Brustkrebs - Und plötzlich war alles anders..

    Brustkrebs - Und plötzlich war alles anders..

    Ein freundliches Hallo in die Runde,

    mein Name ist Katharina, ich bin stolze Mutter von einem Sohn (19) und einer Tochter (15).
    Am 15.04.2010 bekam ich das Ergebnis "Mammakarzinom links, triple negativ".
    Und plötzlich war alles ganz anders....

    Zur Vorgeschichte. Ich hatte seit circa einem Jahr eine große Zyste in meiner Brust. Diese wurde durch Ultraschall auch kontrolliert und für harmlos befunden. Anfangs vertraute ich der Einschätzung doch im Laufe der Zeit wurde ich immer unruhiger... Nachdem die Zyste dann ein Ausmass von über 6cm eingenommen hatte, bestand ich auf eine Punktion. Diese wurde mir gnädig gewährt mit dem Hinweis, dass viele Frauen so um Mitte 40 Zysten hätten und ich mich doch ein bisschen anstellen würde.

    Es wurde punktiert und ich bekam schriftlich den Befund, dass alles gut sei. Wörtlich: kein Anhalt auf Malignität.
    Ich war erstmal, entgegen meinem Bauchgefühl, beruhigt. Es dauerte keine Woche und die Zyste war wieder prall gefüllt.
    Ich bestand erneut auf Punktion und dabei erfuhr ich, dass das Punktat gar nicht eingeschickt worden war, sondern nur "in Augenschein" genommen worden war.

    Nun...bei einer erneuten Ultraschalluntersuchung, die erstmals in Seitenlage durchgeführt wurde, sah meine damalige Frauenärztin doch etwas diffuses... - Ich bekam endlich eine Überweisung zur Mammographie.

    Aaaaah.... ich merke schon wieder, wie ich nach so langer Zeit immer noch wütend werde....

    Wie auch immer und um es abzukürzen. Am 14.April 2010 wurde bei mir eine Mammographie und auch gleich Stanze durchgeführt. Die Ärztin im Mammazentrum war sich schon sicher, dass es maligne ist...
    Am 15. dann der Befund telefonisch auf der Arbeit..(mittlerweile weiss ich zu schätzen, dass das unüblich schnell war)..
    Am 23.04.10 wurde ich brusterhaltend (BET) und mit Sentinel-Lymphonodektomie operiert.
    Danach erhielt ich das Chemoschema 3xFEC und 3xDOC in einem 3wöchigen Rhythmus. ( dieses Schema war damals aktuell...heute wird es ein bisschen anders gestaltet).
    Da ich unter der OP eine intraoperative Bestrahlung erhalten habe, musste ich nur noch 28 Bestrahlungen erhalten.
    Im November 2010 war ich mit meinen Akuttherapien, die ich erstaunlich gut vertragen habe, durch.

    Danach habe ich noch ein Jahr später eine Untersuchung des Knochenmarks durchführen lassen, bei der sogenannte "Schläferzellen" festgestellt wurden.

    So, aber für heute erstmal genug :).

    Ich habe bisher alle Nachsorgen mit oftmals viel Aufregung und Ungeklärtheiten gut und gesund hinter mir.

    Mir geht es gut. Und auch, wenn man sich das zum Zeitpunkt der Erkrankung nicht so richtig vorstellen kann, so gibt es tatsächlich irgendwann mal wieder eine Zeit, in der der Krebs nicht an erster Stelle steht.

    Ich denke nicht mehr täglich daran, befasse mich immer weniger damit, lebe glücklich und zufrieden. Und dennoch: Es ist anders....

    Auch wenn ich persönlich momentan in einer Situation bin, in der ich mich nicht mehr täglich austauschen und informieren muss und will, so möchte ich gerne meine Erfahrungen teilen, weitergeben und eventuell die eine oder andere Neuerkrankte mit Wissen unterstützen.

