Sichtweisen: Wie mit Krebs umgehen?

    Wenn ich so lese, was so manche von uns hier im Alltag beruflich oder privat mitmachen muss, stimmt mich das verdammt traurig. Als hätte man mit dem Krebs an sich nicht schon genug Sorgen und Probleme (und ja, das auch viele Jahre nach der Therapie).

    Bisher (toitoitoi) kann ich aus dem Berufsfeld nicht soooo viel negatives berichten. Manche Kollegen sind wie immer (dafür bin ich sehr dankbar), manche sind verdammt ungesprächig geworden. Wo vor 14 Monaten gequatscht und gelacht wurde, gibts heute noch ein kurzes "Morgen" auf dem Flur und dann wird sich schnell aus dem Staub gemacht. Ich nehme an, aus Unsicherheit, weil viele nicht wissen, was sie sagen sollen. Manche kommen auch mit dienstlichen Belangen zu mir, als wäre ich nie ein Jahr weg gewesen. Wenn man nach 14 Monaten wieder ins Büro kommt, die Türe plötzlich aufgeht und Kollegin XY mit einem Vorgang und den Worten "Hallo, du ich hab da mal ne Frage..." einem die Mappe unter die Nase hält, als wäre nix gewesen, dann find ich das relativ befremdlich. Im Gegenzug dafür sind einige Kollegen aber auch super lieb. Erkundigen sich, drücken einen, reden, lachen und benehmen sich einfach so, wie ich es gewohnt bin. Das tut echt gut.



    Im privaten Bereich gibt es da schon eher so ein paar "Ausfälle", die mich echt ärgern.
    Mal sind es nur Kleinigkeiten. Z.B., dass andauernd mein Geburtstag bei manchen Freunden vergessen wird. Oder das man sich für Geschenke nicht ordentlich bedankt. Unpünktlichkeit. Oder wenn man quasi um Audienztermine betteln muss, weil "nie Zeit" für ein Treffen ist. Wenn mir jemand wichtig ist, dann nehm ich mir die Zeit. Für ein Treffen oder ne kurze Nachricht, in der ich mich für Geschenke bedanke. Wenn mir jemand wichtig ist, bin ich nicht ständig unpünktlich bei Verabredungen und hab einfach ne Geburtstagserinnerung im Handy gespeichert. Für viele sind das Bagatellen, für mich hat das enorm mit Wertschätzung zu tun. Und irgendwie ist mir das alles durch den Krebs sehr wichtig geworden.


    Am meisten ärgere ich mich aber über das ganze Hochzeitsthema. Besonders im Freundeskreis, wo für ausschweifende Hochzeiten bisher immer 15.000 bis 30.000€ ausgegeben wurden, kommt es nicht gut an, dass wir "nur" mit 50 Leuten einen Brunch veranstalten wollen. Weil uns mehr Leute stressen, weil wir körperlich es nicht schaffen 18 Stunden-Tage mit nächtlichem Party-Exzess mitzumachen. Da fallen dann schonmal beiläufig Kommentare wie "also von allen Mahlzeiten am Tag ist ja son Frühstück schon die günstigste". Getreu dem Motto "Also wir haben ja für euer 5-Gang Hochzeitsmenü 80€ hingelegt, ihr gierigen Sparfüchse". Dabei geht es uns nicht nur ums sparen. Wir haben uns ein Limit von 10.000€ gesetzt, weil das für uns viel Geld ist. Bei uns kommen keine Mama und Papa, die uns sponsern. Wir haben das alles selbst verdient. Außerdem sind wir einfach keine großen Hochzeitsfans. Uns gefällt der Gedanke nicht, für einen Tag ein Vermögen zu verpulvern, weil dieser Tag angeblich der schönste im Leben sein soll und deswegen mit rosa Einhorn als Ringträger, einem Disney-Schloss und Blattgold-Torte gefeiert werden MUSS. Es soll ein schöner Tag werden, keine Frage. Aber so rein perspektivisch gesehen fände ich es sehr traurig zu wissen, dass alle anderen Tage in den nächsten 50 Jahren angeblich nur schlechter werden können. Wir möchten einen tollen Tag mit Menschen, die uns nah stehen, ohne dabei das Konto komplett zu plündern. Denn dieses Geld ist doch für all die anderen großen und kleinen Träume, die da noch warten. Wir wollen nicht 10 Jahre für die nächste Fernreise sparen müssen, nur weil die Hochzeit so teuer war. Ich weiss doch nichtmal, ob ich da noch lebe (mal krass gesagt). Ich brauche mein Geld jetzt. Weil ich jetzt (noch) bin und kann. Weil keine Zeit zum Aufschieben bleibt.

