Verloren

    Hallo zusammen,

    nachdem die Zahl der registrierten User stetig zunimmt und nicht mehr jeder den Hintergrund meiner Anwesenheit in einem Krebs-Forum kennt, möchte ich mich kurz vorstellen:

    Meine Name ist Simi, ich bin Mitte Vierzig, verheiratet und Mutter von drei Kindern.
    2005 erkrankte meine damals knapp sechsjährige Tochter an Leukämie. Der Schock war groß, aber die Chemotherapie glücklicherweise erfolgreich. Wir fanden gerade wieder zurück in einen normalen Alltag, als 2007 das erste Rezidiv diagnostiziert wurde. Nach erneuter Chemo und erfolgreicher SZT hatten wir wieder eine Krankheitspause bis zum zweiten Rezidiv zwei Jahre später. Unsere Maus hat sich ein weiteres Mal durch die anstrengende Therapie und zurück in ihre Schulklasse, zu ihren Freundinnen, gekämpft. Dreieinhalb Jahre lebte sie intensiv, voller Zuversicht und Lebensfreude. Sie hatte weitreichende Zukunftspläne und einen ansteckenden Optimismus. Wir gewannen immer mehr die Überzeugung, dass die Leukämie endgültig besiegt sei.

    Im Januar 2013 war Leni topfit und wir gingen erstmals relativ entspannt zur routinemäßigen Kontrolluntersuchung. Wider aller Erwartungen war das Blutbild nicht in der Norm. Es wurde wiederholt, nochmals wiederholt. Warten, Ratlosigkeit, Nervosität, Angst, Ungläubigkeit. Diskussion der Ärzte, ob ein erneutes Blutbild in einigen Tagen ausreichend oder eine sofortige KMP angezeigt sei. Sie wurde punktiert. Fassungslosigkeit, lähmendes Entsetzen, Todesangst. Das dritte Rezidiv. Die Leukämie war zurück - unsere Tochter umgehend bereit zu kämpfen und endlich dauerhaft gesund zu werden.

    Die Induktionschemo konnte eine Remission erreichen. Die dritte SZT wurde für März/April geplant, aber Lenis Körper war den Strapazen dieses Mal nicht gewachsen. Nach mehreren schweren Infektionen stand drei Wochen nach ihrem 14. Geburtstag das endgültige Therapieversagen fest.
    Siebzehn Tage später durfte unsere Tochter am 10. Juni 2013 in unserem Beisein schmerzfrei einschlafen.

    Geblieben sind Erinnerungen an eine schwere, intensive und doch wunderschöne Zeit. Ich hatte einmal auf die Frage, wie man mit einem so schwer erkrankten Kind lebt, folgendes geschrieben:
    "Ja, man kann mit einem „Onko-Kid“ leben, es ist vielleicht sogar ein intensiveres, erfüllteres Leben. Man nimmt nichts mehr für selbstverständlich. Man registriert und genießt Kleinigkeiten, für die man sicherlich ohne dieses Damoklesschwert AML kein Auge, keinen Sinn und keine Zeit gehabt hätte. Aber es ist auch voller Sorge und Schmerz und von einer permanenten Angst begleitet."

    Heute, siebenzehn Monate nach Lenis letztem Lebenstag, ist die Trauer noch immer ein unbeschreiblich tiefes, schwarzes Loch. Wir haben viel, vielleicht zu viel, verloren. Ob wir den Tod unserer Tochter als Paar bewältigen können wird die Zeit zeigen. Momentan funktionieren wir mit dem gemeinsamen Ziel, unseren beiden jüngeren Söhnen ein Familienleben zu erhalten und ihnen eine gute Kindheit und Jugend zu ermöglichen. Seit März sind wir vorübergehend wieder zu fünft. Meine Nichte lebt, wegen eines beruflichen Auslandsaufenthalts ihrer Eltern, die letzten beiden Schuljahre bis zum Abitur bei uns.

    Unserem Umfeld fällt der Umgang mit uns schwer. Verständlich, auch wir kämpfen täglich mit uns, unserer Trauer, unserem Schmerz, unseren Zweifeln und Nöten. Hinzu kommt, dass sich niemand gerne näher mit dem Undenkbaren, dem Tod eines Kindes, befassen möchte. Auch wir wollten das niemals tun und müssen uns jetzt einem Leben ohne unsere Tochter stellen.

    Herzliche Grüße und vielen Dank für eure Geduld
    Simi
    Liebe Simi,

    ich denke, es hat dich viel Mühe gekostet, eure Geschichte zu schreiben. Das braucht Mut.

    Ich habe schon viel gelesen und erlebt, was Krankheit und Trauer betrifft. Doch gerade jetzt kann ich meine Traurigkeit nicht unterdrücken.


    Herzlich willkommen und .... ich drück dich, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    Liebe Simi,

    das Leid, das euch getroffen hat, ist mit Worten nicht zu beschreiben.
    Ein solcher Verlust sprengt alle Dimensionen, Werte und Phantasien.
    Meine Eltern haben ihr Leben gelebt und trotzdem ist meine Trauer um sie unendlich groß.
    Aber eure Maus hat gerade erst angefangen zu leben.....warum kann das Leben so grausam und ungerecht sein.

    Ich wünsche dir und deinem Mann, dass ihr euch die Kraft zum Weiterleben bei euren beiden Jungs nehmen könnt und umarme dich ganz innig.

    Christel

    mit ihren über alles geliebten Eltern für immer im Herzen

    Papa +15.10.12 (Prostatakrebs)
    Mama + 9.02.14 (Bauchspeicheldrüsenkrebs / Schlaganfall)
    Hallo SImi,

    teilweise kenne ich schon Deine Geschichte. Immer wieder wenn ich Dich hier "treffe" versuche Dir in Deine Situation nahe zu sein. Sicherlich gelingt mir nicht Dich zu erreichen. Man muss erleben um so zu empfinden. Ich hoffe, für Dich, für Euch, dass irgendwann, auch mit Hilfe von Leni von dort wo sie jetzt ist, erträglicher wird.

