38. Jahrestag der deutschen Gesellschaft für Senologie

    38. Jahrestag der deutschen Gesellschaft für Senologie

    Nun kommt mein Bericht zum 38. Jahrestag der deutschen Gesellschaft für Senologie.

    Um es vorab zu sagen: wäre ich nur und ausschließlich deshalb nach
    Stuttgart gefahren, ich wäre mehr als enttäuscht gewesen. Denn, und dies
    konnte man der öffentlichen Bekanntmachung für die Patienten nicht
    entnehmen, umfasste das Programm für uns ausschließlich eine
    "Zusammenfassung des Tages" in Form einer 1,5 stündigen Runde mit den
    Experten an 2 Tagen. Auch war nichts ordentlich ausgeschildert, so dass
    wir zunächst im falschen Film- äh Vortrag landeten. Aber von Anfang an.

    Wir begaben uns in das riesige Gebäude, Messehalle eben. Dort fing es schon mal komisch an. Wir mussten
    uns also anmelden, nichts, mit einfach hineingehen. Ausgeschildert war
    für unsere Gruppe- nichts. Also, die hübschen Hostessen an den vielen Schaltern gefragt, wir müssten uns an den Terminals anmelden und dann
    wieder zu ihr kommen.
    Aha- gut, wir gaben unsere Daten also in die Terminals ein. Zum Schluss der Registrierung blinkte der Kostenbeitrag
    auf: 145 Euro für einen Tag =O :thumbdown:
    Als uns klar wurde, dass das so nicht richtig sein könnte, sind wir wieder
    zu der netten Hostess gegangen und zeigten ihr gleichzeitig unseren
    Flyer, den ich wohlweislich ausgedruckt und mitgenommen hatte. Da stand: für Betroffene kostenlos.

    Sie klärte uns auf, dass wir das doch gleich hätten sagen sollen =O , wir bekämen nun den kostenlosen Gästezutritt.

    Ich habe den Vergleich zu 5 Mamazone-Kongressen, die ich in der Vergangenheit besucht habe. Und so etwas, mit Vorankündigung und
    Einladung etc. , finde ich dann sehr befremdlich- es war also alles andere als einladend.
    Wir bekamen also unsere Gästekarten und wurden in die ungefähre Richtung geschickt.
    Auf meinem Flyer stand: Raum C6.2- also auf zu diesem Raum. Da wir mittlerweile bestimmt 18: 10 Uhr hatten, wir also zu spät waren,
    schlichen wir uns hinein.
    Aber ach, alles auf französisch und wer war der Referend? Seltsam. Vor der Tür war ein
    Tischchen aufgebaut, das gabs Kopfhörer, denn es gab eine Live-Übersetzung. Super, nun würden auch wir etwas verstehen 8o . Aber
    komisch, gar keine Frauen im Raum und überhaupt nur sehr wenig Zuhörer?!? Als wir den guten Mann endlich verstanden, merkten wir, dass
    er über ein gar nicht angekündigtes Thema sprach, nämlich über
    künstliche Intelligenz und überhaupt ging es um Radiologie....seltsam. ?(
    Nach ein paar Minuten beschlossen wir, dass wir im falschen Film sein
    mussten. Wir gingen- unser Programm musste irgendwo anders stattfinden.
    Aber wo? Wir waren schließlich im richtigen Raum.
    Ein paar anderen Frauen ging es wohl ähnlich und gemeinsam kamen wir dem
    Rätsels auf die Spur: es war tatsächlich ein anderer Raum. Leider war nichts ordentlich beschildert! Und endlich, endlich hatten wir den
    richtigen Raum gefunden: C7.1 Leider hatten wir da schon 18:30 Uhr.Also hinein mit uns, es gab sogar noch freie Plätze. Und da saß er dann nun:
    Prof.Untch.
    Hier waren wir richtig- doch leider hatten wir eine halbe Stunde bzw. Prof Harbeck und ihre Zusammenfassung über CDK 4/6 Inhibitoren (Palbociclib)
    verpasst. Und auch einen Teil von Prof.Müller aus Hamburg. Sehr enttäuschend.

    Aber dann kam endlich Prof.Untch an die Reihe. Es ging um das Thema PCR bzw. Non-PCR.

