Kleinzeller T4 N2 M0

    Kleinzeller T4 N2 M0

    Hallo,

    ein Tag vor seinem 61-ten Geburtstag, am 21.08., haben mein Mann und ich erfahren, dass er Lungenkrebs hat- so waren die Ergebnisse der CT- Untersuchung. Einige Wochen davor hatte mein Mann unter Kurzatmigkeit gelitten, dann bekam er auch Fieber...Die Röntgenuntersuchungen zeigten Lungenentzündung und noch unklare Veränderungen, darauf wurde CT gemacht...Er wurde sofort in die Klinik in Hemer eingewiesen.
    Dort wurden alle diagnostische Untersuchungen gemacht, anbei zitiere ich den Konferenzbrief vom 31.08.15:
    " Bei H. X konnte jetzt ein kleinzelliges Lungenkarzinom 4R, 7 und aus dem rechten Hauptbronchus zentral nachgewiesen werden. Es besteht außerdem eine infiltrative Tumorformation im Oberlappen sowie ein bulky disease LK4R, T4 N2 M0. Wir würden 2 bis 3 Zyklen einer Chemotherapiemit Cisplatin/ Etoposid anbieten, dann nach einem guten Ansprechen vermutlich die Fortsetzung als simultane Radio-/Chemotherapie gefolgt vonder PCI anraten. Der Patient ist in gutem stabilen Allgemeinzustand."

    Nach der ersten Chemo ( 3 Tage) sind wir nach Hause gekommen. Seit letzte Woche zeigen sich Nebenwirkungen, er ist schlapp, niedergeschlagen, nur gestern hatte er Übelkeit und Durchfall, leicht erhöhte Temperatur... Heute geht es ihm besser. Am 22.09. geht er wieder in die Klinik zur zweiten Chemo, vorausgesetzt, seine Blutwerte erlauben es. Letzte Woche waren seine Blutwerte in Ordnung, morgen bekommen wir die Ergebnisse von der heutigen Entnahme.
    Im Kurzarztbrief bei der Entlassung steht als Diagnose: Kleinzelliges LK rechts zentral, ED 08/15, T4 pN2 M0, Stadium IIIa nach UICC. Histologisch: Kleinzelliges Lungenkarzinom, Befund Pathologie Hemer.

    Ich habe mich schon nach der CT- Untersuchung im Netz über Klein- und nicht Kleinzeller informiert und habe gedacht, da er keine Metastasen hat, dass es um nicht kleinzelligen handelt. Leider fehl vermutet... Die OP kommt nicht in Frage wegen der Ausbreitung und der zentralen Lage, da habe ich ganz genau nachgefragt, weil ich Eure Beiträge diesbezüglich kannte...

    Ich sende meinen Beitrag erstmal ab, weil ich Probleme mit dem Programmabsturz habe...
    Die Ärzte haben vorsichtig auch erwähnt, dass eine OP eventell nach der Chemo und Bestrahlung überlegt wird, falls der Tumor sich soweit verkleinert...Von so einem Fall habe ich im Netz noch nicht gefunden.
    Die Tumorprobe ist an die Uniklinik Köln wegen der genetischen Untersuchung geschickt worden, Ergebnisse in 6 Wochen....

    Kann mir jemand die Diagnose etwas erläutern? Mir ist es erst jetzt bei dem Schreiben aufgefallen, dass eigentlich mehrere Sachen aufgezählt wurden, wie infiltrative Tumorformation im Oberlappen, sowie ein bulky disease.... - das verstehe ich nicht.
    was ich verstanden habe: T4- Ausbreitung, N2- 2 Lympfknoten betroffen, M0- keine Fernmetastasen...

    Vielen Dank und Liebe Grüße
    Hallo Kamil,

    also ich versuche es mal kurz und knapp zu machen, alles andere würde jetzt vielleicht verwirren:

    bulky disease bedeutet eine tumorbedingte Mediastinalverbreiterung.
    infiltrative Tumor Formation im Oberlappen bedeutet eine sichtbare Ausbreitung von Tumorzellen eben in diesem Oberlappen.
    LK4R bedeutet leider, daß LK-Metastasen vorhanden sind. Die M0-Klassifizierung sagt aus, daß keine Fernmetastasen vorliegen (also beispielsweise in andere Organe oder in den Kopf).

    Also generell hast Du es ganz gut verstanden.

    Prinzipiell spricht das kleinzellige Bronchialkarzinom sehr rasch auf Chemotherapie an und es ist oft ein signifikanter Rückgang des Tumorgeschehens zu beobachten. Wenn es die Lage hergibt, wäre nach der Chemo unmittelbar an eine Operation zu denken. Ich war schon bei mehreren Veranstaltungen zu diesem Thema und leider winken immer noch Chirurgen ab, wenn es um Operationen beim Kleinzeller geht. Dennoch ist tendenziell zu beobachten, daß der SCLC immer häufiger operiert wird, sofern die Kriterien Allgemeinzustand des Patienten, Lage des Tumors, keine Fernmetastasen zutreffen.

    Viele Grüße
    Anhe
    Dum spiro, spero - Cicero
    Hallo Kamil,

    zunächst einmal ein herzliches Willkommen hier bei uns. Ich hoffe, du findest Antworten auf deine Fragen und fühlst dich so wohl, wie es eben in einer solchen Situation geht.

    Kamil schrieb:

    Er wurde sofort in die Klinik in Hemer eingewiesen.

