Sichtweisen: Wie mit Krebs umgehen?

    Sichtweisen: Wie mit Krebs umgehen?

    Hallo zusammen,

    bei "Zeit online" erschien ein Artikel über Sichtweisen im Umgang mit Krebs und den sich daraus ableitenden sprachlichen Umgang mit der Erkrankung: zeit.de/kultur/2018-03/krebser…-krankheitsbilder-10nach8

    Meine Meinung dazu: Ich finde, ein Muss zum Kämpfen kann tatsächlich unter Druck setzen bzw. das Gefühl machen, man habe versagt, wenn es nicht so sich entwickelt wie man es erhofft. Das ging schon mir so im Gespräch mit einigen Bekannten, bei denen ich merkte, sie sahen die "Schuld" bei mir, dass ich erkrankt sei bzw. wenn ich nicht so mit der Krebserkrankung umging, wie sie sich das dachten (was mir aber zu esoterisch war). Nicht mehr von kämpfen zu sprechen bzw. nur noch sich auf den Tod vorzubereiten, wie im Artikel auch erwähnt, fände ich ebenfalls keine gute alleinige Alternative, auch wenn dies irgendwann auch dran ist (ob nun wegen Krebs oder Alter oder einer anderen Erkrankung).

    Mir persönlich gefällt am besten die Vorstellung, so gut wie nur möglich für mich zu sorgen und zu schauen, dass es mir so gut wie möglich gehen möge. Das schließt für mich einfach alle Möglichkeiten, die es nur irgend gibt, erst einmal ein: OP, Chemo-, Strahlen-, Antihormontherapie ebenso wie Bewegung, Ernährung, Ausruhen, Ziele verwirklichen, Zeit mit lieben Menschen, mich mit etwas auseianndersetzen und so vieles, vieles mehr. Und da kann ich auch immer wieder anpassen, was gerade für mich dran ist, mir gerade gut tut.

    Was meint ihr? Wie ist eure Sicht? Und wie würdet ihr euch wünschen, wie auch andere mit euch sprechen, wenn es um Krebs geht?

    Liebe Grüße
    Finja
    Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut ist die Entscheidung, dass etwas wichtiger ist als die Angst. (Ambrose Red Moon)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Finja“ ()

    Hi @Finja interessanter Beitrag. Kämpfen ist auch nicht mein Ding. Ich tue was ich kann gegen den Krebs, aber schlussendlich ist er jetzt ein Teil von mir. Also ich hab ihn mir nicht ausgesucht. Er ermöglicht mir aber jetzt gewisse Freiheiten. Ich bin z. bsp. nie gerne geflogen. Ich hasse es. Jetzt sage ich mir allerdings, okay ich möchte jetzt dort hin und am schnellsten geht es halt so und dann mach ich es eben. Also hat mir die Krankheit auch eine gewisse Freiheit beschert.
    Der Tod gehört nunmal zu unser aller Leben dazu. Ich bin in der Lage dies alles vielleicht gut planen zu können.
    Meiner Familie fällt es schwerer damit umzugehen als mir . Ich habe mich irgendwie daran gewöhnt.

    Bin in sehr gespannt was die Anderen schreiben
    Hallo @Finja und alle anderen,

    tatsächlich habe ich auch schon oft über das Thema nachgedacht.
    Wie oft habe ich gehört, ich solle kämpfen, ich wäre ein Kämpfer, usw..
    Dabei ist es für mich gar kein Kampf. Vielmehr fühle ich mich bei wieder mal schlechten Nachrichten eher, als würde ich mit dem Rücken an der Wand stehen. Wenn ich leben möchte, habe ich gar keine Wahl, als die Behandlungen durchzuziehen, da ich nicht an Wunder glaube und die Wahrscheinlichkeit einer Spontanheilung doch sehr klein ist. Und da ich bisher das Glück hatte, in den Zeiten zwischen Behandlung und neuen Metastasen eine gute Lebensqualität zu haben.
    Auf der anderen Seite werde ich so langsam schleichend mürbe, immer wieder den ganzen Mist von vorne zu beginnen, Ich kann mir vorstellen, dass ich, wenn ich zu sehr leiden müsste, doch aufgeben würde. So viel zum tollen Kämpfer.
    Am schlimmsten finde ich allerdings die Mitmenschen, die sich erdreisten, mir zu sagen, mein Krebs wolle mir etwas sagen. Für mich ist es ein blöder Zufall, dass eine entartete Zelle nicht vernichtet werden konnte. Das einzige, was er mir sagt, ist, dass ich blöde Kuh wohl eher zur Darmspiegelung hätte gehen sollen. Allerdings antworte ich darauf nicht, denn das ist ja nun mal nicht mehr zu ändern.

    Übrigens, liebe @Freundchen70, mit dem Fliegen ging es mir genauso: ich hatte schlimme Flugangst. Jetzt im Januar sind wir in einen wunderschönen Urlaub geflogen, weil ich mir sagte, dass die Wahrscheinlichkeit, an diesem Krebs zu sterben, deutlich höher ist, als abzustürzen. Wär nur blöd gewesen, wenn das auf dem Hinflug passiert wäre...
    Hatte also auch was Gutes, dieser Mist.

    Ganz liebe Grüße an alle
    Luise
    Hey @Finja, das ist ja ein guter Link und auch Deine Frage. Mich hat neulich die Traueranzeige eines jungen Kollegen von mir (Krebs) sehr bewegt: "Gekämpft und einen Sommer gewonnen". Das fand ich eine wunderbare Formulierung.

    Mich hat es in der Therapie enorm gestresst, wenn jemand sagte "Du MUSST positiv sein" so von wegen bessere Heilungschancen durch Einstellung. Dann hatte ich noch einige sehr religiöse Freunde, bei denen die Themen "Gottes Frieden finden" und "Vertrauen in seine Heilung haben" waren. Nichts davon fand ich hilfreich.
    Ich war zornig, ich hatte Angstattacken, ich habe ständig geheult. Da meine Mutter an Brustkrebs verstorben ist, hatte sich in meiner Seele festgesetzt, das müsse zwingend auch mein Weg sein und damit bin ich nicht klargekommen. Bei mir ist die Diagnose jetzt 4 Jahre her und nur ganz langsam hat das innere Gefühl Einzug gehalten, dass das bei mir nicht so sein muss.
    Mir haben die Freunde geholfen, die mich ermutigt haben, nicht aufzugeben und einen Tag nach dem anderen anzugehen. Mit der Vokabel "kämpfen" habe ich weniger Probleme, weil sie ja auch symbolisiert, dass der Weg anstrengend ist und nicht leicht.

    Es ist ein psychologisches Muster, dass nicht-Betroffene auch irgendwie "Schuld" suchen, um selbst keine Angst haben zu müssen. Das klappt z.B. bei Ehescheidungen im Freundeskreis: "Naja, der Mann war ja auch immer auf Dienstreise, klar dass deren Ehe jetzt..." (und da der eigene Mann nicht auf Dienstreise ist, kann UNS ja nichts passieren).
    So ist es leider auch öfter bei Krebs: der/die hat ja geraucht und deshalb... Ich hatte zwei Frauen neben mir an den Chemoinfusionen, die sich selbst Vorwürfe machten, es habe sie genau deshalb erwischt. Das habe ich Ihnen hoffentlich erfolgreich ausgeredet, weil ich der beste Beweis dafür bin, dass es einen auch ohne Rauchen bestens erwischen kann. @Luise - Ich vermute das Thema "der Krebs hat was zu sagen" kommt aus genau der Ecke, es wird versucht einen Grund beizudichten, um sich selbst sicherer fühlen zu können. :thumbdown:
    @Finja,

    das ist ein schöner Artikel.

