Zweit- und Drittmeinungen - Bessere Kooperation erforderlich

    Ich denke, da muss man zunächst einmal die Begriffe "Zweitmeinung" und "Tumorboard" auseinanderhalten. Tumorboards sind in den seltensten Fällen, insbesondere nicht in Kompetenzzentren, institutionsübergreifend, sondern dienen der internen Abstimmung innerhalb einer Klinik oder eines Klinikverbundes. Sie unterliegen damit natürlich auch allen Rangeleien, die sich im heutigen Klinikbetrieb so ergeben (Chirurgen vs. Internisten vs. Nuklearmedizin etc.). Eine telefonische Absprache zwischen Erst-, Zweit- und Drittmeinern ist kein Tumorboard.

    Zu den Zweitmeinungen habe ich eine sehr differenzierte Meinung. Da fallen mir zunächst einmal zwei Gruppen ins Auge:
    [*]Befunde werden per Mail oder Schneckenpost an eine zweite Klinik geschickt. Diese bestätigt oft schlicht und einfach ohne weitere Begründung Diagnose und Therapievorschlag der "Vorinstanz".
    [*]Verfahren der Befundübermittlung wie vor - aber meistens an ein experimentell ausgerichtetes Therapiezentrum. In vielen Fällen kommt zurück "Können wir machen.".
    [/list]Meines Erachtens ist eine Zweitmeinung ohne persönliche Vorstellung mit größter Vorsicht zu genießen. Wenn man schon Weg und Wartezeit scheut, sollte man in meinen Augen wenigstens die Vorbefunde in Bezug auf die Herkunft so weit wie möglich anonymisieren (geht bei Bildern leider i. d. R. nicht) und Therapievorschläge gar nicht erst mitschicken.

    Außerdem ist immer zu hinterfragen, wo genau man sich eine solche Zweitmeinung einholt - oft durchschaut man nämlich die Zusammenhänge nicht. Wer zum Beispiel in Bochum und Umgebung eine Zweitmeinung bezüglich CyberKnife in Soest einholen will, sollte wissen, dass dieses ein direkter Ableger der Ruhruniversität ist - und auch, ob seine behandelnde Klinik nicht auch dazu gehört bzw. ein niedergelassener Behandler nicht in irgendeiner Weise damit assoziiert ist.
    Es grüßt die Hexe.

    The Witch schrieb:

    Ich denke, da muss man zunächst einmal die Begriffe "Zweitmeinung" und "Tumorboard" auseinanderhalten. .....


    Die Überschrift habe ich zunächst so übernommen; ich bin mir nicht einmal sicher, ob der Autor des ansonsten guten Artikels den abgefasst hat oder das Portal selbst. Wir könnten ihn bei uns des besseren Verständnisses wegen ja abändern in:"Zweit- und Drittmeinungen - Bessere Kooperation erforderlich".

    Ich fand den Entwurf eines Verhaltenskodex' am Ende des Artikels beachtenswert ebenso wie die folgenden beiden Sätze: "... nicht selten wird dem Erstmeiner das Konzept aus der Hand genommen, wobei durchaus wettbewerbliches Verhalten zu verzeichnen ist. ,Zentren' nehmen gegenseitig keine Rücksicht und entscheiden primär pro domo – mit dem Hinweis auf den Wunsch des Patienten kann letztlich alles gerechtfertigt werden."
    Falls sich jemand die Mühe gemacht hat, dem (überforderten?) Patienten die Konsequenzen der Erst- und Zweitmeinungen für ihn selbst einander gegenüber zu stellen und der überhaupt weiß, was er will.
    In letzterem sehe ich auch ein Problem.

    An der Liste stört mich etwas, dass der "Erstmeiner" die Oberhoheit behalten soll. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, liegt ein Problem zumindest bei Zufallsbefunden ja oft darin, dass der Erstdiagnostiker eher der geringer qualifizierte ist.

    Cecil schrieb:

    Wir könnten ihn bei uns des besseren Verständnisses wegen ja abändern in:"Zweit- und Drittmeinungen - Bessere Kooperation erforderlich".

    Ich habe den Strangtitel auch geändert.
    Es grüßt die Hexe.
    Ich kann mir nicht helfen, aber wenn ich das so durchlese, hört es sich nicht an, als ginge es überhaupt um den jeweiligen Patienten... Und es bestätigt sich, dass es wohl die eine richtige Therapie nicht gibt...
    Mir ist danach jedenfalls unwohl. Sollte ich wieder eine Therapie nötig haben, wird mein "Tumorboard" aus mir, meinem Hausarzt (Internist, Beatmungsspezialist u.v.m.) und dem von ihm empfohlenen niedergelassenen Onkologen bestehen. Basta.