Erwerbsminderungsrente

    Erwerbsminderungsrente

    Liebe alle,

    ich mache mal ein eigenes Thema dazu auf, wenn es recht ist - ansonsten geht es vielleicht im fortgeschrittenen Strang doch unter.

    Eine Bekannte, ebenfalls BK metastasiert, fragte mich heute, warum ich nicht endlich Erwerbsminderungsrente beantrage. Zugegeben, ich hab mich noch nicht eingelesen, aber generell hab ich nicht das Gefühl, dass ich berentet werden müsste. Ich will ja arbeiten (ich bin selbstständig), allerdings funktioniert das derzeit mit angezogener Handbremse und ist aktuell auch leider mit der mühseligen Suche nach neuen Kunden verbunden (ich hab leider gerade mein Hauptprojekt nach vielen Jahren verloren).

    Wer von Euch hat die Rente beantragt? Und lohnt sich das überhaupt? Wonach richtet sich das? Und wie viel darf man dazu arbeiten?

    Bevor ich mich jetzt durch Seiten wühle, vielleicht mögt ihr mal sagen, was bei dem Verfahren rausgekommen ist.
    Liebe Grüße, Belle
    Hallo Belle,
    das ist sicher ein großes Thema und dazu noch bei jedem verschieden. Ich stecke auch gerade in diesem Verfahren. Wobei es dort sicher noch mal einen Unterschied macht ob man gerade aus einem Angestelltenverhältnis oder als Selbstständiger in die EM-Rente wechseln will. Dazu kommen noch evtl. Besonderheiten für Jahrgänge vor 1961, wie mich.
    Wichtig ist erst einmal: hol dir eine aktuelle Rentenauskunft von deiner Rentenversicherung. Dort findest du eigentlich alle Angaben, wie hoch dein EM-Rente wäre, wie viel du hinzu verdienen darfst, von der 450,-€ Grenze mal abgesehen. Ab wann deine Rente mehr als 50%, wann komplett gekürzt wird, ist bei jedem individuell verschieden und steh in deiner Rentenauskunft. Du kannst auch einen unverbindlichen Termin bei der RV ausmachen und dich dort beraten lassen.
    Dann geht das rechnen für dich selber los und ob du die Rente überhaupt durch bekommst. Dazu aber später.
    Gruß Jörg
    Hallo @die Belle,

    ​zunächst einmal ist ganz wichtig, was Jörg rät: Besorg dir eine Rentenauskunft, um abzuklären, was überhaupt möglich ist. Bei dir wegen der Selbstständigkeit (wie lange bist du das schon?) ist das ganz besonders wichtig. Erst dann macht es Sinn, überhaupt weiter darüber nachzudenken, weil die allgemeinen und die persönlichen versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erst geklärt werden müssen.
    Es grüßt die Hexe.
    Liebe Belle,
    Eine Kollegin ist gleichzeitig mit mir an Brustkrebs erkrankt. Sie eine ERwerbsminderungsrente beantragt.Die galt erst mal 2 Jahre auf Probe. Vielleicht wäre diese Befristung auch was für Dich?
    Die Rentenversichrung berät - siehe vorherige Beiträge - eine gute Informationsquelle ist für mich auch der Integrationsfachdienst. Dort war ich heute wieder mal zur Beratung und ich fand die Hinweise sehr wertvoll.
    Liebe Belle,