    Ich kann diese Kampfansagen auch nicht mehr hören.
    Das erste was eine Bekannte zu mir gesagt hat nach der Diagnose war: glaubst du eigentlich das Krebs psychisch ist?
    Toller Kommentar, also teilen sich bei mir nicht nur unkontrolliert Zellen, es stimmt auch mit meiner Psyche was nicht.
    Und dann als er gestreut hat, kamen Fragen was denn bei der Behandlung falsch gelaufen sei... heutzutage würde es doch
    jede schaffen Brustkrebs zu "besiegen". Würg.... und du musst weiter kämpfen, ja klar...

    natürlich geben wir nicht auf solange noch Therapiemöglichkeiten da sind, schließlich wollen wir leben...
    eine andere Möglichkeit haben wir ja nicht und schon gar nicht sind wir selber Schuld.

    Liebe Grüße und einen schönen Tag an alle
    Liebe Mohnblume,
    das psychologische Muster der "Schuld" erlebe ich momentan dauernd.
    Ich war und bin recht alternativ eingestellt was impfen, Antibiose etc. angeht, ich war schon immer eher beim Heilpraktiker als beim Allgemeinarzt aber kann sehr gut entscheiden, wann es eben ohne Schulmedizin nicht geht, würde ich sagen.
    Und sehr viele "Freunde" haben sich seit meiner Diagnose zu echten Alternativmedizinern entwickelt, die mir dauernd sagen, was ich alles so nehmen sollte. Eine kam sogar mit Blütenseelen. Dazu fehlt mir sogar der Humor. Besonders sind es die Frauen, die eine Schachtel am Tag rauchen und abends 2 halbe Weißbier trinken, die mir dann mit den Nahrungsergänzungen kommen. Und der Einstieg ins Gespräch ist immer gleich: "Mensch, du schaust aber gerade bleich aus" oder "Mensch, du bist ja ganz grau im Gesicht". Sowas führt bei mir zu totaler Verunsicherung. Jedenfalls kann es meinen "Freunden" nicht passieren, denn sie nehmen ja Vitamin XYZ und Blütenseelen und und und. Ich weiß schon keine Antwort mehr auf den Schmarrn.

    Und es war sogar eine Oberärztin in München, die wörtlich zu mir sagte: Mensch, welch seelisches Leid haben Sie denn durchgemacht, dass Sie jetzt hier sitzen. Ganz schön bitter, besonders wenn man Mutant ist.
    Hallo Finja,Hallo natürlich zu euch allen...ich will nicht kämpfen das nimmt Kraft und Energie und die brauchen wir doch zum Leben ist meine Sicht dessen...Das mit den "Freunden"oh ja ...,mir brachte eine Nachbarin ca eine Woche nach de rDiagnose Hirntumor, einige Weisskohlblätter...ich solle sie auf die Tumorstelle legendes würd schon...Was glaubt ihr (eine Woche nach der Diagnose)habs getan und bin mit Kohlblättern am Kopf und Mütze darüber rumgelaufen..ja Kopfschütteln oder Lachen nun, alles ist erlaubt....
    Auch Freundschaften haben sich verändert...ich geh ,denke ich so, offen mit meinem Kopf um und nicht jeder kann es ab und geht...na derjenige muss ja nicht damit leben -lernen-denk ich heute....habe mich verändert dadurch und ja auch ich bin in den Flieger gestiegen...Mein Mann hatte mehr Angst und die ständigen Fragen ob es alles okay ist...oh neee...leben möchte ich und das pur solange es geht.,..und manchmal wenn eine Freundin kommt mit dem Drama des abgebrochenen Fingernagels sag ich, komm wir tauschen und rück damit vielleicht ungewollt unserer beider Moment wieder gerader....ich wünsch euch einen guten Tag mit vielen schönen Momenten an denen wir lächeln und leben ..das Leben ist sooo schön, von einfach war nie die Rede.hab ich jetzt wo gelesen...sanne
    Hallo @Finja,

    danke für den Artikel. Da wäre ich so wahrscheinlich nie drübergestolpert.

    Die Kampfansagen gehen mir nach und nach auch immer mehr auf die Nerven. Ich glaube aber, dass viele, die mit der Diagnose Krebs oder einer sonstigen schweren Erkrankung nicht in Berührung gekommen sind, sich nicht anders zu helfen wissen. Sie sind einfach hilflos und greifen deshalb zu solchen Floskeln. Ich bin ihnen deshalb nicht böse, versuche aber immer, ihnen auszureden, dass ich kämpfen MUSS.

    Wie @Siena so treffend gesagt hat: ich will leben und noch viel erleben, weshalb "aufgeben" keine Option ist und ich alle Therapiemöglichkeiten ausschöpfen werde, um so viel Leben wie möglich herauszuholen. Aber einen Krieg führe ich deshalb nicht... das würde mich viel zu sehr unter Druck setzen.

    Liebe Grüße
    Nicole
    Am Ende wird alles gut. <3 Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende. ^^
    -
    Oscar Wilde -
    Hallo ihr Lieben,

    ich habe für mich den Begriff Kampf in Glaube umgemünzt. Glaube an das Leben, an Genuss, an Achtsamkeit und ganz besonders an mich. Mein Ziel war bei meiner Erstdiagnose, dass ich unbedingt den 18. Geburtstag meines Sohnes erleben will, damit er auf eigenen Beinen stehen kann. (Ich bin alleinerziehend). Er war damals 14, jetzt ist er 21. Ziel erreicht. Mein jetziges Ziel ist der 18. Geburtstag meiner Tochter, die nächsten Monat 8 wird. Und auch das werde ich schaffen. Genau daran glaube ich.

    LG Tipi
    Das Leben ist schön!
    Ich mag jetzt gar nicht philosophieren und habe meine Krankheit auch ganz anders erlebt.
    Aber ich schreibe es mal nieder.

    Für mich war es ein Kampf, ein Wettkampf mit dem Krebs. Ich hatte von Anfang an Todesangst, unbeschreibliche Todesangst.
    Ich wollte immer schneller sein, ihm zuvor kommen. Schon deshalb las ich alles, was ich zum Thema in die Finger bekam.
    Ich wollte auch die Therapien noch härter- ich bekam schon TAC- die ist schon nicht ohne. Da las ich einen Fachartikel über dosisdichte Therapie- die wollte ich haben. Ging natürlich nicht, ansonsten hätte ich die genommen.
    Getrieben hatte mich die nackte Angst!
    Alleinerziehend mit 2 Söhnen, 13 und 14 Jahre jung.

    Ganz ehrlich, für mich selbst war der Deal, ein paar Jahre "Verzicht" üben, Qualen und Schmerzen erdulden- um dann durchzustarten.

    Jetzt, angekommen in dem "Durchstarten", da übe ich Achtsamkeit mir gegenüber. Ich gucke, dass es mir gut geht.

    Zum Thema Glauben und auch alternative Medizin: beides (leider) nicht vorhanden.

