Angstattacken und wiederkehrende Panik

    Angstattacken und wiederkehrende Panik

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    Hallo zusammen,
    eigentlich hatte ich heute Nachmittag bereits gepostet, aber diesen Post dann wieder gelöscht... Da es aber vermutlich für alle ein immer wiederkehrendes Thema ist, stelle ich es nun doch ein.
    In Wellen überkommt mich immer wieder die Panik... davor, dass nicht alles gut wird und ich es nicht schaffe.
    Meine Diagnose liegt 27 Monate zurück und ich dachte immer, dass es inzwischen besser sein müsste. Das ist aber nicht der Fall... die schlimmen Phasen holen mich immer wieder ein und dann liegt eine immens schwere Last auf mir. Die verlorene Kontrolle über mein Leben, habe ich versucht durch Statistiken und Studien wiederzuerlangen, aber geholfen hat es nicht. Lese ich Zhalen davon, dass 90% gesund bleiben, bin ich mir in solchen Phasen sicher, dass ich zu den 10% gehöre. Kein Tag vergeht, an dem ich nicht mit der Krankheit aufwache oder einschlafe. Wird das jemals anders? Wie geht ihr mit diesen Phasen um? Was hilft euch?
    Auch ertappe ich mich dabei, dass ich nach
    besonders schönen Zeiten, sehr ängstlich werde, denn genau dann überkommt mich der Gedanke "was, wenn ich das nicht mehr oft erleben darf?"
    Eine Lösung wird es sicher nicht geben, aber vielleicht habt ihr euch Strategien zurechtgelegt, die euch helfen.
    LG
    Kati

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    Liebe Kati, ich kenne auch Phasen in denen die Angst übergroß erscheint. Mir haben Gespräche mit meiner Psychologin geholfen und ich mache Qigong.Damit komme ich relativ gut zurecht.Ich würde auch Medikamente nehmen, sollte die Angst damit nicht in einem erträglichen Maß gehalten werden.
    Mir geht es auch so das ich gerade wenn,ich mit meinem Sohn etwas tolles erlebt habe , traurig werde ob ich ihn noch lange genug begleiten kann.
    Mir hilft es im hier und jetzt zu leben .Ich plane kurzfristig, aber denke auch schon über eine Reise im nächsten Sommer nach.Das ist für mich schon ein großer Schritt. Am Anfang der Diagnose dachte ich darüber nach , ob sich ein Pullover Kauf noch lohnen würde .Ich habe auch einen Gesprächskreis wegen meiner genetischen Erkrankung, die Treffen tuen mir gut , vielleicht gibt es in deiner Nähe auch einen Treff wo du dich austauschen kannst.
    Wie du an der Uhrzeit siehst liege ich gerade mal wieder wach. Zurzeit habe ich Probleme im rechten Bein, da denke ich natürlich auch ist da was oder nicht, und Schiebe einen Arztbesuch gerade noch etwas raus.
    Sport tut mir auch gut.
    Ich wünsche dir das du einen Weg findest die Ängste zu kontrollieren.
    lg Zuversicht
    Verweile nicht in der Vergangenheit, träume nicht von der Zukunft. Konzentriere dich auf den gegenwärtigen Moment.
    -Buddha-

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    Kati81 schrieb:

    . Kein Tag vergeht, an dem ich nicht mit der Krankheit aufwache oder einschlafe. Wird das jemals anders? Wie geht ihr mit diesen Phasen um? Was hilft euch?


    Liebe Kati,

    zunächst: es wird wieder besser, habe ich selbst erlebt.

    Mir ging es ganz genauso, riesengroße Angst.
    Wenn irgendwo etwas weh tat, konnten das nur Metastasen sein- so dachte ich zumindest.

    Ich vermute mal, man muß durch diese Phase durch, es gibt keine wirkliche Abkürzung.

    Was mir geholfen hat, waren die kleinen "Krückstöcke"
    Abends die kleine Aspirin protect Tablette, die Curcuma Kapseln, die Bisphos- Infusionen, das Laufen, die frischgepressten Säfte- alles das, so wußte ich, dienen der Gesundung.
    Das war mein Äquivalent zur AHT.

    Auch habe ich Infos und Wissen wie einen Schwamm aufgesaugt- all das stärkte mich gegen meine Angst.
    Ich wollte immer "schneller" sein als der Krebs.

    Und dann hilft nur Zeit.

    Auch für Dich wird mit jedem halben Jahr, welches Du Dich "davon" entfernst, die Sache leichter werden.

