Meine Embryonalzellen und ich......

    Meine Embryonalzellen und ich......

    Meine Embryonalzellen und Ich

    Das Jahr 2006 lief recht gemischt für mich. Auf Arbeit lief es nicht so gut, dafür aber privat doch recht gut.Im Juli wurde meine Mutter plötzlich schwer krank und musste operiert werden. Die Monate danach verbrachte sie auf der Intensivstation. In dieser Zeit bekam ich die Möglichkeit, mich auf meine Traumstelle zu bewerben. Was ich tat und seit August nun meinen absoluten Traumjob machen darf. Ich bemühte mich privates und berufliches strikt zu trennen, was mir zumindest meiner Meinung nach auch gelang (nun bin ich selbst auch mein schärfster Kritiker). Denn ich war auch beruflich bedingt mit meiner Mutter beschäftigt. Die Zeit vom August bis Anfang November war toll. Meine Hoffnungen und Erwartungen in den neuen Job wurden vollends erfüllt, die Probezeit Ende Oktober ohne Probleme beendet. Und ab da ging es dann aber langsam bergab. Meine Mutter war für etwa drei Wochen zuhause, schien alles soweit überstanden zu haben. Zwar mit massiven Einschränkungen, aber sie hatte sich damit arrangiert. Plötzlich ging es ihr wieder schlechter, also wieder ins Krankenhaus, wieder OP, wieder Intensiv.
    Jetzt war ich dran. Eines Morgens Mitte November trat mir mein Sohn beim Toben im Bett recht heftig ins Gemächt. Nachdem ich nach einer Woche immer noch hin und wieder leichte Schmerzen hatte und mich beim Baden abtastete, bemühte ich mich um einen schnellen Termin beim Urologen. Denn mein linker Hoden fühlte sich deutlich fester und anders als der Rechte an. Und etwas höckerig war er. Wie das so ist, wenn man Internet zur Verfügung hat, musste ich also auch noch googlen. Was ich dann so zu meinen Symptomen fand, gefiel mir gar nicht. Immer wieder war vom Hodenkrebs die Rede.
    So überraschte mich die Diagnose beim Urologen dann auch nicht wirklich. Erst hatte er getastet und war davon schon nicht begeistert. Beim Ultraschall meinte er nur, das der Hoden raus müsse und das wohl bösartig sein dürfte. Na Hurra, neuer Job, kranke Mutter und mit 33 Jahren Krebs. Wegen des neuen Jobs wollte ich die OP gerne erst in zwei Wochen machen, da ich dann Urlaub gehabt hätte. Der Doc meinte, dass man das schon machen könne, ich wäre ohnehin sehr früh dran. Ich glaube, das war die bisher dümmste Entscheidung in meinem ganzen Leben. Ich hatte es dann auch psychisch nicht durchgehalten. Ich versuchte zwar, mir nichts anmerken zu lassen, aber ich glaube, dass meine Kollegen schon etwas merkten, dies aber sicher auf die Sorge um meine Mutter bezogen. Mein Uro hat mich dann ein paar Tage später krank geschrieben.
    Leider konnte die OP nicht vorgezogen werden, da angeblich kein Bett frei war. Naja, ob DAS wirklich der Grund war? Mein niedergelassener Urologe operiert halt auch im Klinikum und wollte die OP selber machen. Da hatte ich ja auch nichts dagegen. Um die Zeit bis zur OP zu sinnvoll zu nutzen, sollte ich noch ein CT machen, Blut wurde abgenommen und Sperma galt es noch einzufrieren. Das CT blieb ohne Auffälligkeiten, die Tumormarker waren allesamt normal. Also alles in allem doch recht beruhigend. Jetzt ging es mir schon deutlich besser.
    Am 01.12.2006 ins Klinikum Benjamin Franklin zur Vorbesprechung und allen Voruntersuchungen, am 04.12. sollte dann die OP sein. Nach der OP sollte ich für eine Nacht auf die Wachstation, weil ich ein leichtes Schlafapnoesyndrom habe.Nach der Nacht auf der Wache dann noch einen Tag auf die Normalpflege und am nächsten Tag dann eineiig nach Hause.
    Am 12.12.06 entschied ich bei völligem Wohlbefinden, meine Mutter im Krankehaus zu besuchen. Das war nicht so ganz ohne Risiko, da sie an einer MRSA-Infektion litt. Aber nach Rücksprache mit den Ärzten durfte ich gut verpackt zu ihr. Lediglich küssen und so sollte ich bleiben lassen, da mein weiterer Werdegang ja auch noch nicht ganz klar war. Wir hatten viel zu erzählen, denn offiziell (für meine Eltern) lag ich ja wegen eines Leistenbruchs in der gleichen Klinik. Das mit dem Krebs durfte sie einfach nicht wissen. Eigentlich wollte ich sie zuhause besuchen, denn sie sollte am folgenden Montag entlassen werden.

    Am 14.12.06 verstarb meine Mutter.

