Meine Ma ist gegangen...

    Meine Ma ist gegangen...

    Hallo, ich werd hier einfach mal versuchen ein wenig aus mir rauszuschreiben. Es kann zeitlich sehr ungeordnet, diffus geschehen. Hoffe keiner stört sich daran.

    Ernie und Bert, mit ihnen fing alles an. Nein, eigentlich ja nicht.
    Eigentlich fing es mit dem kleinen Knoten in der Brust an, der sich entschieden hatte sehr schnell zu wachsen. Da ist dieses Thema Tod, welches in unserer Gesellschaft sehr tabuisiert wird und bricht so plötzlich und unerwartet in dein Leben.

    “Ja, sie haben da einen kleinen Knoten entdeckt, wahrscheinlich aber nur eine Zyste.”, sagt mir meine Mutter mit beschwichtigenden Worten, während alles an ihren Gesten- ihre Hände, die so nervös einander Halt suchen, ihr Schritt, der etwas von mir zurück geht, Bände spricht.

    Die folgenden Stunden verschwimmen in lauten Gedanken, der Angst und dem Hoffen. Die Diagnose jedoch lautet: Krebs- nicht gutartig. 80 prozentige Wachstumsrate und bedingt durch die Einnahme künstlicher Hormone.

    Unsere Devise lautet: ruhig bleiben, sich den Chemotherapien und Bestrahlungen stellen. Die ersten Chemotherapien erfolgen alle 3 Wochen. Die Haare gehen büschelweise aus. Die Übelkeit erschwert ihr das Essen. Psychische Zusammenbrüche bleiben nicht aus.

    Da ist dieser Raum im Brustzentrum, in jenem all diese mutigen Frauen angeschlossen an der Chemotherapie 3, 4, 5, manchmal auch 6 Stunden verharren.

    “Jeder Mensch ist anders, bei jedem verläuft die Krankheit und die Reaktion auf die Chemotherapien anders.”, ist ein Satz, den wir mehrmals zu hören bekamen. So gibt es eben Frauen, die unter der Behandlung ohne weitere Hilfe ihren Alltag bewältigen können und Frauen, welche sehr viel Unterstützung benötigen. Ein Aufgeben, sowie der Gedanke an den Tod kam für uns nicht in Frage.

    Ausschnitt aus dem Jahr 2014

    “Das ist Henry, der den Krebs wegmacht.” Eine von meiner Ma gefilzte Maus.

    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
    Ich werde das nie verstehen...

    Heraustreten aus der Form- mit dem Wind, der Sonne, dem Wasser verschmelzen. In all jenem die Freiheit finden.

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    Hallo @Flo_

    Gerade eben bat ich noch an meiner Pinnwand darum das du deinen Thread öffnest und schwupps hast du ja schon gemacht.

    Ich kann dich so gut verstehen die Angst um die Mama, was kommt auf einen zu? Die heile Welt stürzt ein und man steht komplett neben sich.

    Alles ist anders, wenn der geliebte Mensch von heut auf morgen nicht mehr da ist.

    Ganz liebe grüße mausi
    Meine Mama
    ED BSDK 05.02.2014
    28.07.1949 - 22.06.2014

    Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

    - Jean Paul -
    Hi Mausi, ja, das war Zufall. Manchmal bin ich blockiert und kann dann nicht so schreiben.
    Und ja, so geht es wahrscheinlich allen, wenn man so etwas erfährt. Damals nur, da hab ich keinen Raum in mir dafür gelassen, dass es auch anders ausgehen kann. Mama auch nicht. Naja, so ist das...
    Liebe Grüße auch an Dich!
    Flo
    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
    Ich werde das nie verstehen...

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    Hallo @Flo_

    Schön das du mir meinen gravierenden Fehler nicht krumm nimmst,danke.

    Ich weiß ja nun schon etwas mehr von dir, hattest du denn schon ein erstes Gespräch mit einem Therapeuten?
    Deine Mama war noch sehr jung als sie starb, nur ein paar Jahre älter als ich und du hattest erwähnt das du es noch nicht akzeptieren kannst das sie nicht mehr da ist.

    Es wird dauern bis der Moment kommt wo dir das ganze Ausmaß bewusst wird. Auch dann kommen die Tränen.
    Das deine Freunde von dir erwarten das du weiter machst als wäre nichts geschehen, für mich überhaupt nicht nachvollziehbar.

    Auf solche Freunde kannst du verzichten. Wie sieht es eigentlich in der Familie aus? Wirst du da unterstützt?

    Es ist alles noch sehr frisch bei dir, gerade erst zwei Monate, nimm dir Zeit zum trauern.

    Eins weiß ich aber ganz sicher, es kommt die Zeit wo nicht mehr alles dunkel ist und du überwiegend schöne Erinnerungen an deine Mama haben wirst.

    So war es bei mir. Seit dem ersten Sterbetag im letzten Jahr ging es Schritt für Schritt aufwärts, ich konnte meine Mama loslassen und akzeptieren das sie nicht mehr bei uns ist. Natürlich gibt es auch immer noch Momente wo sie mir arg fehlt und mir zum weinen ist, aber das ist ok.

    Sei ganz lieb gegrüßt mausi
    Meine Mama
    ED BSDK 05.02.2014
    28.07.1949 - 22.06.2014

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    - Jean Paul -
    Hallo Malou, danke für deine Worte. Ja, Krebs ist ein Arschloch... du sagst es.
    War es bei Dir auch so?
    Sei auch Du lieb gegrüsst.

    Hallo Mausi, kein Problem, mach Dir kein Kopf.
    Schön, dass es sich bei Dir in diese Richtung entwickelt hat und Du auch an die schönen Momente denken kannst. Ja, alles braucht Zeit.

    In Punkto Freunde, hab ich vor ein paar Tagen einen guten Denkanstoss bekommen und die Sache etwas überdacht. Ein wenig, auch wenn es trotzdem weh tut, kann ich das jetzt anders sehen.
    Über meine Familiensituation und die Therapie mag ich jetzt gerade hier nicht schreiben.

    Vorgestern, da war ich in der Lungenklinik, aber nicht im linken Gebäude, wo Mama verstarb, sondern im Rechten. Dort hab ich meine Oma besucht, bei welcher Schatten auf der Lunge entdeckt worden sind. Eine OP wird anstehen um genaueres sagen zu können. Es war kein leichter Gang dorthin. Ein paar Bahnstationen vorher durchlief mich Unruhe und Angst und Mamas Zustand in ihrer letzter Nacht, ist mir in den Körper gegangen. Also, ich bin dann wieder so drin, auch körperlich. Kann mich schwer abgrenzen (kaum Filter) und fühle vieles von anderen wie mein Eigenes, auch körperlich. Habs dann aber irgendwie doch hinbekommen, viel Verdrängung und Ausblendung. Ich hoffe so sehr, dass es nichts bösartiges bei Oma ist.

    Dass Mama nicht mehr hier auf der Welt ist kann ich akzeptieren, aber für mich ist sie irgendwo ausserhalb, wo es ihr gut geht. Alles verwandelt sich nur, nichts ist ganz weg. Was anderes kann ich nicht denken. Ich spüre sie noch ganz nah.

