Meine Frau hat Brustkrebs

    Meine Frau hat Brustkrebs

    Hallo liebe Leute,
    Meine Frau ist 42 Jahre alt und an Brustkrebs erkrankt. Der Tumor ist Triple negativ G3.
    Es wurde die Brust amputiert und die Lymphknoten. Nix war befallen von Metastasen, alles frei. Am 17.05.2015 bekommt sie ihre erste Chemotherapie, alle drei Wochen eine für vier mal, danach wöchentlich eine für zwölf mal. In ihrer Familie ist kein Krebs bekannt. Ich bin so verzweifelt, weil es so ein bösartiger Tumor war und denke nur noch da dran. Das macht mich fertig. Gibt es hier Gleichgesinnte, die damit Erfahrungen haben und mir etwas Mut machen können? Ich bin schon seit 1991 mit ihr zusammen und liebe sie sehr, ich habe Angst. Liebe grüße
    Hallo Martin,

    begrüßt habe ich Dich schon hier Hallo und herzlich Willkommen .

    Jetzt einmal zum wesentlichen: Gut, daß kein Metastasenbefall vorhanden war. Ist denn angedacht, daß Deine Frau nach Abschluß der Chemotherapie noch ein Bestrahlungsprogramm durchlaufen soll? Und wie geht es ihr während der Chemotherapie?

    Daß Du verzweifelt bist, kann ich gut nachvollziehen. Und natürlich denkt man auch ständig daran, daß der Partner an Krebs erkrankt ist. Das geht allen Angehörigen so, es ist eine Gratwanderung zwischen Hoffnung (es möge gut gehen) und Angst (vielleicht geht es nicht gut). Wichtig ist meiner Meinung nach, daß man auch als Angehöriger Hilfe in Anspruch nimmt, sei es durch Freunde, Verwandte oder notfalls durch Psychologen. Man muß sich trotz aller Liebe ein wenig Freiraum bewahren, um aus diesem Hamsterrad von Gedanken herauszukommen, die eine Krebserkrankung mit sich bringt. Hast Du diesbezüglich Unterstützung?

    Viele Grüße
    Anhe
    Dum spiro, spero - Cicero
    Hallo Martin,

    ich begrüße dich hier als Angehörigen im KiZ. Die Unterstützung für Angehörige ist sehr groß.
    Die Diagnose ist ein gewaltiger Schock und vieles wird in Frage gestellt, das Leben danach ist nicht mehr wie es war.

    Erzähl doch ein bisschen mehr von der Diagnose. Wenn keine Metastasen und keine befallenen Lymphknoten vorhanden sind, ist es schon mal gut. Seid ihr in einem Brustzentrum in Behandlung? Wurde ein Gentest gemacht, denn das Alter und der TNBC könnte für eine genetische Disposition sprechen.
    Die Prognose bei Brustkrebs ist gut. Für mich war die Zeit der Therapien ein langer dunkler Tunnel, an dessen Ende wieder Licht war. Ich lebe seit Juli 2008 mit der Diagnose. Sucht euch professionelle Hilfe.

    Liebe Grüße
    Geli
    Vergangenheit ist Geschichte,
    Zukunft ist Geheimnis,
    aber jeder Augenblick ein Geschenk. (Ina Deter)
    Hallo ihr beiden, danke für die rasche Antwort. Ich habe bisher keine Hilfe, Therapie oder ähnliches. Meine Frau fängt erst am 17.12.2015 mit der Chemotherapie an. Einen Gentest hat sie noch nicht gemacht, ihre Familie ist frei von Krebs. Mich macht es so fertig, weil es gleich dieser triple negativ G3 ist. Gott sei Dank hat es trotz fünf cm nicht gestreut. Sie ist zuversichtlich und voller Hoffnung und ich habe solche Angst. Ich weiß das ich jetzt stark für sie sein muß.
    Sie wird in einem Brust Zentrum in Ahaus therapiert und ich denke da ist sie gut aufgehoben. Liebe grüße

    Metti1970 schrieb:

    ich denke da ist sie gut aufgehoben
    Moin Martin,

    das ist schon mal gut und beruhigend. Was nicht bedeutet, nicht wachsam zu bleiben und trotzdem alle Informationen heranzuziehen, die man gebrauchen könnte. Sicher hast du bereits das I-Net durchforstet. Da möchte ich sagen: mache das mit Vorsicht. Ein Zuviel an Informationen ist oft verwirrend und dort steht auch viel Unsinn. Die Kunst ist, das Relevante vom Unnützen zu trennen. Die beste Methode an Informationen zu kommen ist, den behandelnden Onkologen mit Fragen zu löchern bis alle Unklarheiten beseitigt sind. Dazu kommt die Möglichkeit, jederzeit auch eine unabhängige Zweit- oder gar Drittmeinung einholen zu können.