    Ich bin seinerzeit in den VDK eingetreten, nach dem ich mich nicht richtig von der Rentenberatung beraten fühlte. Da ich noch genug mit mir und meiner Krankheit zu tun hatte, war ich froh, diese Dinge einen Fachmann überlassen zu haben. Ich hatte allerdings auch das Glück, direkt beim VDK an einen Anwalt zu geraten. Ich war einmal dort zur Besprechung und Unterschrift. Danach lief alles über den Postweg.
    Ich bin 3 mal befristet bereitet worden, bis ich dann eine unbefristete erhielt.
    Die befristete hatte auch für mich ein gutes Gefühl, denn ich hatte die Möglichkeit im Kopf, jederzeit wieder die Chance zu arbeiten....
    Klappte dann doch nicht aber für meinen Seelenfrieden war der Vorsatz in meinem Kopf, du könntest ja evtl....., einfach gut.
    Allerdings musste ich vorher auch noch in die Reha.
    Damals galt, Reha vor Rente. Wie sich das heute verhält, weiß ich nicht.
    Hinzuverdienst war damals bis 450 Euro. Das ist nicht rentenschädlich und würde nicht auf die Rente angerechnet.
    Das kam aber nie in Frage bei mir.
    Alles steht dann im Bescheid, sollte es eine Erwerbsminderungsrente geben.
    Ich stand um Angestelltenverhältnis und mein Rentenkonto war geklärt.
    Daher weiß ich nichts bei Selbstständigkeit.
    Ich hatte auch lange dafür gebraucht, bis ich akzeptieren konnte, dass ich erwerbsunfähig bin.
    Ich kann wirklich nur raten, das nicht alleine zu machen, denn es gibt echt Tücken.
    Besorg dir doch einfach mal einen Rentenantrag, gibt es auch online. Lies dich da mal rein. Mir persönlich rauchte der Kopf und je mehr Fragen, desto verunsicherte war ich.

    Liebe Grüße

    Kerstin

    die Belle schrieb:

    (ich bin selbstständig)

    Hallo Belle,

    dazu müsste zuerst mal geklärt sein, welche Art Selbstständigkeit bei dir vorliegt. Es gibt nämlich auch noch die sogenannte 'Scheinselbstständigkeit' und anderes. Das kannst du sehr gut unter dem Link von Cecil nachlesen.

    Prinzipiell muss, wer EM-Rente beziehen möchte, auch Rentenbeiträge bezahlt haben, nach meinem Verständnis der Lage, bzw. gibt es Anrechnungszeiten (Kindererziehung, Ausbildung, Schule usw.) und es sind einige weitere Voraussetzungen zu erfüllen. Deine Rentenversicherung (falls vorhanden) bzw. der VDK ist da eine gute Anlaufstelle für eine Beratung.


    Liebe Grüße, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    Hallo Belle, @die Belle

    und jetzt komme ich auch noch dazu :)

    vdk ist nur dann zu empfehlen, wenn man an einen Anwalt kommt, der sowohl fit in dem Metier ist als auch pro gegenüber dem Betroffenen eingestellt ist. War bei mir zum Beispiel nicht der Fall, da habe ich gerade noch mit einem Schritt in der Tür zum OP-Raum die Vollmacht zurückziehen müssen bevor noch das "Angebot" des Integrationsamtes vom Tisch gehauen wurde (was laut meinen Ärzten nicht okay war).

    Das ist aber nicht das was mich hier hergeführt hat :) . Aufgrund Deiner Angaben im Profil wäre auch die Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse möglich, damit wäre eine Einzahlung in die Rentenversicherung erfüllt. Und damit die zu erfüllende Vorversicherungszeiten.

    Und was die Frage Deiner Bekannten anbelangt, kopiere ich noch aus einem anderen Thread hier im Rentenforenteil folgendes ein:

    Bayerisches Landessozialgericht - Urteil vom 24.08.2005 - Az.: L 16 R 223/04 -

    Die Frage nach dem Eintritt der Erwerbsunfähigkeit ist nicht nur eine medizinische, sondern vorrangig eine Rechtsfrage. Dabei ist die Beurteilung eines Versicherten durch einen ärztlichen Sachverständigen nur eine Komponente des komplexen Begriffes der Erwerbsfähigkeit. Neben den medizinischen Befunden, Diagnosen und Beurteilungen, kommt auch in aller Regel dem Umstand Beweiswert zu, dass ein Versicherter eine Erwerbstätigkeit ausgeübt hat oder noch ausübt. Die Tatsache der Ausübung einer zumutbaren Tätigkeit besitzt in der Regel einen stärkeren Beweiswert als die scheinbar dies ausschließenden medizinischen Befunde. Wird unter betriebsüblichen Bedingungen eine Beschäftigung ausgeübt, mit der ein Arbeitseinkommen von mehr als geringfügigem Wert erzielt wird, so kann im Rahmen der Beweiswürdigung Erwerbsfähigkeit selbst dann angenommen werden, wenn die erhobenen medizinischen Befunde für sich allein betrachtet ein anderes Ergebnis nahelegen würden.