    Auch ich hatte Ziele, die da waren, die Kinder groß zu bekommen! geschafft! uff.
    Manchmal, nur manchmal denke ich heute, wenn es mir jetzt passieren sollte- die kinder sind groß- es wäre irgendwie ok.

    Ich muss auch zugeben: ich habe unendliches Glück gehabt! Dafür bin ich mehr wie dankbar- das möchte ich so gerne zurück geben, in dem ich mein Wissen gerne teile und helfen möchte- wo immer es geht.
    Liebe Grüße, Jule

    "Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will."
    Albert Schweitzer
    @Siena - argggggh, solche Sprüche!!! <X Als ich wieder arbeiten ging, sagte eine Kollegin aus der Firma, die nicht genau mitbekommen hatte, was bei mir los war: "Oh, Brustkrebs. Jo, hatte meine Kusine auch, ist ja gar nicht schlimm." Manchmal kann man gar nicht so tief durchatmen, dass man nicht pampig wird.
    Oder als eine Frau in der AHB mit Zweiterkrankung (kein Rezidiv) dabei war und eine in der Runde fragte: "Ja hast Du denn etwa Dein Tamoxifen nicht genommen?"

    @Desir77 - oha, den Satz "Du bist aber blaß", da tickt bei mir auch alles aus. Ich war immer blaß, mein ganzes Leben lang, schon als Kind, ich habe nun mal einen hellen Teint zu roten Haaren. Jetzt auf einmal maßt sich jeder an, aus meinem Aussehen auf meinen Gesundheitsstatus ableiten zu dürfen. Da trägt man gutes Makeup mit Rouge und "sieht aus wie das blühende Leben". Ich weiß, dass die alle gar nicht wissen, dass die Kommentare reinhauen, aber an schlechten Tagen kann man mir damit echt alles versauen.

    @Tipi - Deine Herangehensweise klingt sehr kraftvoll und nach einem tollen Fundament um nicht den Halt zu verlieren, das finde ich super.

    @sanne - mich hat das alles leider auch etwas ungeduldiger gemacht mit dem Jammern meiner Freundinnen. Der abgebrochene Fingernagel ist natürlich das sprichwörtliche Beispiel. Aber ich habe eine Freundin, die sich ohne Witz mehrfach wöchentlich bei mir (unerwünschter Kinderwunsch wegen Krebs) über ihre vier Kinder beschwerte. Da habe ich irgendwann einen Riegel vorgeschoben, da soll sie bitte bei jemand anderem jammern. Das trennt dann leider auch irgendwie, aber wenn ich nichts gesagt hätte, wäre das auch nicht besser gewesen.

    @Jule66 - ja, dieses "immer schneller sein" das spürt man Dir ab und darum habe ich Dich oft beneidet, weil Du die Angst irgendwie mit Energie gefüllt und dadurch genutzt hast. Mich hat sie leider nur sinnfrei gelähmt und zwar viel zu lange. Da finde ich Deine Lösung die bessere.
    Mohnblume,ja ungeduldig bin ich auch geworden...möchte möglichst "viel" Leben"und überfordere meine nächsten Mitmenschen bestimmt schonmal damit..ich kann auch nix liegenlassen was noch zu erledigen ist..alles muss sofort wenn möglich getan werden...
    Positiv wenn man es so sagen kann ist aber auch dieser doch "Genuss von Kleinigkeiten"zb den Regen auf der Haut spürenden Gänseblümchen.Schade dann nur das viele es ohne eine Erkrankung nicht wirklich sehen denk ich manchmal.
    ich wünsche euch weiterhin das jede-r- für sich seinen ganz eigenen Weg gehen und finden wird...sanne
    @Finja
    Danke für den Anstoß!
    "Kampf" ist für mich negativ besetzt. anstrengend, ungewisses Ende: gewinnen oder verlieren, 0 oder 100..., zermürben, Leistung, beurteilt werden, schuld nicht genug getan zu haben, wer legt fest wann der Kampf gut genug ist? Und wenn man den Kampf gegen den Krebs verloren hat, ist man dann schwach oder selbst Schuld oder oder oder ...
    Ich wollte nicht kämpfen. Ich wollte Ruhe. In Ruhe verstehen, was mit mir passiert, was die Medikamente mit mir machen, in Ruhe überlegen, was ich noch gutes tun kann um die Therapie zu unterstützen. Auch in Ruhe über mein bisheriges leben nachdenken und überlegen, ob ich etwas sinnvoll ändern kann. Ich habe die Medizin benutzt um für mich den Krebs zu bekämpfen und war zuversichtlich das die Medikamente ihren Job machen.
    Verrückt: aber durch den Krebs bin ich ruhiger geworden.
    Zur Zeit der Diagnose habe ich sehr hart kämpfen müssen, privat und im Job. So sehr, dass ich völlig erschöpft war. Laut Aussage von Ärzten schon lägst einen "Burn Out" hatte.
    An den Stellen, wo 2 Jahre vorher Stanzen gemacht worden waren die Mikrokalk fanden, der dann über 2 Jahre vierteljährlich beobachtet wurde, bildete sich Krebs. Und mein erster Gedanke war nicht um Himmels Willen, diese tödliche Krankheit, sondern ."Gottlob aus dieser Mühle raus". Mir kam damals auch so etwas wie "Notbremse", "Fügung" in den Sinn. mein Körper hatte mir eine Grenze aufgezeigt.
    Soweit hatte mich mein Lebens"kampf" gebracht. Ich hatte auch lange keine Angst. Mittlerweile hänge ich viel mehr an meinem Leben als im ersten Jahr nach der Diagnose.
    Ich gebe mir keine Schuld sondern packe Dinge jetzt anders an. Natürlich bin ich nicht perfekt, Rückfälle gibt es immer, das ist meinem Temperament geschuldet und eben auch meinem Charakter. Da ist jeder anders. Wenn es wichtig ist sich für etwas zu engagieren, tut ich es, versuche aber es nicht in einen besinnungslosen Kampf ausarten zu lassen und versuche nicht mich festzubeißen wie ein Terrier, sondern loszulassen.
    Ich brauche keinen Kampf um gesund zu werden, sondern Ruhe.
    Immer wieder überlege ich: was tut mir gut, wo fühle ich mich wohl mit wem und womit. Es gibt immer mal Situationen, wo ich wieder in alte Muster rutsche, dann übe ich Achtsamkeit. Das meine ich wörtlich: üben, trainieren. Und dieses Üben finde ich ganz wichtig, sonst vergesse ich das Gute, dass ich an vielen Stellen erfahren und gelernt habe wieder.
    Ich glaube, dass Stress für das Immunsystem nicht gut ist und Kampf bedeutet für mich in den meisten Fällen negativer Stress. Ich glaube, dass mir eine ganzheitliche Medizin hilft. Schulmedizin mit ihren "Keulen" und Naturmedizin, die ich immer besser verstehe.
    Ich würde alles was in meinen Kräften liegt tun um gesund zu bleiben. Allerdings ohne Krampf und wenn die Kraft für etwas nicht reicht, ist es auch gut. Die Lebensqualität ist mir wichtig. in de Zeit, die ich habe möchte ich nicht kämpfen, sondern es möglichst schön haben.
    Wenn mir jemand sagt "Du schaffst das" finde ich es schöner als wenn jemand sagt "Du bist eine Kämpferin". Den Kampf kann ich verlieren.
    Du schaffst das ist eher so als würde jemand sagen: Du hast schon gewonnen.

    sanne schrieb:

    Positiv wenn man es so sagen kann ist aber auch dieser doch "Genuss von Kleinigkeiten"zb den Regen auf der Haut spürenden Gänseblümchen.Schade dann nur das viele es ohne eine Erkrankung nicht wirklich sehen denk ich manchmal.