    Auch durch einen guten Denkanstoss, sind mir gestern einige Momente eingefallen, in denen Mama und ich gelacht haben, trotz all dem Schrecken. Hab diese Momente gleich für mich aufgeschrieben und mit nem lachendem und weinendem Auge dran gedacht.

    Viele Grüße an Dich Mausi
    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
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    Flo_ schrieb:

    Auch durch einen guten Denkanstoss


    Die gute ist auch hier zu finden die dir diesen Denkanstoß gegeben hat :)

    Das du über deine familiäre Situation nicht schreiben möchtest ist vollkommen ok und das respektiere ich auch voll und ganz.

    LG mausi
    Meine Mama
    ED BSDK 05.02.2014
    28.07.1949 - 22.06.2014

    Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

    - Jean Paul -
    Hallo Flo,
    vielleicht ist es unangemessen dir zu schreiben, da wir den Weg noch gehen (dürfen) . Mama bekam die ED 2004. Aber ich konnte deine oben geschriebenen Worte so gut nachvollziehen und du kannst die Gedanken und Gefühle so gut in Worte fassen. Mir fehlen oft die richtigen Worte um genau das auszudrücken was ich fühle.
    Ich drücke die Daumen für deine Oma
    es war bestimmt kein leichter weg für dich.
    liebr Grüße an dich!
    Hi Malou, danke, ich finde es nicht unangemessen. Wie geht es deiner Ma? Wünsche Euch viel Kraft und gute Momente!
    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
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    „Stop, halt! Mal kurz anhalten, aufhören!

    Da war diese unschöne, unsensible Mail- gestern. Wieder diese unentwegten Forderungen, wie
    man doch zu sein und zu funktionieren hat.
    Plötzlich diese Wut, erst auf diese Person und dann auf diesen verdammten Krebs.
    Da ist wieder dieses innere Rufen: „Stop, halt! Mal kurz anhalten, aufhören!“
    Aber es hört nicht auf. Du bist ja schon gegangen Mama...ich will dass nicht sehen, nicht
    fühlen. Es geht Dir doch gut oder? Wo bist Du denn jetzt??
    Ich hasse diesen Krebs...!
    In mir tobt mein inneres Kind und wehrt sich gewaltig dagegen- vergebens.
    Es geht Dir doch gut oder? Ich spüre Dich noch ganz nah.
    In der Karte, die Du mir zu Weihnachten geschenkt hast, da steht ja, dass Du immer bei mir
    sein wirst.
    Meine Mamutsch....

    Ausschnitt von heute

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    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
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    Ernies Geburt

    Gespräch: […]“Mit Mama weißt Du schon?“[…]“Sie hat eine Schwellung im Kopf.“[…]
    […]“Was, nein, nein, das schaffe ich nicht.“[…] – Tränen, Angst – Durchatmen –
    […]“Bleiben wir erstmal ruhig, manchmal bekommt man das auch von einem
    zu niedrigen Natriumspiegel, sie hat so lange Salz verweigert.”[…]
    […]”Oder aber es ist eine Nebenwirkung von den ganzen Tabletten“[…] –
    Beruhigungs-Fluchtversuche, während im Inneren die Wahrheit dunkel
    aufkeimt. Die Nacht ist dunkel. Da ist
    dieses haltlose Fallen gewesen, mit diesem großen Thema, das mit einer
    solchen Wucht auf einem einstürzte, dass ich in dieser Nacht in einer
    seltsamen Form gestorben bin.
    Am folgenden Tag fahre ich zu ihr ins Krankenhaus. All die Fahrten in
    den folgenden Tagen sind grau und schwer, von Unwirklichkeit durchzogen.
    In der Bahn werden mir die Beine seltsam schwer. Die Augen gehen mir,
    je näher ich dem Ziel bin, immer wieder zu. Immer wieder droht es mich
    wegzuziehen.
    Die Diagnose lautet: Hirnmetastasen, darunter eine etwas größere, die meine Mutter etwas später Ernie nennt….

    Ende August 2015

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    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
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    Ratsuche

    „Was glauben sie was ihre Aufgabe ist?“, sind es die Worte der Psychoonkologin.
    „Haben sie nicht damit gerechnet, dass so etwas passieren kann?“
    „Lassen Sie sich Zeit. Der Schock…es wird irgendwann anders sein.“
    „Ihre Trauerarbeit hat schon begonnen. Vor kurzem kam ein Buch heraus, in jenem der Autor, Angehöriger, über das Begleiten seiner Krebskranken Frau geschrieben hat.
    Bei manchen beginnt die Trauerarbeit sofort, damit man, wenn es soweit ist, dem Betroffenen beistehen kann. Sie machen dieselben Phasen durch wie ihre Mutter, nur dass sie immer schon einen Schritt voraus sind.“
    „Weniger ist mehr.“
    „Nehmen sie ruhig das Kissen und schmeißen es in die Ecke.“
    „Es gibt Frauen, die können mit Hirnmetastasen noch gut leben. Ich habe eine Patientin, die mich seid 2 Jahren aufsucht.“

    September 2015


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    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
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    Innenumgrabung


    Etwas gräbt in mir….gräbt und gräbt und gräbt, unaufhörlich-
    g-e-w-a-l-t-s-a-m!
    Gräbt es und gräbt es und gräbt es- alles in mir um.
    Die Welt, sie drehte sich einfach weiter. Ich trete aus der Drehtür
    des Helios Klinikums und erblicke zwei sich raufende, spielende kleine
    Jungen.
    Die Greifbarkeit, das Verstehen der Dinge, es schwand, war umnebelt von dieser Fassungslosigkeit.
    Und weiter gräbt es und gräbt es- gewaltsam, alles in mir um.
    Was kommt auf uns zu, wie kann ich mich darauf vorbereiten? Wie ist es gut mich zu verhalten? Was ist der Tod?
    Der Schock, er ist so groß, ich weiss darum, ich weiss, das meine Ma sterben wird.
    Sie selbst steht noch im Unwissen, doch ich muss still sein.
    Ein richtiger Moment soll abgepasst werden.
    Sie hat so große Angst. Sie glaubt Heilung sei möglich.
    Es gräbt und gräbt und nimmt mir die Nächte.
    Und doch in all der Angst und Überforderung, ergreifen meine Hände
    mit pochendem Herzen die Türklinke ihres Krankenzimmers und sobald diese
    aufschwingt, ist alles Chaos in mir verwirkt, ist da diese ruhige
    Ebene, die mich gut funktionieren lässt, die mich mit bedacht alles
    aufnehmen lässt, damit ich gut für sie da sein kann.

