Meine liebe Mama...

    Meine liebe Mama...

    Ein ganz herzlichen Hallo an euch alle!

    Mein Name ist Kim, ich bin 30 Jahre alt, habe 2 tolle Kinder (9 und 4), einen wundervollen Ehemann und eine wahnsinnig tolle Mama, die seit ca. 2 Wochen weiss, das sie Lungenkrebs hat :(

    Alles fing mit einem Husten, der nicht enden wollte, an. Wir sind ende Januar ins Krankenhaus gefahren, weil der Zustand meiner Mama immer schlechter wurde... Sie hatte schmerzen und unheimlich dollen Husten.Ihr wurde Blut abgenommen und sie wurde gerögt. Lungenetzündung- aufnahme ins KH denn es war eine schwere Lungenentzündung.
    Sie wurde 6 Tage behandelt- bekam Antibiotikum über die Vene- konnte sich ausruhen und wurde nach der wirklich guten Besserung wieder zu uns nach Hause entlasen (Sie wohnt seit gut einem dreivirtel Jahr bei uns). Hier zuhause schonte sie sich noch ein paar Tage, wurde auch von ihrem HA erstmal 2 Wochen krank geschrieben. Alles schien überstanden.

    Am 3. Tag hier Zuhause ging es ihr wieder merklich schlechter... Der Husten war wieder voll da und sie bekam schmerzen im rechten Rippenbogen. Wir dachten, sie hätte die Lungenentzündung evtl. verschleppt oder sei nicht richtig genesen. Am Abend sind wir dann also wieder in die Notaufnahme, denn es war Samstag- also kein Arzt geöffnet.

    Wieder Röntgen und Blutentnahme.

    Die Ärztin rief uns rein und sagte uns, dass das Röntgenbild nicht mit den Blutwerten übereinstimme... Die Entzündungswerte waren bei 0, auf dem Röntgenbild waren allerdings "streifen" zu sehen, die aber auch gut noch von der Lungenentzündung übrig geblieben sein können. Die Ärztin verstand sichtlich die Welt nicht mehr.
    Sie tastete meine Mutter an den Stellen ab, wo sie so dolle Schmerzen hatte und wollte sie mit einer höheren Dosis an Schmerzmitteln wieder nach Hause schicken. Die Schmerzen reagieren wohl auf Druck und sind somit "ganz klar von einem eingeklemmten Nerv verursacht worden". :/

    Mir kam das alles sehr seltsam vor, deswegen fragte ich nocheinmal genauer nach... Meine Mutter hatte nämlich auch Fieber am Abend zuvor.

    Sichtlich genervt von meinen fragen ordnete die Ärztin dann noch eine Blutentnahme aus dem Ohrläppchen an- natürlich nur um sicherzugehen :evil:

    Der Wert war absolut nicht okay, ich glaube das war die Sauerstoffsättigung.
    Darauf hin veranlasste sie ein CT (mittlerweile war es schon 01:30 in der Nacht) denn es bestand wohl ein Verdacht auf eine Embolie...

    Wir warteten eine gefühlte Ewigkeit, scherzten noch das sie jetzt wohl "muffensausen" bekam, weil ich so hartnäckig nachgefragt hatte. Die Ärztin kam ins Zimmer und schon an ihrem Blick habe ich gesehen, das etwas überhaupt nicht stimmt. Ich bekam Angst... Innerhalb von millisekunden liefen 100 Dinge vor meinen Augen ab...
    Sie sagte- eine Embolie ist ausgeschlossen, aber meine Mutter muss stationär Aufgenommen werden, denn es sind "unebenheiten" in der Lunge zu sehen... ;(

    Unebenheiten??? Meine Mutter fragte direkt: "unebenheiten? ein Tumor???"..... Die Ärztin nickte nur und faselte danach noch zich andere Dinge, die ich absolut nicht gehört habe... Ich nahm die Hand meiner Mama und mit liefen sofort die Tränen herunter ;( Meine Mutter fragte Dinge wie " das heisst jetzt ich muss hier sterben?", " wie groß, wie lange noch, was heisst das jetzt für mich?"... Aber die Ärztin machte keine genauen Angaben- heute weiss ich, das konnte sie auch gar nicht... Damals verstand ich nicht, wie man einfach NICHTS sagen kann!

