Krebs und die Reaktionen der Umwelt

    Krebs und die Reaktionen der Umwelt

    Hallo liebe Forengemeinde,

    nun bin ich heute mit einem Thema konfrontiert worden, was mich einerseits entsetzt hat aber andererseits auch darin bestätigt, dass ich das richtige tue!

    Eine Bekannte hatte mich vor einigen Wochen auf einer sozialen Netzwerkseite angeschrieben, ob ich Lust hätte mit ihr in ein Konzert zu gehen im April, sie hatte zwei Karten aber ihre Begleitung hatte abgesagt! Ich schrieb ihr dann, das mein Freund schwer erkrankt sei an Krebs und dass ich solange im Voraus nicht planen möchte und kann, aber ich mich schon freuen würde, sie mal wieder zu sehen und mit ihr einen Kaffee zu trinken. wir verabredeten uns und sie sagte einen Tag vorher ab, sie müsste kurzfristig arbeiten... Dann fragte sie wieder wegen eines Konzerts im März, ich schrieb, dass wir das gerne im Auge behalten können und dort abends vorbei gehen können und wie schaut es mit unserer Verabredung aus, ob wir die mal nachholen wollen. Wir verabredeten uns für heute zum Kaffee, heute morgen kam eine Absage mit der Begründung, ihr würde es im Moment seelisch nicht so gut gehen und sie wollte keinen Kontakt zu Menschen die so ein schweres Päckchen zu tragen haben wie ich!
    Ich war echt ganz schön entsetzt muss ich sagen, ich meine ich kann es verstehen, dass man schwer die Sorgen anderer noch tragen kann, wenn man selbst Sorgen hat aber das habe ich auch gar nicht von ihr verlangt, zudem heißt das ja nicht, dass ich kein offenes Ohr für ihre Probleme hätte aber am meisten hat mich entsetzt, dass man abgelehnt wird, weil man einem unheilbar erkrankten Menschen beisteht?!?!? Andererseits habe ich aber auch erfahren, dass sich Menschen die sich zum Beispiel in der Selbsthilfegruppe zusammenfinden auch gegenseitig unterstützen und Kraft geben oder auch hier im Forum...

    Ich frage mich manchmal, wie krank ist unsere Gesellschaft??? Ist Menschlichkeit und Nächstenliebe denn wirklich gar nichts mehr wert? Habt ihr auch schon erfahren müssen, dass sich Menschen in eurer Umgebung von euch zurückziehen wegen der Krankheit?? Ich würde mich freuen, wenn ihr euch dann hier aussprechen würdet...

    Liebe Grüße die Lady
    Also, wenn das so stimmt, wie ich den Text verstanden habe, kann ich nur sagen auf solche "Freunde???" kann man verzichten.

    Habe selber zum Glück eher die gegenteilige Erfahrungen gemacht. Sei es in der Familie, im Freundeskreis oder auf Arbeit.
    Ich gehe aber auch sehr offen mit meiner Erkrankung um und mache kein Hehl daraus, das es eben so ist und wer damit nicht klar kommt.... Nicht mein Problem.
    Ich will ja gar kein Mitleid, wofür. Es hat sich doch nichts am Menschen selber geändert. Bei der Krankheit selber kann einem eh keiner (außer den dafür qualifizierten Menschen) helfen und es bedarf keiner Worte um auszudrücken: "Wir sind da." Und wer dies nicht kann, soll es bleiben lassen. Lieber ein ehrliches Nein, ich kann das nicht, als ein heuchlerische Mitleid.

    Den Angehörigen geht es ja noch schlechter. Die stehen außen vor, obwohl Sie direkt betroffen sind aber hilflos daneben stehen und keine Chance haben direkt dem Betroffenen zu helfen.

    Meine Frau haben mal 2 - 3 Personen gefragt, wie geht es Dir eigentlich?

    Zurück zu Deinem Text:

    Du hast geschrieben:"Eine Bekannte hatte mich vor einigen Wochen auf einer sozialen Netzwerkseite angeschrieben"
    Auf solche Bekannte kann ma dann auch verzichten.

    LG

    Tiff
    Viele verfolgen hartnäckig den Weg, den sie gewählt haben, aber nur wenige das
    Ziel. (Friedrich Nietzsche)
    Hallo tifflor,

    ja es ist schon so, das ich diese Bekannte auch persönlich kenne, aber sie eben nur eine Bekannte ist... JETZT allerdings natürlich nicht mehr!!!!!! und du hast Recht, dass man auf solche verzichten kann! Ich bin auch froh, dass ich mich nicht mit ihr getroffen habe, denn ich denke, sie wollte nur die Konzertkarte an irgend wen los werden! Ich denke, in solchen Zeiten zeigt sich meist auch, wer Freund ist und wer nicht! Deshalb gehe ich auch mit den Dingen offen um... auch wenn einem solche Erfahrungen natürlich einen kurzen Stich ins Herz hinterlassen, was man in solchen Zeiten natürlich auch gar nicht gebrauchen kann!