    Er betonte noch mal den großen Stellenwert einer PCR bei TN und Her2 positiv, die er als „so gut wie geheilt, dauerhaft“
    betitelte.Mittlerweile können in den Gruppen TN und Her2 pos. PCR-Raten von 50-60% erreicht werden!
    Bei der Neoadjuvans sollte alle 2 Zyklen nachgeschaut werden, wie der Tumor sich verhält, das wäre eine Grundregel.!
    Nur bei 2-3% spricht der Tumor gar nicht an, er wächst sogar. Dann wäre es sinnvoll, zügig zu operieren. Wenn EC versagt, abbrechen und Taxane
    geben.. Wenn diese auch versagen, OP, „bevor er ins Unermessliche wächst“
    Postneoadjuvante Chemo mit Xeloda, das ist durch Studien und Leitlinien abgedeckt.

    Bei Non-PCR, gibt’s mehrere Möglichkeiten.

    Bei Her2 positiv: Kadcyla.
    Bei TN: Penelope-Studie ,OlympiA Studie für BRCA Trägerinnen, Xeloda

    BRCA muss nicht immer nur eine Keimbahnmutation sein (vererbt, man hat sie in jeder! Zelle), sie kann auch ausschließlich im Tumor entstanden sein.
    Auch für diese Situation kann man Parp-Inhibitoren einsetzen. ( Dafür könnte der FoundationONE-Test eingesetzt werden)- das könnte eine Optionfür den metastasierten TN sein.

    Es gibt einen neuen Parp-Inhibitor, Talazoparib.https://arznei-news.de/talazoparib/
    Eine klitzekleine Studie beschäftigt sich gerade damit. Diese schafft ausschließlich mit diesen Tabletten eine PCR-Rate von 50%- also diese
    hatten in 50% der Fälle keinen Resttumor mehr in der Brust.

    Eine andere Studie beschäftigt sich damit, künftig OPs bei klinischer PCR zu vermeiden. Und zwar in Form von mehreren Biopsien aus dem Tumorbett.
    Die ersten Ergebnisse sehen vielversprechend aus.

    Damit war die offizielle Runde beendet, Patienten durften Fragen stellen.


    Zu guter Letzt nutzten wir die Gunst der Stunde, um Prof.Untch zu interviewen. Mir lag dieser FoundationONE-Test auf der Seele. Ich hatte nun bei 3 metastasierten TN die Ergebnisse
    gesehen- bei allen waren zum einen nur wenige Mutationen nachgewiesen worden und zum anderen lautete die Therapie-Empfehlung immer:
    Everolimus.
    Man muss wissen, dass Everolimus 2012/13 oft bei metastasierten hormonpositiven Tumoren in Kombination mit Aromatasehemmer eingesetzt wurde. Umso verwunderlicher fand ich- und
    wohl nicht nur ich- diese Empfehlung bei TN.
    Also frage ich ihn, was es damit auf sich hatte.
    Wenn der Test das so ergeben würde, hätte das seine Berechtigung, er hätte das für seine Patientinnen beantragt bei der KK. Es wäre in der
    Vergangenheit eben nur für metas. hormonpositive Tumnore zugelassen gewesen, was aber nicht heiße, dass es nicht auch bei TN wirken könne!

    Auch fragten wir zum Thema OlympiA Studie, was denn wäre, wenn eine Teilnehmerin während der Studie Metastasen bekäme- man könne das
    Medikament anschließend ja nicht mehr geben.
    Ja, die Studie würde eben prüfen, ob sich Metastasen mit Olaparib verhindern ließen.

    Unserer Einladung mit uns zu Abendessen ist er dann leider nicht gefolgt :/ - da mussten wir uns alleine auf den Weg machen. Nichtsdestotrotz hatten wir
    anschließend noch einen schönen Abend.

    Mein Fazit:
    für die doch recht große Aufmachung durch die Orga „Frauenhilfe nach Brustkrebs“ fand ich das ziemlich mau. Schlecht organisiert für uns und
    sehr, sehr abgespeckt. Nur dafür hätte ich nicht nach Stuttgart fahren müssen. Ich fahre dann im November lieber auf den BK-Kongress
    „Diplompatientin“, den Mamazone organisiert und zwar jährlich und ausschließlich für uns . Mit genau den gleichen Größen!
    Liebe Grüße, Jule

    "Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will."
    Albert Schweitzer