    Ich selbst hatte die Möglichkeit, bei Arztgesprächen immer dabei zu sein. Soweit möglich, sogar bei Untersuchungen mit im Untersuchungsraum. Keine Ahnung, wie das bei euch ist. Ich nehme an, du bist berufstätig. Versuche, so oft wie möglich, das machbar zu machen. Vier Ohren hören in der Situation meist mehr als zwei. Vielleicht kann ja auch jemand anderes sich das mit dir teilen. Für deine Frau kann wichtig sein, da nicht alleine zu sitzen und der Arzt sollte dich als Gleichberechtigten neben deiner Frau ansehen.

    Natürlich ist es unbestreitbar die eine Sache, selbst an Krebs erkrankt zu sein. Doch du als Co-Betroffener bist ebenfalls einer sehr großen Belastung ausgesetzt. Also achte nicht nur auf deine Frau, sondern auch auf dich. Vielleicht (hoffentlich nicht) wirst du irgendwann großen, nicht nur mentalen, Herausforderungen gegenüber stehen und dann brauchst du alle deine Kraft, um deiner Frau helfen zu können.

    Ich glaube dir, dass du Angst hast. Angst ist nicht mehr als ein Signal, dass da eine Gefahr droht. Man sollte schon sehr genau hinhören, was sie sagt. Was nur nicht sein darf ist, dass sie uns beherrscht. Dann kann man nicht mehr klar denken und das wäre schlimm. Klar denken und darauf achten, was der Bauch sagt. Der ist bisweilen nicht der schlechteste Ratgeber.

    Unter uns: Liebe, Verständnis und Wärme sind ziemlich gute Voraussetzungen. Liebe im Gegensatz zum Beglucken.


    Liebe Grüße und einen schönen 3. Advent, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.

    Metti1970 schrieb:

    Meine Frau fängt erst am 17.12.2015 mit der Chemotherapie an.


    Oha, da hattest Du Dich im ersten Posting verschrieben, denn da stand 17.5.2015. Deshalb meine Frage nach Bestrahlung, denn ich bin davon ausgegangen, daß die Chemos schon gelaufen sind. Ich drücke die Daumen, daß der erste Chemozyklus gut läuft und Deine Frau wenige Nebenwirkungen hat. Sollten diese eintreten (Übelkeit, Empfindungsstörungen an den Händen oder Füßen) sofort das den Ärzten mitteilen. Es gibt einige Mittel, um zumindest die Übelkeit ein wenig in Schach zu halten.

    Viele Grüße
    Anhe
    Dum spiro, spero - Cicero
    Hallo Martin,

    die Angst vor der ersten Chemo ist normal, aber ihr seid sicher aufgeklärt worden, wie das abläuft.
    Ich wurde zuerst operiert, meine Mitpatientin hatte die Chemo neoadjuvant und hat mir ganz viel von der Angst genommen. Ich hatte 3 FEC und 3 DOC. Meist setzen die NW einen Tag später ein, da man auch Kortison bekommt, schläft man schlecht.
    Bei der FEC war mir nie schlecht, die Tage 3-5 fühlte ich mich leicht grippig, Geschmackssinn und Geruchssinn spielten verrückt. Während der Chemo hatte ich einen Heißhunger auf Tütensuppen Geschmacksrichtung chinesisch oder thailändisch, das ganze wurde mit noch mehr Sojasosse aufgepeppt, Tomatensosse ging gar nicht. Mir sagte meine Onko-Gyn, essen sie bloss nicht ihr Lieblingsessen, sonst könnte es das letzt Mal gewesen sein. Abschmecken und Sossen machen, habe ich meinen Jungs überlassen, da immer alles versalzen war. Sicher war das im Moment nicht angenehm.
    Meist sassen die gleichen Damen bei der Chemo und wir haben viel gelacht. Nehmt euch was zu essen mit, ich sass meist einen halben Tag da rum. Bei den beiden ersten war mein Mann dabei, um seine Nerven zu beruhigen. Später konnte ich mit einer Freundin fahren, die in der Klinik gearbeitet hat. Zweimal bin ich die vier km nach Hause gelaufen, diesen Taxischein hatte ich nicht eingelöst.
    Welche Chemo bekommt denn deine Frau?
    Ich war immer im Glauben eine leichte CHemo zu bekommen, bis mir die Ärztin sagte, leicht ist relativ.
    Liebe Grüße
    Geli
    Vergangenheit ist Geschichte,
    Zukunft ist Geheimnis,
    aber jeder Augenblick ein Geschenk. (Ina Deter)

    Metti1970 schrieb:


    Gibt es hier Gleichgesinnte, die damit Erfahrungen haben und mir etwas Mut machen können?

