Höhe schnellte. Mein Göga hat mich am Arm gezupft und verhindert, dass ich angefangen hätte, den Mann zu beschimpfen. - wäre völlig unsachlich geworden.

    Aus dem Loch bin ich erst mal wieder raus - aber der 6. ist noch nicht vorbei.
    Liebe Grüße
    Bella
    Hallo Bella,

    ne, so darf es nicht laufen. Da gebe ich dir vollkommen recht. Und dann dieses Argument mit dem Krebs?? Hallo?? Ich kann da deine Wut verstehen. Ich weiß nicht, ob man mich da hätte bremsen können.


    Eine gute Nacht, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    Lange nichts mehr geschrieben. Das Leben plätschert so vor sich hin mit kleinen und mittleren Katastrophen - Keller vollgelaufen, Teich fast leergelaufen, weil die Pumpe verstopft war und das Wasser sich einen neuen Weg gesucht hat, der nicht in den Teich führt. Zwischendurch Nächte mit blöden Träumen von den Eltern, Arztbesuch - Göga muss am grauen Star operiert werden.
    Aber es gab auch viele schöne Momente, welche die schlechten überdecken. Ich stelle fest, dass ich vieles nicht mehr so wichtig nehme - was bedeutet schon ein vollgelaufener Keller, wenn man den Schaden beheben kann? Die Sache mit dem Teich ging mir näher - war es doch Papas Kreation, ein Stück seines Lebensinhaltes. Was hätte ich wohl gemacht, wenn die Ursache nicht so leicht zu beheben gewesen wäre? In meinem Kopf war schon wieder Kino: Vielleicht ist ein Ast abgebrochen und hat die Folie beschädigt? Oder sonst was? Der Teich ist untrennbar mit Papa verbunden, wenn ich mich auch von ihm hätte verabschieden müssen... ich mag nicht daran denken. Dabei ist es doch nur eine Sache, die man ersetzen oder auch zuschütten kann. Bringt Papa auch nicht wieder. Bisschen wirr, oder?
    Hallo Bella,

    nö, finde ich nicht. Das ist die Normalität in der Trauer. Es gilt viele abgerissene Fäden wieder miteinander zu verbinden, was nicht immer gelingt. Einen kompletten Schnitt mit der Vergangenheit und damit mit unseren Verstorbenen, den gibt es nicht. Ist doch schließlich auch gar nicht gewollt. Versöhnung wäre besser.


    Liebe Grüße, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    Am Wochenende war Kirchweih. Beim gestrigen Ausklang habe ich mit vielen Menschen gesprochen, die meine Eltern vermisst haben. Letztes Jahr waren sie noch dabei; Mama hat sich noch um die Kuchen gekümmert und sie aufgeschnitten. Da wollte nie jemand ran, nach dem Motto, warum selbst säbeln, wenn eine Fachkraft da ist? Sie war dieses Jahr wohl immer präsent bei der Fragestellung, wie man da am besten vorgeht, aber ich muss sagen, die Kuchenstücke waren in diesem Jahr genauso schön geschnitten ;)

    Viele machen sich Gedanken, wie wir uns in dem "leeren" Haus fühlen, das ist eine Frage, die nicht so leicht zu beantworten ist. Eigentlich gut, es tut nicht mehr so weh, die Räume zu betreten, in welchen hauptsächlich sie gewohnt haben. Es ist fast so, als wären sie in Urlaub und kämen bald wieder. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass sie wirklich weg sind. Sie fehlen, klar, aber sie sind zusammen, das tröstet und so komisch es klingt, es macht jetzt die Sache leichter, nachdem der erste große Schmerz vorbei ist.
    Habe nach langer Zeit auch eine alte Schulfreundin wiedergetroffen - wir haben uns lange unterhalten, auch über Seebestattung etc. - sie kannte das nicht und war neugierig, wie das funktioniert. Obwohl wir lange keinen Kontakt hatten, hatte ich das Gefühl, dass sie zu den wenigen gehört, die nachvollziehen können, was in mir vorgeht.
    Hallo Helmut,

    Du hast recht, damit kann man leben - ich glaube sehr gut sogar. Manchmal denke ich, mein Mann und ich kommen besser mit der Situation zurecht als unser gesamtes Umfeld. Vielleicht liegt es daran, dass wir bis zum Ende dabei sein konnten, die anderen nicht.
    Es ergeben sich auch familiär neue Konstellationen. Ich habe plötzlich wieder sehr engen Kontakt zu meinem Cousin, obwohl wir in den letzten Jahren nicht so viel miteinander zu tun hatten. Jeder war eingespannt in seinem Alltag und jetzt, wo wir alle Waisen sind, rücken wir wieder enger zusammen.