    Leider ließ der Histologiebefund ganz schön auf sich warten. Ich wusste von meinem Urologen zwar schon, dass ein Vorbefund klar ergab, dass der Tumor bösartig war, mehr Aussagen aber noch nicht getroffen werden konnten, ein weiterer Bericht würde folgen. Auf den musste ich dann ewig warten und holte ihn letztendlich höchstpersönlich im Klinikum bei der Stationsärztin ab. Der Befund las sich auch nicht schlecht, obwohl ich einige Daten schon vermisste. Es wurde keine Aussage dazu gemacht, ob nun eine Gefäßinvasion vorlag oder nicht. Auch die prozentualen Anteile der Tumorzellen wurden nicht genannt. Es hieß jetzt also Nichtseminom, Embryonalzellkarzinom mit seminomatösen Anteilen. Tumorstadium 1. Klinisches Stadium 1a. Mein Tumormarker AFP war vor der OP bei 10, genau auf der Grenze. Also auch nicht wirklich beunruhigend, da der Tumor ja nun auch raus war.
    „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ #Albert Einstein
    Über die nun folgenden Weihnachtsfeiertage ging es mir eigentlich recht gut, ich war ja an Hand der Histo relativ guter Dinge. So hatte ich auch ansatzweise den Kopf für die Beerdigung meiner Mutter am 27.12.2006 frei. Nach Sylvester dann zum Urologen und Histo durchsprechen. In den letzten Tagen hatte ich hin und wieder ein leichtes Ziehen und Pieken vor allem in der linken Flanke. Das beunruhigte mich dann doch ein wenig.Mein Doc meinte, dass die Histo unvollständig ist, und er sie nochmals ansehen lassen will. Und da nach der OP keine Tumormarker bestimmt wurden, machte er das jetzt halt noch mal. Aber er empfehle auf jeden Fall eine Chemo um sicher zu gehen.
    Ich hatte mir für eine Zweitmeinung schon einmal einen Termin beim Oberarzt Schrader des CBF für den 11.01 besorgt. Schließlich hatte ich ja die Option vor Augen, wait-and-see zu machen, sofern nichts dagegen sprach. Und Doc Schrader hat sich wohl u.a. auf Hodenkrebs spezialisiert.
    Die Meinungen der Professoren Albers und Bokemeyer aus Kassel bzw. Hamburg die ich freundlicherweise völlig unkompliziert per Email gekriegt habe, gingen auseinander. Bokemeyer meinte, Wait-and-Seee wäre eine sehr gute Alternative zu der er raten würde, sofern keine vasculäre Invasion vorliege. Prof. Albers aus Kassel sah mich allerdings schon damals wegen des Embryonalkarzinoms eher als High-Risk-Kandidaten dem er eher von Wait-and-see abraten würde. Er schlug vor, 2 Zyklen PEB bzw. 1 Zyklus PEB nach AUC Studie 2006 zu machen.An dieser Stelle nochmals vielen Dank an die beiden Profs für ihr unkompliziertes Auftreten.
    Kurz vor meinem Termin bei OA Schrader bekam ich von meinem Urologen das Laborergebnis zugeschickt. Mein AFP lag bei 14, also höher als noch vor der OP im Klinikum. Shit. Handschriftlich stand drauf: „Lieber Herr B......, Chemo unbedingt nötig !!!“ Ganz große Klasse……!
    Am 11.01.07 dann also mit den ganzen Unterlagen zum Oberarzt.Der war auch sehr nett, erklärte mir alles und nahm mir die Sorge mit dem AFP. Der Marker ist recht unspezifisch und 14 nun wirklich nur leicht erhöht. Allerdings gibt er auch nichts auf die Werte aus externen Laboren, so dass also vor einer Chemo, zu der er mir jetzt auch riet, nochmals alle Marker bestimmt werden würden. Zudem solle noch unbedingt ein CT gemacht werden, um zu wissen wo wir nun jetzt wirklich stehen. Da der abschließende Histo-Bericht immer noch nicht vorlag, rief er da nun dort an und sprach direkt mit der Pathologin. Und da erfuhr ich, dass also doch schon Lymphgefäße befallen waren. Na super, dafür brauchten die über einen Monat ???? Das war es also definitv mit Wait-and-See. Eigentlich wollte ich ja noch fragen, ob ein Zyklus PEB analog dieser Studie aus 2006 ausreichen würde, aber das hakte ich dann schon innerlich ab. Doc Schrader übergab mich dann einem anderen Doc der die ganze Aufnahme mit mir vorbereitete.
    Auch dieser Doc war sehr nett und informierte mich doch sehr ausführlich. Auch über die Sachen, die ich vielleicht nicht wissen wollte. Dass Chemo halt Gift ist, und mir über die Langzeitfolgen im Großen und Ganzen nicht all zuviel gesagt werden kann. Denn die meisten Krebspatienten überleben nicht solange, als das es zu Spätfolgen kommen würde. Hodenkrebspatienten sind da halt die Ausnahme, weil wir ja zu 98% geheilt werden können. Er betonte auch, dass ich unbedingt auch die Nachsorge ernst nehmen soll. Und dass das nächste viertel bis halbe Jahr sicherlich nicht mein Bestes werden würde. Haarausfall und Mattigkeit inclusive. Mit das Schlimmste für mich wird wohl sein, dass ich nicht zur Arbeit kann. Dann noch zum Chefarztsekretariat um mich für die Station anzumelden und ab nach Hause.
    „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ #Albert Einstein
    Meine Frau war ziemlich platt, als ich ihr sagte, dass ich schon am nächsten Montag reingehen werde. Aber es stellte eigentlich kein wirkliches Problem dar, denn alles was zu regeln war, hatte ich schon vor der OP gemacht. Alles ? Hups, nein. Noch schnell zum Zahnarzt. Zwei Füllungen und gut war das.
    Freitag, 12.01.07, drei Tage vor der Aufnahme mussten wir dann unseren Hund einschläfern lassen. Sie war 13 Jahre alt, fast blind und hatte Zucker, der nun auch nicht mehr so optimal mit Insulin in den Griff zu kriegen war. Obendrein baute sie in den letzten Tagen massiv ab und hatte offensichtlich Schmerzen. Also fuhr mein Bruder mit ihr zum Tierarzt um zu schauen was zu machen ist und sie ggf zu erlösen.
    Am Samstag vor der Aufnahme hatte ich meinen letzten Arbeitstag. Und das war schon ein echtes Scheißgefühl. Meine Kollegen sind durch die Bank weg einfach nur nett und machen sich Sorgen. Und sie geben mir auch die Kraft das hier durch zu stehen, denn es macht mir absolut viel Spaß mit ihnen zu arbeiten und vor allem auch zu lachen, dass will ich noch viele Jahre machen. Und wenn ich jetzt noch daran denke, dass sie einige Monate für mich mitarbeiten müssen, tun sie mir nun wirklich leid.Aber ich hatte beschlossen, mir etwas Arbeit mitzunehmen. So lieh ich mir kurzer Hand das Laptop meines Schwiegervaters und brannte alle möglichen Sachen zu Hause auf CD´s um gut gerüstet zu sein.
    Weiter geht´s dann mit dem Chemotagebuch....
    „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ #Albert Einstein
    Chemo-Tagebuch 1. Zyklus

    Montag, 15.01.2007
    Um 09:30 im Chefarztsekretariat, gegen 10:30 etwa auf der Station.Klasse Zimmer, netter Zimmernachbar.Pünktlich zum Mittagessen dann zur Lungenfunktion.Dann hastiges Mittagessen um den CT-Termin nicht zu verpassen.Die angekündigte Hörprüfung wurde dann auf den nächsten Tag verschoben, der ZVK leider nicht.Genau fünf Minuten bevor meine Frau und mein Bruder kamen, ging es hoch in den OP. Eigentlich wollte ich sediert werden, was die Anästhesisten wg. meines opulenten Abendessens allerdings nicht so toll fanden und letztlich auch nicht machten. Dafür Lokalanästhesie und drei Fehlpunktionen wobei die Assistenzärztin (mit wirklich schönen Augen) einmal die Arteria Carotis getroffen hat. Klasse Hämatom (Bluterguß) hat sie da fabriziert. Von dem Brustschmerz mitsamt Kaltschweißigkeit mal ganz zu schweigen. Ging aber so schnell wie er kam als der Katheter raus war. Puh, ging mir die Muffe. Ich fürchtete schon, ich krieg jetzt obendrein noch einen Herzinfarkt. Dann noch bei der dritten Fehlpunktion den Katheter irgendwo unterhalb des Schulterblattes verspürt und ich hatte die Nase gestrichen voll. Wenigstens hat sie dann einen Kollegen gerufen, der es an der gleichen Stelle noch mal unter Ultraschallkontrolle probiert hat.Das wurde dann aber auch nichts, also über die Venae Subclavia rein gehen. Noch mal Lokalanästhesie, aber dafür lief es dann rund. Alles in allem waren es dann 2 Stunden.....Eines steht fest, beim nächsten Zyklus bleibe ich für die ZVK-Anlage nüchtern....!
    Die Nacht war ziemlich blöd. Ich musste bei der ZVK-Anlage mehrfach gegen Mund und Nase atmen, damit die Gefäße besser rauskommen. Dadurch hatte ich mir wohl reichlich Luft in den Magen gepumpt. Durch das Hämatom am Hals konnte ich aber nicht aufstoßen. Teilweise kam ich mir vor, als würde ich explodieren. Schlucken war blöd, alles war blöd..... Gewicht: 69,5Temp.: 36,8

    Dienstag, 16.01.2007
    Um 5:45 kam die Schwester um meinen Bettnachbarn OP-fertig zu machen. Hurra, ich war gerade eingeschlafen.Gleich vorm Frühstück noch zum HNO-Konsil. Alles ok. Also kann es mit der Chemo losgehen. Dr. E. kam und teilte mir mit, dass ein Lymphknoten mit 1,5 cm etwas vergrößert ist. Sie wollen sich aber mal das Vor-CT anschauen und vergleichen. Haben die in Teltow damals gepennt ? Bis 1cm wäre normal, also hat sich nicht all zuviel getan. Gegen 10:00 brachte mir Pfl. Gunter (der ist wirklich richtig nett, eigentlich wie alle, nur noch etwas netter ;) ) die Chemo. Allerdings war sie noch zu kalt. Also einen Moment warten. Erstaunlicherweise habe ich mein gewünschtes Zofran gekriegt, obwohl die hier eigentlich Navoban geben. HöHö.... 1:0 für mich.
    Tja, und ab jetzt muss ich alle meine Getränke aufschreiben und in eine Ente puschen, um zu sehen, ob meine Nieren sich anständig benehmen und ja auch alles von dem was rein geht auch wieder raus schicken.
    Um 11:00 ging es dann nun endlich los. Jetzt also raus mit den Scheißkerlen.Zuerst einen Liter Kochsalz mit etwas Kalium. Dauert etwa eine Stunde. Dann gibt es noch etwas Cortison. Dauert etwa 5 Minuten.Weiter geht es mit Zofran, auch wieder etwa 5 Minuten. Und nun geht es den Embryonalzellen so richtig an den Kragen. Bleo. Nur für eine Viertelstunde. Weiter geht es mit Cisplatin (eine Stunde) und Etoposid (halbe Stunde).Zum Schluss runden wir das Menü mit einem Liter Kochsalz, Magnesium und noch mal Kalium ab. Nachmittags fühlte sich meine Zunge dann etwas rau und pelzig an. Ich schob es auf die Mundspülung, die ich nach dem Mittagessen das erste Mal benutzt hatte.
    Zum Abendessen merkte ich den Hintergrund: offenbar eine Nebenwirkung der Chemo. Das Brot und der Aufschnitt schmeckten nach so ziemlich nichts. Naja, Selter mochte ich jetzt wegen der Kohlensäure auch nicht mehr, also umschwenken auf Tee. Geht aber auch sehr gut. Gewicht morgens: 67,7 (wie geht das denn ?????)Temp.: 37,2Gewicht abends: 70,4
    Mittwoch, 17.01.07
    Diese Nacht habe ich sehr gut geschlafen, bis um 06:00 die erste Pflegevisite (zu meinem Nachbarn) kam.Um 07:00 Spritzenrunde. Heparin für alle. Hä, auch für mich? Na egal, kann ja nicht schaden. Dann wieder schön eingeschlummert. Punkt 07:30 rumms, Tür auf, Licht an, Arztvisite...... boah !!!! Habe dann versucht, noch ein paar Minuten zu dösen. Hat aber nicht sollen sein. Also, anziehen, einen knappen Liter in die Ente füllen und Zeitung holen. Frühstück schmeckte wieder etwas besser. Aber ich glaube, ich bleibe beim Tee.
    Um 10:15 kam dann Klapper (mein Teilzeit-Kumpel, der Infusionsständer) wieder bestückt zu mir, und der 2. Chemotag begann. Gewicht morgens: 68,4Temp.: 36,5Gewicht abends: 70,9