    Sanne, da hast Du vollkommen Recht.

    Ich weiß auch nicht, ob ich ohne die Erkrankung so viele starke und tolle Frauen kennengelernt hätte, die ich in meinem Leben nicht mehr missen möchte.

    Und egal, was die neue Situation mit den Metastasen mit sich bringt... ich bin der festen Überzeugung, dass alles wieder gut wird - wahrscheinlich anders, aber gut. :saint:
    Am Ende wird alles gut. <3 Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende. ^^
    -
    Oscar Wilde -

    mohnblume79 schrieb:

    RESI schrieb:


    Du schaffst das ist eher so als würde jemand sagen: Du hast schon gewonnen.


    Was für ein wunderschöner Satz <3

    So unterschiedlich ist das ... Bei mir kam immer nur die (gedankliche) Reaktion: "Und wie willst Du das wissen, ob es schaffe?" Glücklicherweise kam das nur von ein paar Bekannten, Freunde waren so schlau, das nicht zu sagen.

    Und so hat halt jeder andere Bedürfnisse und Strategien.
    Ihr habt alle so Recht. :thumbsup: Ich habe mir auch so gedacht, dass das Leben mit mir einfacher geworden ist. Sachen bei denen ich mich früher gesträubt und gewunden hätte um irgendwie Drumherum zu kommen, lasse ich einfach zu. Denke mir oft was soll’s , tu ich ihm /ihr halt den Gefallen.
    Mir fällt es oft schwer, nicht in allen Zipperlein und Wehwehchen bei mir (oder meinen Lieben) sofort schlimmes zu vermuten. Auch wenn mein Verstand mir sagt, dass es totaler Quatsch ist, spielt der Geist mir oft einen Streich. Manchmal wünsche ich mir die Unwissenheit/Unbeschwertheit junger Jahre zurück. Als ich noch nichts wusste von Tod, Krebs & Co.....

    Bei meinen Mitmenschen ärgert mich oft die Frage , die sie sich dann immer sofort selbst beantworten und eigentlich gar keine ehrliche Antwort hören wollen : „Wie geht es dir ? Alles wieder gut, ne ?! Siehst gut aus, toll !“ mittelerweile spüre ich, wer wirklich eine ehrliche Antwort möchte, egal wie sie ausfällt. Und den Rest ignoriere ich einfach.

    Von einigen Mitmenschen/Kontakten habe ich mich befreit. Sie tun mir nicht gut und ich möchte das einfach nicht mehr. Das macht mich manchmal einfach nicht „beliebter“, aber das ist mir egal :=))))
    fall seven times, stand up eight
    Guten Abend zusammen!

    Ich hätte nie gedacht, dass ihr so viel schreibt dazu. In den letzten Tagen habe ich mir Gedanken dazu gemacht. Vieles mag so unterschiedlich sein wie jede anders ist - und doch gibt es so viel Verbindendes auch, finde ich und es sind ja auch bei jeder viele unterschiedliche Seiten, die mit der Krebserkrankung verbunden werden.

    Ja, vieles ist bewusster geworden. Wie Du, sanne, auch schriebst: Das Spüren von Regen oder das Sehen der Gänseblümchen oder auch wie Du,Freundchen, meintest, mit manchem gelassener umgehen zu können. Ins Flugzeug bin ich noch nicht gestiegen, dafür sammle ich noch Mut, den manche von euch schon hatten und sich da Träume erfüllt haben. Was bei mir anders geworden ist, das ist auch, mehr von dem zu zeigen und dazu zu stehen, wie ich bin.

    Krass finde ich, was manche sich anmaßen zu sagen, was der Krebs einem angeblich sagen will. Ich habe gelesen, dass einige von euch auch da üble Erfahrungen machen mussten. Mich fragte bei der ersten Brustkrebserkrankung jemand (die ich noch nicht mal gut kannte), welche Seite betroffen sei und dann, das hätte sie nicht gedacht, dann wäre die andere Seite betroffen gewesen, hätte das für einen Konflikt mit der Mutter gestanden... So eine sinnfreie Deutelei - furchtbar. Dass es eine typische Krebspersönlichkeit oder Schlussfolgerungen auf bestimmte Lebensereignisse als Ursache gäbe, das glaube ich ganz gewiss nicht. Wie Du, mohnblume, auch schriebst, sicherlich steckt oft Unsicherheit dahinter und der Wunsch, sich selbst einreden zu können, es können einen selbst nicht treffen. Doch ich finde, das macht es nicht besser. Erwachsene Menschen sollten in der Lage sein, sich damit auseinander setzen zu können, dass dies jede treffen kann und zum Leben dazu gehören kann. Ja, Sternchen, manchmal reicht es leider nicht, das anzusprechen oder Grenzen zu setzen, da darf frau auch den Kontakt abbrechen. Mohnblume und Desir, welch ein Druck da von anderen einem gemacht werden kann, irre!

    Ja, so wie Du, Luise, schriebst:

    Luise schrieb:

    Dabei ist es für mich gar kein Kampf. Vielmehr fühle ich mich bei wieder mal schlechten Nachrichten eher, als würde ich mit dem Rücken an der Wand stehen. Wenn ich leben möchte, habe ich gar keine Wahl, als die Behandlungen durchzuziehen (...)
    So ähnlich schriebst auch Du es, Siena.
    Und auch Freundchen, Du hast das so gut beschrieben, finde ich:

    Freundchen70 schrieb:

    Kämpfen ist auch nicht mein Ding. Ich tue was ich kann gegen den Krebs, aber schlussendlich ist er jetzt ein Teil von mir. Also ich hab ihn mir nicht ausgesucht.

    Von manchen Bekannten oder anderen Mitmenschen habe ich den Eindruck, sie bewundern, wie ich mit der Erkrankung und den Behandlungen umgehe. Dabei ist das für mich einfach nur selbstverständlich, notwendig und einfach Lebenswille.

    Mir geht es mittlerweile auch so, dass ich nicht kämpfen möchte. Trotzdem will ich alles dafür tun, um zu leben. Es ist aber ein anderes Tun geworden. Ich möchte nicht mehr ständig Druck haben und vielleicht sogar noch Schuldgefühle mir machen lassen, weil ich erkrankt bin oder nicht all die (teils sehr fragwürdigen) Dinge tue, die manch einer meint, dass ich sie tun sollte oder angeblich besser weiß, was mir gut täte als ich selbst.

    Grimmi, wie sagst Du anderen, dass Du nicht kämpfen willst und wie verstehen sie es?