    Alles ist im Fluss, und das ist schön.

    Noch einen schönen Tag und liebe Grüße

    Bella
    Heute wäre der 49. Hochzeitstag. Wie gerne hätten wir ihm nächsten Jahr die Goldene gefeiert, aber es ist anders gekommen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es Papa ginge, wenn er noch leben würde. Wahrscheinlich ganz schrecklich. Deshalb bin ich fast zufrieden, dass die beiden jetzt irgendwie zusammen sind. Es fühlt sich richtig an. Seltsam, und dann doch wieder nicht.Kann das nicht besser ausdrücken ....
    Liebe @Bella69

    Ich denke es bedarf keinerlei weiterer Erklärung, ich verstehe was du meinst.

    Allerdings dachte ich damals auch, das mein Vater den Tod von Mama nicht verkraften wird. Hinzu kam, das meine Mama vier Wochen nach ihrem Tod 65 geworden wäre und die beiden auch ihren 35. Hochzeitstag gefeiert hätten. Ja es ging Papa und uns allen sehr schlecht an diesem Tag, aber der Zusammenhalt in der Familie hat uns aufrecht gehalten. Über den frühen Verlust wird er jedoch nie hinweg kommen, sagt er auch selbst.

    Deine Eltern sind zusammen, ich weiß das es für dich ein Trost ist und dennoch ist es so verdammt schwer die Eltern so kurz hintereinander zu verlieren.

    Drück dich mausi
    Meine Mama
    ED BSDK 05.02.2014
    28.07.1949 - 22.06.2014

    Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

    - Jean Paul -
    Irgendwie habe ich das Gefühl, ich müsste hier etwas schreiben. Aber ich weiß nicht so recht, was. Die ganze Zeit über hatte ich so viel zu tun, dass ich gar nicht zum Nachdenken gekommen bin. Zwischendurch habe ich ein paar von den elterlichen Dingen verschenkt an Menschen, von denen ich wusste, dass sie sich darüber freuen und etwas damit anfangen können. Die vielen Sammeltassen zum Beispiel habe ich an einen Laden gegeben, die daraus Etageren machen. Das sieht richtig toll aus. Zwei der Gedecke möchte ich behalten und lasse mir daraus ebenfalls Etageren machen. Dafür habe ich Verwendung und gleichzeitig eine Erinnerung.
    Im November sammelt die Gemeinde Kleidung - bis dahin werde ich die Kleiderschränke ausmisten. Ich glaube, ich bin jetzt so weit, dass ich damit umgehen kann. Wenn die Kleiderschränke leer sind, werden wir auch die Schlafzimmermöbel entsorgen. Ich möchte sie nicht behalten und es wird Zeit, den Raum einer anderen Nutzung zuzuführen. Bei dieser Aktion müssen auch die Fenster erneuert werden, das wird ganz schön teuer, denke ich. Mal sehen, was der Kostenvoranschlag sagt...
    @mausi69 verspäteten Dank für den Drücker
    Hallo Bella,

    man kann nicht immer so genau beschreiben, was einem so an Gefühlen oder Gedanken durch den Kopf gehen. Macht nichts. Zu gegebener Zeit schafft sich das alles seinen Raum.

    Schön, dass du anderen Menschen eine Freude machen konntest. Besser kann man das nicht machen und es fällt leichter, sich von diesen Dingen zu trennen. Auch, dass du dir selber ein Geschenk gemacht hast. Ich hoffe, du hast noch lange deine Freude daran. Unsere Lieben sind ja nicht weg. Sie sind nur in einem anderen Raum. Da bin ich mir sicher.