    Das Gegenteil habe ich allerdings auch schon erfahren, vor allem auch im Freundeskreis meines Freundes halten alle jetzt gut zusammen... von meinen Freunden kann ich sagen, sind das drei bei denen ich offen mit dem Thema umgehen kann, zum Teil haben sie aber auch schon selbst ähnliches erlebt!

    Natürlich weiß ich manchmal auch nicht, ob ich die Kraft habe, das alles durchzustehen, weiß nicht was noch auf uns zukommt aber ich denke auch immer weglaufen gilt nicht! Und ich denke auch immer, wenn ich krank wäre dann würde ich mir auch wünschen, dass andere zu mir halten...und ich nicht damit allein wäre...
    und das was du sagst denke ich auch immer, der Mensch verändert sich ja nicht, der Mensch ist derselbe auch wenn er krank ist und das ist schon traurig genug!

    Liebe Grüße
    Oh ja liebe Lady,
    von Negativerfahrungen können wir, mein Mann und ich ein Lied singen!!!!!
    Wir waren lange Jahre selbstständig tätig und waren gesellschaftlich und privat sehr gut vernetzt... Langeweile war für uns ein Fremdwort,wenn es mal Freizeit gab, haben wir diese meist mit Freunden oder Bekannten verbracht und meist spielte sich alles bei uns ab.
    Und dann wurde ich krank..,.zunächst fiel uns gar nicht so auf das sich einige so genannte Freunde so nach und nach zurückzogen. Anfangs bekam ich noch unheimlich viel Besuch im Krankenhaus,aber je öfter ich in die Klinik musste,je weniger wurden die Besuche...
    Tja und plötzlich war unser Freundeskreis ziemlich geschrumpft.
    Aber als mein Mann dann auch noch an Krebs erkrankte,blieben letztlich nur noch ganz wenige unserer Freunde,die uns normal behandelten..,.manchmal musste ich direkt 10/15 Telefonate führen und fast schon betteln das mich mal jemand im Geschäft vertritt. Ich wollte doch nur mal 2 Stunden ins Krankenhaus fahren um meinem Schatz beistehen zu können und immer öfter hörten wir fadenscheinige Ausreden.
    Irgendwann haben wir begriffen das viele unserer so genannten Freunde nur unsere Freunde waren,solange wir tolle Partys und feine Abendessen gegeben haben,aber um uns auch mal beizustehen als wir Hilfe brauchten,dafür reichte die Freundschaft dann nicht mehr aus. Besonders mir hat es anfangs ziemlich zu schaffen gemacht,aber inzwischen sind wir mit unserem sehr reduzierten Freundeskreis mehr als glücklich und wissen..,.,wir können uns blind auf einander verlassen!!!!
    Liebe Grüße,Dori
    Hallo liebe Dori,

    vielen Dank für deinen Beitrag! Ich glaube das, was du beschreibst ist gar nicht so selten... ich habe es auch schon oft erlebt, dass mich Bekannte oder sog. Freunde immer dann kontaktieren, wenn sie Hilfe brauchen oder wenn es ihnen nicht gut geht... Ich bin so ein Mensch, ich bin dann da für andere.. aber wenn ich selbst Hilfe brauche, dann merke ich oft, wie sich die Leute dann zurückziehen, keine Zeit mehr haben, so dass ich mich als Belastung empfinden muss... andererseits ist es für mich eine Belastung, wenn ich so tun muss, als wäre nichts und ziehe mich dann auch schon mal selbst zurück, mache lieber eine Therapie, denn der Professionelle wird für seine Hilfe bezahlt... und jetzt wird man schon sogar abgelehnt, wenn man anderen beisteht, das war echt neu für mich und ich war wirklich entsetzt...

    Aber vielleicht ist es wirklich so, dass sich Freunde herauskristallisieren und oft habe ich auch erlebt, dass dann plötzlich Hilfe von Seiten kommt, von denen man garnicht damit rechnet... Meine Freundin sagte gestern, darauf vertrauen, dass die Aufgaben, die einem gegeben werden auch zu bewältigen sind und das Menschen da sind, wenn man Hilfe braucht...

    Ich hoffe und bete auch für euch beide mit!

    Liebe Grüße