    anhaltspunkte.de/rspr/urteile/L_16_R_223.04.htm

    auch daraus: Bei der sozialmedizinischen Bewertung eines Tumorleidens seien viele Faktoren zu berücksichtigen. Generell seien Tumorpatienten während der Primärdiagnostik und Therapie in der anschließenden Phase der Chemo- und Strahlentherapie als arbeitsunfähig anzusehen. Das Vorliegen einer Metastase bedeute jedoch nicht generell das Vorliegen einer Erwerbsunfähigkeit. Hier sollte der erfahrungsgemäße voraussichtliche Verlauf der Erkrankung sowie der individuelle Zustand des Patienten berücksichtigt werden.

    All dies ist mitentscheidend bei der Frage, ob Erwerbsminderungsrente bewilligt wird oder nicht.

    viele Grüße
    JF
    Hallo zusammen,

    ich kann aus einem früheren Beitrag von mir auch noch meinen Senf aus eigener Erfahrung dazugeben.

    Ich habe selber feststellen müssen, dass die EU-Rente ein Minenfeld ist.

    Es ist aber so dass meine Erfahrungen auf die EU-Rente auf das Alter vor 1961 geborene begrenzt sind. Für diese Altersklasse gibt es noch die Vertrauensregelung. Die Berater in der Reha und beim Arbeitsamt wollen oder haben sehr wenig Ahnung, das gleiche gilt für die Rentenberatung und auch leider auch für die Beratung beim VDK.

    Bei der EU-Rente:
    Ganz vorsichtig bei der Reha vor Rente auf Verlangen der KK. Der Rehaantrag kann gleichzeitig abgewandelt werden zum Rentenantrag auf EU-Rente. Das passiert bei Arbeitsfähigkeit unter 3 Stunden.
    Konsequenzen sind dann:
    Die KK ist aus allen Zahlungen ab Rentenbewilligung und Rückwirkend ab Rehaantrag raus. Also auch aus Einzahlungen für die Rente. Das kann evtl. ein Rentenverlust von einem Jahr sein.
    Das heißt, wenn möglich nicht unter 3 Stunden gehen. Ich habe das leider zu spät festgestellt und bin in der Reha falsch beraten worden. Jeder Tag zählt für die Rente und die Abzüge werden geringer.
    Die KK möchte jeden soll schnell wie möglich aus den Zahlungen haben. Das gleiche gilt sinngemäß auch für das Arbeitslosengeld.

    Wenn möglich sollte ihr dem Arbeitsmarkt weiter „zur Verfügung“ stehen, bis das Arbeitslosengeld ausläuft. Eine zumutbare Tätigkeit muss mindestens noch 6 Stunden täglich ausgeübt werden können, dann liegt eine Berufsunfähigkeit nicht vor. Es ist ein Anspruch, den ihr erworben habt und um ehrlich zu sein, mit GdB nimmt ab 50 uns sowieso keiner mehr.

    Wer die EU-Rente nicht will und in den aufgedrängten Rehaantrag von der KK oder dem Arbeitsamt gehen muss, sollte gut überlegen ob er unter die 3 Stundenregelung fallen will. Es gibt enorme Nachteile für die Rentenzahlung und zwar Lebenslang.

    Holt euch unbedingt einen Rat von einem unabhängigen Fachmann ein und wenn nur die geringsten Zweifel bestehen noch einen weiteren. Bedenkt bitte, dass alle Abschläge auf alle Zeit gelten.

