Anni73: Mutter an BSDK verloren

  • Hallo,


    ich bin im letzten Jahr unangemeldet immer mal wieder hier gewesen und habe bei euch (im entsprechenden Unterforum) mitgelesen. Allerdings war ich damals nicht in der Lage mich irgendwie zu äußern......


    Meine über alles geliebte Mama bekam Anfang letzten Jahres mit Mitte 60 die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Zu dem Zeitpunkt hatte sich der Krebs bereits weit ausgebreitet, zwei Chemos wurden versucht, nach der Ersten musste sie notoperiert werden und lag auf der Intensivstation, die Zweite wurde abgebrochen. Sie starb vier Monate später. Ich war jeden Tag bei ihr und habe sie zeitweise auch zu Hause gepflegt bis ein Platz im Hospiz frei wurde,den Antrag dafür hat sie noch selber gestellt, wofür ich ihr dankbar bin. Ich hätte es nicht gekonnt und sie zu Hause behalten. Mein Vater starb vor einige Jahren mit Mitte 50 an einer Bauchspeicheldrüsenentzündung. Um meine Mama zu unterstützen haben wir unser Haus verkauft und sie zu ihr gezogen. Erst in ihr Haus, dann in unser neu gebautes. So haben wir uns jeden Tag gesehen, viel miteinander unternommen, sind zusammen mit meiner Familie in den Urlaub gefahren und haben nach ihrem Renteneintritt jeden Morgen zusammen gefrühstückt und sind mit den Hunden gegangen. Jetzt bin ich allein, ich habe keine Geschwister und auch keine Großeltern mehr. Ich habe meinen Mann und meine Kinder, aber das ist nicht dasselbe. Das erste Jahr nach ihrem Tod habe ich wie in einer Watteschicht erlebt, immer wieder geträumt, das sie wieder da ist und das alles nur ein Irrtum war und ich alles, was ich nach ihrem Tod klären musste, wieder rückgängig machen müsste. An ihrem 1. Todestag kam der Zusammenbruch, ich habe ihn vor meiner Familie geheim gehalten. Meine Teenietochter ist in den ersten Jahren aufgrund unserer Nähe mit und bei ihrer Oma groß geworden, die beiden sind zusammen viel gereist, meine Mutter hat ihr schöne Erlebnisse und Erfahrungen bereitet. Jetzt hat sie seit einem Jahr Probleme (an der Diagnostik arbeiten wir noch) und kann häufig nicht zur Schule gehen. Dadurch, dass beide Eltern bei mir am selben Organ erkrankt und verstorben sind, hat sie Angst um mich. Ich möchte sie nicht noch spüren lassen, wie leer ich bin. Das Haus meiner Eltern steht neben unserem, noch so, wie meine Mama darin gelebt hat. Danke, wer bis hierher gelesen hat, ich habe lange mit mir gerungen, ob ich meine Geschichte veröffentliche.

  • Hallo @Anni73 ,


    auch im Namen von @Helmut , dem zuständigen Moderator für das Hinterbliebenenforum, möchte ich Dich sehr herzlich im Krebs-Infozentrum begrüßen, auch wenn der Anlaß Deiner Registrierung bei uns ein sehr trauriger ist.


    Ich bin mir sicher, daß sich UserInnen hier bei Dir zu Wort melden, die Deinen Kummer und Deinen Schmerz verstehen können und Dir somit auch ein wenig Trost spenden. Auf jeden Fall wünsche ich Dir einen Austausch, der Dich ein wenig entlastet, weil Du verstanden wirst.


    Viele Grüße
    Anhe

  • Liebe Anni!


    Es tut mir sehr leid, dass du bereits beide Elternteile verlieren musstest...
    Vielleicht hast du meinen Thread auch mal gesehen, ich habe vor 5 Wochen auch meine Mama mit Mitte 60 an BSDK verloren.
    Auch wir haben nah beieinander gewohnt, daher hab ich auch alles hautnah miterlebt, von der Diagnose bis zu ihrem Tod.
    Meine 2 Kinder sind noch kleiner, daher haben sie glaube ich noch keine Angst, dass ich das gleiche wie ihre Oma bekommen könnte.


    Was soll ich sagen, um dich zu trösten...mir fällt nichts ein, den Verlust wird man wohl nie komplett überwinden.
    Aber natürlich wäre es gut, wenn du diese Leere irgendwie überwinden könntest...kannst du mit Freunden sprechen? Oder eine Trauergruppe?