    Boah....ist nun doch ein Roman geworden, dabei habe ich das meiste weggelassen...:)

    Also, nun mach ich mal Schluss...(muss mich aufs Deutschlandspiel vorbereiten :))

    Bei Fragen, immer her damit.

    Sich jetzt doch wundernde, dass allein das Aufschreiben so dolle Emotionen weckt, aber dennoch ganz liebe Grüsse an alle hier sendende
    Katharina


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    So...nun haben wir fast schon Jahresende und ich ziehe Bilanz.
    Ich war dieses Jahr nicht ein einziges Mal zur Nachkontrolle. Einzig die (unauffällige) Mammo habe ich machen lassen.
    Ich konnte mich einfach nicht aufraffen, mich mit dem Thema Krebs zu beschäftigen. Zu meiner "Entschuldigung" muss ich erwähnen, dass ich seit 4 Jahren keine Nachsorge erlebt habe, die nicht große (im nachhinein unbegründete) Aufregung ergeben hatte.
    Diesem Szenario fühlte ich mich dieses Jahr nicht gewachsen.
    Ich habe eine neue Liebe erfahren, obwohl ich nicht mehr daran geglaubt habe.
    Es war keine Zeit für Krebs. Nicht für mich. Nicht dieses Jahr. Zu viele schlimme Abschiede von liebgewonnenen Frauen. Break.
    Manche werden mich jetzt verurteilen, als absolut fahrlässig und selbst schuld, wenn etwas? passiert.... und manche werden mich vielleicht verstehen können... so what?

    Schaun wir mal, was das Jahr 2015 ergibt :)
    Wochenend- und Adventsgrüsse
    Katharina
    Hallo Katharina,
    ich wünsche dir weiterhin alles Gute, hast du denn Beschwerden, die auf böse Aktivitäten hindeuten.
    Bei mir wird seit eh und je nur das in den Leitlinien vorgesehene Programm gemacht, wie Mammo, Sono beim Gyn. Will ich mehr, wohl eher nicht. Einzig die Blutwerte lass ich ab und an überprüfen.
    In dem Sinne eine ruhige Adventszeit und viel Glück mit deiner neuen Liebe.
    Angelika
    Vergangenheit ist Geschichte,
    Zukunft ist Geheimnis,
    aber jeder Augenblick ein Geschenk. (Ina Deter)
    Liebe Simi,

    ich freue mich sehr, dass Du bei mir schreibst. Uns verbinden schon (leider) viele Jahre...
    Ja, Du hast recht... irgendwann ist mal "Auszeit" angesagt...
    Es zermürbt sonst zu doll und man vergisst das Leben.

    Herzliche Grüsse katharina

    Lieber Helmut,
    Ich habe mich sehr über Deine Nachricht gefreut und würde mich auch weiterhin freuen, hier bei "mir" zu lesen. Das Thema : "so what? Und neue Liebe" ist zu spannend, um es nicht öffentlich für alle lesbar zu machen.

    Auch Dir herzliche Grüsse
    Katharina

    Liebe Angelika,

    danke für Deine guten Wünsche. Nein, ich habe keine Beschwerden, die auf "etwas" hindeuten würden. mir geht es gut. Sehr gut. Ich habe bis heute ( obwohl ich ja ab April nächsten Jahres "geheilt"bin) immer noch mit den Nachwirkungen der Chemo und Bestrahlung zu tun. Aber das hält sich absolut in einem für mich ignorierbaren Bereich. Ich habe dieses Jahr mak gar nichts überprüfen lassen. Keine Blutwerte, kein Sono... ausser Mammo. Ich arbeite zur Zeit mehr als Vollzeit, habe all meine "guten Vorsätze" aus 2010 vergessen, oder als nicht praktikabel für mich abgeschrieben.
    Und dennoch: " so what..?"