    Liebe Grüße, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    Ich werf mal ne Frage in den Raum, weil ich das nicht verstehe und nicht den Mut habe direkt nachzufragen. Eine meiner Tanten sagte mir heute, sie sei unglaublich wütend auf Mama, weil sie sich so einfach vom Acker gemacht habe. Die ganze Familie bräche nun auseinander und nichts sei mehr wie früher.
    Hm. Auseinanderbrechen würde ich nicht sagen, es ist halt alles anders.
    Ist das mit der Wut so? Kann das sein? Ich habe zwar in zahlreichen Büchern gelesen, dass Wut auch eine der Trauerphasen sein soll, habe das aber nie selbst erlebt. Mein Kopf sagt mir, dass das in Ordnung ist, aber irgendwie verstehe ich das nicht. Liegt es daran, dass ich das Gefühl habe, dass unsere Lieben noch bei uns sind? Ich bin auch sicher, dass wir uns irgendwann wiedersehen werden und dass sie bis dahin auf uns aufpassen. Mama dachte ja immer genauso und in der Nacht bevor sie starb, rief sie nach ihrer Mutter. Als ich zu ihr kam, um ihr die Medikamente zu geben, sah sie an mir vorbei und sagte mit einer Kleinmädchenstimme (so ganz anders als sonst) Papa? Bin mir sicher, dass Oma und Opa da waren.
    Und Papa sagte zu unserer Pfarrerin, dass er jetzt gehen müsse, Mama habe ihn gerufen.
    Das können keine Halluzinationen gewesen sein. Wieso auch?
    Wut hat da keinen Platz, oder?
    Verwirrte Grüße
    Bella
    Hallo Bella,

    oh doch. Hat sie. Weißt du, als der- oder diejenige, die weiter leben muss, hat man plötzlich natürlich auch Probleme und Sorgen im Umfeld oder Aufgaben zu übernehmen, die man vorher nicht erledigen musste bzw. die man vorher gar nicht kannte, weil eben unsere Verstorbenen sich darum gekümmert hatten. Sie hinterlassen z.B. auch Lücken im Familiengefüge, der Familienhierarchie. Diese Aufgabe könnte vielleicht eine Familientradition sein (ein Fest z.B.), welche immer sie ausgerichtet hat. Wenn das niemand übernimmt, zerbröckelt dieses Gefüge. Andere Aufgaben können für den Einzelnen zu einer großen Last werden. Vielleicht die Pflege, die Sorge um jemand in der Familie?

    Es gibt da tausend Dinge. Bei mir war das auch so, als meine Frau verstarb. Von heute auf Morgen musste ich ALLE Entscheidungen alleine treffen. Niemand da zum Reden oder Diskutieren. Niemand, dem ich eine Entscheidung einfach überlassen konnte. Niemand, der mich auf einen Fehler aufmerksam machte. Ein riesiger Trümmerhaufen lag vor mir, der nicht nur mein Leben betraf, sondern auch in einschneidender Weise das anderer. Oft stand ich mit dem Rücken zur Wand und am Ende meiner Kräfte.

    Dass dann auch mal der Gedanke durch den Kopf schießt: "Du hast es gut. Du hast dich verdrückt und mich in der Sch... sitzen lassen!" Das ist nur normal. Mach dir keinen Kopf deswegen.

    Nicht der Gedanke ist böse. Erst das Handeln macht ihn dazu.


    Liebe Grüße, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    Liebe Bella,

    Wut ist manchmal auch ein Ausdruck von Angst. Aber auch von Traurigkeit. So wie manch Psychotherapeut die Aussage tätigt, dass Galgenhumor bei manchen auch ein Ausdruck von unterdrückter Aggression sei.

    Wie schon Helmut schreibt, so gibt es viele Möglichkeiten warum sich Deine Tante "betrogen" fühlt. Nicht nur, weil sich eine Tradition vielleicht nicht mehr wiederholt oder eine bisher von Deiner Mutter übernommene Handlung jetzt von jemanden anderen übernommen werden müsste, aber bisher sich in ihren Augen noch keiner gefunden hat diese fortzuführen. Auch können Träume, Hoffnungen sich in Luft aufgelöst haben, genauso wie lieb gewonnene Gewohnheiten nicht mehr ausgeübt werden, weil ein Teil davon weggefallen ist. Und wenn es nur das regelmäßige Kaffeetrinken war. Es müssen nicht immer "große" Dinge gewesen sein, lieb gewonnene Kleinigkeiten sind es eher.