    Den schönsten Tag in meinem Leben hätte ich im Übrigen aber auch ganz gerne. Allerdings bewegt sich dieser leider fernab von Tüllkleidern, Torten und Traumschlössern. Der spielt in einer gottverdammten Arztpraxis, wo mir ein netter, kompetenter (gerne attraktiver =D) Doc mitteilt, dass die letzten 14 Monate leider nur ein ziemlich blödes Versehen waren. Dass es keinen Krebs gab und gibt und auch zukünftig nicht geben wird. Dass ich mein kleines, glückliches, unbeschwertes Leben zurück bekomme und die nächste 60 Jahre gesund behalten darf. Dass sich meine Eltern und mein Freund keine Sorgen mehr machen müssen. DAS wäre der gottverdammt schönste Tag meines Lebens. Und zur Feier des Tages würd ich dann auch alle einladen. In ein Schloss. Mit 8 Gang-Menü und tanzenden Einhörnern für 30.000€. Und es wäre mir jeden einzelnen Cent wert.
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    Ach @Käthe, das macht einen wirklich traurig und ich bin auch ziemlich empört über diese Sprüche bezüglich "der günstigsten Mahlzeit" des Tages..
    Wie oberflächlich kann man denn eigentlich sein? Als ob es um den Preis des Essens ginge. Ja, ich kenn diese Freibiernasen.

    Ich finde es gut, dass ihr zwei euren eigenen Vorstellungen folgt und euch da nicht unter Druck setzen lasst.
    es ist EUER Tag. Gestaltet ihn so, dass ihr euch wohlfühlt. Mit den Menschen, die euch nah und wichtig sind. Alles andere.. und alle anderen (!) sind unwichtig. Manchmal fällt es schwer zu akzeptieren, dass Menschen, die man für Freunde gehalten hat, eigentlich nur egoistische Leute sind, denen dann z. B. durch die Krankheit die Zweckdienlichkeit der "Freundschaft" wegbricht. So zeigen sie dann leider ihr wahres Gesicht. Das sind dann aber auch keine Menschen, denen wahrhaft etwas an DIR liegt, sondern die sich mit "Freundschaften" schmücken, bzw. da ihren Profit ( und wenn es nur ein narzißtischer ist) , ziehen wollen.
    Wahre Freunde wertschätzen dich so wie du bist. ob mit Glatze, Übergewicht,plus 15 Jahre gealtert und ohne Geld.

    Auch uns blieb diese Erfahrung nicht erspart, dass man sich aber auch über die Zeit hinweg ( 20 Jahre in unserem Fall) auseinander entwickelt, und sich dann tatsächlich nichts mehr zu erzählen hat, weil die Interessen ewig weit auseinander liegen. Wenn dann noch der Umstand dazu kommt, dass man einfach fallen gelassen wird, weil der andre "jetzt keine Lust hat" ( O-Ton!), sich mit dir und deinen Problemen zu befassen, dann ist das der wohl längst überfällige, wenn auch schmerzliche Cut.
    In diesem Sinne: Macht euch eine tolle Hochzeit. Und wenn sich zb eure Gäste auch aktiv an der Gestaltung beteiligen, wird es finanziell noch besser aussehen für euch.
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    Liebe @Käthe, ich hatte als ich zurück kam erst einmal ein paar Wochen Schwierigkeiten, dass die Kollegen aus der IT gefühlt flüsternd um den heißen Brei rumschlichen und wohl Hemmungen hatten, wie sie mit mir umgehen sollten. Als wir dann dienstlich irgendwo in Diskussionen gerieten, habe ich mir den Spaß gegönnt und gesagt "Jetzt hab ich mir für Euch Jungs extra die Brüste operieren lassen und Ihr seid immer noch nicht zufrieden mit mir oder was?" Fassungslose Blicke, brüllendes Gelächter und plötzlich kamen all die Fragen, die sie sich nicht getraut haben und die zwei wurden meine engsten Verbündeten in der Firma. Leider ist der eine gestorben und der andere hat das Unternehmen verlassen, aber es war noch eine tolle Zeit.

    Das mit der Hochzeit finde ich zum Ausflippen und da frage ich mich ehrlich, was das für Freunde sind, die sowas sagen. Vor allem weil bei Euch die gesundheitlichen Probleme ja auch noch im Doppelpack Belastung zu bieten haben. Die Idee mit einem Brunch finde ich zauberhaft, wie überhaupt alle Hochzeiten, die nicht die üblichen Klischees erfüllen.
    Unser Hochzeitsfotograf hat uns zum Abschluß geschrieben, er habe schon Hochzeiten fotografiert, bei denen Millionen ausgegeben wurden. Aber bei uns sei für ihn den ganzen Tag spürbar gewesen, dass da zwei Menschen beieinander angekommen sind und dass das, was er in unseren Bildern gefunden habe, nicht bei jeder Hochzeit zu finden ist. Und das bin ich mir sicher, wird bei Euch auch sein.

    Käthe schrieb:

    DAS wäre der gottverdammt schönste Tag meines Lebens. Und zur Feier des Tages würd ich dann auch alle einladen. In ein Schloss. Mit 8 Gang-Menü und tanzenden Einhörnern für 30.000€. Und es wäre mir jeden einzelnen Cent wert.