    Liebe Grüße
    Omondi

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „omondi“ ()

    Liebe Simi,
    obwohl ich Deine Geschichte kenne, sind mir eben beim Lesen die Tränen gekommen. Es ist absolut unvorstellbar, was Eure Familie erlebt und mitgemacht hat und das über soviele Jahre.
    Dieses Auf und Ab, die Hoffnung und die Rückschläge, sind so grausam.
    Eure Tochter war noch so jung! Noch ein Kind!
    Die Briefe, die Du an sie geschrieben hattest, haben mich immer sehr bewegt. Für diese unvorstellbare Trauer gibt es keine Worte.
    Für Euch als Eltern wird die Trauer immer bleiben. Ich kann auch nur hoffen, dass die Zeit helfen wird, etwas besser damit umzugehen. Ich bewundere die Kraft und Stärke, die ihr aufbringt, um Euren Söhnen eine schöne Kind-und Jugendzeit erleben zu lassen.
    Ich drück Dich mal ganz doll und wünsche Euch als Familie alles alles Gute und weiterhin die Kraft, die ihr so sehr benötigt.
    ganz liebe Grüße
    Petra
    ED 05/13 re. OL, Stadium IV, inoper. NRin, 3 Pleurod.malig. Pleuraergüsse, Pneumothorax re., Metas re. u. li. Lu-flügel , am Zwerchfell, BWK 5, vergrößerte Lymphknoten überall, div. Rundherde. Carbopl./Vinorelbin b. 12/13, seit 02/14 Erhalt.therapie Alimta. 8 Hirnmetas u. Oedem, im Frontalhirn, 10 Bestrahlungen.
    1 Therapie mit Gemzar. abgesetzt NW[/lexicon], Fentanylpflaster,jetzt austherapiert
    Hallo Simi !

    Dieses Forum bietet die Möglichkeit, wirklich alle neuen Beiträge und egal in welcher Rubrik / Krankheitsbild angezeigt zu bekommen.
    Und momentan lese ich alle mit grossem Interesse.
    Bei Deinem Beitrag wurde ich an meine langjährige Arbeit als Sozialarbeiterin im Jugendamt erinnert.
    Dort war ich zuständig für Familien mit behinderten / schwerkranken Kindern.
    Unter den Kindern waren sowohl Geistig oder Lernbehinderte, aber auch Seh - , Hör - und schwerst körperbehinderte Kinder.
    Ausserdem auch ca. 5 % an Krebs erkrankte Kinder. Leukämie und Sarkome waren da präsent.
    Und dies war für mich in der Arbeit das ( seelisch ) Härteste, weil die Zukunft der Lütten immer am seidenen Faden hing.
    Natürlich war mein Herz auch immer bei anderen Eltern, die sich jahrzehntelang für ihre gehandikapten Kinder liebevoll aufopferten.
    Habe innerlich immer mit den Eltern mitgeheult, meine Arbeit hoffentlich souverän wie mitfühlend gemacht, beraten und SB - Anträge aufgenommen.
    Während ich in diesem Bereich arbeitete, hatte ich selber 2 Kinder bekommen und war bei jeder Schwangerschaft voller Ängste.
    Angesichts der beruflich bekannten Diagnosen war ich immer riesenfroh,daß meine Kinder trotz Risikoschwangerschaften gesund zur Welt kamen.

    Liebe Simi,

    ich bin sicher, dass Du alles für Deine kleine Tochter in Bewegung gesetzt hast und Du warst immer für sie da und Du hast sie immer begleitet!


    In meiner Arbeit hatte ich ein 5 jähriges, leukämiekrankes Kind kennenlernen dürfen, sie wurde geliebt von der ganzen Familie
    ( Eltern mit 4 Kindern, eines geistig behindert, Eltern Empfänger von Sozialhilfe ) .

    Will sagen, egal wie und wo es wen krankheitsmässig trifft, wir brauchen allesamt Mitmenschlichkeit!

    Genug geschrieben für heute.


    Gruss Renate
    Adeno ED : 30.03.13 ( nach Thoraxprellung )
    Rauchstopp 14.04.13 , OP 02.05.13 Lobektomie li o.
    IB / pT2 ( 42mm ) pN0 ( 0/24), cM0, L0, V0, G2, R0,
    Chemo habe ich abgelehnt.
    2013 AHB und 2014 Reha in Ahlbeck, bis 08/17 NU ok,
    MRT 03/17= keine Filiae

    Liebe Simi,

    habe eben deinen Bericht gelesen. Er hat mich so sehr berührt. Was dein Kind ausgehalten und auf sich genommen hat, um gesund zu werden, davor kann man nur den Hut ziehen.

    Was ihr als Eltern mitgemacht habt, kann ich sehr gut nach empfinden. Auch ich habe mein "Kind" verloren, wenngleich mir im Gegensatz zu dir 36 Jahre mit meiner Tochter geschenkt wurden. Und sie mir meinen innigst geliebten Enkel hinterlassen hat. Dennoch, die Trauer ist nicht zu beschreiben. Bei uns ist es allerdings auch erst ein knappes halbes Jahr her (24.5.), wo wir Abschied nehmen mußten. Ich stecke noch immer in den letzten Lebensstunden fest.

    Meine Tochter erkrankte mit 29 Jahren an Brustkrebs. Es gab wohl einige Krebsfälle in der Familie, aber Brustkrebs nicht. So konnten wir es einfach nicht fassen und der Schock saß sehr tief. Das kennt ja jeder Betroffene sowie die Angehörigen, die sich fortan mit einer ganz anderen Lebensform befassen müssen. Ich möchte (noch) nicht ins Detail gehen, aber soviel: meine Tochter hat von Anfang an gekämpft wie eine Löwin, hat sich von neuen Diagnosen nur kurzzeitig aus der Fassung bringen lassen. Dann wurden die Ärmel nach hinten gekrempelt und weiter ging es. Sämtliche Therapien hat sie ohne Klagen hinter sich gebracht. Nebenbei hat sie auch noch uns Angehörige aufgebaut, wenn wir nach ihrem Empfinden mal wieder zu sehr in der Angst gefangen waren. Und die Angst war sehr oft sehr groß, ganz besonders für mich als Mutter.

    Nur die letzten Wochen, als es ihr schon sehr sehr schlecht ging und sämtliche Schmerzmittel versagten, erlaubte sie sich, daß sie auch mal weinte. Dies aber dann nicht wegen ihrem Leiden, sondern wegen ihrem Sohn, den sie unbedingt selber groß ziehen wollte.

    Für heute nur soviel; im Laufe der Zeit werde ich sicher mehr über den Verlauf erzählen. So, wie es mir emotional möglich ist.

    Liebe Simi, wir können unendlich stolz auf unsere Töchter sein, was sie uns in ihrer Krankheit gelehrt haben. Aber eigentlich möchten wir, daß es genau umgekehrt gewesen wäre.

