Fragen von Carolin

    Fragen von Carolin

    Hallo Carolin,

    ich habe diesen Strang hier für dich aufgemacht, in dem du dich mit deinen Fragen zum Tode von Manu (Frieda) austauschen kannst.

    Du schreibst:

    Carolin schrieb:

    Hallo Witsch,

    die Fragen in meinem Kopf sind momentan unendlich. Eine große Frage ist warum ich Manu nicht besser dazu gedrängt habe nach Heidelberg oder direkt zu Frau Dr. Friesen zu Fahren. Wir hatten gleich nach dem Gespräch mit Frau Dr. Friesen vor das sie am nächsten Tag von meinem Bruder gefahren wird aber dann wollte Manu doch nicht weil ihr die Fahrt zu weit war. Wär Heidelberg besser gewesen als Gauting oder überhaupt ein anderer Doc. der sich um den Patienten besser kümmert als um seine Abrechnung. Es ist überhaupt wenn man im nachhinein über die Arztgespräche und die Briefe nachdenkt so, das Manu immer selber wissen und sich kümmern musste was es für eine Therapie gibt und was gemacht werden kann (alles nach Patientenwunsch). Was mich aber nicht in ruhe lässt ist, ob ich ihr zu wenig Schmerzmittel gegeben habe nach Absprache mit dem Doc. oder ist es vielleicht für ihre Leber schon zuviel gewesen?Waren die anderen Medis zuviel oder zu wenig?

    ??? Fragen über Fragen.

    Ich kann gut nachvollziehen, dass du dir all diese Fragen stellst. Aber: Manu hat sich sehr intensiv mit mir ganz privat über mögliche Behandlungsoptionen ausgetauscht und ich kann dir versichern, dass nichts und niemand, auch nicht ihr als Familie, ihr hättet dreinreden können, welche Optionen sie wahrnehmen wollte und welche nicht. Und sie wollte einfach nicht nach Heidelberg, weil es ihr zu weit war. In der Hinsicht brauchst du dir also absolut keine Gedanken zu machen.

    Ganz sicher richtig ist, dass die ärztliche Gesamtsituation bei euch in der Gegend nicht optimal ist. (Mich hat das immer ziemlich wütend gemacht, wenn sie davon erzählt hat.) Das ist aber eine Situation, an der du auch nichts hättest ändern können.

    Nach Iserlohn zu fahren, hätte auch nichts weiter gebracht, sie hat ihr Methadon ja bekommen. Da war es sicher klug von ihr, auf die strapaziöse Reise zu verzichten. Und auf die Frage nach "zu viel" oder "zu wenig" Schmerzmittel gibt es eigentlich keine Antwort - das einzige Kriterium kann da nur sein, ob der Patient sie toleriert. Ganz sicher ist aber, dass die schlechte Leberfunktion natürlich Einfluss auf den Verlauf hat - daran hättest du aber auch nichts ändern können.

    Letzten Endes ist es einfach nichts anderes als diese mehr als bescheidene Krankheit, die ihr Werk getan hat. Wir sind leider noch immer machtlos dagegen. Das ist zwar kein Trost, aber es sollte dir helfen, dir diese Tatsache bewusst zu machen und nicht an deinen Fragen zu verzweifeln.

    Alles Liebe,
    The Witch
    Hallo Carolin,

    das sind alles Fragen, die sich viele auf ähnliche Weise stellen. Hätte man irgendwas besser, anders machen können. Hat man als Angehörige alles richtig gemacht, Fehler gemacht, was wäre wenn usw. Wie The Witch bereits schrieb, Manu war eine starke, selbstbestimmte Frau, die ihren eigenen Kopf hatte. Sie wusste sehr genau, um was es geht und handelte wohlüberlegt.

    Du wirst die Anworten darauf nur in dir selber finden. Das dauert, hab Geduld. Auch ich brauchte lange, bis ich mit diesen Fragen leben konnte. Vielen anderen geht es ähnlich. Auch in dem Bewusstsein, dass keine Anwort auch eine Antwort ist. Schwer zu verstehen, ich weiß.