    Ich liebe das Leben und das Leben liebt anscheinend auch mich :)

    Auch Dir liebe Adventswünsche
    Katharina
    Hahaha.. :) okay, hier kommen die Fakten:

    -10 Lebensjahre jünger als ich, aber 10 Jahre "Leben" älter als ich
    -hört zu und versteht
    -hat einen unschlagbaren Humor
    -ist Stubenhocker und Naturbursche je nach Bedarf
    -liebt mich, mit all meinen Ecken und Kanten
    -hat es geschafft, meinen Schutzpanzer zu durchbrechen
    -ist einfach wundervoll
    -liebt das gleiche Essen und die gleiche Musik, wie ich

    Ich könnte die Liste noch stundenlang erweitern.... :)

    Aber so hast Du nun erstmal einen Eindruck :)

    Nun tanzende Grüsse
    Katharina
    Hallo Katharina,

    es kommt mir vor, als bräuchte ich einfach deine Liste zu kopieren ^^ Natürlich gibt es kleine Unterschiede.

    - drei Jahre jünger
    - der Humor ist trocken, spontan, ich verstehe ihn ^^

    Das sind prinzipiell die einzigen Unterschiede. Nicht ganz unwichtig sind auch die Nicht-Gemeinsamkeiten. Ich lass die mal jetzt weg ;) , denn die sollten sich in der Summe ergänzen. Sie sind die Würze im Leben.


    Das Beste euch Beiden, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    Einen wunderschönen guten Tag allen,

    gestern bekam ich vom Versorgungsamt die Mitteilung, dass ich ja nun nach 5 Jahren" geheilt" bin und auch nicht mehr zu den Schwerbehinderten gehöre.
    Und wisst Ihr was? Ich habe mich super gefreut über diese Post.
    Was für ein unheimliches Glück, diese 5 Jahre ohne weitere Erkrankung erlebt zu haben.Da verzichte ich doch liebend gerne auf die 5 Tage mehr Urlaub und die Steuerersparnis.

    2010 war es für mich sehr fraglich, ob ich meinen 50.ten erleben würde...die Kinder waren noch Kinder...und ich blickte voller Sorge in die Zukunft. Und dieses Jahr werde ich 50 Jahre und blicke voller Zuversicht in die Zukunft.

    Auch wenn ich mich sehr schwer tue mit dem Begriff "Heilung" bei dieser Art von Erkrankung, so ist es für mich nicht selbstverständlich gewesen, in einem Land zu leben, in dem zumindest 5 Jahre lang etwas "Unterstützung" (und sei es auch nur zusätzlichen Urlaub) angeboten werden.
    In vielen anderen Ländern ist dieses absolut unbekannt und finanziell auch nicht möglich.

    Und nun benötige ich diese Unterstützung nicht mehr. Das ist toll!

    Geheilt nach 5 Jahren? Hmmmm... an sowas glaube ich nicht und dafür habe ich mich leider schon von zu vielen "geheilten" Frauen auch nach über 8 Jahren verabschieden müssen. Krebs ist unberechenbar.

    Aber gesund fühlen? Ja, das tue ich mich. Auch wenn die Therapien bleibenden Schaden in Körper und Seele hinterlassen haben, so ist mein Wohlbefinden als sehr gut zu bezeichnen.
    Alles ist gut.

    Herzliche 1.Mai Grüsse
    Katharina
    Hallo Katharina,
    herzlichen Glückwunsch zu deinem fünften Geburtstag nach der Erkrankung. Man liest selten, dass sich jemand freut, den SB-Ausweis wieder abgeben zu können. Du hast eine positive Einstellung zum Leben.
    Ich wünsche dir, dass du ganz viele Geburtstage ohne weitere Erkrankung feiern kannst.
    Bei mir sind es bald sieben Jahre her, ich hatte ein hormonpositives Schalentier, hoffen wir, dass die AHT es für immer vertrieben hat. Ich genieße den Tag und versuche, das was kommen könnte auszublenden.
    Meine Schwester hatte ihre Diagnose vor 15 Jahren und es geht ihr gut, sie hat viele Jahre gebraucht um damit klar zu kommen, es aber dann doch geschafft. Unsere Kinder sind alle vier im Erwachsenenleben angekommen oder kurz davor auf eigenen Füßen zu stehen.
    Alles Gute
    Geli
    Vergangenheit ist Geschichte,
    Zukunft ist Geheimnis,
    aber jeder Augenblick ein Geschenk. (Ina Deter)
    Einen wunderschönen guten Abend zusammen,