    Liebe Grüße
    Sonnenschein
    Meine geliebte Tochter, geb. 5.5.1978 - gest. 24.5.2014
    Erstdiagnose Brustkrebs 18.6.2007
    Rezidive 2010, 2011, 2012, 2013 und 2014
    Lungenmetastasen 2011
    Lebermetastasen 2012
    Guten Morgen zusammen,

    vielen Dank an euch für euren Mut und eure lieben Worte.
    Wie Cecil treffend schrieb, der Tod eines Kindes ist wider die Natur und grenzt somit - teils selbst auferlegt, teils unfreiwillig - ein Stück weit aus. Es gibt Situationen, in denen ich darunter leide. Ein anderes Mal bin ich froh darum, wenn die Leute Abstand halten. Widersprüchlich, wirr, ein Stück weit orientierungslos und bezeichnend dafür, wie sich unser Leben seit Lenis Tod anfühlt.

    Auf zwei Stellen in euren Texten möchte ich kurz gesondert eingehen:

    peggi136 schrieb:

    Dieses Auf und Ab, die Hoffnung und die Rückschläge, sind so grausam.

    Liebe Peggi,
    das Auf und Ab und die Rückschläge sind grausam. Aber ohne Hoffnung, auch wenn sie immer wieder enttäuscht wird, lässt es sich nicht leben. Jedem einzelnen Hoffnungsschimmer bin ich auch heute noch zutiefst dankbar.

    Sonnenschein schrieb:

    Bei uns ist es allerdings auch erst ein knappes halbes Jahr her (24.5.), wo wir Abschied nehmen mußten. Ich stecke noch immer in den letzten Lebensstunden fest.

    Liebe Sonnenschein,
    ich befürchte, das "erst" wird uns viele viele Jahre begleiten. Auch ich stecke im Juni 2013 fest. Damals ist unsere Welt stehen geblieben und bislang hängt sie beharrlich fest.

    Einen guten Tag euch allen
    Simi
    Liebe Sonnenschein,

    auch dein entsetzliches Schicksal erschüttert mich zutiefst, es gibt kein einziges Wort, um einen solchen Schmerz zu lindern, die Trauer um das eigene Kind ist ein Schmerz voll brutalster Wucht und Brutalität.

    Sonnenschein, - ich nehme an, du hast diesen Usernamen gewählt, weil er deinem Naturell entspricht- auch wenn deine über alles geliebte Tochter nicht mehr da ist, um dir die Sonne zu zeigen, wünsche ich dir von ganzem Herzen, dass du allmählich lernen wirst sie wieder zu finden, damit sie wieder für dich strahlt und die dunklen Schatten verschwinden lässt. Ich hoffe, dein Enkel wird dir dabei helfen.

    Fühl dich fest von mir umarmt

    mit ihren über alles geliebten Eltern für immer im Herzen

    Papa +15.10.12 (Prostatakrebs)
    Mama + 9.02.14 (Bauchspeicheldrüsenkrebs / Schlaganfall)
    Liebe Peggi,
    das Auf und Ab und die Rückschläge sind grausam. Aber ohne Hoffnung, auch wenn sie immer wieder enttäuscht wird, lässt es sich nicht leben. Jedem einzelnen Hoffnungsschimmer bin ich auch heute noch zutiefst dankbar.


    Liebe Simi, Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich kenne das auch zur Genüge, gebe mich aber auch noch nicht auf.
    Alles Liebe
    Petra
    ED 05/13 re. OL, Stadium IV, inoper. NRin, 3 Pleurod.malig. Pleuraergüsse, Pneumothorax re., Metas re. u. li. Lu-flügel , am Zwerchfell, BWK 5, vergrößerte Lymphknoten überall, div. Rundherde. Carbopl./Vinorelbin b. 12/13, seit 02/14 Erhalt.therapie Alimta. 8 Hirnmetas u. Oedem, im Frontalhirn, 10 Bestrahlungen.
    1 Therapie mit Gemzar. abgesetzt NW[/lexicon], Fentanylpflaster,jetzt austherapiert
    Liebe Simi,

    Simi schrieb:

    ich befürchte, das "erst" wird uns viele viele Jahre begleiten


    der Verlust unserer Kinder wird uns bis an unser eigenes Ende beschäftigen und begleiten. Die nicht in Worte zu fassende Trauer wird sich im Laufe der Jahre verändern. Das sagen mir zwei befreundete Mütter, deren Kinder seit 8 bzw. 12 Jahren nicht mehr hier sind. Der abgrundtiefe Schmerz läßt irgendwann nach, jedoch die Trauer wird bleiben. Unser Leben wird nie mehr so sein, wie es einmal war. Unsere Aufgabe ist es, einen gangbaren Weg zu finden, um im Leben wieder einen Sinn zu sehen und vielleicht sogar irgendwann einmal wieder so etwas wie Freude empfinden zu können.

    Bis dahin wird es ein hartes Stück Arbeit.

    Liebe Grüße
    Sonnenschein
    Meine geliebte Tochter, geb. 5.5.1978 - gest. 24.5.2014
    Erstdiagnose Brustkrebs 18.6.2007
    Rezidive 2010, 2011, 2012, 2013 und 2014
    Lungenmetastasen 2011
    Lebermetastasen 2012
    Liebe Sonnenschein,

    Sinn sehe ich schon in meinem Leben, denn glücklicherweise habe ich meine beiden Jungs. Für sie muss es weitergehen und die Trauer um Leni darf nicht das alles beherrschende Thema ihrer Kindheit und Jugend sein. Es ist mir sehr wichtig, dass sie sich nicht als Kinder zweiter Klasse fühlen. Mein Kleiner hat anfangs mal gesagt "Mama, du hast doch noch uns." Ein großes Glück! Das soll aber für meine Söhne auch spürbar sein. Sie sollen absolut und unverbrüchlich sicher sein, dass wir sie genauso lieben, wie ihre verstorbene Schwester.

    Herzliche Grüße
    Simi
    Liebe Christel,

    ich danke dir sehr für deine treffenden Worte.

    Chris_7819 schrieb:

    Sonnenschein, - ich nehme an, du hast diesen Usernamen gewählt, weil er deinem Naturell entspricht-


    Sonnenschein - das war mein Naturell. Darauf war meine Tochter immer so stolz, daß sie eine Mama hatte, die hinter allem Schlechten noch immer irgend etwas fand, was gut war. Das ist mir vollkommen abhanden gekommen. Den Usernamen habe ich gewählt, weil es der größte Wunsch meiner Tochter wäre, dort wieder hin zu kommen.

    Chris_7819 schrieb:

    auch wenn deine über alles geliebte Tochter nicht mehr da ist, um dir die Sonne zu zeigen, wünsche ich dir von ganzem Herzen, dass du allmählich lernen wirst sie wieder zu finden, damit sie wieder für dich strahlt und die dunklen Schatten verschwinden lässt.