    Wenn du möchtest, dann kannst du gerne Fragen stellen oder einfach deinen Schmerz ausdrücken.



    Liebe Grüße, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    Hallo,

    ihr habt wahrscheinlich recht, aber es ist trotzdem sehr schwer zu verstehen, besonders wenn man den ganzen Tag und das 365 Tage im Jahr zusammen war, miteinander arbeitet und Kämpft um alles am laufen zu halten. Wir sind einfach zusammen gewachsen und jetzt los lassen fällt nicht leicht. Das fiel auch Manuela nicht leicht, ihr kam bis zur letzten Stunde nichts aus und sagte uns genau was sie wollte, bis sie den Ausgang aus dem Nebel in dem sie den ganzen Tag war für sich fand.

    Die Frage warum Gott den beiden Kindern ihre geliebte Mutter nahm, die bleibt und lässt zweifeln.

    Liebe Grüße Carolin
    Liebe Carolin,

    wie Helmut schon schrieb: Lass dir einfach Zeit, das alles zu begreifen. Durch eure gemeinsame Arbeit im und Sorge um den Betrieb wart ihr ja noch sehr viel mehr miteinander verbunden, als andere das gemeinhin so sind. Ich kann mit gut vorstellen, dass das umso schwerer ist - du triffst ja auch noch täglich viele Stunden auf ihren nun leeren Platz, das muss doppelt weh tun.

    Carolin schrieb:

    Das fiel auch Manuela nicht leicht, ihr kam bis zur letzten Stunde nichts aus und sagte uns genau was sie wollte, (...)

    Ja, das war so typisch für sie. Sie hat mir einmal sinngemäß gesagt, wie stolz sie auf das war, was ihr da aufgebaut habt und wie sehr sie das vermissen würde, wenn sie sich nicht mehr darum kümmern könne.

    Carolin schrieb:

    Die Frage warum Gott den beiden Kindern ihre geliebte Mutter nahm, die bleibt und lässt zweifeln.

    Bei der Frage kann ich dir nicht weiterhelfen, weil ich absolut nicht gläubig bin. Ich weiß aber, dass Manu sie sich auch gestellt hat. Sie hat in seltenen Momenten sehr damit gehadert. Vielleicht gibt es aber auch gar keine Antwort darauf.

    Lass dich mal umärmeln ...
    Es grüßt die Hexe.
    Hallo Caroline,

    naja, also der Fachmann für den Alten Mann mit Bart bin ich nicht. Ich denke, das ist eine Frage, auf die jeder selbst eine Antwort finden muss. Oder vielleicht auch keine? Ich sagte mal zu mir: "Er hat so viel zu tun. Warum sollte er sich gerade um mich kümmern? Wer bin ich schon? Na dann, ich geh' schon mal vor." Vielleicht möchten mich einige steinigen für den nächsten Satz:

    Auf einen wirklich guten Freund kann man sich blind verlassen. Auf den Freund da oben nicht.


    Liebe Grüße, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    Hallo ihr lieben,

    die letzten Tage fielen ihr schon sehr schwer, weil sie sich nicht mehr kümmern konnte. Es bedrückte Manu so sehr, das ich sämtliche Telefone verstecken musste und dann heimlich telefonierte, um den Betrieb am laufen zu halten. Ich durfte nicht weggehen von ihr und musste dann immer sagen, ich geh nur auf die Toilette. Aber ihr Wunsch war es, das der Betrieb weiter läuft, der ihr Lebenswerk war. Ich möchte ihr den Wunsch erfüllen und kämpfe für sie weiter, aber momentan ist jede Minute im Büro für mich eine Qual ohne ihre beruhigende Stimme.

