Verständnisfrage Mutationen

    Verständnisfrage Mutationen

    Hallo an Alle,

    ich bin verwirrt und würde sehr mich freuen, wenn Ihr eventuell bei meinen Fragen weiterhelfen könntet?

    Wie schon geschrieben, kämpft mein Mann mit Lungenkrebs, bisher haben wir immer die Auskunft bekommen Mischtumore, Plattenepithelkarzinom führend.
    Heute hatten wir ein Gespräch mit der behandelnden Onkologie, die uns sagte man hätte gestern einen neuen Befund aus den Proben erhalten, der eine Mutation des Adenokarzinoms gezeigt hat. Das scheint eine gute Nachricht zu sein weil es die Therapieoptionen erweitert.

    Kann mir von Euch bitte jemand verständlich erklären, was es mit den Mutationen auf sich hat und wie sich das auf Therapien auswirken kann? Ich scheine da trotz Recherche und viel Lesen irgendwie ein Brett vor dem Kopf zu haben?

    Ganz herzlichen Dank und für alle ein schönes Wochenende!
    Hallo @Annie,

    das Wachstum von Zellen und deren Lebenszyklus wird von Genen gesteuert. Krebs entsteht dadurch, dass dieser Prozess aus dem Ruder läuft, dass Gene und deren Zusammenspiel nicht so arbeiten, wie es "normal" wäre. Das kann an sehr vielen Stellen geschehen und sehr viele Ursachen haben - verebt sein, durch Schadstoffe wie beim Rauchen verursacht sein, durch vorhergehende ständige Entzündungen verursacht sein oder auch ganz zufällig ohne erkennbare Ursache auftreten. Man spricht dann von einer Veränderung oder Mutation ("mutare" heißt "verändern, bewegen") eines entsprechenden Gens. Je nachdem, wo das passiert, werden bestimmte Eigenschaften der gesunden Zelle verändert.

    Einige dieser Mutationen kennt man und davon wiederum man hat für einige bestimmte Medikamente entwickelt, die in diesen Prozess eingreifen können. Um dazu Näheres sagen zu können, müsste man allerdings wissen, welche Mutation bei deinem Mann genau vorliegt.
    Es grüßt die Hexe.
    Hallo liebe Hexe,

    vielen Dank für Deine schnelle Antwort. Es ist ein Adenokarzinom mit einer ROS1 Mutation. Der Vorschlag von der Onkologin war-angesichts der Tatsache dass die Chemo (Carboplatin + Abraxane) im ersten Zyklus auch sichtbar so gut anschlägt und es meinem Mann sehr viel besser geht- die Chemo mit insgesamt 4 Zyklen weiterlaufen zu lassen, dann zu pausieren und abzuwarten was sich wie entwickelt und dann mit einer gezielten ROS1 Therapie zu starten, wenn nötig. Wie gesagt, wir haben da ja auch noch Plattenepithelkarzinome im Spiel.

    Oh Mann, ich lege hier quasi ein Schnellstudium hin und bin trotzdem nicht sicher, ob das Sinn macht geschweige denn dass ich ich mich richtig ausdrücke oder auch richtig verstehe. Was sagst Du oder Ihr dazu?

    1000 Dank für Eure Unterstützung, ich wüsste echt nicht wo ich sonst fragen sollte.
    Hi Annie,

    ich fühle mich auch mitlerweile wie ein Doc, da ich schon wesentlich mehr dazu weiß, wie dieser (entfernt, TW) Hausarzt bei uns. (entfernt, TW)

    (entfernt, TW)

    Viel Kraft schick ich Dir, da ich weiß was aktuell in Dir vor geht!

    LG
    Micha

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „The Witch“ () aus folgendem Grund: unfätige Bemerkungen gegenüber Ärzten entfernt

    Hallo Micha @Mike64,

    lieben Dank für Deine Wünsche. Wer ist denn in Deinem Umfeld betroffen und kann ich das irgendwo nachlesen? Weisst ja, neu hier und einigermassen unorientiert...