    Moin Metti,
    bleib mal ganz ruhig :)
    Ich kann Deine Sorge absolut verstehen, da ich 2010 eine ähnliche Diagnose erhalten habe.
    Triple negativ G3. Ki 60%. Alles weitere kannst Du in meinem Profil lesen.
    Ich habe Chemo und Bestrahlung durchgemacht und dabei zwei Kinder und ein altes Mütterchen in meinem Leben betreut bzw. begleitet.
    Ich will hier nichts schön reden, und sagen: alles war total rosa und harmonisch und null Problem. :)
    Das wäre gelogen. Aber, es war für mich alles trotz Chemo und Bestrahlung machbar und gangbar.
    Ich würde nicht wirklich expliziert darauf pochen, dass das die schönste Zeit meines Lebens gewesen wäre :)
    aber es war durchaus lebenswert.
    Warum ich so dermassen in der Vergangenheitsform schreibe?
    Ich bin 2010 erkrankt mit einer nicht guten Prognose. Habe dann OP, Chemo und Bestrahlung hinter mich gebracht.
    Und nun? Seit 5 Jahren bin ich rezidivfrei!! Ich bin gesund, munter und freue mich ob des Lebens. (Dass ich nach wie vor Nachwirkungen der Behandlung spüre und damit zu tun habe, möchte und brauch ich nicht verschweigen)

    Ich möchte Dir mit meiner Erfahrung Mut machen. Wir alle sind nicht dumm, und wissen, dass alles bei Brustkrebs anders laufen kann, als man denkt. Aber: Es gibt auch viele Überlebende, wie mich, die ein tolles Leben weiterführen können.
    Ich liebe das Leben, und das Leben liebt mich.

    Wenn Du vielleicht irgendwann mal Fragen zu den medizinischen Sachen hast, wie zum Beispiel: was für eine Chemo DOC, FEC usw und Du Erklärungen benötigst, so melde Dich gern.
    Auch wenn mein Wissen eventuell etwas veraltet ist ( ist das nicht mega geil?) so kann ich Dir bestimmt viele Fragen beantworten.

    Herzliche Grüße an Dich und Deine Frau
    Katharina
    Lieber Martin,

    toll, dass deine Frau die erste Runde so gut meistert! Möge es so weitergehen!!!

    Ich bin auch eine Frau mit triple negativem Brustkrebs, 44 Jahre alt. Die Diagnose habe ich Anfang September erhalten. Meine Chemotherapie ist neoadjuvant, das heißt, meine OP findet nach der Chemo statt. Ich bekomme das TAC-Schema, also Anthrazyklin, Cyclophosphamid und Taxan zusammen pro Runde und das sechs Mal im Abstand von drei Wochen. Ich habe nun gerade die 4. Runde hinter mir. Und es geht mir relativ gut. Nur die erste Woche nach der Chemo ist schwierig, die beiden anderen kann ich mich ganz gut erholen.

    Wenn du oder ihr Fragen habt, immer gern. Ich bin zwar auch ganz neu auf dem Gebiet, habe mich aber sehr intensiv informiert und mich mit ganz vielen Dingen beschäftigt. Mir haben betroffene Frauen aus einem anderen Krebsforum sehr dabei geholfen, meine Situation zu verstehen und anzunehmen.

    Ich denke manchmal, dass ich als Betroffene momentan besser damit zurecht komme, weil ICH etwas tun kann. Mein Mann dagegen steht "nur" daneben und fühlt sich manchmal ohnmächtig. Und Angst ist etwas, das wir bei Brustkrebs immer wieder selbst fühlen werden... Dagegen gibt es leider kein sicheres Rezept. Vielleicht findest du einen guten Gesprächspartner, mit dem du über die Sorgen um deine Frau sprechen kannst?

    Sei bei ihr und unterstütze sie, mehr kannst und musst du gar nicht leisten ;)
    ______________________
    Lieben Gruß
    c.onny

    Der Weg wächst im Gehen unter deinen Füßen...
    Reinhold Schneider