    Der alte Mann dort oben ist momentan nicht mein Freund, es wird noch eine Weile dauern bis ich die Kirche wieder betreten kann. Ich denke, der Job ist einfach schon zu hart für einen so alten Mann der alte Menschen leiden lässt und junge dafür zu sich holt und dabei die kleinen Kinder vergisst.

    Liebe Grüße Carolin
    Hallo Carolin,

    ja - sie war so stolz darauf, was ihr mit dem Betrieb geschafft hat. Ich wünsche dir sehr, dass es dir gelingt, ihn in ihrem Sinne weiterzuführen. Aber hol dir bitte rechtzeitig Hilfe, wenn du nicht mehr weiterweißt.

    Darf ich mal fragen, wie die Kinder das verkraften und wo sie jetzt sind? Zu Hause oder bei der Oma?
    Es grüßt die Hexe.
    Hallo Hexe,

    hab mich übers Wochenende und vielen Besuchen am Friedhof wieder etwas fangen können. Es geht auch im Büro wieder einigermaßen, der Kundschaft ist es leider egal wie es einem geht und so wird man einfach in die Arbeit hineingerückt ohne das man viel Zeit hat zum überlegen. Nur wenn es Abends ruhig wird und niemand mehr da ist, dann fängt es wieder an und es fällt mir dann schwer wenn ich alleine hinausgehe und zusperre.

    Den Kindern fällt es sehr schwer, der große ist sehr verschlossen und kann nicht darüber reden. Er würde sich am liebsten den ganzen Tag verstecken um mit niemanden reden zu müssen. Und der kleine hat Probleme mit den Nerven bekommen, Zuckungen mit den Augen und wird sehr schnell Agressiv. Er konnte und wollte auch nicht mit zur Beerdigung, da es zu diesem Zeitpunkt schon so schlimm war. In der Schule fehlt er die meiste Zeit, da er sich sofort alle Krankheiten holt und liegt dann sofort.

    Es ist schwierig für uns alle, aber für die Kinder ist es am schwersten.

    Liebe Grüße Carolin
    Hallo ihr lieben,

    bin momentan etwas Ratlos wie ich mit den Kindern über den Tod von Manu sprechen soll, vor allem macht mir unser großer Sorgen der sich sehr zurückgezogen hat. Ich möchte ihnen so gern helfen, hab aber keine Ahnung ob es besser ist mit ihnen darüber zu reden oder es lieber nicht anzusprechen. Aber was sage ich und wie? Ich möchte es nicht noch schlimmer machen. Habt ihr vielleicht einen Rat?

    Zu allem Schreck, hat das Jugendamt auch noch angerufen. Wollten alles über die Familienverhältnisse wissen und wo die Kinder sind und ob der Vater bei ihnen ist und wie es weitergeht. Ist das normal oder könnte da jemand angerufen haben? Der Verwandtschaft trau ich alles zu.

    Liebe Grüße Carolin
    Hallo, Carolin,

    wenn der Vater zwar das Sorgerecht innehat, aber zuletzt von der Mutter (Manu/Frieda) getrennt gelebt hat, wäre das vorstellbar.
    Am ehesten wird hier das Standesamt mit Blick auf die verwalteten Dokumente aktiv geworden sein.

    Ich würde mit dem Großen einen ausgedehnten Spaziergang unternehmen, vielleicht ausgehend vom Friedhof über ein Feld, durch ein Wäldchen oder an einem Fluss entlang. Da würde ich mal schauen, ob er von sich aus anfängt zu reden. Man könnte zunächst auch harmlos fragen, wie es sich so darstellt mit den Kumpels in der Schule usw.

    Wie alt sind die Jungs denn?
    Hallo Carolin,

    in Sachen Jugendamt tippe ich eher auf die Schule. Ich war gestern ziemlich kaputt (ich habe dienstags immer ziemlich anstrengende Arztsitzungen), sodass ich dir nicht mehr geantwortet hatte - aber ich wollte dich eigentlich fragen, ob ihr schon einmal mit der Schule/den Schulen gesprochen habt.

