Neuanfang nach/mit Krebserkrankung?

    Neuanfang nach/mit Krebserkrankung?

    Falls hier falsch, bitte verschieben!
    Hallo ihr Lieben, ich brauch mal Meinungen/Denkanstösse/vielleicht Erfahrungsberichte. Kurz zu mir: Ü50, fast 15jähriger Sohn, feste Partnerschaft, 2010 Melanom,2014 Hirnmetastase, seit 1990 bekannte Multiple Sklerose. Nehme alle Nachsorgen wahr, keine Medikation. Leichte Einschränkungen durch die MS. Wir wohnen mitten im Ruhrpott. Seit Jahren träume ich von einem Leben an der Nordsee. Nun ist die Überlegung, diesen Traum umzusetzen - nächstes Jahr, wenn Junior die weiterführende Schule beendet. Nur weiß ich nicht, ob ich mich das wirklich traue.
    Einerseits fühle ich mich an der Küste wie zuhause, wir sind öfter dort, es ist jedesmal wie angekommen sein....andererseits sind da so viele aaaaber: ich würde meinen Partner nicht mehr so oft sehen (ich bekomme Rente, er steht noch für mind. 6 Jahre im Beruf), was, wenn ich dort krank werde (und mit Kind alleine da stehe), meine Eltern etc. sind dann auch 300km weg (und mit über 80 nicht mehr mobil),was wenn Junior dort unglücklich ist, darf ich ihn aus seinem Umfeld reißen.....wir sind vor einigen Jahren schonmal umgezogen, auch 40km weiter, dadurch bin ich näher an der Familie, seitdem führen wir eine Wochenendbeziehung, das klappt ganz gut, wir haben vorher aber auch16 Jahre zusammen gewohnt. Mein Partner meint, die paar Jahre bis er Rentner wird schaffen wir auch noch. Aber was, wenn er krank wird? Ich kann nicht mal eben 300 km fahren. Und dann kommen auch Gedanken: was, wenn einer von uns diese Jahre nicht überlebt? Vergeuden wir nicht gemeinsame Zeit? Ich bin so hin- und hergerissen. Was meint ihr?
    Liebe Grüße Nicky
    Hallo @Nicky1507 ,

    schwierige Kiste das ganze. Ich selbst wollte im Alter immer an der Ostsee leben, nun bin ich alt, aber nicht mehr gesund. Für mich stand der medizinische Aspekt im Vordergrund, wo ist die nächste Klinik mit einer guten Onkologie. Mein Traumziel Usedom bietet da nichts, man müsste bis Greifswald fahren (100 Km Landstrasse) oder bis nach Stralsund (knapp 70 km Landstrasse). Die müssen im Notfall erst einmal gefahren werden - auch durch den Partner. Greifswald selbst bietet für mich nicht mehr Lebensqualität als Frankfurt/Main, von der Ostseenähe abgesehen. Bliebe eventuell Hamburg.... da sind die Immobilienpreise (egal ob Miete oder Eigentum) exorbitant hoch, so daß man da an der Lebensqualität auch wieder Abstriche machen müsste. Also blieb ich....

    Mit pubertierendem Jugendlichen sieht das noch ganz anders aus. Du wirst am besten beurteilen können, ob man ihm diesen Wechsel zumuten könnte, wie sehr er an seinem Pott hängt. Manchmal darf man egoistisch sein, manchmal muss man ans Wohl des Kindes denken.

    Du merkst, eine Antwort kann ich Dir nicht geben, wahrscheinlich aber auch sonst niemand. Für mich habe ich nach jahrelangem grübeln gedacht: Ich bin nicht gesund, habe nicht mehr die Kraft, zusätzliche Widrigkeiten zu überwinden, die in meinem jetzigen Leben nicht relevant sind. Warum sollte ich für ein bisschen Meerblick, gute Luft und dem Charme des Nordens mein soziales Netzwerk aufgeben. In Frankfurt bin ich bestens ausgestattet mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die Entfernungen sind kurz. Ich kann somit locker 2 - 3 Arzttermine an einem Tag wahrnehmen, ohne Kilometer zu schrubben. Urlaub ist meist schön, von Alltag und den Alltagssorgen aber meist weit entfernt.....

    Das waren meine persönlichen Überlegungen, die mich zum "bleiben" veranlasst haben.

    Viele Grüße
    Anhe
    Dum spiro, spero - Cicero
    Hallo Nicky,

    nach 2008 kam auch für mich die Frage auf, wo ich denn den Rest meines Lebens verbringen möchte. Im Zentrum meiner Überlegungen stand damals Nordstrand bei Husum. Ein wunderschönes Fleckchen Erde, das ich von vielen Urlauben kannte. Immobilienmäßig wäre das damals dort auch kein Problem gewesen. Letztendlich entscheidend waren dann doch ähnliche Überlegungen wie bei dir und Anhe auch: zum einen medizinischer Art, zum anderen die soziale Anbindung. Was ist im Alter? Verschiedene Umstände aus meiner alten Heimat ließen diesen Traum denn doch endgültig platzen. OK, ich lebe heute eine Tagesreise von meiner alten Heimat entfernt. Das hat tausend gute Gründe: eine neue Lebenspartnerin. Inzwischen habe ich auch hier eine intakte, verlässliche soziale Anbindung und auch sonst passt alles. Das hat eine Zeit gedauert und war nicht immer so ganz einfach.