    Nicht kämpfen zu wollen, damit meine ich nur, mir nicht Druck machen zu lassen und mir selbst keinen Druck zu machen. Es heißt aber sehr wohl, viel dafür auch zu tun, um leben zu können - und natürlich auch, dass es (immer wieder) Zeiten der Angst geben kann oder in denen ich durch anstrengende Behandlungen gehe. So wie Du, Jule, es auch beschreibst, dass dazu auch gehört, sehr anstrengende, schmerzhafte Behandlungen durchzustehen. Auch ich will dafür alles tun, habe mir z. B. damals den EC-Chemoteil dosisdicht geben lassen und gerade ja erst die prophylaktische OP zur Entfernung von Gebärmutter und Eierstöcken. Versuche, mich so gut es geht, zu informieren. Wenn das unter kämpfen verstanden wird, ja, dann will ich auch weiter kämpfen. So wie Du, mohnblume, es auch beschreibst:

    mohnblume79 schrieb:

    Ich war zornig, ich hatte Angstattacken, ich habe ständig geheult. Da meine Mutter an Brustkrebs verstorben ist, hatte sich in meiner Seele festgesetzt, das müsse zwingend auch mein Weg sein und damit bin ich nicht klargekommen. Bei mir ist die Diagnose jetzt 4 Jahre her und nur ganz langsam hat das innere Gefühl Einzug gehalten, dass das bei mir nicht so sein muss.
    Mir haben die Freunde geholfen, die mich ermutigt haben, nicht aufzugeben und einen Tag nach dem anderen anzugehen. Mit der Vokabel "kämpfen" habe ich weniger Probleme, weil sie ja auch symbolisiert, dass der Weg anstrengend ist und nicht leicht.


    Für mich ist die Vorstellung eines "Kampfes" sehr negativ besetzt. Da geht es mir sehr ähnlich wie Dir, Resi. Es steckt für mich beim Kampf ein Druck dahinter, der so groß ist, dass ich ihn niemals erfüllen könnte - einfach, weil ich zwar sehr viel tun kann, doch nie alles in meiner Hand liegt, wie die Krebserkrankung verläuft. Da gehört auch Glück dazu, wie Du, Jule, auch so gut schriebst. Deshalb mag ich das Wort "kämpfen" nicht, denn es macht Schuldgefühle, die ich völlig fehl am Platze da finde. Das Wort "Kampf", das verbinde ich mit siegen oder verlieren. Doch ob man kurz oder lange leben kann, das sagt ja nichts darüber aus, wie man diese Zeit für sein Leben genutzt hat, ob man wirklich gelebt hat.

    Resi, wie Du es beschreibst, das ist weitgehend so, wie ich es auch sehe:

    RESI schrieb:

    Ich gebe mir keine Schuld sondern packe Dinge jetzt anders an. Natürlich bin ich nicht perfekt, Rückfälle gibt es immer, das ist meinem Temperament geschuldet und eben auch meinem Charakter. Da ist jeder anders. Wenn es wichtig ist sich für etwas zu engagieren, tut ich es, versuche aber es nicht in einen besinnungslosen Kampf ausarten zu lassen und versuche nicht mich festzubeißen wie ein Terrier, sondern loszulassen.
    Ich brauche keinen Kampf um gesund zu werden, sondern Ruhe.
    Immer wieder überlege ich: was tut mir gut, wo fühle ich mich wohl mit wem und womit. Es gibt immer mal Situationen, wo ich wieder in alte Muster rutsche, dann übe ich Achtsamkeit. Das meine ich wörtlich: üben, trainieren. Und dieses Üben finde ich ganz wichtig, sonst vergesse ich das Gute, dass ich an vielen Stellen erfahren und gelernt habe wieder.
    Ich glaube, dass Stress für das Immunsystem nicht gut ist und Kampf bedeutet für mich in den meisten Fällen negativer Stress.


    In meinem Leben habe ich so furchbar viel kämpfen müssen. Als die Krebserkrankung kam, da habe ich gar nicht darüber nachdenken können, sondern einfach gemacht, einfach durch erst mal durch die Behandlungen und dabei weiter arbeiten, um nicht meine Existenz zu gefährden. In der AHB dann, da saß ich nicht fünf Minuten still aus Angst. Ja, die Angst, Todesangst, saß auch mir im Nacken und sitzt dort auch jetzt noch oft. Doch bei der zweiten Krebserkrankung, da habe ich gemerkt, so, wie ich es bisher gemacht habe, will ich nicht mehr. Ich will mich nicht von der Angst und dem Druck zum Kämpfen bestimmen lassen, sonst breche ich zusammen. Ich brauchte einen anderen Weg. Wie oben geschrieben, natürlich schließt das auch anstrengende, schmerzhafte Behandlungen ein. Es gehört jedoch für mich mittlerweile auch dazu, überhaupt erst mal etwas dafür zu tun, um mich selbst zu spüren und zu spüren, was tut mir gut, was für Ruhe brauche ich, mit wem möchte ich Kontakt und mit wem nicht, zwar die Arbeit gut und engagiert machen zu wollen, weil sie mir wichtig ist und Freude macht, aber keine ständigen Überstunden mehr, sondern da mir auch Zeit für Ruhe zu nehmen, zu tanzen, spazieren zu gehen, aber auch meine Meinung stärker zu vertreten und vor anderen zu mir zu stehen. Das bringt mir eine ganz andere innere Ruhe. Ich finde dies wichtig, denn ich denke auch, dass ein Druck (vor allem, wenn ich mit mir selbst nicht gut umgehe und unter Dauer-Anspannung stehe, weil ich Schicksalsschläge nicht verarbeitet habe) sich auf das Immunsystem nicht gut auswirkt - und das Immunsystem will ich ja aber stärken.

    Was ich auch sehr hilfreich empfinde, das ist das, was Jule und Tipi beschrieben habe: Sich selbst Ziele zu setzen.
    Tipi, diesen Glauben, den Du hast, das finde ich so eine sehr angenehme, ruhige Stärke:

    Tipi schrieb:

    ich habe für mich den Begriff Kampf in Glaube umgemünzt. Glaube an das Leben, an Genuss, an Achtsamkeit und ganz besonders an mich. Mein Ziel war bei meiner Erstdiagnose, dass ich unbedingt den 18. Geburtstag meines Sohnes erleben will, damit er auf eigenen Beinen stehen kann. (Ich bin alleinerziehend). Er war damals 14, jetzt ist er 21. Ziel erreicht. Mein jetziges Ziel ist der 18. Geburtstag meiner Tochter, die nächsten Monat 8 wird. Und auch das werde ich schaffen. Genau daran glaube ich.


    Jule, solch ein Glaube kann, muss aber nicht religiös begründet sein. Bei Tipi verstehe ich es auch unabhängig davon, sondern einfach ein Vertrauen darauf, dass es möglich sein kann und dies erreichen zu wollen.

    Vor ein paar Monaten hatte ich meinen Glauben an das, was mir wichtig ist, verloren. Mittlerweile entwickelt er sich wieder - aber anders: Nicht als Druck, dass dies kommen muss, sondern - auch, wenn es mir manchmal noch schwer fällt - als ein Vertrauen darauf und in mich.

    Liebe Grüße
    Finja
    Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut ist die Entscheidung, dass etwas wichtiger ist als die Angst. (Ambrose Red Moon)
    Liebe @Finja,

    ja, wie sagt man es seinem Umfeld, dass man keinen Krieg führt?

    Dazu muss ich sagen, dass ich ein sehr positiver Mensch bin. Zwar hat es mir bei der Erstdiagnose als auch jetzt bei der Entdeckung der Metastase kurzzeitig den Boden unter den Füßen weggerissen und ich habe die ersten Tage viel geweint und auch geflucht, habe mich dann aber schnell wieder gefangen.