    Es tut mir leid zu lesen, dass Ihr wohl teilweise keine guten Erfahrungen mit den Ärzten gemacht habt. Wir hatten Schwierigkeiten uns im Klinikalltag einzufinden, es scheint dass man als Patient und Angehöriger immer unberechenbar unendlich Zeit haben muss. Auch wir haben einen Hund, das macht die Organisation teilweise schwierig.

    Ansonsten können wir uns wirklich nicht beschweren: Verdacht und auch weil es meinem Mann schlecht ging, war unsere Hausärztin eine grossartige Unterstützung bei der stationären Einweisung ins Lungenkrebszentrum. Die Ärzte dort haben meinen Mann innerhalb von zwei Wochen von differenzierter Diagnose zu Therapie gebracht. Und der mit Hilfe von SAPV in Anspruch genommene Palliativmediziner war grossartig nach Klinikentlassung zu Hause. Wir haben wirklich unglaublich viel Unterstützung erfahren. Für die wir auch unendlich dankbar waren und sind.

    Trotzdem fällt mir die Einarbeitung in die Thematik schwer-zum einen weil es weh tut und zum anderen weil ich überhaupt kein Hintergrundwissen habe.

    Ganz liebe Grüsse an Euch
    Annie
    Liebe @Anni und @Mike64,

    ich lese hier sporadisch mit, da meine "Geschichte" mit meiner Mama leider seit 10.10.16 ein Ende hat. (Angehörige, Bauchspeicheldrüsenkrebs - habe auch einen eigen Thread hier).

    Mir ist sofort die parallele aufgefallen, die uns Angehörige verbindet... egal welche Art von Krebs. Ich war damals mit der Diagnose auch völlig überfordert, obwohl es mir da schon bewusst war, dass die Bauchspeicheldrüse nicht so ein tolles Organ für Krebs ist - sehr schlechte Prognose. Am Schluss hatte ich das Gefühl, dass ich als Onkologe arbeiten könnte..

    Es ist sehr wichtig als Angehöriger alles nachzufragen. Irgendwann wächst man in die Rolle rein, der Alltag wird von der Krankheit bestimmt. Ich habe mich damals von der Arbeit freistellen lassen, meine Mama von Nürnberg nach Hamburg geholt und war 24h für sie da. Ich würde es immer und immer wieder tun.

    Es ist aber sehr wichtig, dass Ihr an Euch denkt, Euch kleine Auszeiten gönnt, um den Akku zu laden.

    Ich wünsche Euch beiden viel Kraft, gute Ärzte, guten Therapieerfolg und anschliessend langweilige Ergebnisse.

    Liebe Grüsse
    Maggie
    Die Mutter wars.
    Was brauchts der Worte mehr. ...
    <3

    Meine geliebte Mama
    BSDK
    ED 04/2015
    gekämpft wie ein Löwe
    vorausgegangen am 10.10.16 um 16:10.

    Savantis schrieb:

    Am Schluss hatte ich das Gefühl, dass ich als Onkologe arbeiten könnte..


    Hi Maggie,

    besten Dank für die Worte, ich habe mir auch schon einen weißen Kittel nebst Horchgerät zulegen wollen :D *Ironie aus*

    Hab mich jetzt erst mal für ein paar Tage ausgeklinkt, zumindest soweit es geht. Die Schreie höre ich ja immer noch und hab schon ein sau schlechtes Gewissen. Aber die Mädels der Pflege kommen mind. vier mal am Tag, muß erst mal ausreichen. Mein Accu läd sich aber nur langsam auf, da er wohl schon zu tief entladen war...