    Ich würde mir nichts sehnlicher wünschen, als daß mir dies irgendwann gelingt. Für meine Tochter, damit sie wieder stolz sein könnte auf mich; aber auch für mich selber, damit das Leben wieder lebenswert wäre.

    Chris_7819 schrieb:

    Ich hoffe, dein Enkel wird dir dabei helfen.


    Der Junge ist in der Tat eine ganz große Hilfe. Jeden Tag, an dem er mich fordert, an dem er herzhaft lacht, an dem wir über seine Mama reden, werde ich etwas abgelenkt und komme so immer wieder zu etwas Kräften. Er ist tagsüber bei mir (nach der Schule) und so hilft er mir ganz unbewußt streckenweise, indem ich einfach für ihn funktionieren muß. Ich habe meiner Tochter auf ihre Reise das Versprechen mitgegeben, daß ich ihren Jungen in ihrem Sinn, zusammen mit meinem Schwiegersohn, groß bekomme.

    Auch von mir für dich eine liebe Umarmung!

    Liebe Grüße
    Renate
    Meine geliebte Tochter, geb. 5.5.1978 - gest. 24.5.2014
    Erstdiagnose Brustkrebs 18.6.2007
    Rezidive 2010, 2011, 2012, 2013 und 2014
    Lungenmetastasen 2011
    Lebermetastasen 2012
    Liebe Simi,

    ich finde es ganz klasse, wie du für deine beiden Jungs den ihnen zustehenden Raum schaffst. Das ist für sie enorm wichtig und für dich sicherlich ebenso. So hat dein Leben natürlich einen ganz wichtigen Sinn, indem du dafür sorgst, daß die Jungs, die ja auch den Verlust ihrer Schwester zu tragen haben, ihr Leben möglichst unbeschadet von den Ereignissen führen zu können.

    Liebe Grüße
    Renate
    Meine geliebte Tochter, geb. 5.5.1978 - gest. 24.5.2014
    Erstdiagnose Brustkrebs 18.6.2007
    Rezidive 2010, 2011, 2012, 2013 und 2014
    Lungenmetastasen 2011
    Lebermetastasen 2012
    Ach liebe Renate, ich glaube du hast eine wunderbare Tochter gehabt, so schwer krank und trotzdem so besorgt um die Mama.
    Ich bin mir ganz sicher, dass sie schon jetzt sehr stolz auf ihre Mama sein wird, ebenso stolz, wie du es auf sie bist. Sie wird von oben immer ein Auge auf dich gerichtet haben und sich für jeden Sonnenstrahl freuen, der wieder Licht in dein Leben bringt.

    mit ihren über alles geliebten Eltern für immer im Herzen

    Papa +15.10.12 (Prostatakrebs)
    Mama + 9.02.14 (Bauchspeicheldrüsenkrebs / Schlaganfall)

    Helmut schrieb:

    Liebe Simi,

    Simi schrieb:
    Sie sollen absolut und unverbrüchlich sicher sein, dass wir sie genauso lieben, wie ihre verstorbene Schwester.



    Ich stelle mir das sehr schwer vor.


    Liebe Grüße, Helmut


    Hallo Helmut !

    Diese Einschätzung ist völlig richtig, denn wenn es eine schwerkranke Person ( hier ein Kind ) in der Familie gibt,
    fallen andere Familienmitglieder - hier insbesondere die gesunden Geschwister - oftmals aus dem Fokus der Eltern heraus.
    Mitunter werden die Geschwister dann zu Helfern ( unter Verleugnung eigener Bedürfnisse nach Zuwendung )
    oder aber sie versuchen, mit negativen Auffälligkeiten die Aufmerksamkeit der Eltern zu erlangen.

    Gerade im Bereich Behindertenhilfe musste ich oftmals für gesunde, aber seelisch / psychisch überforderte Geschwister tätig werden.
    Wenn z.B. ein gesundes und hörendes Kind für seine taubstummen Eltern nebst 2 jüngeren taubstummen Geschwistern alles dolmetschen muss, ( Schule, Ämter, Ärzte )
    so wird die Jugend zu einem Erwachsenenstatus und es gibt da gewaltige Rollenverschiebungen.
    Auch ein gestorbenes Geschwister wird nachhaltige Spuren im Lebenskonzept / Alltag aller hinterlassen.


    Liebe Simi !

    Du hast meinen grossen Respekt, wenn Du diesen emotionalen " Spagat" irgendwie in Deiner Familie hinbekommen hast !

    Mit sowohl einer Trauerecke für Deine tapfere Tochter und Aufmerksamkeit für Deine Söhne.


    Herzliche Grüße, Renate
    Adeno ED : 30.03.13 ( nach Thoraxprellung )
    Rauchstopp 14.04.13 , OP 02.05.13 Lobektomie li o.
    IB / pT2 ( 42mm ) pN0 ( 0/24), cM0, L0, V0, G2, R0,
    Chemo habe ich abgelehnt.
    2013 AHB und 2014 Reha in Ahlbeck, bis 08/17 NU ok,
    MRT 03/17= keine Filiae

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „kradabeg14“ ()

    Helmut schrieb:

    Ich stelle mir das sehr schwer vor.


    kradabeg14 schrieb:

    Du hast meinen grossen Respekt, wenn Du diesen emotionalen " Spagat" irgendwie in Deiner Familie hinbekommen hast !



    Liebe Renate,
    lieber Helmut,

    es ist sehr sehr sehr schwer. Ob ich (bzw. wir) das hinbekommen werden, weiß ich nicht. Aber es ist unser Anspruch, unsere Hoffnung und unser großes Ziel.

    Schon als Jugendliche fand ich es ganz schrecklich, wenn Eltern über Jahre hinweg exzessiv um ihr verstorbenes Kind getrauert haben und die lebenden Geschwisterkinder viel weniger beachtet daneben standen. Das darf in meinen Augen nicht sein!
    Wir haben drei heißersehnte Wunschkinder und mussten eines davon viel zu früh gehen lassen. Das ist von einer Tragweite, die uns wohl bis an unser eigenes Lebensende beeinträchtigen und beschäftigen wird. Aber unsere Jungs sind deshalb nicht weniger wert, nicht weniger geliebt und bedeuten - jeder für sich - nicht weniger Elternglück.