    Nach dem Weinen und Fluchen habe ich die Erkrankung als einen Teil von mir angenommen und akzeptiert. Und so kommuniziere ich den Krebs auch nach außen: ich bin chronisch krank und werde entsprechend behandelt - mit allem, was dazu gehört... Solange es irgendwelche Behandlungsmöglichkeiten gibt, werde ich auch alles mitnehmen, was geht, um so lange und so gut wie möglich zu leben. Mein Wunsch ist es, mit meinem Mann goldene Hochzeit zu feiern - und bis dahin dauert es noch eine ganze Weile ;)

    Wenn ich einen Krieg führen würde, würde ich den ja gegen mich selbst richten und warum sollte ich mich selbst bekämpfen wollen? Kann ich gegen mich selbst gewinnen oder verlieren? Nein, ich kann nur Grenzen überwinden und jeden Tag, an dem es mir gut geht als Geschenk betrachten...
    Bis jetzt haben die meisten das verstanden und akzeptiert. Allen anderen kann ich nicht helfen... sollen sie denken, was sie wollen...

    Wir wissen am besten, was uns gut tut und was wir brauchen - und nur darauf kommt es an!

    Ich wünsche Euch allen einen guten Start in die Woche,
    liebe Grüße
    Nicole
    Am Ende wird alles gut. <3 Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende. ^^
    -
    Oscar Wilde -
    @Finja - heute nur kurz. Deinen Text möchte ich noch ein paar Mal in Ruhe lesen. Was ich so gar nicht leiden kann ist bevormundet zu werden. Mein Arbeitgeber meint immer mal er wüsste besser was für mich gut ist. Ich hätte es ja nicht geschafft für mich zu sorgen weil ich Krebs bekommen habe. Da ist es wieder: man ist selbst Schuld, unfähig für sich zu sorgen. Damit macht es sich das Gegenüber ganz schön leicht. Ist quasi gar nicht beteiligt aber grundsätzlich fähiger und besser.
    Es ist anstrengend sich dagegen zu wehren. Da muss ich dann wirklich aufpassen dass ich nicht zu sehr ins Kämpfen komme. Meist bin ich erst mal enttäuscht wenn man mir auf einmal Dinge nicht mehr zutraut. Mit Krebs habe ich so eine "Stempel". Die einen sind verunsichert, die anderen benutzen das gerne mal gegen mich oder mir wird vorgeworfen ich benutze den Krebs um mir Vorteile zu verschaffen. Das habe ich alles schon erlebt...
    @Tipi Die Vorstellung, meinen Sohn zu seiner Abiturfeier begleiten zu dürfen, ist mein nächstes Lebensziel. Ich bin jetzt schon vollkommen hingerissen, dass ich ihn in seiner Grundschulzeit begleiten durfte und die ist in drei Monaten abgeschlossen. Vor 5 Jahren habe ich das für unmöglich gehalten.

    @Überdeutung einer Krebserkrankung Nach meiner Diagnose habe ich ein Buch über Bedeutungen von Krankheiten mit vollem Genuss seitenweise in den Schredder gesteckt. Das hat mir richtig gut getan. Mir hatte man vor der Diagnose schon eine Brustkrebserkrankung wegen meiner Mutterproblematik vorhergesagt. Nach der Diagnose empfahl man mir, keine Krebstherapie zu machen, weil im Familienstellen sich zeigte, dass die Krankheit nicht lebensbedrohlich sei. Leider komme ich aus einer Familie, die voll in diesem esoterischen Kontext aufgeht. Sehr lästig.

    @positives versus negatives Denken "Du musst eine positive Einstellung haben! Dann wirst Du auch wieder gesund!" Ich wusste, um die Prozentzahl, bei der die Chemo nicht wirkt. Ich sah die Menschen aus meiner Vergangenheit, die an der Krankheit in Wochen dahinsiechten. Alles keine positiven Bilder. Was mich sehr befreit hat, war der Hinweis auf den Seiten von der dkg, dass eine Heilung nicht vom positiven Denken abhängt. Negativ zu denken, alles zu lesen und Notfallpläne zu schmieden, hat mir sehr geholfen.

    @Kämpfen Mit dem Irrlauben lief ich herum, dass man nur genug "wollen", "kämpfen" und "arbeiten" muss, dann man könne "alles" erreichen. Ich hatte sehr früh den Eindruck, dass ich keine Kontrolle über das Krankheitsgeschehen hatte. Das war für mich ganz schlimm, dieser Kontrollverlust. Das hat mir eine Angstattacke nach der anderen beschwert. Vorher hatte ich die Idee, dass ich mich mit vollen Willen zum Sterben ins Bett lege, wenn ich "fertig" mit dem Leben bin. Keine Ahnung wie ich zu dieser Idee kam. Die Erkenntnis, dass Sterben gegen meinen Willen viel zu früh erfolgen könnte, war grauenhaft.

    @Krebszellen Mit Liebe wollte ich die Krebszellen auf den richtigen Weg bringen und habe sie im Gespräch gebeten, dass sie ihre eigentliche Aufgabe nachkommen sollten. Ich war überrascht über diese Idee, weil die Idee eigentlich im kindlichen magischen Denken angesiedelt werden könnte.

    @ Vorschlag der Autorin des Artikels: "sich auf den Tod vorbereiten" Warum nicht? Aber was meint die Autorin konkret damit? Bürokratische Vorbereitungen? Beerdigung planen? Grab kaufen? Wenn man vorab seine eigene Beerdigung kaufen möchte, ist das übrigens in NRW nicht machbar gewesen.
    Zwei meiner Freundinnen habe ich im letzten Jahr begleitet. Mir war es wichtig, die "Ernte des Lebens einzufahren" und jeden Tag feierlich zu begehen - im Endstadium gab es sehr wenig Zeit, um das wirklich umsetzen zu können, weil die "gute Momente" immer seltener wurden. Ich habe bewusst immer wieder erzählt, was ich an beiden besonders charakteristisch, liebenswert und besonders fand, an gemeinsame Erlebnisse zu erinnern, Handmassagen, Erfüllung von Wünschen ... und natürlich viel Einfühlung in die elendige körperliche Situation ... und die Vertretung ihrer Interessen im Hospiz, die sie vorher formuliert hat. Ich war nur zu Besuch regelmäßig da und danach war ich fix und fertig.

    @sanne Für mich ist es genau umgekehrt. Ich will nicht mehr so viel. Weniger ist mehr. Ich habe nach der Therapie nicht mehr so viel Energie. Kind, Ehemann, Yoga, Spaziergänge, Sport und alles andere darf auch liegenbleiben.

    @Sternchen76 Auf die Frage "Wie geht es Dir?" antworte ich nicht mehr.

    @Jule66 Lebensverlustangst hatte ich. Der Zustand ist unbeschreiblich und ich habe ihn vorher nie wieder erlebt. Glauben ist bei mir nicht angelegt ... und über komplimentäre Medizin hat mir intensive Lektüre vollends verdorben.
    Nach meiner ersten Erkrankung, habe ich weitestgehend das Wort schlimm aus meinem Wortschatz verbannt. Schlimm kann man nicht vergleichen, denn es ist immer individuell und ich bin nicht "schlimmer" krank als andere.
    Heute gerade erst fiel mir ein weiteres Wort für die Verbotsliste ein: müssen. Denn ich "muss" gar nichts.
    Das Leben ist schön!
    Hallo zusammen!