    Aber ich verstehe dich sooo gut, mir ging es nicht anders.
    Liebe Grüße, Jule

    "Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will."
    Albert Schweitzer

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    Liebe Kathi,
    es tut mir so leid, dass Du noch so drinhängst in der Angst.
    Als ich vor 18 Monaten erkrankt bin, habe ich drei Monate durchgeweint. Wirklich nahezu ohne Pause. Ich war mir sicher, ich schaffe es nich oder kann zumindest nie wieder orglos sein. Ich habe mich in eine psychoonkologische Praxis begeben, das war der erste Schritt, den ich selbst wieder gemacht habe. In dem Moment, in dem ich mir die Kontrolle über mein Leben zurückgeholt habe, ging es aufwärts. Das sind zum Einen die Statistiken, zum anderen Fachbeiträge, die sich genau auf meine Art Tumor beziehen und dann der Kontakt zu Jule66. Diese diffuse Angst ging erst weg, als ich mit Wissen dagegentreten konnte. Als ich meinen Feind kennenlernen konnte und seine Eigenheiten und seine Schwachstelle.
    Dieses zweite Jahr, das Jahr nach den Therapien finde ich psychisch sehr belastend. Wie ein Tanz auf dünnem Eis, in der Hoffnung, dass Sicherheitsnetz hält. Was mir hilft: Ablenkung. Ich lasse die Gedanken nicht zu. Entweder arbeite ich und suche mir neue Projekte, lese Bücher, die mich interessieren oder lese meine Studien und Statistiken. Ich habe mir einen Mutmachordner angelegt, da sind alle Unterlagen und Studien drin, die auf mich zutreffen und mir Mut machen. Schleicht sich die Angst ein, lese ich darin. Dann geht es wieder. Und wenn es ganz arg wird, dann muss Jule dran glauben und meine whatsapp Gruppe an Chemofreundinnen. Die sind alle wieder in ihrem Leben drin, das erdet mich dann wieder.
    Und ich finde mein Leben wieder toll. Und ich fühle mich stärker als ich jemals war. Ich bin stolz auf meine Kraft.
    Ich drück dich!

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    Hallo Kati

    Was bin ich froh dass du dieses Thema eingestellt hast und ich kann dich ja so gut verstehen denn gerade schüttelt mich die planke Angst wieder durch. Meine Diagnose liegt jetzt 7 Monate zurück. Genau wie Desir77 habe ich am Anfang nur geweint. Ich fühlte mich wie in einem Albtraum der immer dann begann wenn ich wach wurde. Die 5 Monate Chemo mit ihren seltsamen Nebenwirkungen kommen mir heute total surrealistisch vor. Kann manchmal gar nicht glauben dass ich das durchgestanden habe. Manchmal kommt mir alles immernoch so vor als wäre mir das gar nicht alles passiert. Als ginge es um jemanden den ich gut kenne aber nicht um mich.
    Ich frage mich auch dauernd was ich mit meinen Kindern noch erleben darf u was nicht. Als Genträgerin mache ich mir Sorgen was mache ich wenn meine Kinder dieses KackGen geerbt haben.
    Meine Stimmung kann durch Nichtigkeiten von einem Moment auf den anderen kippen und ich habe meine Tränen nicht mehr im Griff. Dabei weiß ich dass ich das alles nicht immer meiner Familie zumuten kann.
    Ich frage mich auch ob ich richtig therapiert wurde, ob ich über die Krankheit gut und richtig informiert bin und mache mir Vorwürfe dass ich mich nicht konsequent gesund ernähre, dass ich nicht vehement genug meine Bisphosphonaten Infusion einfordere.
    Eine Strategie werde ich mir auch überlegen müssen und da habt ihr mir schon gute Anregungen geliefert.
    Danke dafür und liebe Grüsse

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    Ich hatte den Artikel gestern für eine andere Userin herausgesucht.
    Ich finde, den kann man durchaus zum "Überzeugen" des Onkologen mitnehmen.

    Für postmenopausale TN Frauen: Die EBCTG rät daher, den Einsatz von Bisphosphonaten "bei einem breiteren Spektrum von postmenopausalen Brustkrebspatientinnen in Erwägung zu ziehen".

    aerztezeitung.de/medizin/krank…-dank-bisphosphonate.html
    Liebe Grüße, Jule

    "Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will."
    Albert Schweitzer

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    Liebe Kati, oh weia, ja das kenne ich nur zu gut. A N G S T war für mich das vorherrschendste Problem, nicht nur direkt nach der Diagnose, sondern nach der Therapie, als ich versuchte, wieder normal zu leben.

    Desir77 hat so prima von Ablenkung geschrieben, das wollte ich Dich auch fragen: wie sieht denn Dein Alltag aus? Bei mir wurde die Angst besser, je voller der Alltag wieder wurde. Allerdings gab es auch Tage, da half nix. Da konnte ich an der Arbeit in einer Konferenz sitzen und wie ein Blitz kam panische Angst hoch.
    Sehr geholfen hat mir auch der ständige Austausch mit betroffenen Frauen, wobei ich manchmal feststellte, dass zwar selbstverständlich alle Angst hatten, aber nicht alle mit so einer alles dominierenden Angst kämpften wie ich.