    Ich habe bereits vor einen knappen Jahr mit Manu über die Kinder gesprochen, weil der Große da Probleme in der Schule hatte, und ihr dringend geraten, mit den Kindern zu sprechen. Beim Großen hat sie das dann getan; er hat ihr erzählt, dass er große Angst um sie hat und sich in der Schule nicht mehr konzentrieren könne. Ich weiß aber nicht, ob sie diese Gespräche fortgesetzt hat; ich habe leider nicht mehr danach gefragt. Mit dem Kleinen hat sie nicht gesprochen (zumindest zu dem Zeitpunkt nicht); sie wollte ihn "nicht belasten". Ich halte das aber nach wie vor für falsch - und ich denke, dass seine Reaktionen jetzt darauf zurückzuführen sind, dass er dass alles nicht einordnen kann und auch im Vorfeld keine Möglichkeit hatte, sich auf das Kommende einzustellen.

    Ich denke auf jeden Fall, dass man beiden die Möglichkeit geben sollte, zu reden - vielleicht sogar mit professioneller Hilfe. Da leider euer bayerisches Schulsystem nicht sonderlich gut auf solche Fälle vorbereitet ist, solltet ihr vielleicht sogar vertrauensvoll mit dem Jugendamt zusammenarbeiten; vielleicht können die euch weiterhelfen.

    (Cecil - das Alter der Kinder kannst du in Manus Eingangsposting zu ihrem eigenen Strang nachlesen.)
    Es grüßt die Hexe.
    Noch so jung .... unser Jüngster ist zwölf.
    Ich hätte auch immer wieder mit ihnen geredet bzw. wir haben das auch getan. Hauptsächlich meine Mutter und ich, mein Mann und mein Vater taten sich da schwer. Und auch heute sind wir diesbezüglich geradlinig.

    Ich orientiere mich da gern an Szenen aus gut gemachten Spielfilmen. Hier hatte ich gleich Debra Winger in "Zeit der Zärtlichkeit" vor Augen, wie sie am Krankenbett mit ihren Kindern spricht.
    Hallo ihr lieben,

    mit den Schulen gibt es kein Problem, die Lehrer kennen uns alle sehr gut und helfen uns, kümmern sich in der Schule sehr gut um die Kinder und passen auf. Die Klassen wurden bevor die Jungs wieder in die Schule kamen aufgeklärt und gut darauf vorbereitet wie sie mit ihnen umgehen können. Die vom Standesamt sind es auch nicht, kennen wir Geschäftlich und Privat, helfen uns auch so gut wie es geht und haben schon die ganzen Anträge wie Weisen Rente usw. für uns gemacht. Die wissen alle das der Vater und wir für die Kinder da sind und sie zusammen lebten. Also?

    Mit dem großen hat Manu immer wieder darüber geredet und er sagte ihr das er Angst hat. Danach ging es auch von der Schulischen Leistung wieder bergauf, die wird momentan wieder darunter leiden. Er zieht sich generell zurück und er kommt auch nicht freiwillig zum kuscheln wie wir es vorher immer machten. Essen geht momentan bei beiden nur zwangsweise. Den kleinen habe ich auf Wunsch von Manu vorbereitet und ihm erklärt und was mit Mama los ist und was mit ihr geschieht. Er hat es zwar am Anfang mit Fassung aufgenommen, aber als er mich fragte ob Mama dann im Himmel bei den Engeln ist, fing er an zu Weinen. Er konnte sich wenigstens ein paar Tage darauf vorbereiten, das wollte auch unser Hausarzt so.

    Aber jetzt da Manu nicht mehr da ist, weiß ich nicht wie ich mit ihnen sprechen soll ohne das ich es falsch mache und alles wieder aufgewühlt wird. Es ist sicher besser wenn sie darüber reden können und nicht das Gefühl aufkommt das wir Manu vergessen haben nur weil niemand darüber redet vor ihnen. Aber die Frage ist wie?