    Natürlich lässt sich das alles gut schreiben. Im Alltag ist es ein harter Kampf und oft eisernes Niederringen der eigenen Schwäche, um sich nicht doch in der Trauer um Leni zu verlieren. Es gehen einem auch abstruse Gedanken durch den Kopf: Wären wir heute rundum glücklich, wenn wir unsere Tochter gar nicht bekommen und uns damit Jahre der Krankheit und ihr früher Tod erspart geblieben wären? Anfangs dachte ich manchmal, dass wir dann ein einfacheres, schöneres, sorgloseres Leben hätten. Inzwischen sehe ich deutlich, wie viel Wundervolles und Unwiederbringliches uns entgangen wäre.

    Ich bin unbeschreiblich dankbar für jedes meiner drei Kinder! Diese Dankbarkeit muss, gemeinsam mit der Freude und dem Glück über unsere Jungs, einen sichtbaren, spürbaren und ebenbürtigen Platz neben Trauer und Erinnerung um bzw. an unsere Tochter haben. An ganz anderer Stelle hatte ich es einmal sinngemäß formuliert:
    Als Mutter schenkt man Leben. Daher sehe ich es als meine wesentlichste Aufgabe an, dass dieses Leben auch gelebt werden kann. In aller Intensität und mit einer sicheren Basis.

    Herzliche Grüße
    Simi

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Simi“ ()

    Liebe Simi,

    es ist schön, daß Du das erkannt hast:

    Simi schrieb:

    Ich bin unbeschreiblich dankbar für jedes meiner drei Kinder! Diese Dankbarkeit muss, gemeinsam mit der Freude und dem Glück über unsere Jungs, einen sichtbaren, spürbaren und ebenbürtigen Platz neben Trauer und Erinnerung um bzw. an unsere Tochter haben.


    Ein Ehepaar aus meinem Bekanntenkreis hatte 2 Jungs. Der eine acht Jahre alt, der andere 6 Jahre alt. Der achtjährige verunglückte mit dem Fahrrad, lag noch 2 Jahre im Koma, bis er verstarb. Als das Geschwisterkind 15 Jahre alt war, wollte er sich selbst in ein Heim einweisen lassen mit der Begründung, daß seine Eltern immer mehr in der Trauer um seinen Bruder gefangen waren als in der Liebe zu ihm. Die Eltern widersprachen natürlich diesem Wunsch und das weitere Zusammenleben mit seinen Eltern war offenbar so qualvoll, daß er am Tag seines 18ten Geburtstages auszog und bis heute den Kontakt zu seinen Eltern vermeidet. 3 Jahre später traf ich ihn zufällig und wir unterhielten uns über diese Zeit. Originalton von ihm "Als mein Bruder starb, waren die Grabbeigaben meiner Eltern ihre Liebe, ihre Zuneigung, ihre Unbeschwertheit und meine Kindheit". Das hatte mich wirklich erschüttert.

    Genieße Dein Elternglück mit Deinen Jungs. Du hast das Bewußtsein, daß sie genauso wichtig, liebenswert wie Leni sind/waren. Du machst alles richtig. Und vielleicht schafft es die Zeit, Dir ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, wenn Du an Leni denkst, lächelnd, weil Du sie bekommen durftest, weil Du liebkosen konntest, weil .......Du loslassen konntest.

    Alles Liebe, Anhe
    Loslassen kostet weniger Kraft als Festhalten; und dennoch ist es schwerer.
    ©Detlev Fleischhammel

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Anhe“ ()

    Liebe Anhe,

    ähnliche fürchterliche Beispiele kenne ich leider auch. So darf es bei uns niemals enden.
    Lächeln kann ich glücklicherweise bereits heute über meine Maus. Sie war relativ klein, bevorzugte aber mit einem verschmitzt-ironischen Unterton und frei nach Johnny Mauser (Kinderbuchfigur von Helme Heine) die Bezeichnung "ungroß".
    Als ich eben bei Annemarie im Leukämie-Thread las, die von ihr als "kleinem Menschen" sprach, musste ich unwillkürlich daran denken und grinsen. Allerdings sitzen gleichzeitig Tränen in den Startlöchern, aber auch das ist okay.

    Vielen Dank für deine Worte und herzliche Grüße
    Simi
    Liebe Christel,

    ganz lieben Dank für deine Worte.

    Den Usernamen wählte ich, weil meine Tochter ein wahrer Sonnenschein war und so viel Licht in unser Leben brachte. Selbst in den Jahren ihrer Krankheit verlor sie diese Eigenschaft nur selten. Ihrem Sohn, meinem Enkel, vererbte sie dieses sonnige Gemüt; dafür, daß ihm dies bewahrt bleiben kann, setze ich all meine Kraft und Energie ein. Er hilft mir durch seine Anwesenheit und seine fröhliche Art über manches hinweg.

    Liebe Grüße und eine ebensolche Umarmung
    Renate
    Meine geliebte Tochter, geb. 5.5.1978 - gest. 24.5.2014
    Erstdiagnose Brustkrebs 18.6.2007
    Rezidive 2010, 2011, 2012, 2013 und 2014
    Lungenmetastasen 2011
    Lebermetastasen 2012
    Ach liebe Renate,

    ist es nicht schön, dass du jetzt diesen Enkel hast, der genau so ein Sonnenschein ist, wie deine allerliebste Tochter. Es gibt dir nun die Möglichkeit, all die Liebe, die du für deine Tochter empfindest, an dieses Kind weiterzugeben. In diesem sonnigen Jungen wird deine wunderbare, tapfere Tochter weiterleben.......und vielleicht wird er es sogar eines Tages schaffen, die große Lücke, die deine Tochter hinterlässt, zu schließen.
    Darf ich wissen, wie deine Tochter hieß?

    Wie gerne würde ich dir etwas von deinen Höllenqualen nehmen und dein Leid mildern....leider kann ich dich nur virtuell in den Arm nehmen und dir versichern, wie sehr ich mich mit dir verbunden fühle.

    Alle Kraft der Welt

    mit ihren über alles geliebten Eltern für immer im Herzen

    Papa +15.10.12 (Prostatakrebs)
    Mama + 9.02.14 (Bauchspeicheldrüsenkrebs / Schlaganfall)
    Liebe Christel,

    ich bin zutiefst dankbar, daß mir meine Tochter meinen wunderbaren Enkel hinterlassen hat. So lebt sie in ihm irgendwo weiter. Den Anspruch, daß er die Lücke schließen wird, habe ich allerdings nicht. Die Lücke, die durch den Fortgang meiner Tochter entstanden ist, kann niemand ersetzen.

    Meine Tochter hieß Daniela.