    Donnerstag, 18.01.07
    Diese Nacht war mal wieder nicht so klasse. Mein Nachbar hat doch recht viel geschnarcht und der Cappuccino, den ich mit meiner Frau und meinem Bruder getrunken habe tat wohl sein übriges. Hält mich jetzt etwa schon Automaten-Cappu vom Schlafen ab ?? Na jetzt geht´s ja wohl los....... Na und pünktlich 4 Stunden nach der Geisterstunde ging es wieder zum Klo. Massenpuschen.
    Punkt 07:30 Oberarztvisite, das übliche „Hallo, guten Morgen, wie geht´s, dann machen wir heute weiter.“ Nur erklärte der Doc mir heute noch, dass mit dem eigentlichen Verschlechtern des Wohlbefindens so Richtung Entlassungstag und danach zu rechnen ist. Und ab dem 15. Tag etwa werden dann wohl auch die Haare das Zeitliche segnen. Aber das wusste ich ja schon. Nun sehe ich Richtung Sonntag, denn da hoffe ich nach Hause zu können. I
    rgendwie war mir heute Morgen ein wenig flau, aber nur ganz wenig. Lag vielleicht auch am Hunger. Keine Ahnung. Nach dem Frühstück ging es aber wieder. Was mich allerdings schon ein wenig nervt ist die ständige Aufstoßerei. Und vor allem tut das zeitweise immer noch etwas weh. So wie nach der ZVK-Anlage. Bei der Chefvisite wurde mir gesagt, dass ich durchaus schon am Samstag nach dem letzten Durchlauf nach Hause kann. Hey, das wäre klasse, mir fehlt meine Rasselbande schon ganz schön. Und das Internet........
    Ansonsten lief die Chemo wieder klasse, keine Übelkeit oder so. Mittagessen schmeckte auch irgendwie. Wobei ich dieses Irgendwie nicht der Küche in die Schuhe schieben möchte, eher der Chemo.Nur musste ich heute deutlich mehr puschen als die anderen Tage. Bisher war es so, dass ich so um 4,5 Liter ausgeschieden habe in 24 Stunden. Bis Freitag 08:00 Uhr sollten es über sieben Liter werden. Ist aber auch gut so, dann ist der Chemoscheiß auch wirklich raus. Gewicht: 69,8Temp.: 36,5Gewicht abends: 70,0

    Freitag, 19. Januar 2007
    Die Nacht war so lala..... Um 4:30 hatte ich das Gefühl, meine Blase würde gleich platzen. Lag wohl an dem strammen Liter der unbedingt in die Ente wollte. Ich dachte schon, die Ente reicht nicht. Puh, Schwein gehabt.Naja, dann weiter geschlafen bis zur Spritzenrunde um 07:00, weitergedöst bis zur Oberarztvisite und dann die Döserei aufgegeben. Los ging es mit dem Alltag. Badezimmer, Anziehen, Zeitung holen, Frühstücken und auf die Chemo freuen.Die wird heute von einer Schwester gefahren, weil Gunter frei hat. Naja, wird schon gehen, wenn gleich ich von der Schwester nicht so ganz überzeugt bin. Ist vielleicht nicht der Typ Mensch, den ich favorisiere. Aber nett ist sie trotzdem, keine Frage. Letztlich haben die hier viel zu wenig Personal und sind nur am rennen. Alles in allem war die Chemo nicht so der Brüller. Irgendwie kam die Schwester mit dem Zeitplan nicht klar. Die eine Infusion lief zu langsam, die Andere dafür dann zu schnell. Egal, morgen macht es eine andere Schwester. Aber Nebenwirkungen wie immer gleich Null (abgesehen vom Geschmack, der aber auch wieder etwas geht). Ansonsten war der Tag soweit ok. Weil ich langsam keinen Tee mehr sehen kann, bin ich auf stilles Wasser umgeschwenkt. Mit der Kohlensäure habe ich es im Moment wirklich nicht mehr. Und wieder nur am schiffen.......... :-0 Bei der Oberarztvisite dann der Fahrplan für den Samstag. Chemo, Blutentnahme, wenn alles ok ist: ZVK raus und ab nach Hause. Na das sind doch mal Aussichten. Gewicht morgens: 68,4Temp. Abends 36,1Gewicht abend: 70,3Getrunken in den letzten 24 Stunden, 3300mlAusgeschieden, 7550ml..........
    „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ #Albert Einstein
    Samstag, 20. Januar 2007
    Heute haben uns die Schwestern mal richtig lange schlafen lassen. Bis um 08:00.....Dann das übliche Programm und um kurz vor 10:00 kam die Chemo.Kurz darauf dann Besuch von OA Sch. und Doc E.. Schön, dass es mir so gut geht und ich die Chemo so gut vertrage, dann sind auch weiter eigentlich keine Probleme mit Übelkeit zu erwarten, aber ich kriege etwas für den Notfall mit. Aber Doc Sch. sieht das ähnlich wie ich: durch den vergrößerten Lymphknoten werden es wohl doch eher drei Zyklen werden, einfach um sicher zu gehen. Aber die Entscheidung fällt Montag bei der Röntgenbesprechung. Die Radiologen sind sich nicht sicher, ob das erste CT vor der OP vielleicht falsch negativ war. Da wurde auf die intravenöse Kontrastmittelgabe verzichtet. Die wäre aber eigentlich Standard gewesen.Dienstag sollte ich dann also schlauer sein. Also noch drei Wochen hinten dran...... Naja, wenn das mit den Nebenwirkungen auch nur halbwegs so bleibt wie jetzt, geht das schon in Ordnung. Im Moment freue ich mich eigentlich nur auf meine Familie und so ein bisschen Privatsphäre. Nichts gegen meinen Zimmernachbarn, aber zuhause ist man halt freier und so. Und mal wieder etwas im Internet surfen wäre auch schon schön. Ich glaube, dass diese Chemo einem nicht ganz so hart vorkommt, weil man ja nur für fünf oder sechs Tage pro Zyklus im Krankenhaus liegt und die anderen beiden Termin ambulant abreißen kann und wieder bei seiner Familie ist. Um 15:30 war ich wieder ZUHAUSE !!!!!!!!

    Sonntag, 21. Januar 2007
    Diese Nacht war irgendwie merkwürdig. Ich habe super geschlafen und wie gewohnt um 04:30 den Weg zur Toilette gefunden. Nur die Ente habe ich gesucht. Ach ja, ich bin ja zuhause……

    Montag, 22. Januar 2007
    Ich soll mich heute ambulant zur Blutkontrolle im Chefarztsekretariat melden. Dort Akte abholen, zur Station. Die schütteln den Kopf, geben mir noch eine Akte und ab in die Poliklinik. Da der Kracher: Nummer ziehen und zwei Stunden warten. Ich glaube es hakt.Na egal, dann zur Blutentnahme von der niemand etwas wusste und ab nach Hause. Mittwoch um 10:00 Uhr soll ich zur Bleo-Infusion kommen.
    „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ #Albert Einstein
    Mittwoch, 24. Januar 2007
    Um 09:45 Uhr bin ich da. Wartezimmer rappelvoll. Also Nummer gezogen und feststellen müssen, dass noch 14 Leute vor mir durch die Anmeldung müssen. Na hurra. Zwischendurch ging ich einfach so rein und fragte, wie das mit meinem Termin sei. Der spiele keine Rolle, ich komme schon noch ran.Nach 2 ½ Stunden Wartezeit hatte ich endlich meine Akte und saß im Behandlungsbereich. Nur wusste keiner etwas mit mir anzufangen. Also irgendjemand hat vergessen, das Bleo zu bestellen. Wird jetzt gemacht und ich muss morgen wieder kommen. Dafür allerdings ohne Wartezeit einfach an der Anmeldung vorbei direkt zu den Schwestern. Wenigstens etwas.