    Ich bin noch am Anfang, daher kann ich nicht so wirklich mitreden....


    Aber ich wünsche dir alles gute!


    Ninjetta

  • Hallo Anni,


    ein herzliches Willkommen auch von meiner Seite. Ich bin mir sicher, dass du hier, in diesem Teil des Krebs-Infozentrum, die Unterstützung und das Verständnis für deine Trauer, deine Sorgen und Nöte finden wirst.


    Du hast deine Geschichte ausführlich beschrieben. Es ist schlimm, was du erleben musstest und immer noch musst. Du hast mein tiefes Mitgefühl. Schreibe dir von der Seele, was dich bedrückt. Manchmal hilft bereits das.



    Liebe Grüße, Helmut

  • Hallo @Anni73,


    herzlich willkommen hier im KIZ.
    Es tut mir leid das auch Du deine Mama an dieser Sch... Krankheit verloren hast.


    Meine Mama ist inzwischen 19Monate und 1Tag nicht mehr da. Es gibt gute aber auch immer wieder schlechte Tage.


    Du schreibst das Du deinen Zusammenbruch deiner Familie verheimlicht hast, wahrscheinlich wegen deiner Tochter. umso mehr hoffe ich das wir Dir wenigstens eine kleine Stütze sein können oder auch dürfen.


    Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass hier ganz viele tolle Menschen sind, die ein offenes Ohr haben und einem auch helfen die Sicht auf gewisse Dinge vielleicht zu ändern oder zumindest auch mal von der anderen Seite zu betrachten.


    Deine Mama können wir dir nicht wieder bringen, aber wir können Dich auf deinem schweren Weg begleiten. Natürlich nur soweit wie Du das möchtest.


    Alles Gute für Dich.
    Babs

  • Auch ein Hallo von mir,
    schreib einfach, wann immer du möchtest.
    Ich kann nur für mich sprechen, aber mir hilft das schreiben und sei es nur wie der Tag war.
    Auch ich hab genau heute vor 8 Wochen meinen Papa mit 55 verloren, wir wohnten im gleichen Haus etc.
    Ich glaube wir können das sehr gut nachvollziehen. Wenn es dir hilft ist es gut. Falls nicht musst du dich zu nichts verpflichtet fühlen ;)
    Alles Gute

  • Liebe @Anni73,
    Herzlich Willkommen hier im Forum auch wenn der Anlass dazu kein schöner ist. Ich kann gut nachvollziehen wie Du Dich fühlst, ich habe im November 16 meine Mama an BSDK verloren, 5 Monate später meinen Vater an die Folgen von Blasenkrebs. Die von Dir beschriebene Wattewolke kenne ich auch; ich habe das mal als Blase beschrieben. Meine Eltern und wir lebten gemeinsam in einem Haus, die beiden im EG, mein Mann und ich im Obergeschoss. Inzwischen haben wir das gesamte Haus belagert, manches ist noch so wie es war, aber ganz allmählich schleichen sich Veränderungen ein, diese tun auch nicht mehr so weh. Es kommen immer noch traurige Momente aber inzwischen sind sie ein wenig besser auszuhalten.
    Ich wünsche Dir einen hilfreichen Austausch
    Bella

  • Mein herzliches Beileid zu Deinem großen Verlust, liebe Anni.


    Ganz viel Kraft für Dich!


    <3Angie

    <3Alles was du erlebst ist nicht umsonst, denn alles führt dich dahin woher du kommst...<3

  • Hallo,


    ich habe in der Zeit als meine Mutter mit 73 Jahren bereits im Sterben lag, immer mal wieder hier mitgelesen. Ich habe besonders viel über die Behandlung von Lebermetastasen gesucht, weil dies im Ortskrankenhaus in dem Mama lag, unbekannt war...


    Meine Mutter, die vor 6 Wochen, dann sehr plötzlich im Krankenhaus verstarb, hatte metastasierten Brustkrebs, Mammakarzinon rechts. Die Findung ihrer Schmerzen im 1. Quartal 2017 über Hausarzt und CT in der Notfallaufnahme im Ortskrankenhaus war die Hölle. Keiner war fähig und konnte das CT lesen! Es hieß im Krankenhaus: Verknöcherungen der Wirbelsäule, kann man nix machen. Meine Mama hatte Höllenschmerzen im Rücken, war abgemagert und nichts ging mehr, sie lag nur noch da. Sie hatte Knochenmetastasen, die bei der Bestrahlung im Stadtkrankenhaus im Mai 2017 erfolgreich verschwanden. Das fand erst der Orthopäde, Wochen später heraus! Der Brustkrebs konnte schön streuen über den Lymphknoten ins Blut. Durch die verursachten Nervenschaeden im Skelett (Brust, Rücken) bekam sie dauerhaft Morphin Tabletten. Auch hatte sie zerbrechliche Knochen im oberen Halswirbelbereich davon, sie waren als abgelöst, zerbröselt teilweise auf den CT’s zu sehen. Ein Buckel war das Ergebnis.