    LG
    Micha
    Hallo Annie,
    ich bin so wie Du betroffene Ehefrau. Ich kann mir sehr gut vorstellen wie Du Dich fühlst. Als wir im Sommer 2016 die Diagnose Lungenkrebs erhalten haben hat es uns den Boden unter den Füßen weggerissen. Mein Mann hat eine EGFR Mutation und wird zielgerichtet therapiert.(kannst Du in meinem Thread NSCLC/Giotrif nachlesen)
    Wenn ich es richtig verstehe, verträgt Dein Mann die Chemo ganz gut, in sofern finde ich den Vorschlag Eurer Onkologin nicht schlecht erst mal weiterzumachen und danach auf Tabletten umzustellen.
    Auf jeden Fall wünsche ich Euch eine gute Wirksamkeit für alle Therapien. Und mit der Zeit lernt man auch mit der Krankheit zu leben bzw. sie anzunehmen und das Beste daraus zu machen.
    Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende 8)


    Liebe Grüße
    Samtpfötchen
    Ihr Lieben,

    ​dieses hier ist ein Strang, den Annie bewusst eines bestimmten Themas wegen aufgemacht hat. Ich bitte euch, das zu respektieren und hier zum Thema zu schreiben. Annies allgemeiner Strang findet sich hier: Neeeee, aufgeben ist nicht!

    (Und an @Mike64 ergeht die Aufforderung, seinen Ton zu mäßigen. Ich bin nicht bereit, Ärzte-, Krankenkassen- und sonstiges Bashing in den von mir verantworteten Bereichen stehen zu lassen.)
    Es grüßt die Hexe.

    Annie schrieb:

    Oh Mann, ich lege hier quasi ein Schnellstudium hin und bin trotzdem nicht sicher, ob das Sinn macht geschweige denn dass ich ich mich richtig ausdrücke oder auch richtig verstehe. Was sagst Du oder Ihr dazu?

    ​Keine Angst - du drückst dich absolut richtig aus. Ob du richtig verstehst, weiß niemand außer dir - aber du kannst ja immer wieder nachfragen, wenn du das Gefühl hast, nicht zu verstehen.

    ROS1 ist ein Gen, das eine sogenannte Insulin-Rezeptor-Tyrosinkinase codiert. Rezeptor-Tyrosinkinasen beeinflussen den Signalübertragungsweg - und damit auch den Weg des Wachstums - von Zellen. Bei ROS1 weiß man nicht einmal sicher, was es im Normalfall (= als sogenannter "Wildtyp") genau bewirkt. Man hat aber festgestellt, dass es sich in etlichen Fällen von Krebs nicht an seinem normalen Ort befindet, sondern sozusagen "gewandert ist" und mit einem anderen Gen fusioniert. Das ist dann eine Mutation wie sie dein Mann hat, eine sogenannte Translokation. Man findet diese Mutation im übrigen sowohl bei Adeno- als auch bei Plattenepithelkarzinomen.

    ​Diese Mutation ist sehr selten (ca. 1% bis 2% der nicht-kleinzelligen Karzinome). Und da man eben nicht genau weiß, was da eigentlich passiert, ist es schwer, zielgenau einzugreifen. Man weiß aber aus Beobachtungen, dass eine andere Mutation, die ALK-Mutation, für die es Medikamente gibt, offenbar ähnlich wirkt. Und so hat man ein Medikament zur Behandlung bei ALK-Mutation, Xalkori nämlich (Wirkstoffname: Crizotinib), zur Behandlung auch in den Fällen von ROS1-Mutation zugelassen. Die vollständigen Informationen zu Xalkori findest du hier: ema.europa.eu/docs/de_DE/docum…an/002489/WC500134759.pdf

    Außerdem gibt es Studien, in denen weitere Medikamente getestet werden, beispielsweise Entrectinib.

    ​Ich weiß nicht, wie weit du des Englischen mächtig bist - aber hier noch ein Link zur englischen Wikipedia: en.wikipedia.org/wiki/ROS1
    Es grüßt die Hexe.
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    Beitrag von „Mike64“ ()

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