    September 2015

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    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
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    Herbst- Fallen der Blätter- Wandel- Sonnenschein

    “Wollen wir rausgehen?”
    “Ja warum eigentlich nicht.”
    “Dann besorge ich Dir einen Rollstuhl, nur für den Fall, dass Dir das Laufen zu anstrengend wird.”
    Gesagt getan. Nach kurzen Gehversuchen, entscheidet sie sich für das Sitzen im Rollstuhl. Zur Unterstützung ein Sauerstoffgerät.
    Langsam fahren wir durch das Gelände des Helios Klinikums.
    Nein, eher durch das Grün vom Gras und dem Rot und dem Gelb, der vom
    Wind geblähten Herbstblätter. Die Sonne, sie ist so gelb golden an
    diesem Tag und schimmert zwischen den Bäumen und den Blättern. “Was die
    Natur so alles macht.”, sagt sie.
    Achtsam nehmen wir die Natur in uns auf, nehmen sie wahr und bestaunen
    sie und wundern uns über die hektisch umhertreibenden Menschen, während
    es uns immer näher an die große Cafeteria des Hauptgebäudes heranführt.
    Ein Stück Kuchen will ich dort kaufen und schiebe meine Ma, denn sie
    will durch ihr schwaches Immunsystem nicht unter die vielen Menschen,
    direkt vor die verglaste Seitenfront der Cafeteria. Dort, so war mein
    erster Gedanke, kann sie mich dann sehen, kann sie sehen, wie lange es
    dauert.
    “Mensch *****, nicht hier direkt wo die mich alle sehen können. Wie
    sieht das denn aus, wenn ich da reingucke, denen direkt auf die Teller!”
    Es war ein witziger Moment. Wir haben beide gelacht.

    November 2015



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    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
    Ich werde das nie verstehen...

    Heraustreten aus der Form- mit dem Wind, der Sonne, dem Wasser verschmelzen. In all jenem die Freiheit finden.
    Liebe @Flo_

    Ich weiß wie schwer dir es gefallen sein muss diese Zeilen zu schreiben. Es ist der erste Schritt in Richtung Trauerverarbeitung.

    Mehr kann ich dir gerade nicht da lassen, ich schick dir mal eine virtuelle Umarmung. Was würde ich drum geben, wenn meine Tochter schon so weit wäre wie du jetzt.

    Sie hat den Tod ihrer geliebten Omi, meiner Mama, bis heute nicht verkraftet. Hat vor kurzem eine Therapie begonnen. Sie könnte in deinem Alter sein.

    Alles Liebe zu dir.
    Meine Mama
    ED BSDK 05.02.2014
    28.07.1949 - 22.06.2014

    Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

    - Jean Paul -
    Danke Mausi, das habe ich alles im Schockzustand, kurz nach Mamas Tod geschrieben, in einem Blog, den ich aber nicht weiterführen möchte. Hier bei Euch ists besser. Ich denke, ich steh noch ganz am Anfang, weil viel verdrängen muss, aber das ist ja ok, wie ihr alle gesagt habt. Sich Zeit lassen. Kann es nur ganz dosiert realisieren.
    Glaube, jeder ist anders, jeder trauert anders, kein richtig und falsch.
    Viel Kraft für deine Tochter und Dich.
    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
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    Heraustreten aus der Form- mit dem Wind, der Sonne, dem Wasser verschmelzen. In all jenem die Freiheit finden.
    Flo du machst alles richtig. Es sind erst zwei Monate das du sie hast gehen lassen müssen. Die Zeit heilt die Wunden irgendwann, aber was bleibt sind Narben


    Drück dich mausi
    Meine Mama
    ED BSDK 05.02.2014
    28.07.1949 - 22.06.2014

    Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

    - Jean Paul -
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    Heute war da ein Funke an bewusst werden, dass Mama nicht mehr wiederkommt...
    Innen tobte Schmerz- Tränen,
    außen, auf Arbeit, die lachenden Gesichter,
    und so vieles, so viele Kleinigkeiten, die an sie erinnerten.
    Als würde man plötzlich ein Stück aufwachen und sehen,
    auf einmal soll das Leben so einfach weitergehen? So ganz normal?
    Was?
    Komme nicht an, in dieser Normalität.
    Hab versucht mich abzulenken und finde mich dann im Bett liegend, umherstarrend wieder,
    Nein, so kann ich nicht leben- Gefühl,
    Das schaffe ich nicht- Gefühl,
    Mama ist tot - Bilder von ihrer letzten Nacht- Anflug von kurzer Panik- verdrängen verdrängen,
    und die Angst vor dem Alleinsein auf dieser Welt,
    also so ohne eine feste Bezugsperson, eine, so wie es Mama war...

    *(mir gehts wieder besser, nur mal rausschreiben)

    Ausschnitt von heute
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    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
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    Heraustreten aus der Form- mit dem Wind, der Sonne, dem Wasser verschmelzen. In all jenem die Freiheit finden.
    Heute war ich beim Arzt und erzählte ihm in Kurzfassung, was die letzte Zeit passiert ist.
    Da fragt er mich:"Was hat sie denn dazu bewogen, ihre Mutter so dicht zu begleiten?"
    Er meinte, ich könne mich doch entscheiden, wie weit ich gehe. Das wäre so passiv.
    Er könne auch nicht jeden der sich bei ihm anmeldet aufnehmen und die Tür aufhalten.
    Keine Ahnung, war mir zuviel, er redete und redete (freundlich) und ich sagte ihm dann, dass wenn man in so einer Situation ist (Ausnahmesituation), nicht mehr so entscheiden kann wie sonst auch, man überwiegend funktioniert. Ich meine, gehts noch? Es geht um meine Ma...
    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
    Ich werde das nie verstehen...

    Heraustreten aus der Form- mit dem Wind, der Sonne, dem Wasser verschmelzen. In all jenem die Freiheit finden.
    Würde es dir denn besser gehen wenn du deine Ma nicht so
    dicht begleitet hättest oder was wollte er damit fragen und sagen ? Ich zB weiß zwar auch dass ich ein verhältnismäßig (zu?)enges Verhältnis zu meiner Ma habe aber die Diagnose Krebs verändert alles und löst Gefühle in einem (aus Sicht der abgehörigen aus) die man weder steuern noch benennen kann...

    Flo_ schrieb:

    Da fragt er mich:"Was hat sie denn dazu bewogen, ihre Mutter so dicht zu begleiten?"


    Wie bitte? Das hat, ich nehme an du warst beim Therapeuten, nicht im Ernst gefragt?

    Was ist das denn für eine blöde Frage? Könnte mich gerade in Rage schreiben.
    Für mich wäre gar nichts anderes in Frage gekommen als sehr intensiv für meine Mama dazusein, weil ich sie über alles geliebt habe.


    Malou schrieb:

    Ich zB weiß zwar auch dass ich ein verhältnismäßig (zu?)enges Verhältnis zu meiner Ma habe


    Das Verhältnis zur Mama kann gar nicht zu eng sein. Es ist zwar heut zu Tage nicht selbstverständlich, aber in meinen Augen sollte es so sein.

    Natürlich stellt die Diagnose Krebs das ganze Leben auf den Kopf, aber gemeinsam geht man den Weg egal wie schwer er ist.