    Ach Käthe, da kommen mir ja beinahe die Tränen, so sehr kann ich das verstehen. ABER - ich bin jetzt 4 Jahre nach Diagnose und ich schwöre Dir, trotz allen Einschränkungen gibt es jetzt so viele Tage, wo ein Einhorn vorbeitanzt (und ganz gratis). Wo der Tag selbst die Feier ist und ich denke "DAS, das HEUTE, DAS war alles alles wert, was vor 4 Jahren passiert ist.".
    Das erste Mal hatte ich so einen Tag ein Jahr nach meinen Therapien, wo meine Patentante mir einen Urlaub an der Nordsee geschenkt hatte und wir auf einem Schiff an einer Sandbank mit Robben und Robbenbabies vorbeischipperten, die Sonne schien und einfach alles stimmte. Die Angst und die Sorgen sind immer leiser geworden und die Freude und die Normalität immer lauter.
    Liebe Käthe - und wenn Ihr heimlich in Las Vegas heiraten würdet, wäre das Euer DING. Veranstaltet die Hochzeit zu einem Fest mit den Menschen die Euch Geborgenheit geben. Alle anderen sind überflüssig. Mit wird ganz schwindelig bei den Summen. Ich war schon auf Hochzeiten die vielleicht einen tausender gekostet haben. Wenn überhaupt. Und Freunde haben mit gestaltet. Diese Hochzeiten waren wunderbar weil das Paar eine Wucht war!
    Danke @MortalKombat, @RESI und @ mohnblume für die lieben, unterstützenden Worte.

    Ich glaube das Problem ist grundsätzlich, dass mein Freund und ich nach außen hin sehr fit wirken (und es oft auch sind). Wenn man sich mit anderen trifft, Sport macht, Spaß hat, dann wirken wir beide nicht, als wären wir schwer krank (gewesen). Es ist ja fast nie jemand dabei, wenn man schon mittags müde auf dem Sofa einschläft und dafür nachts von Sorgen geplagt wach im Bett liegt. Wenn man gefühlt 35 verschiedene Tabletten am Tag nehmen muss. Wenn man nicht unbeschwert die nächste Reise buchen, ein Haus kaufen und eine Familie gründen kann, weil gesundheitlich so vieles dagegen spricht. Das bekommt ja selten direkt jemand mit. Meistens geht es einem ja sehr gut, wenn man mit seinen Leuten unterwegs ist. Wir versuchen zwar das alles zu erklären, aber so richtig verstehen können das gesunde, junge Leute einfach nicht. Da fehlt einfach die persönliche Erfahrung mit Krankheit und Tod, die man oft erst mit zunehmendem Alter bekommt. Die haben alle ein relativ unbeschwertes Leben und einfach völlig andere Sorgen und Probleme.


    Für die meisten Mädels in meinem Umfeld sind Hochzeiten das Nonplusultra. Die Träumen vom Prinzessinen-Tag seitdem sie kleine Mädchen sind. Ich war auch mal so ein Mädchen. Mit Kleidern, Barbies und einem rosa Sternchen-Tutu. Aber ich hab auch schon immer gerne mit Jungs rumgehangen. Gebolzt, gerauft und "Fangen" gespielt. Das kam so zwischen meinem 4 und 10 Lebensjahr nicht gut an. Die Mädels habens nicht verstanden. Man war kein "richtiges" Mädchen. Wurde ausgelacht, wenn man mit Kleid irgendwo hin kam (ich hab Kleider soooo geliebt. Und dazu meine weißen Spitzensocken und rote Lackschuhe). Weil man kein "richtiges" Mädchen war. Schließlich benahm man sich ja auch gut udn gerne mal wie ein Junge. Hab ich stolz meine Barbies ausgepackt wurde ich ausgelacht. Weil man kein "richtiges" Mädchen war. Und die Jungs fanden es auch doof. Weil Jungs nicht mit Barbies spielen. Mein Ballett-Traum platze auch schnell. Weil man nicht genug Mädchen war. Zu ungelenkig, zu "robust"/dick und diese blauen Flecke vom Fussball - no go. Das bekommt man dann auch schon mit 5 gesagt. Von Kindern UND Erwachsenen. Und so verschwand auch mein rosa Sternchen -Tutu irgendwann traurig im Schrank. Samt meinen heiß geliebten Kleidern, den Spitzensocken und den roten Lackschuhen. Die Barbies kamen auf den Schrank in einen großen Koffer und wurden nie wieder ausgepackt.
    Ich musste mich als Kind entscheiden zwischen femininer Glitzerwelt und aufgeschlagenen Knie auf fem Bolzplatz. Und hab letzteres gewählt. Weil Jungs unkomplizierter sind. Weil da nicht ständig gelästert wird und pikiert geguckt wird, wenn man mal was blödes sagt. Denn dieses ewige Rumgezicke und auf anderen Rumgehacke in der Damenwelt war mit schon als Kind zu viel.
    Die Konsequenz daraus ist, dass ich mein Leben lang bei anderen Mädels (negativ) auffalle. Weil ich Fussball gucke, über schmutzige Witze lache ud genau so ungern shoppen gehe wie die meisten Kerle. Weil nicht rosa sondern schwarz meine Lieblingsfarbe ist. Mein Highlight war der Kommentar "Mannsweib" in der Abi-Zeitung (die ja für ALLE Eltern, Schüler usw gedruckt wurde). Weil da jemand nicht klar kam, dass ich im Sportunterricht 15 Punkte für meine Flugkopfbälle bekommen hab ;D
    Und selbst heute werde ich noch belächelt, wenn ich von meinem Barbie-Koffer, Lackschuhen und Sternchen-Tutut erzähle. Weil sich niemand vorstellen kann, dass ich tatsächlich zu 100% als Mädchen geboren wuree. Nur mit dem kleinen Makel, dass ich eben mehr als das sein wollte...