    Ich nahm sie in der Arm, versuchte sie zu beruhigen... Mit einem Mal war der Beschützer Instinkt geweckt und ich war nur noch am positiven Zeug daher reden... Sie bekam dann eine Tablette zum schlafen und ich bin dann auch nach Hause gefahren...



    Heute, 2 Wochen später wissen wir- es handelt sich um einen Kleinzeller. Matastasen in Knochen, allerdings nur ganz kleine, und zwar an der Stelle, die ihr die ganze Zeit so weh tat, und in der Leber- wobei das auch Zysten sein können. Es wurden 3 "Metastasen" an der Leber gesehen, allerdings hat meine Mama bereits vor 5 Jahren 2 Zysten gehabt. Alle 3 Objekte sehen gleich aus... Sie wissen nun also nicht, ob eine Zyste oder eine Metastase dazu gekommen ist.

    Die Proben von der ersten Biopsie waren nur zum Teil aussagekräftig. Man erklärte uns, sie haben es als Kleinzeller identifizieren können, der eine Versuch, den sie damit gemacht haben und das Ergebnis, passen aber nicht zu dem typischen kleinzeller. Deswegen haben sie gestern noch eine Probe entnommen um noch einmal genauer schauen zu können.

    Ja... nun hänge ich in einem absoluten Loch! Kleinzeller- Wahnsinn.... das was ich bisher darüber gelesen habe, ist alles andere als vielversprechend :( Ich weine sehr viel... habe Angst.... Und welche Therapie nun gemacht wird, ist nun auch noch nicht klar. Der Arzt sagte uns, das es unterschiede zwischen dem normalen kleinzeller und dem anderen (ich habe den blöden Namen vergessen, irgendwie viele Buchstaben aneinander gereit) gibt. Die andere Variante ist auch kleinzellig, aber weitaus "vielversprechender".... Vielleicht weiss jemand was ich meine??

    Das Ergebnis werden wir am Dienstag oder Mittwoch haben...


    Ich bin sehr gespannt :(

    Sie ist noch so Fit... Man sieht ihr die schwere Krankheit gar nicht an :( 1000 Fragen stellen sich... Wie sage ich es meiner großen? Meine Mama ist ihre absolute Bezugsperson :( Mein Vater hat sich im April vor 3 Jahren das Leben genommen- damit hat sie jetzt gerade mal gelernt umzugehen :(

    Ich habe am Dienstag ein Gespräch mit der Onkopsychologin des Krankenhauses, da werde ich dieses Thema besprechen.


    Vielen Dank fürs lesen!!!! Ganz liebe Grüße


    Kim
    Hallo @Kim30 ,

    zuerst einmal herzlich willkommen, auch wenn der Anlaß besch...eiden ist. @The Witch , die zuständige Moderatorin wird Dich sicher auch noch willkommen heißen.

    Nun zu der Diagnose bei Deiner Mutter:

    Kleinzeller ist die agressivste Tumorart unter den Lungenkrebsen, da er sehr schnell streut. Sorry für die Aussage, aber man kann das nicht beschönigen. Ich nehme an, daß über die Bronchoskopie Zellen gefunden werden sollten, um die genaue Tumorart zu ermitteln. Das ist nur zum Teil gelungen, so wie ich das verstanden habe. Man ist natürlich versucht, so schnell als möglich einen Therapieanfang zu erleben, aber es ist nicht ganz so einfach. Es gibt eine Reihe von Voruntersuchungen, die gemacht werden müssen. Wurden die Knochenmetastasen durch ein Skelettszintigramm festgestellt? Wurde schon ein Schädel-MRT veranlaßt? Hat man die Herzfunktion überprüft?

    Entgegen der Meinung einiger Onkologen und Chirurgen sollte der Kleinzeller immer! operiert werden, sofern es die Lage, Größe des Tumores zulässt. Leider hat sich das noch nicht überall herumgesprochen und oft wird noch gesagt, daß der Kleinzeller hervorragend auf Chemo anspricht, was im Prinzip auch stimmt. Allerdings wird gerne verschwiegen, daß er sehr schnell zurückkommen kann, wenn nur mit Chemo behandelt wird. Wenn bereits Metastasen abgesetzt wurden, sieht es ein wenig anders aus, deshalb wäre es wichtig abzuklären, ob nun tatsächlich Metastasen vorhanden sind.