    Während meiner Reha sprachen wir im Seminar dort auch darüber, wie wir unseren Alltag, die Arbeit und alles leben wollen. Eine Frau sagte: "Ich MUSS gar nichts mehr, das habe ich gelernt." So deutlich hatte ich das noch nicht gehört zuvor und merkte, wie das in mir nachwirkte und auch bis jetzt ich immer wieder an ihren Satz denken muss. Und jetzt lese ich es so von Dir, Tipi. Eine gute Freundin von mir fing auch neulich an, wies mich darauf hin, dass ich nichts MUSS. Ich merke, wie das etwas verändert in mir, den (ungesunden) Druck wegnimmt und mir dadurch mehr Kraft gibt.

    Und ja, ich glaube auch, wir wissen selbst am besten, was uns gut tut, liebe grimmi. Der Arbeitgeber, liebe Resi, der weiß es ganz gewiss nicht besser als wir, ja. Was ich versuche, das ist immer besser mit mir selbst im Kontakt zu sein, immer besser spüren zu lernen, wie es mir geht, was ich brauche. Wie weit war ich früher davon weg es zu spüren oder wenn ich es spürte, überging ich es, weil ich ja etwas anderes zu "mussen" glaubte...

    Liebe Grüße
    Finja
    Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut ist die Entscheidung, dass etwas wichtiger ist als die Angst. (Ambrose Red Moon)
    Schön diesen Satz: "ich muss nichts" hier zu lesen. Das kann ich nicht oft genug lesen und hören.
    Immer wenn es darum ging freiwillig etwas zu übernehmen, fühlte ich mich in der Verantwortung. Hatte ein schlechtes Gewissen wenn ich es nicht übernahm. Gerade gab es wieder so eine Situation. Ich habe dem sanften Druck standgehalten und muss jetzt mit dem (ungerechtgertigten) Druck und Unmut leben. Da muss ich lernen das nicht an mich rankommen zu lassen.
    Guten Morgen,

    diese Erkenntnis hatte ich schon vor Jahren in einem Seminar gewonnen. Ich muss nichts, ich muss nur mit den Konsequenzen leben. Ich empfand es als sehr befreiend, alles was ich tue, ist freiwillig, bzw. weil ich den Weg des geringsten Widerstandes gehe. Das gibt mir die Entscheidungsfreiheit.