    Braut sein ist so ziemlich das mädchenhafteste, was man als normale Frau tun kann. Und obwohl mich meine Freundinnen lang genug kennen und wissen, dass ich da etwas anders ticke, spulen wir wieder 20 Jahre zurück und es ist ein riesen Drama, dass meine Gedanken, Vorstellungen und Verhaltensweise nicht die von einem "richtigen" Mädchen sind. Von keinem Kerl habe ich jemals einen blöden Spruch gehört,weil ich kein riesen Tüllkleid möchte oder wir "nur" Brunchen. Die fragen nur, obs Bier unn Fleisch gibt. Hach, Jungs sind so herrlich einfach. Und dann weiss ich wieder, dass ich schon mit 5 alles richtig gemacht habe.


    Das "Krebsproblem"macht es in Bezug auf unsere Hochzeit nur noch komplizierter. Da kommen nämlich dann zwei schwierige Umstände zusammen. Der Tatsache, dass junge Leute sich oft nicht gut in die Situation schwer/chronisch Kranker reinversetzen können und dieses "Rosa-Mädels-Ding", was bei meinen Freundinnen halt leider extrem ausgeprägt ist.
    Ich glaube auch, da kann ich mir den Mund fusselig reden bei manchen Leuten. Sie werden nie richtig verstehen, dass es 1000 gute Gründe für uns gibt so zu feiern, wie wir es tun. Dass das auch mit Krebsb zutun hat, aber ebn nicht nur. Im besten Fall werden sie es irgendwann kommentarlos hinnehmen. Aber wirklich verstehen oder gar gut heißen kann und wird das niemand von denen. Weil keiner in dieser Situation war oder ist und die Mädels halt alle ihren wundervolle Prinzessinentraum leben. Was für mich persönlich zwar sehr schade, aber irgendwie auch gut und beruhigend ist. Es reicht, wenn eine von uns schon viel zu oft gezeigt bekommen hat, dass das Leben eben nicht voll mit rosa Glitzer ist. Ich gönn ihnen ihre Träume und Pläne. Ich möchte mich nur nicht wieder doof fühlen müssen, weil meine eigenen davon einfach nur etwas abweichen...
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    Ach, liebste @Käthe, welch Schnepfen! Für wen heiratet ihr nochmal? Richtig: für EUCH! Macht es zu Eurem Tag. Dann ist alles richtig und wenn ihr Picknick auf einer Waldlichtung veranstaltet.

    Lass alle in ihren Traumblasen leben, aber lebt ihr Euren Traum. Verbiegt Euch nicht für andere und schon gar nicht mit solcher Erbsenzählerei. Ist ja furchtbar. Ich gehöre ja nun zu denen mit den zwei Versuchen. Nummer Eins entsprach in vielen Punkten den Erwartungen aller, aber nicht wirklich meinen. Es war viel Bimbamborium. Nummer Zwei war bunt, wuselig mit vielen Kindern, in unserem Garten. Die Deutschen kamen schicker, die Holländer legerer. Wir hatten lange weiße Tafeln unter den Obstbäumen und es war ein so toller Tag. Und vor allem extrem entspannt - leckeres Catering inklusive.
    Liebe Grüße, Belle
    @Käthe, jetzt muss ich dich einfach mal fest umknuddlern.

    ich bin auch ein ganz komisches "Mädchen"-- jetzt eher .. hm.. alte Schachtel?.. Matrone?.. ochnö..egal-
    .. ich liebe Motorräder, Leder, schnelle Autos, hab Tätowierungen ( zu denen ich nach wie vor stehe und sie jederzeit wieder so machen lassen würde). Ich denke wie ein Samurai, hab besser als mancher Mann Poolbillard gespielt, kann besser schiessen als die meisten Männer, mag Kraftsport und Kampfkunst ist mein Ding (inzwischen aber nicht mehr aktiv). Schwarz ist mein bunt- und das seit fast 30 Jahren.

    ich war früher auch ein sehr spießiges, angepasstes Mädchen mit Föhnfrise und Streifenblüschen- das hat sich dann recht radikal geändert... diese Zickereien unter Mädchen habe ich auch erlebt- und hab es gehasst. Fußball jedoch war nicht meins. Mit den Jungs hab ich mich erst in der Pubertät ausgiebig beschäftigt *lach..