    Viele Grüße
    Boebi
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    Jetzt muss ich mich nochmal einschalten. Auf die Besonderheit für die Jahrgänge vor 1961 hatte ich ja schon hingewiesen. Die BU/EU-Rente gibt es ja in dieser Form nicht mehr aber eben einen sog. Bestandsschutz für die Jahrgänge vor 1961, d.h. du musst nicht jeden Job annehmen, der dir vorgeschlagen wird, z.B. als Ingenieur nicht beim Aldi an die Kasse, um es mal Krass auszudrücken. Damit bitte nichts falsch verstehen, auch die Aldi-Mitarbeiter sind wichtig.
    Die automatische Umwandlung des Reha-Antrages rückwirkend in einen Rentenantrag ist nicht zwangsläufig (der Fall liegt gerade bei mir vor). Als Grundlage für die EM-Rente wird i.d.R. eine Einzahlungsdauer bis zum 62. Lebensjahr angenommen. Diese Einzahlungsgrenze soll gerade dynamisch in den nächsten Jahren angehoben werden. Damit kommen wir dann Rechnen: ab wann kann man z.B. in die normale Altersrente gehen, ab wann auf Grund einer evtl. Schwerbehinderung, ab wann damit in die vorgezogene Altersrente mit Abschlägen. Wenn der max. vorgezogene Renteneintritt mit den höchsten Abschlägen vor dem fiktiven Einzahlungsende für die EM-Rente liegt kann es besser sein vorher in die EM-Rente zu gehen. Aber wie gesagt, alles ein individuell zu berechnen.
    Daher wichtig die Rentenauskunft, kann man online nach Hause bestellen. Dann zur Rentenberatung, die ist auch unverbindlich, ohne das einem ein Strick daraus gedreht wird und die haben meist mehr Ahnung als die Leute vom VDK (meine pers. Erfahrung, vom Arbeitsamt ganz zu schweigen).
    Dazu verdienen könnt ihr immer. Auch das ist ein Rechenbeispiel, 450,- ohne Abschläge oder x,-€ mit 50% Abschlag oder xx,-€ mit 100% Abschlag, wobei x eben individuell ist und in der Rentenauskunft steht. Mir ein wenig Glück und wenn man die Grenze zum 50% Abschlag ausreizt kann man fast wieder auf den vollen Betrag kommen bei weniger Zeit. Das hängt aber natürlich von den persönlichen Gegebenheiten ab.
    Liebe Belle,

    die EU-Rente gibt es nicht nur als volle EU-Rente, sondern auch als Teil-EU-Rente. Das hängt davon ab, wie viele Stunden Du noch arbeiten kannst:
    - Teil-EU-Rente bei > 3 bis < 6 Std. / Tag
    - volle EU-Rente bei < 3Std. / Tag
    Du kannst also auch weiterarbeiten und eine Teil-EU-Rente bekommen. Du kannst aber nicht beim Antragen entscheiden, was von Beidem Du möchtest, sondern dass entscheidet die DRV per Gutachten. Allerdings steht Dir die Option offen, den Antrag zurückzuziehen, wenn Du merkst, es geht in eine Richtung, in die Du nicht willst.
    Was Du aber wissen solltest: Die Hinzuverdienstgrenze ist auch mit davon abhängig, was Dein höchstes Einkommen in den letzten 15 Jahren war. Bei mir scheint es daher leider derzeit keinen Sinn zu machen, einen Antrag auf EU-Rente zu stellen, so die Aussage der Sozialarbeiterin in der Rehaklinik. Ein Gespräch dazu habe ich aber noch einmal beim Integrationsfachdienst.

    Es ist ein sehr komplexes Thema, bei dem viele individuelle Faktoren beachtet werden müssen. Wirklich einschätzen, ob es für Dich Sinn macht oder nicht, wirst Du Dich von einem Profi dazu beraten lässt (DRV, VDK, Integrationsfachdienst... - auch abhängig von der jeweiligen Person, die da sitzt). Wenn Du es aber durchbekommst, dass es Dir eine gewisse Sicherheit bieten kann und Du dennoch in dem Ausmaß, wie Du es möchtest, weiter arbeiten kannst, wäre es das sicherlich wert, sich darum zu kümmern.