    @Malou ich würde mich immer noch freuen, wenn du dich traust was ich dir per pn geschrieben habe. :)

    LG mausi
    Meine Mama
    ED BSDK 05.02.2014
    28.07.1949 - 22.06.2014

    Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

    - Jean Paul -
    Joa Malou, keine Ahnung. Ich sass da, sowieso kaum aufnahmefähig und musste erstmal darüber nachdenken, was er mich da eben gefragt hat. Ich sagte ein Satz und bapp, bekam ne ganze "Analyse". Boah, anstrengend und mir viel zu dicht.
    Ich meine, ich verstehe den Sinn, aber auf so eine Sitaution gemünzt, wirkte es sehr lebensfremd, schematisch und irgendwie auch verletzend. So ist er ja freundlich.
    Sicher hat mich einiges auch sehr überfordert, aber das ist doch irgendwie auch normal. Ich meine, sie hatte keinen Schnupfen... Nee Mausi, war kein Psychologe. Er fragte ja dann, ob ich öfter kommen mag zum reden. Ich meinte dann "Nee, das is mir zuviel dann, muss ich ja alles doppelt erzählen."(1xdie Woche ja woanders Gespräch habe) *gg* Ja Mausi und ich bereue nichts davon, würds jederzeit wieder so machen...
    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
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    Meine Füße tragen mich über den Waldboden, während da die Sonne zwischen den Bäumen scheint, mein altes Hundchen hinter mir, vor mir- hertrabt und während meine Gedanken immer wieder zu Dir hinwandern. Wieviel ich hätte besser machen können, doch in solch einer Situation kann man keine Fehler machen, wie oft ich es gesagt bekomme und jetzt, da ein wenig Zeit zwischen liegt, ist es ein leichtes so zu denken. Wie sehr hoffe ich, dass Du, wie es so einige geschrieben, dass auch Du ein Gefühl von tiefem Frieden und Liebe gespürt hast- ganz am Ende.
    Dieses Gefühl versuche ich festzuhalten und immer Schritt für Schritt, in Bewegung- nicht liegen zu- bleiben.

    Heute

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    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
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    Paula langsam:)

    Ein Bild, welches meine Ma zur Erinnerung, dass sie alles langsamer machen dürfe, malte.

    Fotografiert von der Kunsttherapeutin Gunilla Göttlicher auf der Palliativstation

    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
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    Hallo Flo,

    zurück aus dem Urlaub möchte ich dich an dieser Stelle herzlich begrüßen. Mein tiefstes Mitgefühl für deinen Verlust. Ich wünsche dir einen guten und fruchtbaren Austausch in diesem Forum.

    Deine Beiträge in diesem Thread habe ich mit betroffenem Interesse gelesen. Mein Gedanke dazu, du kämpfst mit deiner Trauer und den schlimmen Erlebnissen davor. Du kämpfst für dich und deine Mutter. Das ist mehr als ein kleiner Schritt.

    Ich wünsche dir noch viele solcher Schritte zurück in ein Leben, das nicht mehr so sein wird, wie es mal war. Ein Leben, das auch wieder gut sein kann. Dass du das schaffst, was meine Töchter auch geschafft haben. 2008 ist meine Frau (und ihre Mutter) im Alter von 54 Jahren an Krebs gestorben. Auch viel zu früh. Sie denken noch oft an sie und sie ist ganz fest in ihren Herzen. Manchmal traurig, oft jedoch mit einem Lachen. Du schaffst das. Sicher.


    Liebe Grüße, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    Hallo Helmut, vielen lieben Dank für deine Worte.
    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
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    Erde und Asche


    Heute ist sie da, die Angst, die Angst vor diesem Gang. Heute
    Nacht, war ich wieder dort, in ihrer letzten Nacht, neben ihr
    liegend-sitzend, spürend. All die Zeit, ist es unwirklich, ist es so,
    als wenn nichts passiert ist.

    Als wäre meine Ma noch da oder als würde dies ja alles nicht zu mir gehören. Überhaupt ist so vieles nicht mehr Greifbar.

    Was tue ich hier? Was ist das hier auf der Erde?

    Heute Nacht war ich wieder dort…und der Wind, der stürmte laut und
    bedrohlich durch das Dunkel der Nacht, fast wie in jener Nacht.

    Heute muss ich ihn gehen, den letzten Weg, heute werde ich sehen, wie ihre Urne in die Erde eingelassen wird.

    Ich habe Angst und dann ist es wieder so, als wäre ja nichts….

    22 Februar, 2016

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    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
    Ich werde das nie verstehen...

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    Beitrag von „Flo_“ ()

    Dieser Beitrag wurde vom Autor gelöscht ().
    Meine liebe Mama, manchmal, da bist Du ganz weit weg und dann wieder nah.
    Manchmal bist Du so weit weg, dass ich mich kaum erinnern kann. Ich bin ein paarmal an deiner Wohnung mit der Bahn vorbeigefahren. Die ersten Male sass ich ihr mit dem Rücken zu. Konnte nicht hinsehen. Beim dritten Mal habe ich hingesehen, habe dein Haus gesehen, doch mein Inneres konnte deine Wohnung nicht erkennen. Es tut wahrscheinlich zu sehr weh.
    Die Tage waren ein wenig schwer, viele alte Angstzustände die aufbrachen und dann dieses wie abgeschnitten sein, wie ein Stein, der nur aus Geist besteht. Ein Geist, der nicht in alle Richtungen wie sonst sehen kann, etwas eingepfercht, zum Schutz.
    Ich will mich an die guten Momente, die wir trotz der dunklen Zeit hatten, erinnern. Ich will sie nicht verlieren.
    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
    Ich werde das nie verstehen...

    Heraustreten aus der Form- mit dem Wind, der Sonne, dem Wasser verschmelzen. In all jenem die Freiheit finden.
    Wie geht es einem Menschen, der weiss, dass er sterben wird?
    Wie oft habe ich mich in Dich hineinversetzt, war ich in Dir und habe gespürt.
    Manchmal, dein Blick so leer, der Kraft beraubt.
    Wie oft hätt ich Dich gern gefragt, wie es Dir geht, wie es Dir wirklich im Inneren geht und habe doch gespürt, dass diese Frage fehl am Platz ist, dass sie zuviel Gewicht hat, zuviel Schwere.
    Die Worte, sie waren dem Ende gegen viel zu schwer. Viel zu Schweres lag bereits in der Luft.
    Das Atmen, es fiel uns beide, wenn auch auf unterschiedliche Weise schwer.
    So war es manchmal besser ruhig zu sein, einfach bei Dir zu sein, neben Dir, zu spüren, aufzunehmen, die Zeit mit Dir zu verbringen.
    Wieviel der Krebs mit mir gemacht hat, wieviel er mir abverlangt hat... und doch steht es in keinem Vergleich zu dem, was er mit Dir gemacht hat...
    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
    Ich werde das nie verstehen...

    Heraustreten aus der Form- mit dem Wind, der Sonne, dem Wasser verschmelzen. In all jenem die Freiheit finden.
    Heute schaff ichs. Heut fahr ich das erste Mal seid der Beisetzung zu Mama auf den Friedhof. Nehme mein Hund mit, als Begleitung.
    Die Sonne scheint und vertreibt ein wenig die Angst davor. Kann schwer schlafen, die ganzen Bilder, von Mamas letzter Nacht, suchen mich immer wieder heim. Nehme sie dann gedanklich in den Arm oder versuch mich abzulenken.
    Einen schönen Tag für alle <3
    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
    Ich werde das nie verstehen...