    Der Wasserfall in meinen Augen tut dazu wahrscheinlich auch nichts gutes, wenn ich mit ihnen rede. Aber den zu schließen fällt mir auch so schwer.

    Gute Nacht
    lg Carolin
    Liebe Carolin,

    unsere Jungs - sie haben ihre große Schwester verloren - hatten psychologische Betreuung, aber zuhause auch eine Mutter, die regelmäßig, anfangs mehrmals täglich, "Wasserfall" hatte. Manchmal haben sie sich zurückgezogen, manchmal haben wir miteinander geweint. Sie trösten mich und ich tröste sei. Je nachdem, wer gerade ein wenig mehr Luft dazu hat. Das ist bis heute so, auch wenn das große gemeinsame Weinen nicht mehr jeden Tag stattfindet.

    Mein Rat dazu: Rede mit den Jungs, weine mit ihnen, lacht auch gemeinsam, wenn sich die Situation ergibt. Bleib du und bleib unbedingt authentisch. Kinder haben ein sehr feines Gespür und können gleichzeitig mehr Schicksal annehmen, als wir Erwachsene denken.

    Alles Gute für euch
    Simi
    Liebe Carolin,

    das ist natürlich schwierig; wir kennen ja weder die Kinder noch die Situation vor Ort.
    In einem anderen Forum blieb ein Vater mit zwei (jüngeren) Kindern zurück. Er scheint das gut gelöst zu haben: Geht mit den Kindern zur Kindertrauergruppe (das älteste Kind dort ist siebzehn), hat für jedes Kind ein Fotobuch gemacht mit Bildern nur vom jeweiligen Kind und seiner Mutter, macht mit der Älteren was alleine .....

    Vielleicht hilft es ihnen, ihren Kummer in einem Brief nieder zu schreiben oder dergleichen?
    Sie brauchen jetzt besonders viel Aufmerksamkeit, und sie brauchen ihren Vater.
    Liebe Carolin !

    Hier in Berlin hat jedes Bezirksamt einen Jugendpsychiatrischen Dienst.
    Dieser Bereich hat auch die Möglichkeit, Therapien zu vermitteln, welche dann entweder von der KK oder dem Jugendamt finanziert werden.
    Informationen dazu bekommst Du sicher über das örtliche Jugendamt.
    Eigentlich bin ich mir ziemlich sicher, das Deine Neffen nach Manus Tod psychologische Hilfe bekommen sollten.
    Sie haben viel zu jung ihre Mutter verloren.

    Liebe Grüsse, Renate
    Adeno ED : 30.03.13 ( nach Thoraxprellung )
    Rauchstopp 14.04.13 , OP 02.05.13 Lobektomie li o.
    IB / pT2 ( 42mm ) pN0 ( 0/24), cM0, L0, V0, G2, R0,
    Chemo habe ich abgelehnt.
    2013 AHB und 2014 Reha in Ahlbeck, bis 08/17 NU ok,
    MRT 03/17= keine Filiae

    Das was ich für euch war, bin ich immer noch.
    Gebt mir den Namen, den ihr mir immer gegeben habt.
    Sprecht mit mir, wie ihr es immer getan habt.
    (aus einem Gedicht von Charles Pégoy)

    Hallo Carolin,

    Kinder gehen mit ihrer Trauer auf andere Weise um, als wir Erwachsene. Ich glaube, es wäre falsch, wenn in ihrer Gegenwart nicht mehr über ihre Mutter gesprochen würde, wenn sie den Namen ihrer Mutter nicht mehr hörten, um sie vermeintlich 'zu schützen', wenn Gespräche abgebrochen werden, sobald sie den Raum betreten. Es ist schon schlimm genug, dass ihre Mutter nicht mehr da ist. Um wieviel schlimmer könnte es sein, wenn für sie der Anschein entstünde, es hätte sie nie gegeben oder sie würde vergessen, weil niemand mehr von ihr spricht, sie 'verschwiegen' wird? Manu ist ihre Mutter und wird es immer bleiben. Nach meiner Erfahrung ist das im 'normalen' Alltag meist besser zu vermitteln als in gezielten Gesprächen. So können sie ihre Mutter immer noch finden und sie bleibt ein Teil ihres Lebens. Natürlich ist das nicht die Lösung aller Probleme, die auftauchen können. Vielleicht jedoch eine gute Teillösung.