    Meine Empfehlung wäre, in ein zertifiziertes Lungenkrebszentrum zu gehen (ich weiß nicht, aus welcher Gegend ihr kommt, sonst könnte ich vielleicht einige Kliniken nennen) und dort eine Zweitmeinung einzuholen. Die Zeit hat man auch mit einem Kleinzeller.

    Die Chemotherapie wird höchstwahrscheinlich Cisplatin sein oder Carboplatin/Etoposid. Da wäre es auch enorm wichtig, vor der Chemo einen Zahnstatus beim Zahnarzt erstellen zu lassen und eventuelle kariöse Stellen noch zu versorgen.

    Wenn Du noch Fragen hast, immer raus damit. Vielleicht können wir weiterhelfen. Ansonsten kannst Du auch hier der-zweite-atem.de kostenloses Informationsmaterial bekommen.

    Viele Grüße
    Anhe
    Loslassen kostet weniger Kraft als Festhalten; und dennoch ist es schwerer.
    ©Detlev Fleischhammel
    Anhe, vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

    Ja, du hast es absolut richtig verstanden :)

    Ja, die Knochenmetastasen wurden mit hilfe eines Knochenzintigramms festgestellt.

    Ein Schädel-MRT wurde gemacht- ohne Bedund. Also keine Metastasen.

    Die Herzfunktion wurde überprüft und ist einwandfrei.

    Warum kann man eigentlich nicht operieren, wenn bereits Metastasen vorhanden sind? In meinen Vorstellungen könnte man doch das ganze befallene Gewebe einfach entfernen?! Zu einfach gedacht wahrscheinlich :(

    Wir wohnen in Berlin....

    Ist es richtig, das die meisten Menschen mit der Diagnose Kleinzeller- nicht mal ein Jahr überleben? Und warum, wenn die Chemo doch recht gut Anschlagen soll?


    Liebe Grüße
    Hallo Kim,

    Kim30 schrieb:

    Warum kann man eigentlich nicht operieren, wenn bereits Metastasen vorhanden sind? In meinen Vorstellungen könnte man doch das ganze befallene Gewebe einfach entfernen?! Zu einfach gedacht wahrscheinlich


    Stimmt, zu einfach gedacht. Natürlich kann man einen Primärtumor (Haupttumor) operieren, wenn die Größe und die Lage es möglich machen. Sicher kann man auch die eine oder andere Metastase operativ entfernen. Der Tumor entsteht durch veränderte Zellen die sich selbst unendlich teilen und somit weitere Zellen durch die Blutbahnen schicken, bis sich so eine Zelle irgendwo festsetzt, wächst und man somit eine Metastase hat (ganz simpel ausgedrückt).

    Was Prognosen angeht: Ich kenne Menschen, die ein halbes Jahr nach Therapie verstorben sind, obwohl die Ausgangssituation nicht schlecht war und es gibt Menschen, die überleben. Warum das so ist, kann wahrscheinlich niemand beantworten. Ich hatte die Diagnose 2003 und mich gibt es nach Operation, radikale Lymphknotendissektion und Chemo immer noch....

    Wenn Du am Dienstag oder Mittwoch das Ergebnis mehr weisst oder sogar das Staging hast, berichte doch bitte, so können wir es besser einschätzen - allerdings sind wir keine Ärzte, sondern können nur aus den eigenen Erfahrungen berichten.

    Viele Grüße
    Anhe


    Loslassen kostet weniger Kraft als Festhalten; und dennoch ist es schwerer.
    ©Detlev Fleischhammel
    Hallo @Kim30,

    ​wie bereits von Anhe angekündigt, auch von mir ein herzliches Willkommen hier bei uns im KIz - auch wenn der Anlass zum Kennenlernen sicherlich ein schönerer sein könnte. Sieh dich um, frag - und versuche, das Beste an Informationen aus uns herauszuquetschen. Auf ein gutes Miteinander!
    Es grüßt die Hexe.
    Liebe @Kim30

    Es freut mich sehr das es jetzt geklappt hat, das hast du @Anhe zu verdanken :)

    Ich hoffe du findest hier den Austausch der für dich so wichtig ist. Zu Informationen der Erkrankung deiner Mama kann ich wie du ja weißt nichts beitragen, aber mental kann ich dich unterstützen.

    LG mausi
    Meine Mama
    ED BSDK 05.02.2014
    28.07.1949 - 22.06.2014

    Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

    - Jean Paul -