    Liebe Grüße
    Luise
    Ihr Lieben,
    ich habe lange überlegt, ob ich hier etwas schreiben soll. Immerhin habe ich nicht (oder sollte ich angesichts familiärer Vorbelastung vielleicht sagen noch nicht...?) selbst mit dieser Erkrankung zu kämpfen, sondern habe nur aus allernächster Nähe den Kampf meiner Eltern gegen dieses Ungetüm miterlebt. Deshalb ziehe ich meinen Hut vor Euch, wie Ihr alle damit umgeht - und das ist so gemeint wie gesagt und soll nicht irgendwie platt wirken.
    Vielen der bereits erwähnten Sichtweisen bin ich auch begegnet, am schlimmsten fand ich immer die Frage nach "Wie geht es dir?" Mein Vater fragte immer: was soll ich den Leuten nur antworten? Die meisten wollen es gar nicht so genau wissen. Ich hatte mir nach dem Tod meiner Eltern angewöhnt, immer mit einer Gegenfrage zu antworten: Wie soll es mir schon gehen? Danach merkte man schnell, ob die Frage wirklich ernst gemeint war.
    Durch die Erlebnisse habe ich mich verändert. Vieles ist nicht mehr so wichtig, Dinge, über die ich mich früher echauffiert habe, berühren mich nur am Rande; wenn sie sich nicht ändern lassen, dann ist es eben so. Zeit ist kostbar, man sollte sie nicht verschwenden. Für Dinge, die mir wichtig sind, nehme ich mir eben Zeit, das muss gehen, und geht auch...
    Mein Umfeld hat auch akzeptiert, dass ich nicht mehr für jeden Sch... zur Verfügung stehe. Ich überlege mir sehr genau, wo ich mich engagiere und wo ich wirklich "nein" sagen kann (konnte ich früher nicht). Dabei habe ich festgestellt, dass es mir damit viel besser geht.
    Es klingt jetzt blöd: Was ich momentan wirklich anstrengend finde, sind die vielen Fragen danach, ob ich denn auch alle Vorsorgeuntersuchungen wahrnehme. Dieses ewige "Du bist vorbelastet, du musst dich kümmern, dann kann man noch was machen" geht mir ziemlich auf die Nerven. Ich gehe regelmäßig zur Vorsorge und habe einen tollen Hausarzt, der mich auch mal schubst, wenn ich überfällig bin. Ansonsten: Ich kann doch nicht ständig beim Arzt hocken und ihn suchen lassen, ob er nicht doch irgendwas findet, was nicht in Ordnung ist. Aber manchmal habe ich das Gefühl, genau das wird von mir erwartet. Schrecklich. Wenn wirklich etwas kommt, dann kommt es und DANN mache ich mir Gedanken. Dank dieses Forums fühle ich mich irgendwie gewappnet. Ich kann auch sagen, dass der Tod für mich ein Stück weit seinen Schrecken verloren hat, ich habe keine Angst mehr davor (hoffe aber, dass ich noch viel Zeit habe)
    Zum Kämpfen möchte ich nur eines berichten: mein Vater war ein großer Kämpfer und ich weiß nicht, wie oft er dem Tod von der Schippe gesprungen ist, allein durch den Willen, meine Ma nicht allein zu lassen. Konnte er sogar den Verlauf kontrollieren? Keine Ahnung, aber Mama gab ihm Kraft und auch Lebensqualität. Als sie nicht mehr da war, fehlte der Motivator, und ich hatte so das Gefühl, dass die sch... Krebszellen nur gewartet haben, bis sie nicht mehr in Schach gehalten wurden, um sich dann überall auszubreiten.
    Danke für's Lesen.
    Liebe Grüße
    Bella
    Liebe @Bella69 Danke Bella für Deinen Bericht. Natürlich gehört der auch hier hin! Andere wissen oft was besser für einen ist - glauben Sie zumindest.
    Manchmal ist es auch wirklich gut wenn mir jemand den Kopf wäscht mich schubst, mir ins Gewissen redet - aber damit das ankommt muss das mit einem gewissen Fingerspitzengefühl geschen. Man merkt ganz schnell wenn es nur oberflächliches Gequatsche ist ohne Empathie. Darauf verzichte ich gerne!
    Hallo @ alle: Vor fünf Jahren hatte ich schlimme Bauchschmerzen. Nach drei Tagen konnte ich es nicht mehr ausshalten und bin zum Arzt gegangen. Sofort ins Krankenhaus, Diagnosemühle, dann das Ergebnis : Tumor in der rechten Niere, wahrscheinlich gutartig. Operation MUSS sofort gemacht werden. Obwohl ich total schockiert war, haben wir erstmal die Hochzeit unserer Tochter gefeiert und ein paar Tage später kam ich dann unter`s Messer. Niere musste entfernt werden, weil der Tumor zu groß war. Auf meine Fragen, wie der Tumor denn enstehen konnte und wie lange er wohl schon in meiner Niere war, sagte der Operateur zu mir, das wisse keiner, ich solle mir aber mal überlegen, was mir in der letzten Zeit so "an die Nieren gegangen" sei. Dieser Chirurg war erfahren, kompetent und freundlich. Aber: Wie kann ein Arzt sowas sagen? Das zum Thema Ursachenforschung und "Schuld" an einer Krankheit. Der Tumor war gutartig. ich finde es heute noch absurd, dass etwas als gutartig bezeichnet wird, das mich eine Niere gekostet hat. --Danach gut erholt, aber lange nicht mehr so leistungsfähig. Aber das Gefühl, dem Tod nochmal von der Schippe gesprungen zu sein. Ein gutes Gefühl. In den folgenden Jahren zwei geliebte Menschen verloren, die krebskrank waren. Damals schon mitgekriegt, wie unsensibel, aus welchen Gründen auch immer, viele Menschen reagieren. Dann Krebsdiagnose bei mir. Schon vor der Op Verdacht auf eine Metastase in der Leber. Aber die Ärztin im BZ beschönigte dauernd. Wahrscheinlich Blutschwamm, keine Sorgen machen, blablabla. Es war eine Metastase und nach zwei Operationen an der Leber weiß ich, dass ich multiple Metastasen habe, die nicht operabel sind. Originalton Operateur (auch sehr erfahren, kompetent, bekannt und freundlich) : "Da kann ich nun nichts mehr machen. Ihre Metastasen sind wie mit dem Salzstreuer auf der ganzen Leber verteilt". Zu diesem Zeitpunkt habe ich damit gehadert, überhaupt wieder aus der Narkose erwacht zu sein. Danach Gespräch mit der Oberärztin : "Sie schaffen das! Sie sind so stark! Sie müssen jetzt kämpfen!" Überhaupt keine Menschenkenntnis. Ich war alles andere als stark damals. Nur weil ich nicht alles zusammengeheult habe, war ich noch lange nicht stark. Und den Auftrag zu kämpfen....Ich sehe es so: Für mich ist alles, was ich gegen den Krebs mache ein Kampf . Was sonst? Nach rund einem Jahr Therapie kann ich sagen: Obwohl ich nach sieben Monaten drei neue Metastasen hatte, geht es mir heute insgesamt besser als vor einem Jahr. Dank der Familie, der echten Freunde , meiner Psychologin und meiner mich jetzt behandelnden Ärzte, die ich mir ganz bewusst gesucht habe. Ich habe wirklich das Gefühl, ein gutes Team um mich zu haben. Ich bin noch im Krankengeld, werde aber nicht mehr arbeiten. Vor einem Jahr ein undenkbarer Gedanke. Aber es geht! Ich glaube, für die Betroffenen unter uns, die Kinder haben, die noch nicht erwachsen sind, ist es eine andere Situation. Für die Angehörigen und Freunde ist es schwer. Ich glaube manchmal : schwerer als für mich. Ich denke, ich weiß, was Jule meint, wenn sie schreibt : jetzt wäre es für mich ok. Also, ok finde ich es nicht, aber ich werde in diesem Jahr 55 und habe ein ganz gutes Leben gehabt, bisher. Alles, was jetzt kommt, ist Bonus. Und ich werde wahrscheinlich ALLES, was die Schulmedizin bietet nutzen, um diese Zeit zu verlängern, solange die Nebenwirkungen sich in Schach halten lassen. Die Frage, wie es mir geht, finde ich nicht soo schlimm. Mich nervt : Du siehst ABER gut aus. So haben wir eben alle unsere Empfindsamkeiten. Und ja, ich lese ganz viel über die Krankheit, auch vieles, was mir nicht guttut und vieles, was ich nicht richtig verstehe. Das Forum ist mir, auch was dasVerstehen betrifft, eine große Hilfe.Danke dafür! Ganz liebe Grüße an alle, Norma
    Eigentlich wollte ich zu diesem Thema hier nichts schreiben, aber nun mache ich es doch.
    Ich weiß gar nicht mehr recht wie es bei der ED war, natürlich hat es mir den Boden weggerissen. Aber ich habe brav alles gemacht was die Schulmedizin geboten hat. Habe auch alles recht gut überstanden.
    In der AHB hat mich ein Vortrag über Psychoonkologie wachgerüttelt und ich habe noch während dem Aufenthalt meine vorzeitge Pensionierung angestossen, erstmal begrenzt bis 2019.
    Für mich war klar, wenn alles vorbei ist gehe ich wieder arbeiten. Der Vortrag war interessant, die Kernaussage war das wenn man jetzt in seinem Leben was ändert, dann werden es alle mittragen und einen dabei unterstützen. Nicht wie die guten Vorsätze an Neujahr, die schnell wieder in der Versenkung verschwinden.
    Seit dieser Zeit ging es uns als Familie wieder gut, abundzu mal Kopfkino, aber ansonsten haben wir uns neu orientiert und das Leben genossen, neue Küche, neues Auto, wir sind Großeltern geworden im April.
    Dann plötzlich durch Zufallsbefund Knochenmetastasen.
    Da habe ich mich gefragt, warum nur, ging es uns zu gut, habe ich nicht genug getan, Zweifel kamen auf.
    In dieser Zeit habe ich TV einen Film gesehen, ein Krimi glaube ich, da hat sich jemand versucht mit Tabletten das Leben zu nehmen, da dachte ich nur kurz, wenn ich das jetzt machen würde, dann wäre alles vorbei, keine Therapie, keine Nebenwirkungen, einfach Ende. Aber zum Glück bin ich einfach zu feige für so etwas.
    Als alles erst nur Verdacht war, habe ich immer gesagt, mein Bauchgefühl sagt mir was anderes. Keiner hat mir geglaubt, nicht mal mein Mann, aber ich vermute er wollte sich und mir nur Mut machen.
    Was mich innerlich seit der neuen Diagnose auf die Palme bringt, sind die mitleidigen Blicke, sei es bei der Bestrahlung oder jetzt bei der Mammographie. Dann kommen immer so Sätze wie: Sie sind so stark. Denkste, das ist alles nur Schau. Es gibt Tage da esse ich aus lauter Frust alles zusammen oder ich heule nur.
    Aber in meinem Bekanntenkreis gibt es zum Glück sehr verständnisvolle Leute, die ehrlich fragen wie es mir geht und das tut gut oder mich gar nicht fragen aber mir zuhören wenn ich mich ausquatschen will.
    Genau und ich muss nichts, ich kann aber nur wenn ich will. Aber ich will nicht immer.
    Achja, etwas skurilles habe ich doch noch erlebt eine aus meiner Klöppelgruppe hat mir allen ernstes geraten, ich solle Kamelurin trinken <X
    Mich quält immer wieder der Gedanke wielange ich mein Enkelkind begleiten kann.
    Auch hoffe ich sehr, das mein Mann meine ganzen Therapieentscheidungen miträgt, egal wie ich mich mal entscheide.
    Wir müssen jetzt wieder neu lernen unser Leben umzuorganisieren, wieder bestimmen Ärzte und Therapien unsere Gemeinsamkeit.
    So, jetzt geht es mir wieder etwas besser auch weil ich weiß, das wir hier alle unser Leben mit dieser Krankheit neu gestalten mussten.
    LG Martina
    Die Wahrheit ist: Du musst da durch. Du hast die Wahl, ob du das lächelnd oder jammernd machst.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „juni66“ ()