Treiber-Mutationen (Genveränderungen) beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC)

    Beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs ist immer wieder die Rede von "EGFR positiv/negativ" und "ALK positiv/negativ"; darüber hinaus gibt es noch KRAS bzw. K-Ras und ROS.

    EGFR heißt "Epidermal Growth Factor Receptor" (epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor), ALK ist "Anaplastic Lymphoma Kinase" (anaplastische Lymphomkinase), K-Ras bedeutet "Kirsten Rat Sarcoma" (deutscher Name, wenn vorhanden, ist mir nicht bekannt). Alle drei sind Eiweiße (= Proteine), die beiden ersten sogenannte "Tyrosinkinasen", das letzte ein sogenanntes "GTP-bindendes Protein" (GTP heißt Guanintriphosphat und ist einer der wichtigsten Energielieferanten für alle Zellvorgänge).

    Zu allen drei Eiweißen gibt es Gene, die den Bauplan dafür liefern. Und wie alle Gene, können diese Fehler oder Veränderungen aufweisen. Und solche Veränderungen bei allen dreien sind vermutlich an der Entstehung bzw. der Aufrechterhaltung von Krebs beteiligt. Im Einzelnen:

    EGFR: Bei einer Veränderung (Mutation) dieses Gens wird der Rezeptor (Empfänger, ein Einweiß) für den Wachtumsfaktor viel zu oft hergestellt, man sagt, er ist "überexprimiert". Dadurch teilen sich Zellen viel zu oft und sie werden quasi unsterblich - Krebs ensteht. In Bezug auf das Gen sagt man, die EGFR-Mutation sei aktiviert, kurz auch "EGFR positiv".

    ALK: Dieses Eiweiß spielt normalerweise nur bei Embryonen und Säuglingen in der Phase der Ausbildung des Nervensystems eine nennenswerte Rolle. Eine Lageveränderung des zugehörigen Gens führt dazu, dass ALK auch später hergestellt wird und Zellteilungsrate, Zellwachstum und Sterbezyklus von Zellen beeinflusst - wie genau, weiß man noch nicht. "ALK positiv" bedeutet, dass die Lageveränderung des zugehörigen Gens erfolgt ist, man spricht von "Translokation des Gens".

    K-Ras: Dieses Eiweiß sorgt dafür, dass vom EGF-Rezeptor aufgenommene Signale weitergeleitet werden. Es schaltet sich normalerweise selbsttätig ab, wenn es seine Aufgabe erfüllt hat. Wenn hier eine Mutation des entsprechenden Gens vorliegt, heißt das (zum jetzigen Zeitpunkt), dass eine Behandlung mit einem Mittel, das den Wachstumsfaktor hemmt, eher sinnlos sein wird, da sie durch diese Mutation unterlaufen wird, weil sich dieses Eiweiß nicht abschaltet. Man sagt, das Vorliegen dieser Mutation habe eine negative Vorhersagekraft.

    Zu EGFR und ALK gibt es Medikamente, die sogenannten Tyrosinkinase-Hemmer oder -Inhibitoren (TKI) - zum ersteren Erlotinib und Gefitinib, zum zweiten eben Crizotinib. Alle drei sind meines Wissens nach nur unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen bzw. befinden sich noch in der Studienphase.
    Es grüßt die Hexe.
    Hallo @Gaddys,

    ​nein, das gibt es nicht. Es gibt zwar einige Studien, in denen man die Kombination anderer Medikamente, oft auch mit Chemotherapien, ausprobiert - und solche, in denen man auf andere Weise versucht, den Signalübertragungsweg zu beeinflussen. Aber das ist alles noch weit entfernt von zielgerichteter Anwendbarkeit.
    Es grüßt die Hexe.