Ketogene Ernährung Chance oder Flopp

    Ketogene Ernährung Chance oder Flopp

    Hallo,
    meine Frau hat Krebs. Sie steht jetzt nach der Entfernung der Brust vor der Bestrahlung. Auf Nachfrage, was kann man machen, um das Risiko ein rezidiv zu verhindern, hieß es , nichts. Man sollte nicht rauchen und nicht trinken und sich täglich bewegen und gesund ernähren. All das macht meine Frau schon immer und es ist gekommen.
    Dies stellt m.M. keine positive Zukunftsprognose dar. So bin ich auf Berichte gestoßen, die die Theorie vertreten, dass Krebszellen hauptsächlich als Sprit Glucose brauchen und davon sehr viel. Ernährt man sich ketogen, d.h. max. 30-40 gr. Kohlenhydrate am Tag verteilt auf drei Mahlzeiten, geht der Körper in die Ketose über, bezieht seine notwendige Energie aus der Umwandlung von Fett in die Zellnährstoffe, die allerdings nicht von den Krebszellen genutzt werden können. Damit soll ein mögliches Wachstum verlangsamt oder gar verhindert werden.
    Ws haltet ihr davon? Wir machen das jetzt seit 5 Tagen, sehen dass es schwierig ist, aber durchaus machbar. Viele Speisen sind sogar geschmacksintensiver, Das größte Problem ist sehr eingeschränkt Obst essen zu können. Wir nehmen daher VitaminC extra ein. Ansonsten vermissen wir eigentlich nichts schmerzlich. Was haltet ihr davon, gibt es tatsächliche wissenschaftliche Untersuchungen, die für oder gegen eine ketogene Ernährung sprechen. Was gibt es für Alternativen auf wissenschaftlicher Basis. Ich hoffe auf einen regen Austausch .
    Viele,Grüße
    Petzi :)
    Ja es gibt Theorien, es gab in Würzburg Studie und auch schon Vorträge bei Mamazone Augsburg von einer Betroffenen Frau.
    Ich selbst habe jetzt nach 10 Jahren Knochenmetastasen und hab in meiner Verzweiflung auch einen Versuch von Kohlenhydrat freier Ernährung versucht, es sollen sogar nur 20 g Kohlenhydrate sein. Ich habe sebst Brot gebacken usw.
    Als Nebenwirkung hatte ich starke Verstopfung und so fürchterlich Lust auf normales Brot und eine Kartoffel. Nach 4 Wochen habe ich wieder Dinkelbrot Roggenbrot dazu genommen. Zucker vermeide ich, mache z.b Joghurt selbst und viel Gemüse, aber z.b roter paprika und Karotten haben eigentlich schon zuviel. Nur Lebensmittel mit 5g KH pro 100g und das ist schwer.
    Ich halte es nicht immer durch, aber auch Vorsicht es wird auch versucht damit Geld zu machen.
    Es gibt aber so viele Möglichkeiten wie guten Vit. D Spiegel, Mistelspritzen, Selen, manche nehmen Aprikosenkerne oder Aleovera. Ich mein deine Frau findet ihren Weg, etwas Unterstützung durch Heilpraktiker vielleicht gut aber jeder ist andererMeinung.
    Grüße Marion
    Hallo Petzi,

    da bist Du ja.

    Um es vorweg zu nehmen: bei der ketonen Ernährung soll man <10 g Kohlenhydrate zu sich nehmen.
    Mit 20 g oder gar 30g kommt man nicht in die gewünschte Ketose.
    Insgesamt sieht es so aus: >70g Fett, >20g Eiweiß und <10g Kohlenhydrate.

    Ich habe mich in den vergangenen Wochen ausführlich mit dem Thema befasst.

    Tatsache ist: Krebszellen können nicht nur Glukose verwerten, nein, sie können genauso gut Proteine und sogar bevorzugt Fette verwerten. Diese besonders gern.

    Bei dem ganzen Thema hatte ich einen Vortrag, den ich 2010 in Augsburg beim BK-Kongress gehört hatte, im Ohr: Fette sind das Problem bei BK, nicht Glukose.
    Krasser Widerspruch zur ketonen Ernährung.

    Also machte ich mich auf die Suche und fand gute Artikel von Dr. Jacob dazu.
    Verfechter der ketonen Ernährung ist Frau Prof. Ulrike Kämmerer.

    Dr. Jacobs hat ihr Buch und ihre Message auseinander genommen.
    Wen es interessiert:

    Dr.med. Ludwig Jacob: Krebszellen mögen Zucker, aber noch mehr lieben
    sie Fett und tierisches Eiweiß (2012); Ketogene Diät gegen Krebs –
    mehr Schaden als Nutzen? (2014);
    thieme-connect.com/products/ej…ml/10.1055/s-0032-1314699 (2012);
    drjacobsweg.eu/wp-

    Was ich besonders irritierend finde, ist der extrem hohe Konsum tierischer Produkte bei der ketonen Ernährung.
    Wie sonst soll ein so hoher Eiweißbedarf gedeckt werden?