    Heraustreten aus der Form- mit dem Wind, der Sonne, dem Wasser verschmelzen. In all jenem die Freiheit finden.
    Liebe @Flo_

    Einfach eine dicke Umarmung zu dir, ich weiß wie schwer der Weg zum Grab deiner Mama ist. <3

    Die schlimmen Bilder verblassen irgendwann, ich hatte sie auch ständig vor Augen.

    Liebe grüße mausi
    Meine Mama
    ED BSDK 05.02.2014
    28.07.1949 - 22.06.2014

    Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

    - Jean Paul -
    Hallo Flo,

    das wird sicher kein leichter Gang. Umso größer dein Mut und dein Hund ist dir bestimmr ein guter Begleiter.

    Ich selbst habe nur sehr wenig Bezug zum Grabstelle meiner Frau. Dort liegt ihr irdischer Körper, sonst nichts. Sie selbst habe ich in meinem Herzen. Da ist kein Grab, da ist ein Zimmer, in dem sie sich wohlfühlen kann, wie und wann sie es möchte. Es war für mich ein seltsamer Moment, als ich das erste Mal ihren Namen auf dem schlichten Holzkreuz gelesen habe. Fast ein Schock. Da erst habe ich ihren Tod realisiert.

    Flo_ schrieb:

    Ich will mich an die guten Momente, die wir trotz der dunklen Zeit hatten, erinnern. Ich will sie nicht verlieren.

    Das ist ein guter Vorsatz. Rufe ihn dir immer wieder in's Gedächtnis und du wirst sie nicht verlieren.


    Ich drücke dir die Daumen, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    Hallo Mausi, hallo Helmut, danke für Eure Worte <3
    Mama hatte einen schrecklichen langen Todeskampf Mausi. Aber nich weiter drüber reden mag.
    Der Tag gestern hat viel innen gemacht. Hab ihr am Grab einiges gesagt, viel geweint und war irgendwie danach wie im Schock. Helmut, dass ist schön mit dem Zimmer in deinem Inneren. Eine gute Idee.
    Den Bezug zum Grab hatte ich bisher auch nicht so. Finde es schwer. Ist so endgültig. Ihre Asche in der Urne, als wäre sie dort eingesperrt. Sie soll frei sein. Sie ist überall für mich. Seid gestern ist es so bewusst... tut viel weh...

    Mama, Freiheit...
    youtube.com/watch?v=L_jlvnGWSFA
    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
    Ich werde das nie verstehen...

    Heraustreten aus der Form- mit dem Wind, der Sonne, dem Wasser verschmelzen. In all jenem die Freiheit finden.
    Liebe @Flo_

    Ich hatte es nach deinen Schilderungen vermutet. Wenn du mal reden möchtest, ich höre dann gerne zu. Uns verbindet etwas.

    Alles Liebe zu dir mausi
    Meine Mama
    ED BSDK 05.02.2014
    28.07.1949 - 22.06.2014

    Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

    - Jean Paul -
    Danke Mausi, das weiss ich zu schätzen. Schon gut, dass es so ein Forum hier gibt. Fühlt man sich nicht ganz so allein.
    Alles Liebe auch für Dich.
    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
    Ich werde das nie verstehen...

    Heraustreten aus der Form- mit dem Wind, der Sonne, dem Wasser verschmelzen. In all jenem die Freiheit finden.
    Meine Ma

    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
    Ich werde das nie verstehen...

    Heraustreten aus der Form- mit dem Wind, der Sonne, dem Wasser verschmelzen. In all jenem die Freiheit finden.
    Die Nacht wieder Alpträume und kaum geschlafen. Hab den ganzen Tag bis jetzt gebraucht, um meinen Kopf wieder irgendwie hinzukriegen. Die Bilder wegzukriegen, mich halbwegs zu erholen.
    Gleich gehts zum Treffen mit'n paar Leuten. Wie so ein Cut. Das Springen von einer Welt in die Nächste. Einige kenne ich gut, andere weniger. Bin derzeit viel unter Menschen und hab mir das Nähen zum neuen Hobby gemacht. Lenkt doch etwas ab.
    Manchmal nur ist es komisch, so unter Menschen zu sein, zu lachen, als sei nichts. Also auch, dass nicht drüber reden. Irgendwie ist da in mir so eine Hemmung, als wäre es unpassend in manchen Kreisen es zu erwähnen, zu reden. Vielleicht sollte ich mir nicht so einen Kopf machen, was andere dann denken könnten, oder ob es ihnen zuviel sein könnte. Ich meine nichtmal, dass über Details reden, sondern dass bloße erwähnen, dass meine Ma gestorben ist, fällt schon schwer. Naja, mal sehen, einfach nach Situation halt reagieren...
    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
    Ich werde das nie verstehen...

    Heraustreten aus der Form- mit dem Wind, der Sonne, dem Wasser verschmelzen. In all jenem die Freiheit finden.
    Nein liebe Flo....du wirst die Bilder leider so schnell nicht loswerden, sie sind eingebrannt ins Gehirn. Noch heute, wenn ich nachts wach werde kommen die Bilder und ich versuche mich krampfhaft von ihnen zu befreien, aber sie wollen nicht weggehen.
    Deine Gedanken kommen mir alle so bekannt vor.......ja ich weiß wie es sich anfühlt zur Tagesodnung zu schreiten...zu tun als wäre nix, obwohl sich alles Denken pausenlos um das Unfassbare dreht. Ich musste darüber reden und habe es jedem erzählt, egal, ob er es hören wollte oder nicht. Dass mir dabei die Wimperntusche bis zum Mund lief war mir gleich, die Hauptsache ich konnte darüber reden. 4 Wochen nach Papa's Tod habe ich einem wildfremden Mann am Flughafen in Teneriffa beim Warten am Stand der Autovermietung von meinem Papa erzählt....es hat ihn sicher die Bohne interessiert....aber mir tat’s gut.

    Deine Mama war noch so jung.......ich wünsche dir alle Kraft der Welt

    mit ihren über alles geliebten Eltern für immer im Herzen

    Papa +15.10.12 (Prostatakrebs)
    Mama + 9.02.14 (Bauchspeicheldrüsenkrebs / Schlaganfall)
    Hallo Flo,

    ein eindrucksvolles Bild. Ein bisschen melancholisch. Ich finde es schön und passend.

    Was Reden in Freundesrunde betrifft, so kann ich sagen: wenn es richtige Freunde sind, dann hören sie zu. Wenn sie dann noch deine Mama kannten, so können sie bestimmt auch mitreden. Und warum sollte man nicht sagen dürfen, wenn es einem schlecht geht? Macht man nur auf fröhlich, so könnten andere einen falschen Eindruck gewinnen. Und wenn du bei passender Gelegenheit über deine Mama redest, so wirst du dich vielleicht wundern, wieviele andere auch vielleicht ähnliche Erfahrungen bereits machen mussten.

    Dein Leben hat sich gedreht. Nicht alle können das mitmachen. Was verständlich ist und man muss deswegen niemanden böse sein. Es ist nicht leicht und oft fast unmöglich einen auf cool zu machen, wenn einem nicht danach ist. Dein Leben hat sich gedreht und dein Umfeld wird das sicher auch. Es nutzt nichts, krampfhaft zu versuchen, das alte Leben zu leben. Das vergrößert die Probleme und weitere wachsen vielleicht nach.