    Liebe Grüße
    Finja
    Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut ist die Entscheidung, dass etwas wichtiger ist als die Angst. (Ambrose Red Moon)
    Moin zusammen,

    auch ich mache mir inzwischen Gedanken über die EU-Rente: Jahrgang 1960, ED: Mamma-CA Januar 2010, D: Metas Oktober 2016. GdB 100 unbefristet. Aufgrund des Geburtsjahres und des GdB's könnte ich abschlagsfrei mit 64 (also 2014) in die Altersrente gehen. Beide Diagnosen kamen praktischerweise jeweils zu einem Zeitpunkt, wo meine jeweils befristeten Arbeitsverträge endeten ... . Zwischenzeitlich immer wieder ALG1, kurze befristete Beschäftigungen, ALG1 usw. Mein Rentenkonto ist geklärt. Aktuell bin ich AU geschrieben (letztes Arbeitsverhältnis endete am 19.01.18 und seit 20.01. zahlt die KK). Frage an die Spezis von Euch: Macht es Sinn, aus eigenem Antrieb die EU-Rente zu beantragen oder sollte man abwarten, bis die KK einen in die Richtung "drängt"? Im letzten Jahr hatte ich bereits allgemeine Informations-Gespräche mit der RV, doch deren Inhalt grenzte an gang "gefährliches Halbwissen" und Unfähigkeit.

    Ich freue mich über eure Kommentare und Infos/Tipps!

    Liebe Grüße,
    Nordlicht
    Wege entstehen dadurch, dass man sie geht!
    Hallo Nordlicht,

    ​hast du noch Anspruch auf ALG I? Wenn ja, ist es sinnvoller, zunächst das Krankengeld weiter zu kassieren und auf die Aussteuerung zu warten, dann ALG nach der Nahtlosigkeitsregelung zu beantragen. Hintergrund ist, dass deine Rentenbeiträge in dieser Zeit weiter steigen. Die Agentur wird dich dann eh auffordern, Reha bzw. Rente zu beantragen.

    Wenn du keinen Anspruch mehr hast, ist zu überlegen, was für dich günstiger ist - Rente oder Krankengeld.

    Nordlicht schrieb:

    abschlagsfrei mit 64 (also 2014)

    Ist da ein Tippfehler in der Jahreszahl drin?
    Es grüßt die Hexe.
    Hallo Nordlicht,
    der GdB sagt ja noch nichts über deine Erwerbsminderung/-unfähigkeit aus, insbesondere da du ja bis vor kurzem noch berufstätig warst. Der Vorteil deines Jahrganges ist eigentlich nur, dass sie dich nicht in irgendeinen beliebigen Job drängen können. Der GdB zieht erst einmal nur die Altersgrenze für die normale Rente um 2 Jahre nach vorne (2024?).

    Alles andere hängt von der Beurteilung der medizinischen Dienste ab und ist auch eine Berechnung was jeweils finanziell für dich günstiger ist. I.d.R ist das Krankengeld höher als ALG 1, ALG 1 höher als die EU/EM-Rente, usw. also alles ein Rechenexempel.
    Die Sache hängt also einerseits von deinen persönlichen Einschränkungen ab, anderseits von deinem Beruf bzw. Qualifikation, vorhandenem zumutbarem Jobangebot, usw..

    Normalerweise wird dich die KK nach ca. 12 Monaten auffordern eine Wiedereingliederung zu machen, nach 78 Wochen/18 Monaten (max. je nachdem wie viel evtl. schon verbraucht ist) wirst du ausgesteuert und an das Arbeitsamt abgeschoben. Je nach dem, wie lange dein Anspruch ist, erhälst du ALG 1. Gleichzeitig beurteilt der ärztliche Dienst des Arbeitsamtes ob du überhaupt noch vermittelbar/arbeitsfähig bist. Wenn nein, wirst du aufgefordert einen Reha/Rentenantrag zu stellen. Denn es gilt immer noch der Grundsatz "Reha vor Rente". Wenn der Reha-Arzt dir dann auch noch die Arbeitsunfähigkeit bescheinigt, stehen die Changen auf eine EU/EM-Rente eigentlich ganz gut und aus dem Reha-Antrag wird meistens automatisch ein Rentenantrag.