    Als ich Deine Monatsangabe gelesen habe, habe ich bei mir nachgerechnet und bin auf satte 40 Monate gekommen 8o und daher kann ich Dir vielleicht als Hoffnungsschimmer geben, dass ich auch dachte, die Angst hört niemals auf. Irgendwann war sie aber "leiser gedreht" und jetzt ist sie manchmal ganz weg. An anstrengenden Tagen ist sie mal wieder da, aber sie dominiert nicht mehr alles. Das kommt denke ich in erster Linie davon, dass natürlich jetzt schon eine ganze Weile Ruhe herrscht, die Nachsorgen in Ordnung waren usw.

    Was meine Angst zuerst echt austicken ließ war, dass ich KEINE Ahnung hatte, wie viele Chemonachwirkungen noch kommen würden. Schmerzen, Schlafstörungen, komische Ticks (Zittern), Herzstolpern etc... und da ich mich keinen einzigen Tag völlig normal fühlte, habe ich irgendwie "nicht normal" mit "Krebs wieder da" gleichgesetzt.
    Als ich begriffen habe, dass "nicht normal fühlen" auch "das ist nur Chemonachwirkung" sein kann und keineswegs bedeutet, dass der andere Mist zurück ist, bin ich gelassener geworden.

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    mohnblume79 schrieb:


    Was meine Angst zuerst echt austicken ließ war, dass ich KEINE Ahnung hatte, wie viele Chemonachwirkungen noch kommen würden. Schmerzen, Schlafstörungen, komische Ticks (Zittern), Herzstolpern etc... und da ich mich keinen einzigen Tag völlig normal fühlte, habe ich irgendwie "nicht normal" mit "Krebs wieder da" gleichgesetzt.
    Als ich begriffen habe, dass "nicht normal fühlen" auch "das ist nur Chemonachwirkung" sein kann und keineswegs bedeutet, dass der andere Mist zurück ist, bin ich gelassener geworden.


    Liebe Mohnblume,
    da sprichst du was an. Ich habe nun, ein Jahr nach Chemo, mit sehr hohem Puls und Herzstolpern zu tun und werde noch verrückt. Was hast du dagegen unternommen?
    Liebe Grüße,
    Desiree

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    Liebe Kati81,
    das ist ein superwichtiges Thema!
    Meine Angststörung hat viele Facetten und sie ist so anstrengend.
    Nach der Diagnose hatte ich Todesangst, die ganz fiese körperliche Symptome auslöste wie Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittern etc.. Das fing an, als die Therapie aufgegleist war, ich aber noch warten musste und es ging mir richtig an die Nerven. Damals habe ich mich für "Chemie" entschieden, weil die Angst kein Helfer war, sondern mich nur noch am Leben behinderte.
    Dann gibt es das Phänomen, das etwas so schön ist mit blöden Gedanken (Werde ich den Frühling noch einmal erleben? Meinen Sohn in Klasse x einschulen können) und zack ... habe ich Flashbacks mit fiesen Körpergefühlen (zu viel Spannung, Schwitzen, Herzrasen, Beklemmung). Da gehe ich einerseits mit der Konfrontationstherapie an - also mehr schöne Ereignisse - und zugleich nehme ich in bestimmten Fällen vor besonders schönen Erlebnissen ein angstlösendes Mittel, damit ich mich entspannen und genießen kann.. Meine Seele brauche noch mehr schöne Erlebnisse. 4 Jahren nach ED nach einer Oper fühlte ich mich wieder frei.
    Mit einer Panikattacke wache ich noch manchmal auf. Die wird durch Schwitzen getiggert. Vor der Diagnose habe ich mich nachts bis zu drei Mal umziehen müssen. Wenn ich nachts mit nassem Gesicht und Herzrasen schreiend aufwache, habe ich Mühe mich zu beruhigen.
    Abends ist die Lage ebenfalls schwieriger, insbesondere wenn ich müder bin. Dann sagt die Angst eher Hallo . Mein Mittel dagegen sind seichte Serien in englischer Sprache. Das lenkt mich schön ab.
    Ganz wichtig ist die Feststellung von Gesundheit. Ich kopiere meine Blutwerte auf DIN3 und schreibe in grüner Schrift "gesund" drunter. Das hänge ich mir an den Schrank und schaue es mir immer wieder an.
    Schlimm sind Tage, in denen ich durch die Zipperlein und Müdigkeit , nicht aktiv sein kann. Oder es taucht ein neues Zipperlein auf wie Knochenschmerzen , Kopfschmerzen. Da liegt das Phänomen unter dem Mikroskop und wird betrachtet. Das macht mir Angst und ich kann es nur schwer ertragen. Es hilft mit unter Notizen eine Liste für den Gyn zu machen und immer wieder alle Zipperlein aufzulisten.
    Die Gesundheitskontrollen machen mir zu schaffen - aber auch hier - da muss ich stark sein und durch und es aushalten. Mein Göttergatte und meine whatsupgruppe hilft mehr sehr. Wir schlüpfen immaginär sehr gerne mit über 15 Personen ins Control-Ct etc.
    Es gab auch schon Momente, in denen ich mich ganz dolle gefreut habe. Ich war noch einmal in Italien, in Mailand und ich fang das so toll und war so aufgeregt, dass ich nicht schlafen konnte.