    Hallo Christel,

    Chris_7819 schrieb:

    es hat ihn sicher die Bohne interessiert

    Da bin ich mir nicht so sicher. Bestimmt hat er eure kurze Begegnung schnell wieder vergessen, doch in dem Moment, da hat er zugehört, sich dir zugewand. Ich selbst habe gerade von fremden Zufallsbekanntschaften wertvolle Anmerkungen und Ideen bekommen. Sie sehen uns und unsere Geschichte mit völlig unvoreingenommenen Augen. Und wenn auch nur für den Moment.


    Liebe Grüße und eine gute Nacht, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    Hallo Chris und Helmut, danke Euch. @ Chris Finde ich gut, dass du es für dich so gemacht hast/ konntest. Bei Arbeitskollegen oder Bekannten, gelingt es mir nur sehr selten und wenn, dann erzähle ich es nur kurz und als würde es nicht zu mir gehören. Bei zwei meiner sehr guten Freunde, da kann ich etwas anders reden. Aber nur soweit, wie ich das Gefühl habe, sie nicht damit zu sehr zu belasten.
    Helmut, Du hast recht, das Leben hat sich gedreht, es ist auf jeden Fall anders und dass vorige Leben zu leben, möchte ich auch gar nicht. Es geht ja auch gar nicht.
    Die Zeit über habe ich alles mit mir alleine ausgemacht, mit keinem groß geredet darüber, was passiert, in Mama, mit Mama, in mir und mit mir.
    Manchmal gibt es auch keine Worte dafür, für dass, wie schwer ich es empfunden habe. Ich habe alle Kraft für Mama und mich gebraucht, so dass mir das reagieren auf alles weitere von außen, nicht leicht fiel. Zumindest in der ersten Hälfte der Zeit. Ich konnte nicht mehr auf fröhlich/ normal tun, habe mich zurückgezogen von jenen, die dies von mir erwartet haben. Da lösten sich viele Bekanntschaften. Naja, soweit.

    Wünsche Euch auch ganz viel Kraft und noch nen schönen Abend.
    Flo
    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
    Ich werde das nie verstehen...

    Heraustreten aus der Form- mit dem Wind, der Sonne, dem Wasser verschmelzen. In all jenem die Freiheit finden.
    Meine liebe Mama, lange konnte ich nicht weinen und nun, so ganz von selbst, laufen die Tränen.
    M. ist umgezogen. Wir reden wieder miteinander und geben uns Mühe. Morgen fahre ich wieder raus zu ihr, beim saubermachen der alten Wohnung helfen.
    Ich werde ein Auge auf sie und die Kleinen haben. Eigentlich ja wie immer, nur, dass nun ein kleiner gesunder Zugang ist. Die Grenzen wurden geklärt und ich arbeite weiterhin daran, mich in Gewissen Situationen abzugrenzen. Nur so kann ich ihr letztendlich helfen.
    So manches Mal hat Emmi von Dir geredet. Das Herz blutet mir jedesmal. Ich sage ihr dann, dass Du nun im Licht bist, dass es Dir dort gut geht und Du immer in Gedanken bei ihr bist.... Der Kleine versteht es ja noch nicht ganz so, aber deine Möbel in M. Wohnung, hat er wiedererkannt...
    Vorhin musste ich an diese bescheuerte riesengroße gelbe Brille denken, mit der ich 2014, nach deiner Brust-OP, in dein Zimmer kam und Euch ein wenig zum lachen bringen konnte. Zu dem Zeitpunkt, dachte ich, Du hättest es geschafft. An meinem Geburtstag, als Du die letzte Nachbestrahlung hattest, da habe ich jedem der mit mir ins Gespräch kam (auch der AOK Tante), euphorisch gesagt, dass Du heute gesund geworden bist.

    So manches Mal ist in meinem Kopf der Satz und das Gefühl: Ein bisschen noch leben, noch ein bisschen vom Leben mitnehmen und dann "nach Hause" gehen... Ein Gefühl von einem Kreislauf, der natürlich ist, der meinen Schmerz etwas relativiert... und der mich Dir verbunden fühlen lässt...
    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
    Ich werde das nie verstehen...

    Heraustreten aus der Form- mit dem Wind, der Sonne, dem Wasser verschmelzen. In all jenem die Freiheit finden.

    Flo_ schrieb:

    Ein bisschen noch leben, noch ein bisschen vom Leben mitnehmen und dann "nach Hause" gehen.... Ein Gefühl von einem Kreislauf, der natürlich ist, der meinen Schmerz etwas relativiert... und der mich Dir verbunden fühlen lässt...
    Guten Morgen Flo,

    ein schöner Gedanke. Ich finde, ein richtiger dazu. Ich sehe dieses "nach Hause" nicht als Ziel, sondern als Gegebenheit, als natürlich im wahrsten Sinne des Wortes. Der Weg dahin könnte durchaus mit vielen schönen Dingen gepflastert sein und er geht sicher auch nicht geradeaus.


    Liebe Grüße, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    ich finde den Gedanken auch schön,
    er nimmt die Angst vor dem Tod und den Druck.
    Als Selbst Erkrankte kam ich auch schon mal auf ähnliche Gedanken. Es ist zu Ende, wenn es zu Ende ist, aber bis dahin ist es möglichst schön.
    Was nützt es sich verrückt zu machen und die schönen Momente dadurch zu übersehen?
    ich schaffe das nicht immer aber komme irgendwann doch wieder zur ruhe, wenn es aufregend ist und zu diesen Gedanken zurück.
    Resi
    Hallo Helmut und Resi, ich freu mich, dass ihr an meinen Gedanken positiv teilhabt.

    Liebe Resi, ich wünsche Dir ganz viel Kraft, diese Ebene festhalten zu können und all die schönen Momente die sich bieten, mitzunehmen.
    Als Angehörige habe ich erlebt, wie schwer dies auch sein kann.
    In einer Karte die meine Ma mir zu Weihnachten schenkte steht unter anderem: "Die Stunde zu füllen, das ist Glück..." [...]
    Alles Gute für Dich!
    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
    Ich werde das nie verstehen...

    Heraustreten aus der Form- mit dem Wind, der Sonne, dem Wasser verschmelzen. In all jenem die Freiheit finden.
    Heut ist so ein Tag-Gefühl von: Ich verstehs nicht. Was? Mama ist Tod? Ich verstehe mein eigenes Leben nicht. Was ist das? Ab und zu kam der Gedanke, Tod sein ist wie schlafen ohne Traum.
    Es ist einfach unfair... Mama hat gerade angefangen zu leben. Sie war lange Zeit ihres Lebens unglücklich und hat mit Depressionen und Ängsten zu kämpfen gehabt. Es ist nicht fair. Sie wollte wenige Zeit vor ihrem Gehen, in eine Frauen WG ziehen, damit sie nicht mehr allein ist. In der Klinik, in die sie aufgenommen wurde, wegen der schweren Depression und Angstzustände, da ist sie aufgeblüht. Die Menschen haben ihr gut getan und sie hat es wieder geschafft aufzustehen und an Aktivitäten teilzunehmen... Sie war irgendwie dann ganz weich in ihrem Auftreten...Sie hat liebe Freundschaften geschlossen. Freundschaften, die vorher nicht da waren...