    Daß du gerne mein Leid mildern würdest, ist so lieb von dir. Ich würde das auch tatsächlich sehr gerne in Anspruch nehmen. Aber in der Trauer ist letztendlich jeder, auch wenn liebe Leute um einen herum sind, alleine. Niemand kann real den Schmerz nachvollziehen, der von einem Besitz ergriffen hat, außer jenen, die ähnliches erlebt haben. Ich habe meinen Vater vor 3 Jahren an Darmkrebs verloren, meine Mutter vor einem Jahr nach einem Schlaganfall. Das war und ist sehr traurig. Aber es ist für mich eine Option, zu denken, sie waren alt, hatten ihr Leben gelebt und durch ihre Krankheiten mußten sie viel aushalten. Sie wurden erlöst von ihren Leiden, was sie beide sich irgendwann wünschten und ich gönne ihnen die Ruhe von Herzen. Aber es ist eben eine ganz andere Sache, wenn dein Kind stirbt. Natürlich bin ich erleichtert, daß mein Mädel keine Ängste mehr haben und die brutalen Schmerzen nicht mehr aushalten muß. Aber es geht mir einfach nicht in den Kopf, daß sie so jung, so voller Ideen für ihr Leben und vor allem für ihren Sohn da sein zu wollen, nicht verwirklichen durfte.

    Danke, daß du da bist!

    Liebe Grüße
    Renate
    Meine geliebte Tochter, geb. 5.5.1978 - gest. 24.5.2014
    Erstdiagnose Brustkrebs 18.6.2007
    Rezidive 2010, 2011, 2012, 2013 und 2014
    Lungenmetastasen 2011
    Lebermetastasen 2012
    Liebe Renate,

    ich bin zutiefst geschockt, was das Schicksal dir in den vergangenen drei Jahren auferlegt hat, wie viele geliebte Menschen du in kurzer Zeit verloren hast: zuerst deinen Papa, dann deine Mama, dann den Sohn deines Lebenspartners und dann zur Krönung noch dein Mädel, deine über alles geliebte Daniela...das ist einfach nur mehr als grausam und unfair.
    Wo beim besten Willen nimmst du die Kraft her zum Weitergehen.....ich kann in Worten gar nicht ausdrücken, wie erschüttert ich bin und mit dir leide.

    Ich fand es wirklich so schön, dass du dich mit deiner Tochter zusammen auf der Palliativstation einquartieren ließest....ein ganz großer Liebesbeweis an deine Daniela ...und du konntest das letzte halbe Jahr noch ganz intensiv mit ihr gemeinsam erleben.
    Deine tapfere Daniela ist jetzt bei ihren Großeltern, sie werden auf sie aufpassen.

    Liebe Renate und liebe Simi, auch wenn die Welt für euch immer noch still steht, wenn um euch herum alles schwarz und leer ist, ihr das Lachen eurer über alles geliebten Töchter nur noch in euren Träumen hören könnt, wünsche ich euch, dass die grenzenlose Liebe zu euren Kindern eine Brücke baut, die euch irgendwann auch wieder den Weg ins Leben zeigen wird.

    Ich drück euch beide ganz innig

    mit ihren über alles geliebten Eltern für immer im Herzen

    Papa +15.10.12 (Prostatakrebs)
    Mama + 9.02.14 (Bauchspeicheldrüsenkrebs / Schlaganfall)

    Sonnenschein schrieb:

    Aber es geht mir einfach nicht in den Kopf, daß sie so jung, so voller Ideen für ihr Leben und vor allem für ihren Sohn da sein zu wollen, nicht verwirklichen durfte.



    Liebe Renate,

    der Tod eines Kindes ist wohl auch nicht mit dem Verstand zu bewältigen oder gar zu begründen. Es ist wider des natürlichen Lebenslaufs und kann nur als Schicksal angenommen werden. Alle anderen gedanklichen Analyseversuche führen nach meiner Erfahrung in Richtung Wahnsinn, aber nie in die Nähe einer sinnvollen Erklärung.

    An der Akzeptanz dieses, meines, unseres Schicksals arbeite ich tagtäglich und habe täglich unzählige Male das Gefühl, ich komme nicht vorwärts, ich werde es niemals annehmen können. Doch diesen Zustand mag ich ebenso wenig hinnehmen. Wir haben das große Glück, nicht all unsere Zukunft verloren zu haben. Du hast deinen Enkel, in dem ein Teil deiner Tochter weiter lebt. Ich habe meine beiden Söhne, geliebte Wunschkinder wie mein Mädel. Das sind große Geschenke des Schicksals, das eben nicht nur grausam zu uns war.

    Herzliche Grüße
    Simi
    Liebe Christel,

    Chris_7819 schrieb:

    Wo beim besten Willen nimmst du die Kraft her zum Weitergehen.


    ich habe einen ziemlich starken Glauben, an dem ich mich festhalten kann. Umso mehr, als ich nach vielen Schlägen in meinem Leben, wo ich das eine oder andere Mal so richtig am Boden war, immer wieder zu einer positiven Lebenseinstellung zurück finden konnte. Aus allen Situationen ging ich letztendlich stärker hervor als ich es zuvor war. Dieses Bewußtsein, daß man alles im Leben packen kann, weil man es muß und nicht gefragt wird, gibt mir immer wieder die Kraft, aufzustehen und weiter zu machen. Spätestens seit April 2010, als ich eine Gehirnblutung erlitt, zwei Wochen auf der Intensivstation lag und dies wie nur 10 % aller solchen Fälle unbeschadet überlebte, bin ich überzeugt, daß irgend jemand oder etwas unsere Geschicke lenkt. Meine Zeit war noch nicht vorbei, da ich noch eine Aufgabe hier zu erfüllen habe. Darüber mag man streiten können; ich sehe es halt so.

    Liebe Simi,

    Simi schrieb:

    Es ist wider des natürlichen Lebenslaufs und kann nur als Schicksal angenommen werden. Alle anderen gedanklichen Analyseversuche führen nach meiner Erfahrung in Richtung Wahnsinn, aber nie in die Nähe einer sinnvollen Erklärung.


    du hast Recht, je mehr man sich das Gehirn zermartert, umso mehr hat man das Gefühl, verrückt zu werden. Der Kopf weiß das wohl, aber manchmal, wenn mich die Verzweiflung ganz unvermittelt überfällt, ist ein klares Denken nicht möglich.

    Simi schrieb:

    An der Akzeptanz dieses, meines, unseres Schicksals arbeite ich tagtäglich und habe täglich unzählige Male das Gefühl, ich komme nicht vorwärts, ich werde es niemals annehmen können.