    Trotzdem aber liebe ich Glitzerndes, Samt, Spitze, Skulls, Silber, Seide, Schmuck. Ich bin eine nicht unbegabte Schminkerin.
    Ich war schon Gothic als es noch keine Gothics gab. Wir waren Waver..mochten schwarz , weiss, the crow, The Cure, depeche Mode..

    hier Bilder aus der Zeit... 80 er Jahre.. ( ich bin nich drauf.. sind aus dem Netz)

    ***Bilder entfernt, da explizit ein copyright angegeben wurde***
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    Liebe Käthe, wir hatten vor drei Jahren Silberhochzeit (da hatte ich schon Metastasen). Unsere Hochzeit war vor 25 Jahren eher sehr sehr bescheidenen. Deshalb wollte ich eine unvergessliche Feier haben. Nun habe ich inzwischen nur Rente, mein Mann arbeitet Teilzeit und ich stecke viel Geld auch in mein Wohlbefinden- also kein großes Budget. Wir haben einen tollen Jugenstilsaal gemietet, all unsere Freunde eingeladen (115) und mein Schwager war Festleiter. Es gab ein Mitbringbufett- sprich jeder hat das zubereitet was er besonders gut kann und ein paar Junggesellen haben statt dessen etwas Geld gegeben was es ihnen wert war. Zwei Freundinnen haben das koordiniert so das es z.B nicht 12 mal Kartoffelsalat gab und von dem Geld noch einige Sachen beim Catering dazubestellt . Es gab Kaffee und Abendessen und noch nirgends habe ich ein liebevolleres leckeres und tolleres Buffet gesehen. Mein Schwager hat das Programm koordiniert- viele hatten einen tollen Beitrag und meine Tochter hat uns ein Lied kombiniert und gesungen. Meine Schwester hat eine fantastische Deko gezaubert.Der Tag war für uns unvergesslich . Wir hatten keinen Stress, haben nur unsere Wünsche geäußert, die Sitzordnung und die Einladungen entworfen und die Kosten waren total überschaubar. Seitdem gab es in unserem Freundeskreis schon 2 Hochzeiten und 3Silberhochzeiten sowie diverse andere Feiern nach dem gleichen Modell weil es allen so gefallen hat und für niemanden zu großen Stress oder finanzieller Aufwand bedeutet hat und jeder es sich leisten konnte.
    @die Belle und @Kati
    Die fröhliche Gartenhochzeit und Mitbring-Silberhochzeit klingen richtig gut ♡
    Ich hab das Gefühl, dass Leute jenseits der 20 irgendwie bessere Feste feiern. Irgendwie klingen solche Veranstaltungen für mich jedenfalls immer deutlich schöner und lustiger als das, was ich so aus dem jungen Umfeld kenne. Weil alle begriffen haben, dass es bei solchen Festen um so viel mehr geht, als sich möglichst dolle Auszublasen, sich gegenseitig zu Übertrumpfen usw.


    @MortalKombat
    Ach wie mega cool :) Ich finde es klasse, wie du dich da auslebst. Das kann sicherlich auch nicht jeder verstehen. Aber es ist sooo wichtig, dass jeder so sein kann, wie er möchte.



    Kurzer Krebs-Funfact:
    Unsere Trauung beginnt um 09.30 Uhr. Das stieß 2,3 Mädels übel auf und es kam sowas wie "Ach du sch*iße, da müssen wir ja voll früh aufstehen, weil wir ja noch zum Friseur müssen vorher." Keine Ahnung, was die Mädels dachten, wann bei einem BRUNCH denn die Trauung sonst sein soll, wenn nicht morgens. Jedenfalls musste ich beherzt lachen, mir mein kurzes "After-Chemo-Hair" streicheln und mich entspannt zurück lehnen. Während die Damen sich stundenlang beim Friseur abquälen (was m.E. völlig überflüssig ist, aber auf mich hört ja niemand), werde ich noch im Land der Träume sein. Manchmal, aber auch nur manchmal, bringt diese ganze Krebs-Katastrophe tatsächlich ungeahnte Vorteile mit sich.
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    Hallo @Käthe,

    es es ist euer Tag, wem das Umfeld nicht behagt, soll wegbleiben und die Klappe halten.
    Unsere Hochzeit liegt bald 35 Jahre zurück.Zum Standesamt kamen Eltern, Trauzeugen und meine Schwester. Anschließend gab es Mittagessen, Kaffeetrinken. Am nächsten Tag hatten wir eine Feier mit Verwandten und Freunden. Ein Brautkleid fand ich für mich total bescheuert, ich habe mir ein blaues Kleid gekauft. Das war rund und kam uns am nächsten. Damals waren wir beide im gleichen Verein aktiv. Es wußte keiner, dass wir heiraten, da gab es zwei Kisten Apfelwein und eine Hochzeitskarte.
    Meine Schwester hat ähnlich unspektakulär geheiratet, ich konnte nicht dabei sein, da ich hochschwanger war und am gleichen Abend noch einen Kaiserschnitt hatte. Bei der Silberhochzeit war ich in der Bestrahlung. Mein Sohn hat vor einem Jahr groß geheiratet, das Fest war schön und teuer, aber die Jugend hat selbst bezahlt.
    Die beiden haben genug für zwei Leben mitgemacht.
    Irrwitzig finde ich, wenn die Scheidung schon läuft und die Hochzeit noch abbezahlt wird. Meine Schwiegertochter hat neulich von zwei Freundinnen erzählt, wo der Prinzessinnentraum nicht aufgeht.
    Ich wünsche euch viele gute und gesunde Jahre zusammen.
    Geli
    Vergangenheit ist Geschichte,
    Zukunft ist Geheimnis,
    aber jeder Augenblick ein Geschenk. (Ina Deter)
    Nur nicht den Humor verlieren, liebe @Käthe! Vergesst einfach nicht, ihr seid nicht dafür da, es anderen recht zu machen oder etwas aufrechnen zu lassen. Und @Kati, das klingt ganz wundervoll! Silberhochzeit wäre ein tolles Ziel. Wir sind 14 Jahre ein Paar, neun verheiratet. Es ist also ein anspruchsvolles Ziel.