    Donnerstag, 25. Januar 2007
    Um kurz vor 10:00 war ich da, um 11:00 mit allem fertig und gut geht´s mir auch. Morgen noch mal Blutkontrolle mit warten auf das Ergebnis, falls noch etwas mit den Leukos quer geht.Hatte so zwei Stunden nach der Bleo-Infusion an einer Stelle eine leicht juckende Rötung. Ging aber so schnell wie sie kam. War das vom Bleo ????

    Freitag, 26. Januar 2007
    Jetzt weiß ich, warum man während der Chemo krank geschrieben wird. Man hätte gar keine Zeit, arbeiten zu gehen. Also um 09:30 da, Blut abzapfen und selber in´s Labor bringen (geht noch schneller :) ) und dann in der Mensa erst mal schöööööön frühstücken und die Zeit vertreiben. Um kurz vor 11:00 dann das Ergebnis: Leukos leicht runter (bei 4,5), aber noch im Rahmen, Dienstag wieder Blutentnahme und Mittwoch dann wieder Bleo.Na mal sehen…….

    Dienstag, 30. Januar 2007
    Hups ! Meine Leukos sind abgerauscht. Liegen jetzt bei 1,6. Dafür, bzw. dagegen gibt’s jetzt Granocyte gespritzt. Das kurbelt das Knochenmark an damit es fleißig Leukos produziert. Wenn die Leukos morgen eine Tendenz nach oben zeigen, gibt´s Bleo, wenn nicht dann nicht.Beim warten auf dem Gang traf ich OA Sch. Die Röntgenbesprechung ergab, dass es keinen Weg an einem dritten Zyklus vorbei gibt. Das Risiko wäre zu hoch.Hmmmm, geahnt hatte ich das ja schon. Toll finde ich es nicht. Aber es reißt mich jetzt auch nicht weiter runter.

    Mittwoch, 31. Januar 2007
    Um 08:00 wieder zum Anzapfen, dann in der Mensa frühstücken (ja, mein neues Ritual. Die haben lecker Fischbrötchen…)Um 09:00 heißt es dann, die Leukos sind bei 1,8 also wieder auf dem Wege nach oben. Also gibt´s Bleo. Schwein gehabt.Dafür darf ich dann morgen gleich wieder einkehren: wieder Blutentnahme…..

    Donnerstag, 01. Februar 2007
    So, heute wieder Blutentnahme: Leukos jetzt etwas über 2. Sie scheinen sich zu rappeln. Montag wieder Blut zapfen und 24-Stunden-Urin mitbringen. Dienstag geht es dann wieder stationär rein.

    Montag, 05. Februar 2007
    Wieder Blutentnahme, dann viiiiieeeeel warten auf das Ergebnis. Leukos bei 4, also kann der zweite Zyklus losgehen. Ab nach Hause Klamotten packen.
    „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ #Albert Einstein
    2. Zyklus

    Dienstag, 06.Februar.2007
    Um 10:00 Uhr auf Station, runter zur Lungenfunktionsprüfung (4% eingebüßt, aber normal unter Chemo). Auf das Mittagessen hatte ich mich richtig gefreut. In der Regel gibt’s für die Neuaufnahmen Vollkost. Wäre heute Gyros mit Tzaziki gewesen. Schmatz ! Was dann kam war die totale Ernüchterung: Möhreneintopf. Na danke...... Wer hat hier bestellt ??? Wissen die eigentlich nicht, dass ich Gyros liebe ????? *grummel. 17:00 zur ZVK-Anlage zum OP-Aufwachraum. War fast die gleiche Besatzung wie beim ersten Mal, nur dass die Ärztin mit den schönen Augen dieses Mal frei hatte.Dr. Reich (assistierte beim ersten Mal) spendierte etwas Propofol (war ja seit 13:00 extra nüchtern geblieben) und dann bin ich schön sanft eingeschlummert. Alles glatt gelaufen, diesmal gleich unter Sonokontrolle und am Hals. Gewicht abends: 70,5Temp.: 37,1Leukos vom Montag bei über 4. Also wieder im Normbereich.......

    Mittwoch, 07. Februar 2007
    Um 08:00 kam schon die Chemo.Eine halbe Stunde nach der Bleo hatte ich wieder eine juckende Stelle am Bauch. Wie bei der ersten ambulanten Bleo. Muss wohl so sein.Ansonsten alles gut.... bin fleißig am arbeiten.Am Nachmittag wurde mir für ein halbes Stündchen etwas tüdelig und flau, ging dann aber auch wieder. Zum Abendessen gehörte etwas Überwindung. Mir war etwas flau, geschmeckt hat es (durch die Chemo) ohnehin nicht. Ich habe mir von meinem Bruder stilles Wasser mitbringen lassen, weil ich das Wasser aus dem Klinikum nicht mehr runter kriege. Schmeckt seit heute mittag total eklig. Aber...... auch das kenne ich noch vom ersten Zyklus....... Gewicht morgens: 70,5Temp. 36,5Gewicht abends 71,7

    Donnerstag, 08. Februar 2007
    Die Nacht über habe ich nicht so besonders gut geschlafen.Dann wieder das übliche: um kurz vor halb acht kam der Oberarzt, um halb zehn die Chemo. Vorher noch Zeitung holen. Fünf Treppen runter, wieder rauf und ich war völlig außer Puste obwohl ich für meine Verhältnisse bewusst langsam gelaufen bin. Ja, das Bleo zeigt seine Wirkung. Ist ja wirklich ein übles Zeug. Und dann frühstücken. Die anfängliche leichte Übelkeit vor dem Frühstück verschwand mit dem ersten Bissen. War wohl der Hunger. Hunger war dann auch mein Hauptproblem diesen Tag. Mein Mittagessen war dermaßen klein ausgefallen, dass ich meinen Bruder gebeten habe, mir einen Döner mitzubringen. Hmmmmm, der war lecker. Zumindest das, was ich noch schmeckte :-(.Abends dann der Schock auf der Waage. 72,8 Kilo, also 2,6 Kilo mehr als heute morgen. Sprach für noch mindestens zwei Liter Flüssigkeit, die sicher noch irgendwann die Freiheit einfordern. Naja, und alle Mahlzeiten des Tages waren ja auch noch drin..... Gewicht morgens: 70,3Temp.: 36,3Gewicht abends: 72,8

    Freitag, 09. Februar 2007
    Die Nacht war so lala. Irgendwie freue ich mich allein deswegen schon auf zuhause. Mal wieder richtig schlafen. Naja, mit etwas Glück komme ich ja Sonntag Nachmittag raus.Doc Chr. erzählte mir bei der Morgenvisite, dass meine Leukos bei etwas über 7 sind. Schau an, Wunder geschehen. Jetzt bin ich nur noch auf den AFP gespannt, der ist aber wohl noch nicht da. Bei der Oberarztvisite am Nachmittag wurde mir die Entlassung für Sonntag nach dem letzten Durchlauf in Aussicht gestellt. Wenn bis dahin alles glatt läuft und das Blut mitspielt, geht es dann also Sonntag Nachmittag nach Hause. Gewicht morgens: 70,9Temperatur 36,0Gewicht abends: 72,6