    Ich weiß, dass meine Worte infantil wirken. Es ist ja immer unfair wenn jemand schwer erkrankt usw... Aber es ist meine Mama...
    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
    Ich werde das nie verstehen...

    Heraustreten aus der Form- mit dem Wind, der Sonne, dem Wasser verschmelzen. In all jenem die Freiheit finden.
    Liebe @Flo_

    Es ist immer unfair, wenn ein lieber Mensch stirbt, egal wie alt er ist.

    Seit wenigen Stunden weiß ich, das in meiner Familie der nächste traurige Abschied bevor steht.

    Deine Mama wurde mitten aus ihrem neu gewonnenen Leben gerissen, das macht es für dich um einiges schwerer.

    Ich bin mir sicher du wirst deinen Weg gehen mit deiner Mama im Herzen.

    Liebe grüße mausi
    Meine Mama
    ED BSDK 05.02.2014
    28.07.1949 - 22.06.2014

    Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

    - Jean Paul -
    Hallo Flo,

    deine Gedanken sind nicht infantil. Sie sind absolut normal. Es sind die gleichen Fragen, die sich schon viele gestellt haben und sicher noch viele stellen werden. Du hast deine Mutter verloren. Es wäre verwunderlich, stelltest du dir diese Fragen nicht. Auf viele wirst du eine Antwort finden. Manche nur für dich gültig. Auf einige gibt es keine Antwort. Für viele beginnt da der Glauben. Auch damit wirst du zu leben lernen.

    Allerdings, das Leben ist weder fair noch unfair. Das Leben ist. Unser Einfluss auf das Leben hält sich in Grenzen.


    Liebe Grüße, Helmut
    Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
    Hallo Mausi, das tut mir sehr leid.
    Weisst Du, was ich bei Dir oft rauslese ist, dass du eine Familie hast, die auch Dich stützen kann.
    Ich wünsche Euch auf jeden Fall viel Kraft!
    Meinen Weg werde ich gehen, den bin ich schon immer gegangen.
    Es gibt halt solche und solche Tage, das ist normal.

    Hallo Helmut, ... das Leben ist.
    Irgendwie geht es sehr oft darum loszulassen. Also dies zu lernen. Damit meine ich nicht nur Abschiede zu nehmen. Loslassen hat auch was positives- in Beziehungen zum Beispiel. Jemanden loslassen ist für mich eher Liebe, als festhalten. Das Festhalten hat was egoistisches, dass wir ja für uns tun. Lasse ich jemanden los (nicht im Sinne von Trennung- Abschied), gestehe ich ihm sein eigenes Leben zu.
    Dann ist da noch das Loslassen von inneren Einstellungen. zB. zu erkennen, was ist einem persönlich wirklich wichtig im Leben. Brauche ich all den materiellen Überfluss, in dem wir derzeit leben? Oder erfreut es eher die Welt mit den Sinnen zu erleben? (Natur erfahren, Menschen kennenlernen- von ihnen lernen ect...)
    Ohne Loslassen keine Bewegung, keine Entwicklung möglich.
    Weites Thema...

    Während Mamas Krankheitszeit hab ich mich viel mit der Frage beschäftigt, was das hier alles ist.
    Die Frage nach Gott oder eher was ist Gott, tauchte damit zwangsläufig auch auf. Immerhin ist es ja ein Erklärungsmodell, welches großen Einfluss hatte. Habe mir die Sache aus naturwissenschaftlicher- philosophischer und theologischer Sicht angesehen und für mich einige vage Ansichtmöglichkeiten gefunden.

    So, gleich gehts zum Treffen mit einem guten Freund- mit den Hunden stundenlang wandern gehen.
    Habt einen guten Tag.
    Flo
    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
    Ich werde das nie verstehen...

    Heraustreten aus der Form- mit dem Wind, der Sonne, dem Wasser verschmelzen. In all jenem die Freiheit finden.

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    _____________________________