    Ich war dort auch in Behandlung, und meine Nachsorgen finden dort auch noch immer statt. Ich bin sehr zufrieden mit der Behandlung, auch wenn die Zimmer teilweise ziemlich zu wünschen übrig lassen.

    Nun zu eurem Befund:
    Zunächst einmal sind dort Angaben aufgeführt, die so nicht unbedingt in jedem Befund stehen, nämlich 4R, 7 und LK4R. "R" steht für "rechts", die Zahlen geben die befallenen Lungensegmente an. (Die rechte Lunge besteht aus drei, die linke aus zwei Lappen mit jeweils insgesamt 10 Segmenten - siehe auch hier.) Die Angabe "ein bulky disease LK4R" heißt, dass sich in diesem Segment ein mit zwei bis drei Zentimetern sehr großer befallener Lymphknoten ("bulky" heißt "ausgedehnt") befindet, der in das Mediastinum (= Mittelfell) einwächst.

    "N2" heißt leider nicht, dass zwei Lymphknoten befallen sind, sondern dass sich Lymphknotenmetastasen (eine oder mehrere) zwar in der gleichen Lungenhälfte befinden, sich aber bereits in das Mediastinum bzw. in Richtung Luftröhre (= subkarinal) ausgebreitet haben.

    "PCI" steht für prophylactic cranial irradiation, die vorsorgliche Ganzhirnbestrahlung.

    Das allerdings

    Kamil schrieb:

    T4 pN2 M0, Stadium IIIa nach UICC

    widerspricht sich, da solltet ihr noch einmal nachfragen: T4 N2 M0 ergibt eigentlich nach UICC 7 Stadium IIIb.
    Es grüßt die Hexe.
    Vielen Dank für Eure schnellen Antworten und Aufklärung. Keine rosige Aussichten, ich weiß, wir kämpfen und werden kämpfen... Mir ist nach Euren Antworten jetzt viel klarer, denn jetzt weiß ich, was Mediastinum bzw. mediastale Ausdehnung ist :(....
    Hexe, genau richtig fragst Du nach beim Stadium, denn ich war auch verwirrt. In dem ersten Gespräch mit der Ärztin habe ich mir Stadium IIIb aufgeschrieben, im Kurzbrief ist dann ein Tippfehler vorhanden.
    Ja, in Hemer sind die Zimmer manchmal echt eine Zumutung, aber es ist uns im Moment weniger wichtig als die Tatsache, dass es sich um eine spezialisierte und erfahrene Klinik handelt, deine Erfahrung bestätigt es.

    Nach dem gestrigen Horrortag genieße ich den Tag und Abend mit meinem gut gelaunten Liebsten....

    einen schönen Abend Euch auch und liebe Grüße!
    Hallo Hexe, klar darfst du fragen, nur an den Namen kann ich mich nicht mehr erinnern....Das war eine junge Ärztin von der Station 6, sie ist zimlich groß, mit langen schwarzen Haaren....
    Wo kann ich deine Geschichte lesen? An die kann ich mich aus einem anderen Forum nur undeutlich erinnern....
    einen schönen Tag!
    Hallo Kamil,

    danke für deine Antwort und für deine guten Wünsche. Ich hatte bisher nur mit männlichen Stationsärzten zu tun - und mit Frau Dr. Serke, der Chefärztin. Meine ehemalige Nachbarin, die auch auf Station 6 lag, hat mir allerdings erzählt, dass sie bei der letzten Nachsorge auch eine Ärztin hatte.
    Es grüßt die Hexe.
    Leider sind die Blutwerte bei meinem Mann gestern und vorgesten so schlecht gewesen, dass die Klinik die zweite Chemo ( geplant ab dem 22.09.) verschieben wollte. Leukos waren vorgestern 1,4 und gestern etwas besser, 2,2. Nach der Rücksprache mit der befreundeten Onkologin aus dem Ausland, die Jahre lang meine Mutter betreut (Brustkrebs) und in die ich unendlich viel Vertraun habe, habe ich darauf bestanden, dass wir am Montag noch mal die Blutwerte prüfen, auch das Differenzialblutbild ( Hausarzt hat es gestern nicht veranlasst!), denn bis Dienstag könnten sich die Werte doch verbessern. Ihrer Meinung nach, besonders bei den Kleinzeller ist es wichtig, die Chemos nahtlos wie geplant durchzuführen, wenn es irgendwie möglich ist.

    Wir haben dann bei der Klinik noch mal angerufen und sie sind damit einverstanden...

    Meinem Mann ging es in letzten 2-3 Tage viel besser, auch psychisch, ich hoffe, dass er jetzt keinen Dämpfer kriegt...


    Schönes Wochenende wünsche ich!
    Mein Mann konnte gestern doch nicht zu dem zweiten Chemozyklus, wegen der Blutwerte. Wir warten auf Ergebnisse der Blutabnahme von heute, davon ist es abhängig, ob er am Freitag in der Klinik aufgenommen wird.

    Mein Bruder hat darauf bestanden, dass wir die Meinung eines ausländischen Spezialisten besorgen, der den Vater seines Freundes mit Erfolg operiert hat, als er von allen abgeschrieben wurde....
    leider ist seine Meinung sehr ernüchternd- das was er der CT-Aufnahme entnommen hat wäre deutlich schlimmer als die Beschreibung seiner Kollegen im Kurzbrief...Das die Ärzte in Hemer eine OP- Möglichkeit nach der Chemo ofen gelassen haben, halte er für eine Taktik, um meinen Mann sozusagen psychologisch aufzubauen....

    oft frage ich mich, wann ich aus diesem Alptraum aufwache :(((...,