    Und damit wären wir gerade bei meinem aktuellen nicht guten "Wie kann ich mit dem Krebs umgehen und ihm ein Schnippchen schlagen?". Körperlich geht's mir gut, ich kann wieder laufen nach dem letzten katastrophalen Jahr, ansonsten fühlt sich alles aber ziemlich brüchig an. Ich seh gut aus, absolut nicht krank, bin aktiv, arbeite, was geht und ansonsten versuchen wir hier auch nicht so viel Drama aus den Metastasen zu machen. Allerdings: mein Kopf macht Drama. Bei der ED hab ich nie ans Sterben gedacht, zumindest nicht intensiv. Das war schlichtweg keine Option. Jetzt ist es bedrohlich näher gekommen. Es kreist sich (derzeit zu viel) darum, was, wenn ich es nicht schaffe? Nicht lange genug. Meine Kinder sind 9 und 12. Ich kann und will mir nicht vorstellen, nicht mehr da zu sein. Und doch kommt das immer und immer wieder hoch. Ja, auch das gehört dazu. Ich weiß.

    Vertrauen in die Therapien zu haben, das ist ein wichtiger Baustein. Aber irgendwie lässt mich die Schulmedizin gefühlt im Stich. Ich mache und tue, nehme alle Therapien wahr und höre seit Anbeginn "Eigentlich hätte das nicht auftreten dürfen" - bei der ED, bei der Metastasendiagnose. Nur ein "Pech gehabt" reicht mir nicht. Ich fühle mich abhängig und ausgeliefert. Ich hab so vieles gelesen und immer wieder gibt es neue Ansätze zur Therapie, das ist auch tröstlich. Aber kann ich es in meinem Denken so implementieren, dass ich darauf vertraue? Ich finde das gerade so schwer. Auch, nicht zu vergleichen. Es sterben so viele an Brustkrebs - und die sicherlich auch alle gern noch gelebt hätten. Ignorieren ist ja auch keine Option. Aber dieses leben in Abschnitten und mit dem ständigen Damoklesschwert über einem, aktuell kann ich das ganz schwer ertragen. Bewegung und Ernährung sind zwei Pfeiler, aber reicht das?