    Samstag, 10. Februar 2007
    Die Nachtschwester war der Kracher. Im wahrsten Sinne des Wortes. Man kann die Türen durchaus leise(r) öffnen und schließen und man kann ----- JA, das geht wirklich, schafften die anderen Kolleginnen auch !!! ----- das Nachtlicht anschalten. Aber nein: Rumms, schepper, Flutlicht. Einmal verstehe ich so etwas ja. War halt zu schwungvoll und hat den falschen Schalter erwischt. Aber dreimal ????? Sooooo viel Schwung kann ja keiner im Nachtdienst haben. Zumindest gewöhnt sich mein Körper an einen 2-Stunden-Schlaf-Rhytmus. Bis um 08:00 geschlafen, dann wie gehabt Badezimmer und Frühstück. Zum Zeitung holen war ich heute zu faul. Zumal um 09:00 die Lieblingssendung von mir und meinem Sohn (Au Schwarte, Kinderkanal... ;) ) anfängt, die ich unbedingt sehen möchte. Dann Besuch von den Oberärzten. Wie gehabt, bei guter Führung erfolgt morgen der Rausschmiss. Mein AFP ist nicht da. „Muss wohl etwas schief gelaufen sein.“HALLO ????? Die Schwester in der Poliklinik hat ihren halben Vorrat an Röhrchen für mich aufgebraucht und der AFP fehlt??? Naschen die da im vierten Stock (Labor)??? Wird dann halt am Dienstag in der Poliklinik noch einmal abgenommen. Na ob das Sinn macht? Der Doc meinte noch, der AFP wird sicher gefallen sein. Das will ich doch aber auch stark hoffen. Gewicht morgens: 70,9Temperatur: 36,2Gewicht abdens: 71,8

    Sonntag, 11. Februar 2007
    Die Nacht war gar nicht mal so schlecht. Auch hat sich die Schwester wohl an den Nachtdienst gewöhnt..... ;) Ansonsten nichts neues. Das allmorgendliche flaue Bauchgefühl ging mit dem ersten Biss ins Brötchen. Und ich könnte im Moment nur noch frühstücken.... mjam...! Um 10:00 die Chemo ran, Blutentnahme und auf das Ergebnis warten. Doc E. Hat schon mal den Entlassungsbrief geschrieben. Also muss das ja einfach klappen mit der Entlassung.Dann mittags nach dem Essen ZVK raus und ab nach Hause. Gewicht morgens: 70,9

    Dienstag, 13. Februar 2007
    Ambulant zur Blutentnahme in der Poliklinik, alles ok, kann also morgen zur Bleo kommen. Der verschwundene AFP wurde dann auch noch mal genommen.
    „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ #Albert Einstein
    Mittwoch, 14, Februar 2007
    Heute lief es doch mal wieder glatt: kommen, die Infusionen liefen gut und ich war auch schnell wieder raus. Freitag, 16. Februar 2007 Heute wieder zur Blutkontrolle. Blutbild soweit ok, Leukos bei knapp 4.5. Und siehe da: der verschwundene AFP ist aufgetaucht. Lag bei 7, also voll im Normbereich. Und der vom Dienstag bei 6. Schön schön, dann lohnt sich der Rotz ja wenigstens. Nächste Blutkontrolle am Dienstag.

    Dienstag, 20. Februar 2007
    Blut ist soweit ok, Leukos irgendwo bei 3.5, morgen gibt’s wieder Bleo.

    Mittwoch, 21. Februar 2007
    Lief super heute. Kaum da, steckte schon die Braunüle im Arm. Dann die drei Infusionen und nach insgesamt einer Stunde war ich wieder fertig. So mag ich das. Mir tun die Fingerspitzen etwas weh. Sind auch irgendwie sehr empfindlich. Diese geriffelten Drehverschlüsse der Milchpackungen oder Flaschen sind im Moment nicht so nett. Auch fällt mir hin und wieder etwas aus den Fingern. Ansonsten geht es mir aber richtig gut.

    Donnerstag, 22. Februar 2007
    Heute nochmal Blutkontrolle. Leukos sind besser geworden, jetzt etwas über 4. Montag noch mal Blutentnahme, ab Sonntag wieder den Urin sammeln und Dienstag einrücken zum Endspurt. Und jetzt erst mal schnell nach Hause. Meine Frau und ich haben heute unseren 14. Jahrestag. Mal etwas Ordentliches vom Blockhouse zum essen holen.

    Montag, 26. Februar 2007
    Heute die große Überraschung: die Leukos sind abgerauscht; auf 2.4. Aber noch ok. Also morgen rein. 3. Zyklus Dienstag, 27. Februar 2007 Im Chefsekretariat die nächste Überraschung: ich komme in ein Dreibettzimmer. Na super, gibt’s wenigstens von der Versicherung Geld zurück. *grins Und weil das Klinikum für Überraschungen gut ist: mein Bett ist auf der Neurochirurgie, weil die Urologie nichts frei hat. Also gut, ein Stockwerk höher. Dort angekommen: ein Zweibettzimmer, netter Nachbar, aber nur für eine Nacht, morgen geht’s dann runter auf die Uro.......hieß es. Nachdem ich von der LuFu (die Lunge hat sich wieder etwas erholt ;-)) und vom CT zurück war, kam der Haustransport und brachte mich auf die Uro. In ein Dreibettzimmer.........Ob ich diese Woche noch in eines der schönen VIP-Zimmer (so nennen sie die Privatzimmer hier wirklich.....) komme, steht in den Sternen.
    Na ja, ist ja nur für sechs Tage.Aber das mit dem Mittagessen hat heute deutlich besser geklappt. Punkt zwölf gab es eine große Portion Vollkost (gefüllte Paprikaschote mit zwei Riesenbergen Kartoffelpü.). Hoffentlich will mich der OP nicht vor 18:00 Uhr.......*rülps. J Kleiner Tip noch: keine opulenten Mahlzeiten kurz vor dem CT. Mit vollem Bauch diese Mengen an Kontrastmittel zu saufen, wird echt zur Qual.

    Bei der Chefvisite dann das Ergebnis vom CT: der Lymphknoten ist von einst 15 Millimetern auf 5 mm geschrumpft. Der Prof. geht davon aus, dass dann nach Abschluß des dritten Zyklus bei einer Abschlußuntersuchung nicht mehr als eine Narbe übrig bleiben wird. Na hoffentlich. Ansonsten müsse man halt diskutieren ob eine Residualtumorresektion sinnvoll wäre. Aber im Moment geht er davon aus, dass sie nicht notwendig sein wird. Und ohne eine entsprechende Zweit- und Drittmeinung würde ich die OP eh nicht machen. Nur DAS weiß der Prof noch nicht.... Aber warum auch über ungelegte Eier diskutieren. Der OP wollte mich nicht vor 18:00 Uhr. Auch nicht bis Mitternacht. Nein, morgen früh soll der ZVK dann gelegt werden. *grummel
    Und weil es bereits zur Tradition gehört, ab heute wieder: Gewicht morgens:72.2 (zuhause)Temperatur:Gewicht abends: keine Ahnung, weil keine Chemo und richtiger Scheißlaune (wg. des ZVK) nicht gewogen.

    Mittwoch, 28. Februar 2007
    Früh um 07:30 wieder OA-Visite. Der OA und Privatassistent erblickten sehr erstaunt an meinem Hals: NICHTS. Er sorge dafür, dass ich noch am Morgen in den OP komme. Was dann hinter den Kulissen abging, weiß ich nicht. Nur erzählte mir „meine“ Schwester, dass der Privatassistent der Anästhesie gegenüber am Telefon etwas „ausgekekst“ sei. Na, ob es stimmt.?! Dann hieß es in etwa stündlichen Abständen, die Sandmännchen hätten meinen Abruf angekündigt, ich könne also bald nach oben. Und da ich nach wie vor das ganze Elend verschlafen wollte, ließ ich auch mein Frühstück stehen. Und das Sprichwort stimmt wirklich: Hunger macht böse. Minütlich wurde meine Laune schlechter, analog zum Magen und den sich mittlerweile dazugesellten Kopfschmerzen.
    Um kurz nach zehn dann das Kommando zum Aufbruch, allerdings in den OP 2, weil der Aufwachraum überläuft. Gerade beim losschippern dann der Anruf vom OP: April April, Not-OP, Saal 2 ist dicht. ZVK-Anlage dann am Nachmittag. Ich glaube, ich hatte jetzt erstmals Grund, mich für meine Laune bei der Schwester zu entschuldigen......Sie konnte ja nun am allerwenigsten dafür, hat es aber halt abgekriegt. Nun war mir fast alles egal. Also rein mit dem Frühstück und auch das Mittagessen habe ich nicht stehen lassen. War ja auch zu lecker. Und pünktlich eine halbe Stunde später dann nun doch hoch in den Aufwachraum. Spitze…….
    „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ #Albert Einstein
    Kurzes Geplänkel mit meinem Sandfräulein Constance (Anästhesisitin *grins), kurze Tipps wo es in der Vergangenheit geklappt hat und wo nicht, und da Propofol wg. des Essens ja nicht ging, gab es wenigstens etwas Dormicum. Machte nicht wirklich müde, aber deutlich gelassener und ruhiger.Anlage klappte gleich beim ersten Versuch, und war auszuhalten. Allerdings bestand sie darauf, eine Röntgenkontrolle machen zu lassen. Naja, wenn sein muss.......
    Zurück auf der Station gab es erstmal einen „Halleluja“-Ausruf des Privatassistenten. Dann wieder richtig anziehen und zum Röntgen. Alles schön, also hoch zur Station und endlich die Chemo anklemmen. Die lief dann auch super. Zum Abendessen gab es dann nicht meinen bestellten Salatteller, sondern Brot und Co. Hmmmmm, da wird sich auf der Station 14a bestimmt jemand gefreut haben: den dort kam bestimmt mein Salatteller mit Thunfisch an.
    Da ich von einem Brot nun wahrlich nicht satt wurde, meinen Bruder anrufen und bitten, zwei Curry und ´ne Portion Pommes mit Ketchup mitzubringen. Ja, seine abendlichen Besuche haben doch Ihre Vorteile. *grins Gewicht abends: 75,9 (wow, das ist Rekord)Temperatur: 36,4