    Das ist eine unserer Aufgaben, unser Schicksal eines Tages annehmen zu können. Das sehe ich als Ziel unserer Trauerarbeit; der Weg dahin wird wohl lang und steinig sein.

    Simi schrieb:

    Wir haben das große Glück, nicht all unsere Zukunft verloren zu haben. Du hast deinen Enkel, in dem ein Teil deiner Tochter weiter lebt. Ich habe meine beiden Söhne, geliebte Wunschkinder wie mein Mädel. Das sind große Geschenke des Schicksals, das eben nicht nur grausam zu uns war.


    Ich weiß es als großes Glück zu schätzen, daß wir durch die Kinder, du mit deinen Söhnen, ich mit meinem Enkel, nicht allen Sinn verloren haben. Trotzdem finde ich es momentan mehr grausam, was uns passiert ist. Aber noch viel grausamer finde ich, was unsere Mädel`s mitmachen, aushalten und verkraften mußten und am Ende aller Kampf umsonst war und sie ihres Lebens beraubt wurden.

    Ganz liebe Grüße an euch Beide
    Renate
    Meine geliebte Tochter, geb. 5.5.1978 - gest. 24.5.2014
    Erstdiagnose Brustkrebs 18.6.2007
    Rezidive 2010, 2011, 2012, 2013 und 2014
    Lungenmetastasen 2011
    Lebermetastasen 2012

    Sonnenschein schrieb:

    Aber noch viel grausamer finde ich, was unsere Mädel`s mitmachen, aushalten und verkraften mußten und am Ende aller Kampf umsonst war und sie ihres Lebens beraubt wurden.



    Hallo Renate,

    das ist natürlich richtig.
    Ich versuche mir immer vor Augen zu halten, dass Leni wenigstens einen "guten" Tod hatte. Sie lag in einem sicheren, warmen Krankenhausbett, wurde palliativ bestens versorgt. Wir konnten bis zuletzt bei ihr sein und sie bis an die Schwelle des Todes begleiten.
    Wenn ich mir vorstelle, mein Kind wäre einsam, unter Schmerzen in einem Straßengraben oder an einem Ort des Verbrechens gestorben, dann könnte ich dies vermutlich nicht aushalten. Wir konnten unsere Töchter zwar nicht vor einem frühen Tod bewahren, aber wir durften sie sowohl am Geburts- als auch am Todestag in unseren Armen halten.

    Liebe Grüße
    Simi
    Liebe Simi und liebe Renate,

    ich finde es wahnsinnig beeindruckend, dass ihr beide, die ihr das schlimmste erlebt habt, was ein Mensch aushalten kann, trotzdem in der Lage seid, nach Dingen in eurem Leben zu suchen, für die ihr dankbar sein könnt, indem ihr den Blick weg von dem, was ihr verloren habt, auf das zu lenken fähig seid, was euch geblieben ist, nämlich Danielas kleiner Sohn und Lenis jüngere Brüder. Auch wenn ihr eure über alles geliebten Töchter nicht mehr zurückholen könnt, werden diese Jungs euch helfen, eurem Leben wieder einen Sinn zu geben.

    Liebe Renate, es ist schön, dass du aus deinem Glauben Kraft schöpfen kannst. Ich selbst bin auch sehr religiös erzogen worden und klammere mich an die Hoffnung meine Eltern irgendwann wiederzusehen. Wenn es auch eine kleine Hoffnung ist (weil ich ein Mensch bin, der immer sehr viel hinterfragt), so ist diese Hoffnung für mein seelisches Wohlbefinden sehr wichtig.

    Fühlt euch ganz lieb umarmt

    mit ihren über alles geliebten Eltern für immer im Herzen

    Papa +15.10.12 (Prostatakrebs)
    Mama + 9.02.14 (Bauchspeicheldrüsenkrebs / Schlaganfall)

    Chris_7819 schrieb:

    ich finde es wahnsinnig beeindruckend, dass ihr beide, die ihr das schlimmste erlebt habt, was ein Mensch aushalten kann, trotzdem in der Lage seid, nach Dingen in eurem Leben zu suchen, für die ihr dankbar sein könnt,


    Hallo Christel,

    Lob ist ja grundsätzlich schmeichelhaft, aber ich denke, hier trifft es mich unverdient.
    Ich würde dies für mich nicht als beeindruckende Leistung bewerten, sondern als ringen um das psychische Überleben. Man muss täglich neu aufpassen und ständig dagegen ankämpfen, dass man sich nicht in der Trauer verliert und seelisch völlig untergeht. Ist man alleinstehend, mag dies eine persönliche Entscheidung sein. In meinem Fall wären jedoch mein Mann, meine Mutter und ganz besonders meine Kinder die Leidtragenden und das darf nicht sein.

    Wie du richtig schreibst, ist auch für mich der Tod meines Kindes das Schlimmste überhaupt. Aber dieser Tod darf nicht dazu führen, dass ich meine beiden lebenden Kinder mit ausufernder Trauer seelisch zugrunde richte.
    Hinzu kommt: Meine Tochter hat uns über Jahre eindrucksvoll vorgelebt, wie Mut, Tapferkeit und Kampfgeist aussieht. Das verpflichtet.

    Herzliche Grüße
    Simi
    Mein Mäuslein,

    Advent ohne dich ... das geht eigentlich gar nicht.
    Wie haben wir das nur im vergangenen Jahr überstanden? Ich habe keine richtige Erinnerung mehr daran, also offensichtlich wie im Nebel. Gerade wünsche ich mir sehnlichst ein wenig von deinem Mut und deiner Kraft, um über die nächsten Wochen zu kommen.

    Ich liebe und vermisse dich so sehr, mein Kind!

    Mami
    Husch Husch ins Körbchen.
    Dicke Socken an !

    Viel trinken, gerne mit viel Zitrone, wenn Du hast zur Nacht ein mildes Nasenspray(für Baby oder Meerwasser),
    dann kannst Du besser atmen und atmest nicht so viel durch den Mund-
    das ist kontraproduktiv wenn man sowieso schon angeschlagen ist.
    Und morgen kochst Du mal eine schööööne

    Suppe.
    Manchmal muss man einfach weg. Egal wohin. Hauptsache ans Meer.
    -------------------------------------------------------------
    2 Männer(1988 + 1997), eine Mama(2013),
    beide Schwestern (2011 + 2015) an den Krebs verloren.
    Und nun auch noch Tante Mia- seit Juli metastasierendes Mamma Ca.,Knochenmetas.