    Es gehört selbst für gesunde Menschen sehr viel Mut dazu, sich in diesem Alter nochmal so grundlegend zu verändern. Umso schwieriger für bereits angeschlagene bzw. wie für dich, da du auch noch für deinen Sohn verantwortlich bist. Ich kann dir also nicht raten. Ich weiß nur: ein schöner Traum ist was Gutes, solange es ein Traum bleibt. Erfüllt man sich diesen Traum, dann wird er zur Realität und die muss nicht zwangsläufig schöner sein als die alte. Außerdem fällt es mit zunehmendem Alter immer schwerer, sich ein neues festes soziales Umfeld aufzubauen, denn das heißt auch, sich komplett neu zu integrieren und auch Kompromisse zu machen. Vielleicht kannst du dir mal das zusammenstellen, was dich an positiven Dingen in deiner alten Heimat festhält? Vielleicht fällt dir das Abwägen dann leichter?

    Es genügt ja nicht, den Hut einfach an einen anderen Ort zu hängen. Zuerst muss man ihn sich aufsetzen.


    Liebe Grüße, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    Hallo @Nicky1507!

    Ja, die Entscheidung ist gewiss sehr schwierig!

    Bei mir haben die erwachsenen Kinder entschieden, erst verschlug es sie nach Volljährigkeit innerhalb Deutschlands an Unis in Göttingen, Frankfurt und Mainz, also schon mal fernab von Berlin.
    Inzwischen wohnt unser Sohn mit Frau und bald 3 Enkeln in Schweden ( Nähe Kalmar ) und unsere Tochter hat sich viel im Ausland bewegt und scheint nun in Südkorea, Seoul, sesshaft zu werden und hat dort inzwischen eine Arbeitsstelle sowie Aufenthaltsgenehmigung / Arbeitserlaubnis.
    Angesichts der 300 Km Distanz zu Deinem evtl. neuen Domizil musste ich deshalb lächeln.
    Sohn und Familie in Schweden besuchen bedeutet für uns mindestens 1 Tag Anreise, davon 6 - 7 Std. Fähre.
    Ja und nach Seoul müssen wir wohl in Moskau einen Zwischenstopp einlegen, denn so locker geht das Reisen mit fast 66 und fast 74 Jahren nun nicht mehr...

    Ganz wichtig sind die vorgenannten Argumente wie:
    - Freundeskreis ( auch Deines Sohnes )
    - Partnerschaft
    - ärztliche Betreuung im Umfeld

    Das sind schwere Gewichte!

    Unser Sohn hätte uns gern in Schweden verortet und wir sind auch gern dort.
    Aber bitte nicht im langen Winter und schon gar nicht bei Krankheit.
    Ich selbst brauche die Ärzte hier in Berlin und die sind bereits " handverlesen".
    Letztes Jahr in beim Besuch Schweden war ich krank ( Infekt ) und hatte große Mühe, zu einem Arzt vorgelassen zu werden.
    In der Notaufnahme im Krhs wurde ich abgewiesen und zur nächstgelegenen lokalen Vardcentral geschickt.
    In dieser entscheidet erst die Anmeldung, ob eine Krankenschwester sich kümmert und diese widerum entscheidet dann, ob ein Arzt tätig wird.
    Grund ist u.a. Ärztemangel.
    In meinem Fall hat die zuvorige Krebserkrankung dann doch zu einem Arzttermin geführt.
    Hier in Berlin bekomme ich meine Termine über die Anmeldung direkt beim Facharzt und innerhalb von Berlin.
    Aus diesem Grund, ähnlich wie von Anhe beschrieben, werde ich hier in Berlin bleiben.

    Wenn Dein Sohn sehr gute Freundschaften in seinem derzeitigen Umfeld hat, wurde ich mir einen Wechsel wirklich sehr gut überlegen.
    Dies wäre als Mutter ein ultimatives Kriterium für mich.

    Ich kann Dich aber auch gut verstehen, denn ich bin zwar gebürtige Berlinerin, wuchs aber ab dem 2. Lbj. in Hattingen / Kohlenpott auf und lebte dort bis zum Beginn des Studiums in Siegen ( ab 1972 ) . Nach Studienende 1975 zog ich sofort nach Berlin und suchte mir dort Arbeit, ich hatte ja meine Omas hier und einen grossen Teil der Familiengeschichte.
    Immer noch habe ich Freunde in Essen, Witten und übers Forums auch Kontakte auch nach Bochum und Gelsenkirchen.

    Deine Sehnsucht nach Ortswechsel kann ich absolut nachvollziehen, aber Du musst halt sehr viel abwägen.
    In solchen Fällen habe ich mir stets ein Blatt Papier sowie einen Stift gegriffen und die positiven / negativen Aspekte niedergeschrieben.
    Was immer hilfreich!

    Mit liebem Gruß, Renate
    Adeno ED : 30.03.13 ( nach Thoraxprellung )
    Rauchstopp 14.04.13 , OP 02.05.13 Lobektomie li o.
    IB / pT2 ( 42mm ) pN0 ( 0/24), cM0, L0, V0, G2, R0,
    Chemo habe ich abgelehnt.
    2013 AHB und 2014 Reha in Ahlbeck, NU`s bis 08/2018 unauffällig
    Hallo Nicky!

    Ja auch fuer mich nun 50 und mein Mann 61 war das schwer, aber nach langem Ueberlegen haben wir es nun gewagt und uns ein Haus gekauft. Weit weg von den Kindern ca 1800 km, aber man lebt nur einmal und keiner weiss wie lange. Es ist natuerlich ein bisschen schwerer fuer Dich mit Deinem Sohn. Was sagt er denn dazu? Hast Du Ihn mal gefragt? Er ist ja alt genug um auch ne Meinung zu haben.
    Aber auch fuer mich war erst mal das wichtigste das ich da ein Krankenhaus und so habe, waere nicht weit weg gezogen von einem.

    Alles gute fuer Dich, Petra