    Donnerstag, 01. März 2007
    Die Nacht war bis auf die beiden Pinkelpausen um 02:00 und 04:00 Uhr mit Ohrstöpseln ganz ok. Ohne ging gar nicht. Ich bin aber ganz klar für Nachtbeleuchtung auf dem Flur. Volle Flut-Beleuchtung: Mann, da läufst Du blind wie ein Maulwurf. Und da unsere Toilette gesperrt ist, muss ich jetzt bis zu den Nachbarn laufen. Und wenn da besetzt ist, halt noch weiter. Nee nee, da waren die VIP-Zimmer mit ihrem eigenen Klo deutlich besser.
    An dieser Stelle noch mal ein dickes Lob an die Schwester Susann vom Nachtdienst: keine Schwester war bisher leiser als sie. Danke dafür. Seit heute früh gibt’s dann auch wieder Heparin. Na von mir aus, besser als Thrombose oder Schlaganfall. Jetzt nervt mich nur, dass ich den ganzen Tag bis zum Nachmittag abhänge und auf die Chemo warte. Die kommt jetzt immer um 15:00 Uhr, was dann auch die Entlassung am Sonntag deutlich in den Abend verschieben wird. Klasse. Nachmittags dann die Überraschung: der Prof stellt mir frei, morgen nach der Chemo nach Hause zu gehen und die letzten beiden Chemotage ambulant abzureißen. Sofern das Blutbild ok ist. Also Daumen drücken. Gewicht morgens: 73,8Temperatur:Gewicht nachmittags vor Chemo: (ja, das ist neu.....!) 75,1Gewicht abends / Mitternacht: 74,8

    Freitag, 02. März 2007
    Die Nacht war nicht so erquickend, entsprechend sah ich wohl auch zu Morgenvisite aus :) Zumindest sprach mich die Schwester darauf an……. Danach wie üblich, Zeitung, Frühstück und schon um 10:00 die Chemo, der OA gab sein OK.Dann bin ich runter zum Sozialdienst um mich in Sachen Reha zu erkundigen. Aber nachdem ich hörte, dass die LVA sich locker fünf Wochen Zeit lassen kann bis sie eine Entscheidung trifft, die Reha mindestens drei Wochen geht und ich dann auch noch nicht mal ein besonderes Wahlrecht habe, lasse ich das wohl bleiben. Ich dachte, da es mir ja doch recht gut geht, wird in der Reha etwas für meine Puste und die Kondition gemacht. Aber nicht zu diesen Bedingungen.
    Bei der Chef-Visite haben wir noch mal kurz meinen weiteren Werdegang besprochen. Auch der leitende OA sieht ein, dass ich die drei Zyklen bisher sehr gut überstanden habe und er auch nichts wüsste, was eine Reha noch groß verbessern sollte. Ich werde also nach Abschluss der Chemo gaaaaanz vorsichtig wieder mit etwas Sport im Studio anfangen.
    Jetzt sieht es so aus, dass ich die letzten PE-Tage ambulant machen darf. Morgens auf Station und dann wieder ab nach Hause, Sonntag kommt dann der ZVK raus. Herrlich, endlich wieder richtig schlafen. Vier Wochen nach der letzten ambulanten Bleo-Infusion gibt´s dann noch mal ein Restaging im Klinikum; die weitere Nachsorge dann bei meinem niedergelassenen Urologen und MRT. Und das für mich Allerbeste: sofern mein Blutbild mitspielt darf ich ab April wieder arbeiten….. Muss ich jetzt anfangen Rote Bete zu essen ??? *würg Gewicht morgens: 74,0Temperatur: 36,4Gewicht abends: vergessen, ups
    „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ #Albert Einstein
    Samstag, 3. März 2007
    Wie bestellt war ich punkt 08:30 auf Station und blickte in die erstaunten Augen der gerade Frühstück austeilenden Schwestern. Sie hatten erst um 15:00 Uhr mit mir gerechnet. Na egal. Ich hatte ja Frühstück mitbestellt und auch noch etwas Hunger. Also mampfen und dann ran an die Chemo.Lief auch wirklich gut, völlig ohne Probleme.Kurz nach dem Mittagessen (hurra, wieder Eintopf-Samstag…… L) war ich fertig und mein Bruder holte mich ab.Morgen noch einmal und dann habe ich es fast geschafft. Einen Rüffel bekam ich allerdings, weil ich mich nicht gewogen habe. Hmmmmm, da habe ich wohl etwas vergessen. Naja, ich gelobte Besserung. Auf dem Nachmittag war ich dann das erste mal in diesem Zyklus echt im Eimer. Nach meinem (eigentlichen) Mittagessen (zuhause) musste ich mich wirklich mal für eine Stunde hinlegen. Danach wieder alles paletti.

    Sonntag, 4. März 2007
    Heute lief das auch wieder klasse. Frühstücken, Chemo, ZVK ziehen und dann noch zwanzig Minuten liegen bleiben, dann ab nach Hause. Dienstag wieder zur Blutkontrolle. Seit heute bin ich wegen dieser nervigen Rumrülpserei konsequent auf Pantozol. Ohne ist das kaum noch auszuhalten, mit fast weg.

    Dienstag, 06. März 2007
    Seit gestern bin ich verschnupft, habe Temperaturen bis 39,0 und fange langsam an zu husten, habe die Nacht kaum geschlafen. Bin dann gleich früh in die Klinik. Gleich in den Ruheraum durchgelotst, Blutentnahme, Infusion und ich solle mich schon mal darauf einstellen, stationär zu bleiben. Aber Entscheidung nach den Blutwerten.Bin dann erstmal schön eine gute halbe Stunde eingeschlafen. Die Blutwerte kamen erst mittags aber das war gar nicht schlecht. Sie waren absolut in Ordnung, mir ging es auch etwas besser. Temperatur auch runter auf 37,5. Also morgen Bleo und ab sofort schonen, trinken, schonen und trinken………ach so: und schonen.
    Dieser Tag war, im nach hinein betrachtet, wohl auch mein schlimmster oder zumindest mit der Nacht nach der ersten ZVK-Anlage vergleichbar.

    Mittwoch, 07. März 2007
    Mit Schulnoten würde ich meinem Befinden heute eine 3 minus geben, gestern war´s ganz klar eine 6. Meine frühmorgendliche Übelkeit vor dem Frühstück blieb mir dann erstmals auch nach dem Frühstück erhalten. So griff ich zum ersten mal notwendigerweise nach den Ondansetron und ließ mir eine 12-Euro-Tablette schmecken. Ist wie Kaviar. Schmeckt auch nicht besonders teuer oder anders *grins Dann zum Klinikum, Braunüle schieben lassen, aber die wollte dann nicht so recht laufen. Lag wohl daneben. Also neu legen, den Vorlauf wieder dran und siehe da: es läuft. Alles schön, aber wegen meines Infektes morgen wieder Blutkontrolle.