    Liebe Simi,

    pffffffff ... Bazillen. Ich hatte bis letzte Woche mit 6 solcher Schleudern zu tun und hab's überstanden. OK, war mehr Magen-Darm, doch egal. Im Alter von 11 Monaten bis fast Rentenalter. 3 kleine Kinder, Papa, Mama, alle und natürlich dann auch noch die Oma, die natürlich helfen wollte. Woher kam es? Aus dem Kindergarten.

    Ich hatte eine Wut im Bauch ... boah. Nicht der Kindergarten ist schuld, sondern manche Erwachsene, die gänzlich ohne Gewissensbisse, ihre Kids mit Durchfall und anderem dahin bringen und sich dann noch aufregen, wenn sie angerufen werden, dass sie bitte ihr Kind abholen sollen, weil es den Kindergarten verk.... hat. :cursing:

    Jetzt ist es Gott sei dank überstanden. Vielleicht auch, weil ich eine Kindermedizin(!!) in blauer, qaudratischer Verpackung im Einkaufskorb hatte? :D

    Monika's Hühnersuppe ist jedenfalls ein sehr guter Tipp. Gute Besserung und ...


    ... liebe Grüße, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    Herzlichen Dank, Monika und Helmut!

    Ich lebe bereits seit Samstag von Hühnersuppe. Befürchte schon, dass mein momentanes Krächzen demnächst in gackern übergeht. Außerdem habe ich sicherlich schon einen Zitronenbaum und eine Orangenplantage vernichtet. Gibt leider mit der Zeit so schöne Aphten im Mund. Aber irgendwas ist ja immer ... ;(

    Oh Helmut, ich habe es sooo gehasst! Diese rücksichtslosen Eltern, die morgens in den Kindergarten kamen mit den Worten: "Ach, Klein-Egon (wahlweise Klein-Erna) hat sich die ganze Nacht übergeben, aber seit drei Stunden geht's ihm wieder gut." Oder: "Klein-Berta (wahlweise Klein-Hugo) hatte gestern Abend fast 40°C Fieber, aber jetzt sind es nur noch 37,3."
    Grrrrrrrr!!!!!!!!!! Besonders schön ist das, wenn man ein Leukämie-Kind zuhause hat oder darauf angewiesen ist, die kleinen Brüder abzugeben, um ins Krankenhaus fahren zu können. Wie oft habe ich meine Jungs wieder eingepackt und nach einer anderen Lösung gesucht. Und selten waren es die Eltern, die unbedingt zur Arbeit mussten, sondern solche Mütter, die maximal ihren Pilates-Kurs verpasst hätten.

    Naja, diese Probleme haben wir nun nicht mehr. Jetzt sehne ich mich danach zurück ...

    Einen schönen Abend euch beiden
    Simi
    Liebe Simi,

    versteh ich garnicht :D . Sind doch nur gesunde Sachen drin: Magnesium, Kalzium, Nüsse für die Nerven, Honig zum Desinfektion etc pp, diverse Vitamine, Mineralstoffe, Eiweiße .... und und und. Kann doch garnicht so ungesund sein :D Das bißchen Zucker und Fett .... pffftt ... sonst würde man ja vom Hocker fallen .... :rolleyes: :love: Mal davon abgesehen, dass die Glückshormone aktiviert werden. Also, neee ..... Zahnarzt ist bestimmt jetzt nur eine Ausrede :D

    Okay, mein HNO würde jetzt wieder davon anfangen, dass eine Brise Salz im Wasser aufgelöst und eingeatmet bei der Eliminierung von Bazillen in den Nebenhöhlen wahre Wunder verrichten würde ..... Da nehm ich dann doch lieber den Ersatzstoff und lass dann noch Gaumen, Speiseröhre und Magen ölen ;)

    Gute Besserung :k
    JF
    Liebe J.F.,

    wo bekomme ich jetzt schnellstens so ein eierschalfarbenes Dreieck her?
    Du hast mich überzeugt! Ohne das Teil KANN ich ja gar nicht gesund werden.
    Bei grippalem Infekt ist der Zahnarzt natürlich auch der falsche Doc. Ich Dussel!

    Dankeschön und herzliche Grüße
    Simi
    Liebe Simi,

    virtuell reichen Dir gerne The Witch und ich ganze Gipfellandschaften rüber. Ansonsten: die Tankstelle Deines Vertrauens ist die ganze Nacht für Dich da :D . Die haben soooo viele, dass sie die doch glatt verkaufen :D

    Naja, falscher Arzt? Nö, die wissen ganz schön viel und wollen immer das Beste für uns. Nur hören wir manchmal so schlecht ;)

    Also, genieß und lass all die guten Dinge wirken (gehört zu jeder Schmerztherapie, weiß ich aus eigener Erfahrung ;) )
    JF
    Liebe Simi,

    mir ging es wie Helmut. Es gibt keine Worte des Trostes, der Schmerz über den Verlust des eigenen Kindes sprengt alle Dimensionen.

    .... weiterzuleben, sich weiterzuentwickeln, sich zu verändern ohne sie, die ihre Zukunft noch vor sich hatte....Dinge zu erleben, an denen sie nicht teilhaben kann......Leute kennenzulernen, die sie nie kennen wird.....all das tut so unermesslich weh.

    Ich hoffe, du kannst deine kleine Maus in deinen Träumen treffen und zumindest dann glücklich sein.

    Du musst daran glauben sie wiederzusehen...irgendwann

    @liebe Sonnenschein, auch du bist in diese meine Gedanken eingebunden.....es ist das erste Weihnachtsfest ohne deine wunderbare Daniela

    Ich wünsche euch beiden und euren Familien von ganzem Herzen die Kraft, die ihr vor allem in dieser für euch so wahnsinnig schweren Vorweihnachtszeit braucht.

    mit ihren über alles geliebten Eltern für immer im Herzen

    Papa +15.10.12 (Prostatakrebs)
    Mama + 9.02.14 (Bauchspeicheldrüsenkrebs / Schlaganfall)
    Vielen Dank für deine Worte, Christel!

    Dir auch lieben Dank, Helmut!
    Ich hasse mich selbst für mein Trauerloch, aber es sind momentan wohl einfach zu viele Fronten. Dazu diese Jahreszeit ...
    Vor zwei Jahren ging es uns gut und wir hatten die Angst an ein weiteres Rezidiv nahezu verdrängt. Advent und Weihnachten 2013 erinnere ich nur nebulös. In diesem Jahr geht es meinen Jungs deutlich besser und ich hänge psychisch komplett durch. Das kann ich mir gerade auch nicht verzeihen.

    Herzliche Grüße und einen erholsamen Sonntagabend
    Simi