    Eine meiner Enkelinnen erzählt manchmal heute noch: "Als Oma noch bei uns war ...." Manchmal sind es Geschichten zum Lachen. Dann ist Oma mitten unter uns und sehr lebendig.

    Das gilt auch für uns Erwachsene.


    Liebe Grüße, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    Liebe Carolin,

    der Anruf des Jugendamtes scheint nicht unnormal zu sein. Die Schwester einer guten Freundin ist an Brustkrebs gestorben, der Kleine war sechs, der große neun. Auch da hat sich das Jugendamt beim Vater erkundigt, wie es jetzt weitergeht und ob Hilfe benötigt wird.
    Er und ein Teil der Familie (darunter meine Freundin) haben kurz später tatsächlich auch Hilfe in Anspruch genommen und zwar bei einer beim Jugendamt angesiedelten Jugend- und Familientherapeutischen Beratungsstelle.Bevor ich es mehr schlecht als recht in eigenen Worten erkläre, stelle ich hier mal einen Auszug von der Homepage rein, damit du dir darunter auch was vorstellen kannst.
    • Jugend und Familientherapeutische Beratungsstelle: "Die städtische Erziehungsberatungsstelle ist für alle Bürgerinnen und Bürger in Stadt und Landkreis Regensburg zuständig, die sich in Bezug auf die Erziehung ihrer Kinder beraten lassen wollen. Sie können sich mit allen Fragen rund um die Entwicklung der Kinder, schwierige Verhaltensweisen oder Belastungen, familiären Krisen oder auch Problemen bei Trennung oder Scheidung an uns wenden.Die Beratung ist kostenlos, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht. Die Anmeldung erfolgt am besten telefonisch, Sie bekommen dann ohne lange Wartezeit einen Termin für ein erstes Gespräch. Bei Bedarf können auch Dolmetscher zu den Gesprächen hinzugezogen werden, auch das ist für die Ratsuchenden kostenlos." (Quelle: Stadt Regensburg)
    Ich habe jetzt vergessen, ob dann dort vor Ort beraten wurde, oder ob sie zu einem externen Familientherapeuten weitervermittelt wurden. Aber es hat ihnen auf jeden Fall gut getan. Das heißt nicht, dass hinterher alles gut war, aber es hat ihnen weitergeholfen, mit dieser unfassbaren Situation umzugehen.
    Vielleicht wäre es eine Option, mal bei dem Jugendamt nachzufragen, was es sie für Hilfsangebote hat oder in eurer Gegend kennt? Vielleicht kann auch der Schulpsychologe hilfreich sein?

    Was ich auch noch in Erinnerung habe, ist, dass meine Freundin auch ziemlich viele Bücher über Kinder und den Umgang mit Trauer gelesen hat und da einiges sehr hilfreich fand. Wenn du magst, frag ich da noch mal nach.

    Und liebe Carolin, der Wasserfall in deinen Augen gehört da hin. Denn du bist traurig. Wann weinen, wenn nicht um jemanden, den man liebt? Und ich glaube auch nicht, dass du etwas aufwirbelst, da ist sowieso schon alles in Bewegung.

    Liebe Grüße, Hope
    Hallo,

    danke für eure lieben Worte. Ich versuche euren Rat umzusetzen, ich hoffe das es mir etwas gelingt meinen Jungs zu helfen. War heute schon etwas im Google und hab ganz in unserer nähe eine Hilfe gefunden, dort können Kinder und Erwachsene hingehen und werden Psychologisch betreut und es gibt auch richtige Schulungen wie man mit sich selbst und den Kindern im Trauerfall umgeht. Das mit den Bildern ist eine sehr gute Idee, wir haben sehr viele schöne Bilder von Manu gemacht auch mit den Kindern, beim Arbeiten, mit den Hasen usw. Es gibt auch große Rahmen wie eine Pinnwand nur mit Glas, da kann ich mehrere reinhängen und können es im neuen großen Wohnzimmer bei ihnen Zuhause aufhängen.