    Donnerstag, 08. März 2007
    Ich war gestern noch schön in der Badewanne und so war die Nacht auch ganz ok.Insgesamt geht´s mir aber auch noch nicht deutlich besser. Na mal schauen, was die Werte so hergeben. Werte soweit ok, aber wieder auf dem Weg nach unten, deswegen eindringliche Ansage vom Doc, ich solle sofort kommen, wenn es mir schlechter geht oder höhere Temperaturen dazukommen. Ansonsten reicht es, wenn ich am Diensttag wieder erscheine.
    „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ #Albert Einstein
    Resumé

    Da ich ja nun kurz vor dem Abschluss meiner Chemotherapie bin denke ich, ist es Zeit die wichtigsten Erfahrungen zusammen zu fassen. Wer auch immer in eine Chemo gehen muss, macht sich Sorgen, wie es ihm darunter gehen wird, was ihn verändern wird, was mit ihm gemacht wird. Dies ist ja auch der Sinn dieser Erfahrungsberichte die wir hier in´s Forum stellen. Über die PEB-Chemo kann man vieles Lesen, leider auch viel Schlechtes. So hatte ich eigentlich fest damit gerechnet, dass es mir zeitweise super dreckig gehen wird und es vom Kopf her schon einmal in Kauf genommen. Aber ich habe nicht darauf gewartet. Ich denke, dass dies auch ausschlaggebend für das eigene Befinden ist. Locker herangehen, wenn es einem doch flau wird halt Bescheid sagen, denn dagegen kann etwas getan werden. Ich brauchte abgesehen von den planmäßigen Kurzinfusionen von Fortecortin und Zofran die bei der PEB sowieso gegeben werden, keine weiteren Medikamente gegen Übelkeit. Die nach dem ersten Zyklus verschriebenen Ondansetron habe ich bis auf einmal (prophylaktisch vor der ersten ambulanten Bleo, die dann auch noch ausfiel) bisher nicht nehmen müssen. Wenn mir flau wurde, habe ich eine Kleinigkeit gegessen und dann war das auch wieder in Ordnung. Was kommt sicher? Fast so sicher wie es abends dunkel wird, werden die Haare ausgehen. Irgendwie habe ich meine wohl ausgetrickst, denn ich habe noch immer meine locker sitzenden Stoppel auf dem Schädel.

    Unter Belastung wie z.B. Treppen steigen, wird die Luft knapp werden. Das liegt einfach am Bleo, das doch die Lunge echt zu beanspruchen scheint. Aber ruhig Blut, das pegelt sich auch wieder ein. Wirklich ätzend fand ich die Veränderung meines Geschmacksinnes. Liegt aber auch daran, dass ich sehr gerne esse. Was aber irgendwie immer schmeckte war Schokolade. Auch Müllermilch Schoko kann ein echter Genuss werden, wenn man einfach mal wieder etwas anderes trinken und vor allem mal wieder etwas schmecken möchte. Und Milchprodukte sind klasse gegen Sodbrennen.

    Was mich aber immer wieder fast zur Verzweiflung brachte, sind die Trinkmengen im stationären Teil. Mindestens drei, laut TZB München viereinhalb Liter Flüssigkeit müssen zu dem ganzen Infusionsgedöns noch getrunken werden, damit die Nieren keinen Schaden nehmen. Kaffee und ähnliches nicht mitgerechnet. Dazu kommt dann ja auch noch, dass alles was oben rein läuft unten wieder heraus muss. Und das manchmal viertelstündlich.

    Zu Beginn des dritten Zyklus kam dann die Polyneuropathie in die Finger gekrochen. Die Fingerspitzen wurden sehr empfindlich, teilweise taub und irgendwelche Drehverschlüsse, zumal wenn sie fest saßen, wurden zur Tortur. Da hilft dann nur ein weiches Tuch oder der Ärmel des Pullovers. Ist aber auch auszuhalten und geht in der Regel wieder weg.

    Wahrscheinlich durch das Cortison bedingt, bekam ich ziemlich trockene Haut, vor allem an den Händen und auf dem Kopf, der sich schuppte. Eincremen, und gut ist das.

    Durch die Schleimhautveränderungen die im ganzen Körper stattfinden (weil auch schnell wachsende Zellen) musste ich sehr viel aufstoßen und bekam dann auch häufig Sodbrennen. Dagegen helfen im gewissen Rahmen Milchprodukte. Irgendwann im dritten Zyklus nahm es dann aber so unangenehme Ausmaße an, dass ich auf die verschriebenen Pantozol-Tabletten zurückgriff. Ich muss mir ja nicht auch noch ein Magengeschwür züchten…..

    Kommen wir zu den Ärzten:Für mich war es wichtig, allerdings als Privatpatient auch etwas einfacher, einen festen ärztlichen Ansprechpartner zu haben. Da waren halt immer der Professor, immer derselbe Oberarzt und seine Privatassistenten. Dadurch fasst man Vertrauen und muss nicht jedem Doc von neuem seine Story erzählen. Und doch ist man gut beraten, mitunter kritisch zu hinterfragen, wenn einem etwas merkwürdig vorkommt. Und wenn man unzufrieden ist, sollte man auch dieses sagen. Was die Docs nicht wissen, können sie nicht ändern.

    Dann gibt es auch diese Ärzte, mit denen man sich abends in der Teeküche kurz unterhält und die einem dann Sachen über die Hodenkrebs-Therapie erzählen, die man entweder gar nicht hören möchte, bzw. genau das Gegenteil von dem sind, was man sich aus den vielen im Internet verfügbaren Studien und Therapiestandards herausgelesen hat. Da hilft dann einfach nur ignorieren. Alles andere läuft Gefahr, einen herunter zu reißen.

    Toll sind Ärzte, und da bin ich froh diesen kennen gelernt haben zu dürfen, die sich interessiert mit einem auseinander setzen, obwohl man gar nicht ihr Patient ist. Da ein nettes Wort, kurze Frage nach dem Befinden, motivierende Kommentare. Hier zeigt sich dann auch wirklich noch ein Mensch im Kittel. Und wenn dieser Mensch das hier liest, dann möchte ich mich dafür noch mal ganz besonders bedanken. Nachtrag: er wollte und hat es gelesen…. ;)

    Die Psychische Seite Im Verlauf der Chemo gibt es immer wieder Tage an denen man sich fragt, ob es überhaupt Sinn macht sich gegen die Krankheit aufzulehnen. Man hört immer viel Gutes: ja, Hodenkrebs ist zu 98% heilbar; wenn Krebs, dann den und die üblichen Floskeln. Und dann liest man von schlecht behandelbaren Spätrezidiven und weiß der Geier noch was alles. Allein was in der Einverständniserklärung für die Chemotherapie steht, liest sich wie ein onkologischer Rundumschlag und lässt den Vergleich zu, man müsse sich für Pest oder Cholera entscheiden. Klar, leider werden nicht alle von uns geheilt werden können. Aber wohl alle früh erkannten und entsprechend behandelten von uns. Daraus kann und muss man auch die Kraft schöpfen weiter zu machen.

    Bei mir war es so, dass ich über mein bisheriges Leben nachgedacht habe. Und vieles von dem was ich damals gemacht habe oder wie ich mich in der Zeit vor der Diagnose verhalten habe, kommt mir mittlerweile so unsinnig und teilweise gar fremd vor. Warum über das Knöllchen ärgern, wenn ich zu schnell gefahren bin? Selber schuld. Der Pfleger in der Anmeldung kann mich nicht leiden und ferzt mich an ? Na und, kurzer Spruch zurück und gut ist das. Für alles andere ist mir meine Zeit zu schade. Okay, sorry: die Email an das Charité-Beschwerdemanagement und den Prof musste dann aber doch noch sein ;) .

    Wann immer es vom Wetter her geht (leider hatte ich damit saisonbedingt reichlich Pech), außer an den Bleo-Tagen (!) raus an die frische Luft und Sonne tanken. Das hilft ungemein. Und so wenig wie möglich vom „normalen Alltag“ abweichen. Ja, wir haben Krebs. Aber wir haben auch ein Leben, dass wir uns von dieser Krankheit nicht vollständig bestimmen lassen dürfen. Klar, durch die vielen Termine und stationären Aufenthalte verändert es sich. Aber bitte nur vorübergehend und nicht vollständig. Ich hoffe, ich konnte denen die jetzt noch durch die Chemo müssen etwas Angst nehmen und Mut machen.