    Eigentlich bin ich ein grundzuversichtlicher Mensch. Doch manchmal hab ich Impulse, hier alles auszumisten, was mir gehört, damit ich damit im Falle des Falles niemanden zur Last falle. Absurd, oder? Ich will nichts mehr als leben und wenn es sein muss mit dem Krebs, scheint ja sehr anhänglich zu sein. Ich hab schon den Ehrgeiz, es ihm ungemütlich zu machen. Andererseits vertraue ich überhaupt nicht mehr auf mein Körpergefühl. Da eine Balance zu finden, das ist eine echte Herausforderung. Ich hab Pläne, aber gefühlt mit angezogener Handbremse.
    Liebe Grüße, Belle
    Liebe @die Belle , ich kann das so gut verstehen- mir geht es oft genauso- ich habe voriges Jahr wirklich unsere Wohnung ausgemistet und alle unnötigen Dinge bei eBay verkauft einfach damit mein Mann später besser Ordnung halten kann. Natürlich will ich leben aber wenn irgend jemand ein Ereignis in der Zukunft erwähnt , denke ich immer zuerst - ob ich da noch lebe. Es gibt Zeiten da ist es besser und dann ist es wieder ganz extrem. Liebe Grüße Kati
    Liebe @die Belle, es macht mich traurig dich in so einem Dilemma zu sehen und kann und will dir da auch keine Ratschläge geben wie damit umzugehen ist. Ich könnte dir jetzt erzählen, dass ich eine Cousine habe die durch einen ärztlichen Kunstfehler seit ihrem 16.Lebensjahr blind und gehbehindert ist und trotzdem am
    Leben teilnimmt, oder dass ich schon 70 Jahre alt geworden bin und mir immer wieder gesagt wird, du hast dein Leben ja gelebt und ich solle doch mal an die jungen Pat. mit Kindern denke, was ich absolut tue.
    Das alles ist vollkommen richtig, aber egal in welcher Lebenssituation man sich befindet, man muss es leider immer , wirklich immer mit sich selbst ausmachen und da ist man ganz alleine, auch wenn liebe und gute Menschen um einen herum sind. Ich habe mir einige Tricks und Hilfsmittel selbst beigebracht, indem ich alte Fotos, oder selbstgedrehte (das gibts wirklich noch) Super -8- Filme anschaue und mich richtig an die schönen Dinge erinnere. Oder einen superschönen Abend mit alten Freunden organisiere, oder in die Regionen reise, wo ich glücklich war.
    Das ist dann für mich nicht so, als ob ich Abschied nehmen wollte, sondern das hebt meine Lebensfreude und ich sehe, dass es sich absolut lohnt, bei allem was wir durchmachen müssen, für solche Augenblicke zu leben, auch wenn sie nicht mehr so sind wie damals, sie könnten ja noch schöner sein, was manchmal wirklich zutrifft. In diesem Sinne Lg Margarete
    Liebe @die Belle, das kann ich alles so gut nachfühlen. Dieses Leben im 3-Monatstakt ist unerträglich. Aber das IST jetzt mein Leben. Immer wieder die Angst vor dem Ergebnis der MRT. Auch wenn der Befund, so wie aktuell, gut ist, die Angst bleibt. Ich weiß, dass ich wahrscheinlich keine 60 werde, auch wenn mir alle sagen (auch die Ärzte), dass ich mich nicht von Statistiken ins Bockshorn jagen lassen soll.Unsere Tochter ist ja erwachsen aber wir haben zwei Enkel (fast 2 und gerade einen Monat alt) und ich möchte sie so gerne aufwachsen sehen...Schaffe ich das?? Was das Körpergefühl betrifft: Unter Ibrance ging es mir super, es war meine erste Therapie und ich habe voll darauf gebaut und dann - Peng! - neue Metastasen. Deshalb bin auch jetzt, nach den Erfolgen, die Caelyx mir ja offensichtlich gebracht hat, sehr misstrauisch und skeptisch...Aber ich will nicht nur klagen, die letzten 18 Monate haben mich verändert. Ich bin viel egoistischer als früher und stehe dazu. Ich habe erfahren, dass ich geliebt und gebraucht werde. Ich habe den Kontakt zu Menschen, die mir nicht guttun, abgebrochen. Das hätte ich früher nicht gekonnt. Ich habe meine Rente beantragt, weil ich die Zeit, die mir bleibt, nicht mehr mit Stress und Druck und Unverständnis verbringen will. Ich mache Pläne (auch im 3-Monatstakt). Nächste Woche fahren wir nach Italien. Ich gehe in die Oper und ins Theater, höre viel Musik und lese jetzt nur noch das, worauf ich Lust habe. Bin ja Buchhändlerin und MUSSTE früher so viel lesen, was mich nicht interessierte, wollte ja immer JEDEN Kunden gut beraten. Will sagen: ich bin in mancher Hinsicht freier als früher. Ich versuche wirklich, mein Leben jetzt zu leben. Manchmal klappt es, manchmal nicht. Es ist so viel Gutes um mich, ich will mich von meiner Angst nicht fertig machen lassen...Ich habe mich für die Schulmedizin entschieden, weil ich keine echte Alternative sehe. Auch ich baue auf neue Erkenntnisse/ Medikamente. Ich hatte ja von Anfang an Metastasen, deshalb war der Gedanke an einen frühen Tod auch von Beginn an dabei. Meine Therapeutin hat vor einiger Zeit zu mir gesagt:" Es ist schön, dass Sie sich jetzt mehr mit dem Leben als mit dem Tod beschäftigen." Und da hat sie recht. Liebe Belle, nimm die Handbremse raus! Liebe Grüße, Norma
    @RidingGeli
    Oh, das ist natürlich ganz bitter, wenn man noch die Hochzeit abstottert, während die Rosa Wolken sich schon un ein graues Donnerwetter verwandelt haben. Ich persönlich bin , abgesehen von Autos und Immobilien, kein großer Freund von Krediten. Ich hab von klein an gelernt, dass ich nur Geld ausgeben kann, das ich auch habe. Da muss man halt mal länger sparen. Aber mich für eine Hochzeit verschulden, wäre wirklich nicht mein Ding.



    @die Belle
    Ich habe keine Ahnung von Metastasen. Aber ich kenne die Angst, die der Krebs mit sich bringt. Und ich stelle mir vor, dass die Diagnose von Metastasen diese Angst einem nochmal deutlich näher bringen kann. Du kannst den Krebs und die Tatsache, dass dieser jeder Zeit dein Leben bedroht gewiss nicht einfach ausblenden. Aber wie du selber schreibst kannst du versuchen, mit dem Krebs in einer unfreiwilligen Gemeinschaft zu leben, so gut es eben geht.
    Ich verstehe, dass dir da manchmal der Optimismus für fehlt. Die unbeschwerte Zukunftsperspektive. Ich glaube, genau das ist am Ende eine der grausamsten Seiten unserer Erkrankung.

    Ich weiss leider selber nicht, was da der beste Weg für dich wäre. Aber ggf kann dir ja die psychoonkologische Betreuung in deiner Gegend irgendwie weiterhelfen. Dir neue Wege aufzeigen, wie du in düsteren Momenten es schaffst, an deiner Zuversicht festzuhalten, selbst in düsteren Momenten.