    Eigentlich sind die Berater der RV nicht schlecht, so zumindest meine Erfahrungen mit der Knappschaft. Hattest du dort nur ein allgemeines Gespräch gesucht oder ganz konkret mit Versicherungsverlauf etc. einen Termin gemacht. Vielleicht solltest du dir auch nochmal Rat bei den sogn. ehrenamtl. Rentenberatern holen, die bieten ihre Beratungstermine auch regelmäßig in den Gemeinden an. Der VdK wäre auch noch eine Adresse, obwohl die meist nur "Arm- und Bein ab" können, bei Rente sollten sie sich aber auskennen.
    Hallo "Hexe" und Hallo JoergFB,

    vielen Dank für eure Infos und ja, "2014" war ein Tippfehler. Es muss 2024 heißen!

    @Hexe: Ja, ich habe noch 60 Tage Anspruch auf ALG1. Meine aktuelle AU ist während meiner Freistellungsphase in meiner letzten Beschäftigung entstanden. Habe ich dich richtig verstanden: Ich soll auf die Aussteuerung der KK warten und mich dann wieder arbeitslos melden und die verbleibenden 60 Tage nutzen? Sorry für die Frage, aber das Thema ist ja auch nicht einfach.

    @JoergFB: Vielen Dank für deine Ausführungen. Zur RV: Ich hatte konkret einen Termin mit Versicherungsverlauf & Co. Die Dame hatte mir dann auch die Höhe der zu erwartenden EU/EM-Rente ausgerechnet, mir diverse Antragsformulare mitgegeben und schon einmal darauf hingewiesen, dass die Bearbeitung eingehender Anträge mit langer Wartezeit verbunden sein kann (Hamburg eben!).

    Fakt ist jedenfalls, die ich die ewigen kurzen und befristeten Arbeitsverhältnisse - so es sie denn überhaupt noch für mich gibt - nicht mehr mit meiner Gesundheits- äh - Krankheitssituation in Einklang bringen kann. Die körperlichen und seelischen "Nebenwirkungen" von Diagnose und Langzeittherapie fordern ihren Tribut. Ich möchte einfach '"nur noch leben".

    Zu allem Überfluss muss ich mich jetzt auch noch mit meiner KK rumschlagen. Mein letztes Arbeitsverhältnis lief über einen Personaldienstleister und bekannter Weise zahlen die ja am Monatsende immer nur einen Abschlag und den Rest des Gehaltes bekommt man am Ende des Folgemonats. Nun nimmt meine KK den Abschlag als Berechnung für das Krankengeld ... ich flippe aus! Ich habe denen schon persönlich alle Details des Arbeitsvertrages in Kopie vorgelegt und um erneute Berechnung gebeten. Bisher ist Schweigen im Walde. Denn wie ich gelesen habe gelten alle Gehaltsbestandteile, auch wenn Sie später gezahlt werden (was ja bei Personaldienstleistern Gang und Gebe ist) zur Berechnungsgrundlage des Berechnungsmonats hinzu. Ich bin echt fertig mit dem ganzen Schei... . Sorry, aber das muss man doch noch sagen dürfen.

    Euch lieben Dank für eure Infos und für die Öhrchen!

    Liebe Grüße,
    Nordlicht
    Wege entstehen dadurch, dass man sie geht!

    JoergFB schrieb:

    Der GdB zieht erst einmal nur die Altersgrenze für die normale Rente um 2 Jahre nach vorne (2024?)

    Jörg, das stimmt so pauschal nicht. Da müssen weitere Bedingungen dazukommen. Das größte Hindernis für die meisten ist, dass 35 Beitragsjahre (oder gleichgestellte) zusammen kommen müssen.