    Macht das Beste aus diesem einschneidenden Lebensabschnitt, geht positiv in die Therapie und vor allem wartet nicht auf irgendwelche Nebenwirkungen. Nicht alles muss, vieles kann und manches wird kommen. Ihr werdet es dann schon mitkriegen. Dann halt versuchen sich damit zu arrangieren und immer daran denken: ein Zyklus dauert doch nur drei Wochen. Und zu 98% werden wir wieder gesund……..! Viel Glück dafür. Dirk
    „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ #Albert Einstein
    …..und wie es nun weitergeht

    Tja, wie ging es weiter ? Am 15.03.2007 hatte ich meine letzte Bleo-Infusion. Danach noch vier Blutkontrollen. Die Werte waren noch nicht in der Nähe des Normbereiches, aber tendenziell auf dem Weg dorthin. Für den 27.03.2007 hatte ich einen Termin bei meinem niedergelassenen Urologen zur hoffentlich letzten Blutkontrolle. Von ihrem Ergebnis hing ab, ob ich ab 02.04.2007 wieder arbeiten darf. JA !!!!!!! Alle Werte wieder im normalen Bereich, ich darf wieder ackern. Mir fiel ja schon die Decke auf den Kopf. Fetzen mit meiner Frau inclusive.Also mit meinem Cheffe telefonieren, der sich auch freute. Es war schon ein tolles Gefühl, wieder da zu sein. Da mich meine Kollegen auf dem Laufenden hielten, wusste ich, dass sich einiges verändert hatte. Aber es ging.

    Mitte April, zwei Tage nach dem Geburtstag meines Sohnes, CT: nur noch eine kleine Verdichtung zu sehen, die Röntgenbesprechung kam zu dem Entschluß, dass da nichts weiter gemacht werden muß.Dieses Ergebnis bekam ich abends im Ärztezimmer, denn irgendwie hat da ein ganz besonderer Jemand vergessen, mich anzurufen so dass ich selber hingefahren bin. Auf dem Weg nach Hause habe ich dann das erste Mal nach meiner Hochzeit vor Freude geweint. Ich war durch, der Zirkus hat ein Ende. Jetzt musste nur noch der AFP in Ordnung sein. Zwei Tage später ein Fax meines Urologen: NORMBEREICH !Yes, sooooooooo soll es sein. Naja, und jetzt warte ich halt auf die erste Nachsorge.

    Obwohl mein Leben eigentlich wieder ganz normal läuft, ist da immer wieder die Sorge ob es denn wirklich schon vorbei ist. Hier ein Ziepen, dort ein Zwicken. Ist schon verrückt, wie einen der Körper stänkern kann.Durch den Sport ist die Luft wieder (gefühlt) normal, die Polyneuropathie nur noch selten zu spüren. Mir geht es im Moment einfach nur gut.

    Weiter geht es mit der Nachsorge………………
    Am 03.Juli hatte ich meine erste Nachsorge mit Sono vom anderen Hoden, Blutbild und Marker sowie CT Thorax und Abdomen. Die große Überraschung für mich war eigentlich das CT: vom Lymphknoten ist nun gar nichts mehr zu sehen. Ansonsten war auch der ganze Rest in Ordnung. Tja, so muss es jetzt nur noch bleiben. Mitte September dann schon die nächste, aber kleine, Nachsorge. Hoden-Sono ok, Blutbild und Marker auch okay. Aber nächste große Nachsorge diesmal schon im November. Zum ersten wegen immer wiederkehrender Stecherei mank der Nieren und weil wir sorgenfrei über Weihnachten kommen wollen. Mitte November dann große Nachsorge mit Röntgen Thorax in 2 Ebenen sowie erstmals MRT vom Bauch. Das MRT ist eine echte Erfahrung, aber solange ich die Strahlung eines CT´s umgehen kann, investiere ich gerne in die Zeit. Und das Kontrastmittel ist auch gesünder: Ananassaft…, ja…und was in die Vene, aber das ist auch besser als dieses Zeug vom CT. Ergebnis: eine unauffällige Narbe wo einst mal eine Lymphknoten-Metastase war.

    Heute, sieben Jahre nach der Chemo bin ich immer noch rezidvfrei. Und das allerschönste: meine Frau und ich haben im November 2012 noch einen gesunden Jungen mit in die Familie bekommen.

    Also, nicht den Kopf hängen lassen....
    „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ #Albert Einstein
    Hallo Dirk !

    Ich wünsche Dir auch für die noch folgenden Kontrolluntersuchungen einfach nur beste Ergebnisse!

    Gruss Renate
    Adeno ED : 30.03.13 ( nach Thoraxprellung )
    Rauchstopp 14.04.13 , OP 02.05.13 Lobektomie li o.
    IB / pT2 ( 42mm ) pN0 ( 0/24), cM0, L0, V0, G2, R0,
    Chemo habe ich abgelehnt.
    2013 AHB und 2014 Reha in Ahlbeck, bis 08/17 NU ok,
    MRT 03/17= keine Filiae

    Tüdelüüüü hat´s gemacht und das Fax mit meinen Laborwerten ist da:
    AFP 4,4 (Hauptsache ist kleiner als 7ng/ml....)
    ß-HCG ist kleiner als 0,1 bei erlaubten 2 mU/ml)
    Mir wächst aktuell also kein neues Ei und schwanger bin ich auch nicht. 8o

    CT und MRT habe ich am 06. November.... man darf also weiter gespannt sein.

    Bis die Tage !
    „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ #Albert Einstein
    Hallo zusammen.
    Zeit für ein neuerliches Update von mir:
    MRT Abdomen und CT Thorax sind jetzt gelaufen und die Befunde bei mir.
    Schön daran ist, dass sich onkologisch nichts getan hat, alles weiter chic und in Ordnung. Keine verdächtigen Lymphknoten, Lunge ist tip top und auch sonst ist nichts dort, wo es nicht hingehört.

    Vermutlich ist es dem Alter geschuldet (*seufz), oder einfach einem guten und genauem Radiologen, dass es da zwei (genau genommen drei) Nebenbefunde gibt, die ich nun noch etwas genauer beleuchten lassen werde. Zum einen ist da der schon seit zwei Jahren von mir vermutete, aber vom Doc bisher verneinte Leistenbruch. Hier scheint der Radiologe im Bereich des damaligen Leistenschnittes nun doch einen kleinen Bruch gefunden zu haben.

    Dann gibt´s da was im Darm, was ich durchaus auf meine Familie schieben darf, denn mein Großvater hatte das auch..... eine Divertikulose.
    Last but not least darf ich eine Nebenmilz mein Eigen nennen.
    Alles in allem also nichts Schlimmes oder Besorgniserregendes, dennoch will ich alles in mir grundsätzlich ganz genau kennen...*lach
    Muss eh wieder zum Jahres-Check beim Hausarzt (vor dem ich mich schon seit Jahren drücke...*hust*)
    Uns allen ein schönes Wochenende !
    „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ #Albert Einstein
    Die Thorax-CT finden nur alle zwei jahre statt. Stets im Wechsel mit einer normalen Röntgen-Aufnahme.
    Ab dem zehnten rezidivfreien Jahr will der Doc dann die Lunge ganz weg lassen, was ich durchaus legitim finde.
    „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ #Albert Einstein
    Hey Dirk, schön dass alles Sauber ist - und was die Nebenbefunde angeht, die sind zwar nicht schön, aber damit kann man leben. Hauptsache der Krebs ist weg!

    Habe ja selber aufgrund dieser diffusen Stelle in meiner Lunge gerade einen Termin beim Lungenfacharzt gehabt. Seine Meinung zum Thema CT war recht deutlich: Nur wenn absolut nötig! Wobei das alle zwei Jahre ja noch vertretbar ist. Gut aber auch, dass der Arzt dann nach den 10 Jahren erst mal ganz darauf verzichtet. Auf jeden Fall weiterhin alles Gute :thumbup:
    Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.

    Johann Wolfgang von Goethe


    diagnose-hodenkrebs.jimdo.com/
    Die Strahlenbelastung bei einem Lungen-Ct ist ein vielfaches höher als bei einer normalen Rötgenaufnahme. Ich lasse daher definitiv kein Lungen-CT mehr machen. 8-10mSv extra ohne Verdachtsmoment ist einfach viel zu viel! Auch alle 2 Jahre - vor allem angesichts dessen, dass keine Lungenmetas vorhanden waren. Das sind 3 Jahresdosen an natürlicher Strahlung!

    Grüße