    Sämtliche Gesellschaften für Ernährung distanzieren sich weltweit von der ketonen Ernährung.

    Wenn man sich in asiatischen Ländern mit geringer BK-Rate anschaut, dann fällt auf, dass dort besonders viel Kohlenhydrate verzehrt werden.
    Allerdings nicht die kurzkettigen wie in Brötchen, Kuchen und Süßkram enthalten, sondern die langkettigen aus Hülsenfrüchten und Gemüsen und Reis (ist eher nicht langkettig)

    Auch spielen Milchprodukte dort keine Rolle, die Leute haben fast alle eine Laktoseintoleranz.
    Fleisch ist eher unerschwinglich, Fisch gibt es also eher.

    Daraus könnte man schließen, dass die mediterrane Ernährungsform zu bervorzugen ist, welche auch von den Ernährungsgesellschaften empfohlen wird.

    Wenig Fleisch, wenig Milchprodukte, viel Gemüse, Fisch, hochwertige Öle (Leinöl, Olivenöl), sek. Pflanzenstoffe, Hülsenfrüchte (weisse Bohnen liefern viel hochwertiges Eiweiss!), gelegentlich ein Glas Rotwein.

    Wir haben hier im Forum eine Userin, die praktizierte diese Ernährungsform ein paar Wochen lang und reduzierte damit ihr Gewicht ganz ordentlich.
    Aber- sie berichtete mir kürzlich, sie bekam davon "Schwindelanfälle", die Leberwerte stiegen abnorm an. Ammoniakvergiftung?

    Also, ich halte nix davon und der "Hype" darum erinnert mich ein wenig an den "Methadonhype"- soviel auch zu der jungen Frau, die so brav ihren Vortrag bei BK-Kongress in Augsburg hielt. Ich habe da so meine Zweifel... :whistling:
    Liebe Grüße, Jule

    "Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will."
    Albert Schweitzer
    Hallo, Petzi,
    der Begriff "ketogene Ernährung" begegnete mir erstmals in dem Film "Solange es noch Hoffnung gibt" (First do not harm) mit Meryl Streep in der Rolle als Mutter eines schwer epilepsiekranken Kindes. Dieses Kind ist gängigen modernen Methoden der Epilepsietherapie nicht zugänglich, so dass die Eltern sich für ihr Kind schließlich zu einem begleiteten, ärztlich kontrollierten - und im Film hilfreichen - Therapieversuch mit ketogener Diät entschließen.

    In einem ausführlichen Artikel zum Thema heißt es denn zum Stichwort Epilepsie u.a. auch:
    "Seit 2014 beschreibt eine S1-Leitlinie der Gesellschaft für Neuropädiatrie zur ketogenen Diät bei bestimmten Formen der Epilepsie, grundlegende Anwendungsgebiete und Indikationen, unterschiedliche Methoden und Durchführung, sowie Einzelberichte bei nicht etablierten Indikationen und absolute wie auch relative Kontraindiaktionen."

    Wie gesagt, dabei handelt es sich zunächst nur um eine S1-Leitlinie:
    awmf.org/leitlinien/awmf-regel…stufenklassifikation.html

    Ganz anders dagegen sieht die Einschätzung in demselben Artikel zur ketogenen Diät bei Krebs aus. Die Ausführungen decken sich im wesentlichen mit den Aussagen von @Jule66. Ich verlinke den gesamten Artikel:

    psiram.com/de/index.php/Ketogene_Di%C3%A4t
    Hallo vielen Dank,
    hab ein bisschen Probleme hier etwas zu Scheiben, da ich mit dem iPad schreibe und längere Texte irgendwie nicht zugelassen werden. So ist mein ganzer Kommentar weg.

    Also muss in Blöcken schreiben.

    meine Frau hat sich in der Vergangenheit fast vegetarisch ernährt mit der Ausrichtung zur mediterranen Küche. Sie hat Idealgewicht, geht mit dem Hund spazieren und zweimal in der Woche Fitness
    Damit entsprach ihre Ernährung genau den Vorgaben, dennoch hat es Sie gleich zweifach erwischt.
    Im Gegensatz zu mir Adipositas, Fettleber, Büromensch, gerne Wein und Bier und immer Attacke.
    ich sollte daher an Ihrer Stelle stehen, ich würde es sicherlich auch besser verkraften. Aber so ist es halt.