    Nordlicht schrieb:

    Habe ich dich richtig verstanden: Ich soll auf die Aussteuerung der KK warten und mich dann wieder arbeitslos melden und die verbleibenden 60 Tage nutzen? Sorry für die Frage, aber das Thema ist ja auch nicht einfach.

    Normalerweise ja - kommt halt auf die genaue Höhe der jeweiligen Ansprüche an. In der Regel ist aber das Aussitzen günstiger.
    Es grüßt die Hexe.
    Hallo zusammen,

    über die Fallstricke der erzwungenen Rentenanträge und der dadurch eventuell verlorenen Zeiten habe ich bereits oben geschrieben.

    Zusätzlich ist aber noch die 9/10-Regel bei der Krankenversicherung zu beachten. Diese Regelung erfüllt, wer mindestens in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens zu 90 Prozent in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert, freiwillig versichert oder familienversichert war, ist diese Regelung nicht erfüllt, ist nur in Ausnahmefällen eine Mitgliedschaft in der kostengünstigeren Krankenversicherung der Rentner (KVdR) möglich. Dann muss man in die „freiwillige Versicherung der Rentner“.

    Einer der Nachteile als freiwilliges Mitglieder in der KVdR ist, dass auf private Einkünfte wie Mieteinnahmen, Privatrenten oder Zinsen Krankenkassenbeiträge zu zahlen sind.

    Ein Beispiel:
    Beginnt jemand mit 15 Jahren eine Lehre und hat dann von 1964 bis 2014 gearbeitet, kommt er auf 50 Jahre Berufstätigkeit. Maßgeblich sind die letzten 25 Jahre vor dem Rentenantrag, also ab 1989. In diesem Zeitraum muss der Arbeitnehmer 90 Prozent der Zeit, also gut 22,5 Jahre, Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung gewesen sein.

    Mit dieser Regelung wollte der Gesetzgeber verhindern, dass Privatversicherte bei zunehmenden Kosten im Alter irgendwann in die günstigere gesetzliche Krankenversicherung wechseln.

    Auch wegen dieser Regelung ist es wichtig solange wie möglich die Zahlungen des Arbeitsamtes zu behalten und sich nicht in eine Rente durch die Reha oder den medizinischen Dienst drängen zu lassen. Fehlt auch nur ein Tag an dieser Regelung ist man nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung der Rentner.

    Ab dem 1. August 2017 trat eine Neuregelung in Kraft, die den Vätern und Müttern den Zugang zu der günstigeren Krankenversicherung der Rentner (KvdR) erleichtert. Ab dem 1. August müssen nun jeweils pauschal drei Jahre pro Kind auf die Vorversicherungszeit angerechnet werden. Wer glaubt, dass er die Bedingungen für eine Mitgliedschaft in der KVdR erfüllt, kann bei seiner Krankenkasse einen Antrag auf Neuberechnung stellen. Lasst euch unbedingt beraten. Die KK wimmeln leider oft ab.

    Ich habe ja geschrieben, es sind Fallstricke ohne Ende und die Beratung ist meistens schlecht und auf die 9/10-Regel wird meistens nicht hingewiesen.

    LG
    Boebi
    Meine Beiträge unterliegen dem Copyright und dürfen ohne meine Zustimmung nicht veröffentlicht werden.
    Ich ergänze diesen Thread noch um die Broschüre der Deutschen Rentenversicherung:

    Erwerbsminderungsrentner: So viel können Sie hinzuverdienen
    -> Kann ich trotz meiner Rente noch arbeiten gehen?
    -> Wie hoch sind die Hinzuverdienstgrenzen?
    -> Wie wird mein Einkommen angerechnet?

    22. Auflage (1/2018)

    Inhaltsverzeichnis
    4 Zur Rente hinzuverdienen
    8 Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung (auch bei Berufsunfähigkeit)
    11 Rente wegen voller Erwerbsminderung
    15 Rente in anteiliger Höhe – die günstigere Vorschrift zählt
    16 Nur einen Schritt entfernt: Ihre Rentenversicherung

    deutsche-rentenversicherung.de…entner_hinzuverdienen.pdf