    Ich wünsche dir jedenfalls, dass du schon bald wieder das Leben besser genießen kannst. Die schönen Momente wieder in den Vordergrund rücken. Wieder auf deinen Körper und die Medizin zu vertrauen kannst.


    Ich schicke dir eine dicke Portion Zuversicht. Bediene dich daran, bis du deine eigene wiedererrungen hast.
    You haven't seen the best of me,
    I'm still working on my masterpiece <3
    Liebe @die Belle , auch mir geht es oft so wie du es beschreibst. Mein Körper ist vermeintlich wieder fit, aber Geist und Seele hängen sehr hinterher, besonders seit dem ganzen Trubel mit der Metastase Anfang des Jahres. Ich kann jedes deiner Gefühle nachvollziehen. Auf der einen Seite will ich am liebsten alles jetzt sofort und hier erleben, auf der anderen Seite traue ich mich nicht, weiter als 3 Monate zu denken und zu planen. Letztens schickte mir eine Freundin so ein „Sprüchchen“ per WhatsApp. Eigentlich steh ich da nicht drauf.... aber dieses hatte eine kernbotschaft und passte zu mir wie die Faust aufs Auge : „meine Seele hat es eilig“
    ich drück dich feste auf die Entfernung ! Du bist nicht allein, ich versteh ich dich ....
    fall seven times, stand up eight
    Liebe @'Belle',

    mein Vater (95!) hat einen Spruch: "Hast Du Dich im Job zerrissen, wird Dir einst auf's Grab geschi....!"

    Ich denke, "frau" fühlt sich wegen der vielen Arzt-Termine schuldig und will das ausgleichen - besonders gut arbeiten. Aber es wird einem nicht gedankt. Die Fehlzeiten werden einfach als ungerecht wahrgenommen - ohne nachzudenken. Ein gutes Beispiel ist der Beruf des Lehrers - dauernd Ferien, dass da der Unterricht vorbereitet werden muss, sieht keiner. Ich tue mich auch schwer mit meinem 100% Behindertenausweis mit Begleitperson. Aber eigentlich muss ich dauernd zu den Medikamenten zuzahlen. Also ist das vielleicht doch nicht ungerecht, wenn ich günstiger in ein Museum komme oder zu meinen Behandlungen keine Einzelfahrkarten mehr brauche.

    Ja, ich habe mich verändert seit der Diagnose. Jeder meinte, ich müsse wieder in den Beruf einsteigen, wegen der Rente. Ich werde sie nicht erleben. Fertig. Ich versuche das zu tun, was mir wichtig ist. Ich koche z.B. auch für mich etwas anderes, als für den Rest der Familie, wenn mir danach ist.

    Nein, ich schaffe es leider auch nicht immer sofort passend zu antworten - z.B. beim Sommerfest, wo mir eine Nachbarin sagte, sie will um meinetwillen mit mir nicht über medizinische Fragen (sie ist Ärztin) sprechen. Hinterher steckte ich ihr einen Zettel in den Briefkasten - wenn sie lieber über das Liebesleben der Maikäfer small-talken möchte, dann soll sie das sagen - aber es ist ihr Problem, so oberflächlich zu leben, nicht meines, keine Zeit zu vergeuden.

    Ich versuche den Refrain des Liedes von Gitte: "Ich will alles" ( songtexte.com/songtext/gitte/ich-will-alles-bbdc53a.html ) zu leben.

    Meine Mädels sind 8 + 11 ... eine Mutter in unserer Straße ist eines Tages spurlos verschwunden ... Ihre Kinder kamen damit zurecht. Auch lassen sich viele scheiden. Viele - auch die Klassenlehrerin meiner Tochter - habem mir Mut gemacht - ihre Mutter ist auch früh verstorben. "Man" stellt sich das so schrecklich vor, aber ich werde es nicht mehr mitbekommen. Das Leben geht für die Hinterbliebenen weiter.

    Vielleicht war es psychisch doch nicht falsch, dass mir zu Beginn quasi keine Zeit mehr gegeben wurde. Ja, auch ich lebe den aktuellen Tag und als der Augenarzt mir einen Termin in einem halben Jahr gegeben hat, fühlt sich der nicht so an, als wäre das meiner. Ich trage ihn in den Kalender ein und schaue nur, was nächste Woche ansteht. Und ja, ich würde mir auch sehr einen Arzt wünschen, der mir erklärt, wie es weiter geht. Aber so wie ich lese, hat das leider fast keine hier.

    Ich lebe aber auch mehr, als vorher. Ich denke der Spruch: "Du kannst Deinem Leben nicht mehr Tage, aber Deinen Tagen mehr Leben geben." trifft auf jeden zu. Viele schieben zu viel auf die lange Bank - ich verreise, wenn ich in der Rente bin - und dann geht es doch nicht mehr so, wie "man" will. Ich versuche es so zu sehen, ich bin über Nacht 20 - 30 Jahre älter geworden und habe die gleiche Lebenserwartung, wie meine jetzigen Altergenossen - und manchmal auch die selben Zipperlein ;) .

    Grüße Carmen