    Auch wenn wir die ketogene Diät versuchen, so nicht im Sinne der Befürworter. Wir reduzieren die einfachen Kohlenhydrate, achten auf die Kalorienmenge. Allein in zwei Wochen habe ich bereits 6 kg abgenommen. Meine Frau kommt langsam auf ihr Idealgewicht.
    aber die Ausführungen vom Dr. Jakobs sind nachvollziehbar. Wir werden also die Ernährung nochmals umstellen, Obst und Gemüse als "gute Kohlenhydrate" als Hauptbestanteil der Mahlzeiten ansehen und Fleisch und Fisch als Ergänzung sehen, letztendlich wie immer. Nur die einfachen Kohlenhydrate werden wir weglassen ? Ketogene Sonntagsbrötchen bestehen z.B. Nur aus Mandelmehl, Leisamenmehl, Eiweiß und Wasser und haben wenig Kohlenhydrate.
    aber auch das ist nicht fest. Vitamin c und D werden wir noch besorgen. Kalium scheint auch ein wichtiger Baustein zu sein, die Entlastung der Leber ist wohl auch wesentlich. Artischocken sollen da gut sein aufgrund der Bitterstoffe. ( mediteran) .

    Schön wäre es, wenn man eine Liste zusammenstellen könnte, was gesichert ist, was sich andeutet und was ins Reich der Mythen gehört.

    Viele Grüsse
    Hallo Petzi,

    auch ich habe mich viel mit Ernährung auseinandergesetzt.
    Die Spezies "Mensch" ist für das essen von Fleisch, Fisch und Gemüse eingerichtet. Wir sind gehalten unsere Nahrung abwechslungsreich (Ernährungspyramide).

    Über die Ketonische Ernährung kann ich nur soviel sagen, dass ich von speziellen Diäten nichts halte, es sei denn auf
    medizinisch begründeter Anweisung des Arztes.
    Wenn ich bei Dir lese, dass der Apotheker zugleich Triathleth ist, bezweifel ich seine "Neutralität".
    Was für seinen Sport gut sein mag, kann für Euer Krebs Problem sehr schädlich sein.

    Man sollte das eigene Immunsystem unterstützen und nicht durch Mangeldiäten Kraft entziehen.

    Ich hoffe, dass ich Dir neutral genug meine Meinung (Ablehnung), deutlich machen konnte.

    Ich wünsche Euch die bestmögliche Entscheidung.

    Lieben Gruß
    Wolfgang
    Hallo Petzi,

    ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Bei der ketogenen "Ernährung" wird auf Fett gesetzt. Nun wird Dein Freund an Gewicht zugesetzt haben, das er mit Sport wieder verlieren wollte. Sport ist nachweislich gesundheitsförderlich. Wenn man nicht gleich wieder übertreibt. Sportler müssen auf Kohlenhydrate setzen. Also hat er doch im Grunde dem Ketogenen die rote Karte gezeigt und macht jetzt genau das Gegenteil. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und ausreichend Sport ist das Beste gegen alle möglichen Krankheiten. Hier im gesamten Forum findest Du mehr als genug Menschen, die alle kein "Krebspotential" hatten (Nichtraucher, kein Alkohol, ausgewogene Ernährung, moderaten bis Leistungssport) und trotzdem erkrankt sind.


    viele Grüße
    JF
    Hallo Petzi,

    das meiste was Du in EUREN Ernährungsplan aufnehmen wollt, kann eine ausgewogene Ernährung abdecken. Statt sich überall etwas herauszupicken: Wie wäre es mit einem Besuch bei einem Ernährungsberater? Der oder die würde auf den jeweiligen von Euch eingehen und für den jeweiligen die Defizite bzw Überhänge feststellen können. Denn es scheint ja so zu sein, dass Ihr - trotz gleicher Küche - unterschiedlich körperlich darauf reagiert. Bei Deiner Frau würde aufgrund der Krebserkrankung und bei Dir mit den Risikopotential die Krankenkasse einen Zuschuss leisten. Der Hausarzt stellt eine Verordnung aus, die Krankenkasse genehmigt es im Vorfeld und kann ggf sogar schon Empfehlungen aussprechen und dann Termine vereinbaren. Erstgespräch, dann eine Woche aufschreiben was man so alles isst und trinkt, das wird ausgewertet und dann wird eine Empfehlung ausgesprochen und besprochen. Dann hättet Ihr jeweils eine gute Basis auf der man aufbauen kann. Überall mal reinschnuppern und da was probieren und hier mal stochern und da mal was vom Hörensagen einwerfen ist und bleibt ungewiss, kann sogar gefährlich werden. Mir hat ein Heilpraktiker eine Autoimmunkrankheit ausgelöst, die wiederum laut allen behandelnden Ärzten den Grundstock / Auslöser für meinen Krebs gelegt hat. Von daher bin ich was das anbelangt sehr vorsichtig und erst einmal misstrauisch. Aber ich vertiefe mich dann auch in die Materie, um zu wissen wieso weshalb warum. Und lehne nicht im Vorfeld ab, sondern habe mir da einen Rundumblick verschafft ,den viele sich ersparen. Und Du siehst auch hier in diesem Thread, mit dieser Vorgehensweise stehe ich nicht alleine da. Austausch und dafür offen sein ist das A und O bei chronischen Erkrankungen (wozu ich auch Krebs zähle).