    Ich versuch heute Abend mit dem großen etwas zu reden, vielleicht hilft es ihm.

    Danke
    lg Carolin
    Liebe Carolin,
    wäre es nicht möglich, dass der Vater bei euch im Betrieb teilzeit macht, dass er am nachmittag für die buben da ist?
    er hat, da manu gearbeitet hat und versichert war, anspruch auf witwerrente, wenn er weniger verdient.
    Ich kann dir die eMail-adresse eines Witwers aus unserem ZUKR-forum geben, wenn du dich austauschen willst.
    Er saß an Weihnachten 2011 alleine mit seinen drei kids(die jüngste noch im kindergarten) da, weil die mutter am 18.12. verstorben war.

    heute abend vielleicht mehr.
    Muss jetzt raus mit dem hund und auch für den Sonntag einkaufen.
    Tschüss

    LIZ
    Augen zu und durch! 8)
    Liebe Carolin,
    ich kann voll verstehen , wenn du nicht dich über deinen schwager äußern willst.
    Aber wenn wir dir und deinen zwei neffen helfen sollen, musst du dich zumindest über telefon oder PN äußern.

    Einen schönen Sonntag

    LIZ

    Weißt du, wann Manu zuletzt ihre PNs gelesen hat?
    Augen zu und durch! 8)
    Hallo,

    das mit der Arbeit bekommen wir in den Griff, zur Not sind da immer ein paar Onkel zur Hand die für ihn einspringen können. Momentan ist er den ganzen Tag für die Kinder da und ziehen langsam in unser Nachbarhaus um. Um die Witwen- und Weisen Rente wurde schon beantragt, bekommt er auf alle fälle. Für die Kinder sind wir, wie bereits vorher alle da, sprich 4 Oma und Opa, 12 Onkel und Tanten, 11 Cousinen und Cousin, 25 Kühe im Stall und so ca. 20 Katzen (haben leider die Übersicht verloren) die sich fleißig um die Jungs kümmern.

    Ich konnte die letzten Tage mit Ihnen sprechen und ich denke, es hat ihnen geholfen. Anfangs war irgendwie viel Wut und Verzweiflung bei ihnen da und sie konnten deswegen nicht so richtig mit uns reden und der große wollte Garnichts davon hören. Nach ein paar vorsichtigen Anläufen konnte ich ihn in den Arm nehmen und wir konnten endlich ein wenig reden. Ich erzählte ihnen wie ich damit umgehe, und das Manu (Mama) trotz allem bei uns hier ist auch wenn wir sie nicht sehen, können wir trotzdem mit ihr sprechen. Ich mach das entweder am Friedhof oder mit den großen Bildern von ihr oder einfach so in den Raum hinein.
    Ich denke, das hilft den beiden (auch dem Vater) sehr, sie sind jetzt viel ruhiger und nicht mehr so wütend, sie können jetzt auch ab und zu ein paar Tränen vor uns vergießen und hinterher auch dann wieder etwas lachen. Sie haben jetzt auch gemerkt das wir ihre Mama nicht vergessen wollen und das hilft sehr.

    Gute Nacht
    lg Carolin
    Hallo Carolin,

    schön, was du schreibst. Ich denke, das ist ein guter Weg. Für die Kinder, den Vater und ich denke, auch für dich. Es ist was Wahres dran: geteiltes Leid ist halbes Leid. Naja, nicht ganz die Hälfte, doch ein gutes Stück. Ich wünsche euch noch viel Kraft. Ihr werdet sie sicher brauchen.


    Liebe Grüße, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.