    acht Jahre, fünf Monate.
    Ich liebe das Vergehen der Zeit. Ich bin älter geworden. Danke dafür.(der Hüftspeck und die Chickenwings wären nun wirklich nicht nötig gewesen ).
    Ich möchte berichten.
    Innerhalb all dieser Jahre gab es bei mir keine einzige Nachsorge, die nicht in Zweifel und Nachuntersuchung geendet hat. Anstrengend. Aber: Immer wieder alles gut!!

    Nun aktuell: ich bin jetzt, nach all diesen Jahren, bereit, das Ungleichgewicht meiner Brüste anzugehen.
    Meine operierte Brust ist intraoperativ bestrahlt und hat auch dementsprechend viele innere Vernarbungen und Verhärtungen.
    Damit kann und will ich leben.
    Meine gesunde Brust ist über 3 BH Größen grösser, als die andere.
    Ich habe seit über 8 Jahren keinen BH mehr tragen können.
    Ob 30 oder 40 Grad Celsius habe ich einen Body getragen. Das fand ich nicht schlimm, da ich überlebt habe.

    Nun. Es hat sich etwas verändert in mir.
    Ich möchte mich nicht länger verstecken. Ich möchte nicht immer meine rechte Schulter nach vorne beugen, um zu kaschieren.
    Ich möchte nicht mehr meine Brustwarzen (4,5 CM Unterschied in Höhe) verstecken und mit unglaublich viel Aufwand pimpen.

    Ich möchte mich nicht mehr schämen.

    All die Jahre habe ich "ausgehalten", "ertragen".... weil ich es nicht für nötig hielt.
    Ich War froh, überlebt zu haben. Das bin ich immer noch.
    Aber ich habe mir das Recht nicht zugestanden, auch wieder (zumindest äusserlich) intakt zu sein.

    Ich komme von den "Hamburger Deerns". Eine tolle Truppe waren wir.
    Drei von den Mädels habe ich bis zum Tod begleitet. Eine davon bis zum letzten Atemzug.
    Es gibt uns nicht mehr. Wir sind ausgestorben.

    Und nun? Fange ich an zu atmen. Fange ich an, zu spüren. Fange ich an, ohne Angst und schlechtem Gewissen, zu leben.

    Boah... was für ein Roman☺

    Ok, jetzt kurz: ich hatte ein Vorgespräch für eine brustangleichende OP, gesunde Brust verkleinern, und wisst Ihr was?

    Ich machs!!!!! Verdammt noch mal, jaaaa, ich machs.

    Der Antrag für Kostenübernahme läuft, der Termin Dezember oder Januar.

    Ja,, ich fühle mich gut, ich fühle mich mutig,

    und dennoch...es ist immernoch: plötzlich alles anders.

    Ich grüße Euch
    Katharina
    Liebe Karatina,
    Gut so! Bei mir ist die OP noch nicht so lange her wie bei Dir. Aber die Narbe ist eingezogen und es hat sich ein Strang gebildet. Das zieht und meine Onkologin meinte, das ginge schöner und schmerzfrei. Zuerst war ich stutzig und dachte, so schlimm ist es doch gar nicht, ich kann froh sein, dass alles so gut ausgegangen ist. Tja und dann? Ich war beim Arzt, der hat ein Gutachten vorbereitet und das sende ich jetzt zur Krankenkasse. Ja ich will! Vielleicht nicht mehr an die Krankheit erinnert werden. Ich brauche das nicht mehr. Ich wünsche Dir alles gute!