    viele Grüße
    JF
    Hallo!
    Ich schleich mich mal in den Thread, weil mich das Thema Ernährung grundsätzlich interessiert. Ich denke eine ausgewogene Ernährung ist mit Sicherheit gut, es ist nur die Frage, wie die am besten aussieht. Darauf findet jeder Ernährungpapst seine eigene Antwort.
    Sei etwa zwei Jahren beschäftige ich mich mit der Ernährung nach Dr. Bruker. Im Wesentlichen bedeutet das vollwertige Ernährung mit keinen industriell verarbeiteten Lebensmitteln. Alles möglichst frisch, das Getreide erst vor dem Verzehr mahlen oder flocken - ist natürlich erst mal aufwändig. Ich habe das Kochen mit Getreide erst mal ohne die teure Anschaffung einer Getreidemühle versucht um zu sehen, ob ich damit zurechtkomme (Nicht ganz im Sinne des Erfinders, aber erst mal praktikabel) aber man schmeckt da schon einen Unterschied. Und der Nährstoffgehalt ist frisch gemahlen sehr viel höher. Wichtigster Bestandteil ist der Frischkornbrei (Getreide einweichen, mit Sahne, Obst, Nüssen und Honig nach Geschmack abschmecken)
    Meine Freundin ernährt sich seit Jahren nach diesen Vorgaben, sie ist seitdem nie ernsthaft krank geworden und ist unglaublich vital. Ich bin noch nicht so lange dabei, fühle mich deutlich fitter und merke “Ausreißer“ bei Kuchen oder ähnlichen Dingen, denn dann fühle ich mich nicht mehr wohl. Bisher nicht verzichtet habe ich auf Kaffee oder Tee- das geht bei mir irgendwie nicht...
    Natürlich habe ich keine Erfahrung, ob diese Ernährungsform bei Krebserkrankungen gut ist. Laut Bruker bzw. Seinen Nachfolgern ist sie auf jeden Fall geeignet (wer würde das an dieser Stelle nicht sagen ?!?)
    Ich denke, dass das Vermeiden von industriell verarbeiteten Lebensmitteln auf jeden Fall richtig ist; bei der mediterranen Küche ist das nicht immer der Fall. Wenn man selbst kocht, kann man ja z.B. statt Weißmehl die Vollkornvariante nehmen, gleiches bei nudeln etc. Dann ist glaube ich schon viel erreicht.
    Das nur mal als Denkanstoss in die Runde...
    Liebe Grüße
    Bella
    Hallo,

    Ich hab hier nur quergelesen, Entschuldigung falls ich was wiederhole.

    1. Gibt es zu ketogener Ernährung auch die Theorie, dass sie das Metastasenwachstum steigert. (Reverse Warburg Effekt)

    2. Hat die Ernährungsberaterin bei uns auf Reha von low carb dringend abgeraten. Es sei SEHR schlecht für die Nieren.

    3. Ich habe einer Patientin beim Versuch von ketogener Ernährung zugesehen. Ja, persönlich gesehen, ich kenne sie gut. Es war HART. HART. Ein paar Wochen ging es prima, aber so nach ~ 6Monaten wurde es anstrengend. Sie ging auf dem Zahnfleisch, war wegen winziger Kleinigkeiten am Heulen, hatte keine Energie für nichts, sie war fix und fertig. Den Krebs hat es nicht beeindruckt, die Metastasen wuchsen trotzdem.

    Ketogene Ernährung ist (konsequent betrieben) eine Sonderform der Mangelernährung. Inkonsequent betrieben bringt sie nach der Logik nichts.

    Ich wäre froh, wenn es anders wäre, ehrlich. Aber ich glaube es ist keine gute Idee.
    Hallo,
    vielen Dank für Eure Meinungen. Wir haben uns entschlossen, die ketogene Ernährung nicht weiter anzuwenden, wobei wir dennoch auf die Kohlenhydrate achten werden, Zucker, Weißmehl etc. vermeiden wollen. Wie bereits gesagt,werden wir den Focus auf Obst, Gemüse und Vollkornprodukte richten. Ab und zu eine leckere Pasta, sollte die Stimmung bei meiner Frau heben. Fisch bleibt auf der Speisekarte wie auch Fleisch in geringen Mengen.

    VG Petzi