    Du wirst merken, wann die "Zeit reif" ist, um mit ihr zu sprechen was für sie das Verlieren ihrer Schwester bedeutet. Wo bei ihr das fehlende Stück zu finden ist. Manchmal kann so ein Gespräch auch zu einem Puzzlestück werden :)

    viele Grüße
    JF
    Hallo zusammen,
    im Bezug auf meine Tante hat sich ein bisschen was ergeben. Sie wird im nächsten Monat 80, hat die klare Ansage gemacht, dass sie keinesfalls feiern möchte, weil nur noch die Hälfte ihrer Geschwister da sind. Finde ich völlig in Ordnung. Fast hatte ich das Gefühl, dass sie sich entschuldigen möchte, dass sie keine große Feier veranstaltet und da habe ich ihr deutlich gesagt, dass es IHR Tag sei und den solle sie gefälligst so verbringen, wie sie das möchte. Alles andere sei unwichtig. Daraufhin war eine Zeit lang Stille in der Leitung und ich hatte schon befürchtet, dass sie auflegen wird
    . Und dann fing sie an zu reden, wie sehr sie ihre Geschwister vermisst und dass alles ungerecht ist. Und, ganz schlimm im Bezug auf ihren Geburtstag, dass in ihrer Wohngegend die NAchbarn schon darauf warten, dass morgens ein Sektempfang mit Lachsschnitten etc. gegeben wird, der dann nahtlos ins Kaffeetrinken übergeht. Sie selbst geht nur äußerst selten zu diesen Veranstaltungen, sondern gratuliert ggf. extra. Wie auch immer, ich konnte sie bestärken, die Feierei sein zu lassen, und sie soll sich doch bitte bitte nicht dafür entschuldigen. Ich hoffe, sie macht das auch so.
    Abgesehen davon: Ihr Mann schenkt ihr eine Reise; davon weiß sie noch nichts. Finde ich super.

    Ansonsten habe ich mir zum x-ten Mal die Frage gestellt, weshalb Katholiken eigentlich so viele Gedenkgottesdienste und Messen für Verstorbene bestellen. Das Konzept verstehe ich nicht so ganz. Was soll das bringen? Der Toten gedenkt man doch ohnehin, wer mag, betet für sie (auch ohne Ansage), also...? Am Samstag bin ich trotzdem hingegangen, weil die liebe Familie einen "für uns alle" bestellt hatte. Und nachher war der Ärger groß, weil die Namen nicht verlesen wurden - Kommunikationsfehler.
    Also, ich weiß nicht, ist das schlimm, dass Anna, Berta, Cäsar, Dora nicht genannt werden, auch wenn jeder weiß, dass sie in die Gebete eingeschlossen werden? Nun, da bin ich im HErzen wohl zu sehr Protestant, wenn auch nicht von Geburt an. Mein Mann geht künftig jedenfalls nicht mehr mit, ich überlege noch, wenn, dann nur Mama zuliebe, weil ihr das immer wichtig war.

    Leicht verwirrte Grüße
    Bella
    Liebe @Bella69

    Zum 80. Geburtstag deiner Tante kann ich ähnliches Verhalten meiner Tante berichten.

    Meine Mama war die jüngste von drei Schwestern.

    Die eine Schwester wurde 6 Wochen nach Mamas Tod 70 und es war eigentlich eine große Feier geplant. Sie konnte das mit ihrem Gewissen und ihrer Trauer um ihre kleine Schwester aber nicht und daher sagte sie kurzer Hand diese Feier ab und ging im engsten Kreis nur Essen.

    Mir gegenüber hatte sie dennoch ein extrem schlechtes Gewissen. Ich hatte damals auch gesagt begehe diesen Tag wie du es möchtest.(sie lebt übrigens im tief katholischen Bayern)

    Beide Schwestern leben heute noch, erfreuen sich den Umständen entsprechend guter Gesundheit und können bis heute nicht verstehen warum das Küken (Mama) vor ihnen gestorben ist.

    Zum anderen Thema was die totenmesse ect angeht kann ich nichts sagen, bin ich noch nie mit in Berührung gekommen.

    Liebe grüße mausi
    Meine Mama
    ED BSDK 05.02.2014
    28.07.1949 - 22.06.2014

    Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

    - Jean Paul -