    Früh morgens. Sms Eingang. Mamas befindet sich in keinem guten Zustand. Ich schrecke aus dem Bett und mache mich eilends fertig. Schnappe mir mein Fahrrad und fahre zum Bahnhof. Starker Wind.
    Aufgewühltheit. Mama halte durch- Gedanken. Neben mir stehen eine Frau und zwei Kinder während der Fahrt, es ist sehr eng.
    Nach 1.1/2 Stunden bin ich bei ihr. Mama ist schon weit weg. Der Rasselatem ist da. Ich spüre, dass es heute passieren kann. Einen Katheter hat man ihr legen müssen. Der Wind pfeift lautstark zwischen den Fenster- und Türritzen.
    Ich setze mich zu Mama. Sie spricht manchmal, einzelne Wörter. Sie fantasiert. Ich rede ihr zu, versuche ihr schöne Bilder in den Kopf zu zeichnen. Ich sage zu ihr, dass die Sonne scheint, das es ganz angenehm ist. Einen kurzen Moment darauf sage ich: "Weisst Du noch als wir beim Ikea waren?" (ein lustiges Erlebnis hatten wir dort)
    Ihre Augen sind geschlossen.
    Sie schmunzelt.... (Ein so wertvoller Moment)
    Dann wird es ein wenig unruhig. Oma ist auch da, sie versteht mein Vorhaben nicht und sagt, dass esheute früh sehr kalt war. Sie ist sehr aufgeregt.
    Tränen laufen uns über die Wangen...
    ...und da sagt Mama plötzlich ganz bestimmt und mit Nachdruck: "Nicht weinen!"
    "Nein..." beteuern wir ihr und sagen, dass alles gut ist.
    Ich sitze neben Mama, halte ihre Hand und male nebenher ein Bild mit einer Sonne, dessen Strahlen die Worte: Frieden, Liebe, Frühling, Liebe, Ruhe usw...einfassen.
    (Mama hat das Bild nicht mehr sehen können)
    Mama äußert, dass sie Durst hat und ich gehe 2x in die Cafeteria um ihr Fanta und Cola zu holen. Nie hat sie Fanta und Cola getrunken. Dieser Durst, davon habe ich gelesen...dass Menschen in der letzten Endphase durstig sind.
    Ich hole mir eine Ingwer-Möhren-Suppe. Ich muss den Blutzucker oben halten, muss essen um da sein zu können.
    Dann kommt mir in den Sinn, die Krankenschwestern nach einem Bett zu fragen, welches sie mir in Mamas Zimmer stellen.
    Es wird organisiert. Oma ist plötzlich ganz still. Unterwegs treffe ich die Oberärztin und frage sie, ob Mama die Nacht noch schaffen kann? Sie sagt, dass sie dass nicht sagen kann. Ich weine und sie fasst mich befremdlich an den Arm und sagt mit einer Stimme, wie als sei meine Reaktion ungewöhnlich, dass ihr dies aber nun leid tue. Ich wende mich ab. Oma ist plötzlich ganz still. Ist sie sauer? Ich versuche vorsichtig zu ergründen, was mit ihr ist. Sie sagt, dass sie dann morgen nacht bei Mama bleibt, sie muss heute Nacht nach Hause, wegen ihrer Tabletten. Ich sage ihr, dass dies völlig okay ist. Dass es meine Sache ist, ich habe ja das Bett bestellt.
    Ich rufe meine Freundin an und sage ihr kurz, wie es um Mama steht und frage, ob sie mein Hund die Nacht nehmen würde. Sie bejaht dies und erzählt mir, dass sie bei Saturn war, sich ihren ersehnten Kühlschrank gekauft hat. Ich kann nicht drauf eingehen und sage, dass ich jetzt losfahre.
    Ich muss zuvor noch in Mamas Wohnung.
    Ich ziehe mich also an und sage leise zu Mama unser: "Bis später".
    Da fragt sie mit geschlossenen Augen etwas entsetzt: "Wo gehst Du hin?"
    "Ich erledige nur kurz etwas, bin gleich wieder da." Sie wird ruhig. Oma ist bei ihr.
    Gegen den Wind, vom Adrenalin und der Angst gepeitscht, fahre ich mit dem Rad zu Mamas Wohnung um dort wichtige Unterlagen rauszuholen.
    Ich habe Angst...
    Dann geht es mit der Bahn wieder 1.1/2 Stunden zu mir nach Hause, meinen Hund fertig machen, Jenny aufschreiben, was er essen tut und wann er raus muss.
    Dann fahre ich wieder 1.1/2 Stunden zurück zu Mama ins Krankenhaus.
    Oma ist noch bei ihr und Mama ist noch weiter weg. Als ich mir die Jacke ausziehe sagt sie: "Jetzt kratzt der sich wa..." Sie denkt mein Hund kratzt sich.
    Oma sagt ihr, dass an dem nicht sei, dass ich mich nur ausgezogen habe.
    Dann teilt Oma mir mit, dass meine Schwester in der Rettungsstelle liegt. Ihre Erkälrtung und das Fieber sei wohl so doll.
    Ich begreife erst gar nicht und lege mich erschöpft auf das gebrachte Bett, neben Mama. Ich weiss irgendwie, dass Mama heute nacht gehen wird.
    Erst als Oma fragt, ob ich nicht mal nach M. schauen will, wirds mir bewusst. Ich nehme die Beine in die Hand und laufe eilig zur Rettungsstelle. Nach kurzem Prozedere und meinem Erklären, dass meine Mama in der Lungenklinik gerade im Sterbeprozess ist, lassen sie mich schneller zu meiner Schwester ins Zimmer durch.
    Sie ist am Tropf. Hatte sehr starkes Kopfweh. Kein Fieber. Mit Antibiotika soll sie dann entlassen werden. Ich besorge ihr etwas zu essen und wir reden. Versuche ihr mitzuteilen, dass es sein kann, dass Mama heute geht. M hatte ihr eine SMS geschrieben und ich sage ihr, dass sie diese nicht mehr lesen kann...
    Ich habe Angst.
    Meine Schwester entscheidet sich, nochmal bei Mama vorbeizuschauen.
    Sie setzt sich neben ihr ans Bett. Nach einem Moment öffnet Mama kurz die Augen und schreckt auf. "Wer sitzt denn da vor mir?"
    "Ich bins Mama...M."
    "Ach M..", sagt Mama und beruhigt sich.
    "Nehmt Euch was zu trinken Mädels.", sagt sie wieder mit geschlossenen Augen.
    (Am Tage zuvor konnte sie gar nicht mehr sprechen. Die Luftnot und die Schmerzen.)
    Wie sie in diesem Zustand noch an uns so gedacht hat....
    Oma ist bereits gegangen. Bei ihrem Abschied sagte sie zu Mama, dass ich bei ihr bin, dass sie nicht allein sei. "J. schläft heute bei Dir."
    "In meinem Zimmer?", fragt Mama.
    "Ja, Du bist nicht allein."
    Es ist ca. 20 Uhr.
    Meine Schwester ringt mit sich, ob sie bleiben soll. Mama gleitet wieder weiter weg. Der Rasselatem ist bereits sehr laut und das Mund-Nasendreieck ist da.
    Sie fantasiert.
    Meine Schwester ringt noch mit sich. Zuhause ihr Freund und die Kinder. Dann ihr Kopfweh. Ich sage ihr, dass sie ruhig gehen kann.
    Ich liege auf dem gebrachten Bett und atme kurz durch.
    Mama hält krampfhaft an ihrem Trinkbecher fest, der immer wieder droht umzukippen. Nach einigen versuchen, können wir ihn ihr entnehmen und geben ihr dafür den kleinen Teddy in die Hand.
    Den Schweiß, wische ich ihr ab und und zu von der Stirn und dem Gesicht.
    Meine Schwester entscheidet sich zu gehen.
    An der Tür sagt sie: "Heute ist noch nicht der Tag, heute nacht wird Mama noch nicht gehen."
    Es ist ca. 21.15 Uhr. Draussen ist es dunkel und der Wind pfeift lautstark.
    Eine Krankenschwester kommt ins Zimmer. Ich bitte sie mit mir vor der Tür zu reden. Mama hört trotz allem jedes Wort.
    Ich frage sie, was geschehen kann, auf was ich mich vorbereiten muss. Am Tag zuvor sprach ich mit dem Psychoonkologen und fragte ganz direkt, ob Mama ersticken wird. Er sagte mir, dass sie das Morphium immer höher fahren, damit die Muskulatur entspannt bleibt. So würde der Patient nicht merken, dass er immer weniger Luft bekommt. Die Krankenschwester sagte mir ähnliches. Sie würde dann irgendwann einschlafen...
    Ich gehe noch schnell in den Aufenthaltsraum und nehme mir ein Buch mit.
    Die kleine Lampe, mit dem warmen Licht mache ich an. Meine Schwester schickt mir eine SMS.
    Sie schreibt, ich solle mich versuchen zu entspannen, ich solle Mama noch die Chance geben, die Nacht zu schaffen ect.. (Ein paar Tage später, hat sie sich dafür entschuldigt)
    Die Zeilen im Buch dringen nicht zu mir durch. Ich versuche mich zu entspannen und zu lesen.
    Da ist Mama für einen kurzen Moment wieder da und fragt wo ich war. Ich sage ihr, dass ich mir ein Buch geholt habe.
    Ein kurzer Moment Stille.
    "Aus der Bibliothek?"
    "Ja.", sage ich erstaunt. Ich weiss ja, dass sie den Aufenthaltsraum meint.
    Die Schwester hat mir Abendbrot auf dem Tisch dagelassen. Ich kann nichts essen.
    Ich bin erschöpft, versuche mich zu entspannen und Ruhe auszustrahlen.
    "Ich bin da, Du bist nicht allein Mama."

    02.02.2016
    _________________________________________________________
    Mama: 08.11.63 - 03.02.16
    ( 2014 Brustkrebs, 2015 Bronchialkrebs mit Metastasen in Kopf, Leber, Knochen)
    Ich werde das nie verstehen...

    Heraustreten aus der Form- mit dem Wind, der Sonne, dem Wasser verschmelzen. In all jenem die Freiheit finden.

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