    Alle 3 Monate sollte sie in einer Radiologischen Praxis zur Kontrolle mit CT Abdomen, Thorax und Knochensintigramm. Sie bekam die Knochenspritze Xgeva monatlich. Antihormone und Exemestan. Ich war mit ihr immer in ambulanter Behandlung mit Blutbildkontrolle im örtlichen Krankenhaus. Im Nachhinein auch keine gute Entscheidung. Da dort kein Onkologe ihre Blutwerte kontrollierte, sondern eine Stations-/oder Assistenzärztin. Sie bekam, die neue Ibrance Chemo-Tablette für 14 Zyklen. Anfangs fast 1 Jahr die 125 mg, dann weil es ihr „immer so schlecht war“, die 100 mg und weil es ihr noch schlechter wurde, 75 mg Ibrance zum Schluss. Auf Nachfrage bei den Ärzten kam nur die Schlecht-Tablette, sie soll die Schlecht-Tropfen nehmen. Ibrance wirkt laut Pharma gleich, egal welche Dosis im mg, teilte man uns im Krankenhaus mit. Stimmt das wirklich so? Ich kann nur als Laie sagen, die Lebermetastasen konnte diese neue Tablette nicht verhindern. Ob sie ihre Funktion bei metastasiertem BK sonst erfüllt, kann ich ebenso nicht sagen.

    Leider haben wir nach dem letzten CT im Februar 2018, auf dem alles ok und unverändert war, das nächste CT Anfang Juni 2018 von uns aus nicht gemacht, weil es ihr nicht gut war. Sie hatte noch Nierenstadium 3 und jedesmal Durchfall nach dem Kontrastmittel. Ansonsten war meine Mama eine sehr tapfere und starke Frau. Sie hat NIE gejammert - bis zum Schluss. Hätte sie sich doch mehr mitgeteilt! Ich habe gemerkt, dass es etwas nicht stimmt seit ca. Anfang Mai 2018, aber ich kam nicht drauf. Das Blutbild war nicht mehr so gut, aber wohl OK !?? Erst als sie im August 2 Wochen im Krankenhaus lag, ohne CT bis dato, da ihr Blutbild im August 2018 plötzlich SEHR schlecht war, es gäbe eine Entzündung, sie schon gelblich aussah, gewölbter Bauch, sie nichts mehr schlucken und essen konnte, immer gewürgt hat und ich sie auf privat umgestellt habe, kam das Schock-Ergebnis: Lebermetastasen! Wir hätten nicht gedacht, dass die Lebermetastasen so schnell wachsen! Wie schnell kommen diese, gibt es hier konkrete Ergebnisse? Das würde mich so sehr interessieren.

    Nach 3 Tumorboard Konferenzen und Vorschlägen mit Antihormome und neuer Krebstablette, anstatt Ibrance, wurde nicht mehr umgesetzt und man ließ meine Mama versterben, nach 4 Wochen im Krankenhaus. Sie hatte eine Qual..... Ich kann es immer noch glauben. Es war der Horror! Wir vermissen sie so sehr ♥️. Diese Bilder gehen einem nicht mehr aus dem Kopf. Hilflosigkeit und totale Trauer, Schock bleiben.


    Leider habe ich zu spät hier gelesen, es hätte meiner Mutter wohl enorm geholfen, wenn ich mich hier für sie informiert und ausgetauscht hätte. Wir haben soviel nicht gewusst.... Wir und die Ärzte, haben immer nur auf den Rücken geschaut, ob die Knochenmetastasem zurückkommen. Mit Lebermetastasen haben wir dummerweise nicht gerechnet. Waren null aufgeklärt darüber! Meine Mutter hatte noch nicht mal einen Onkologen. Ihr Hausarzt hat auch nichts gemerkt, er hat noch nicht mal einen Organ-Ultraschall gemacht. Das sollte doch Standard sein, 1 x Monat, bei metastasiertem Krebs ? Sieht man die Leberwerte bei der monatlichen Blutbildkontrolle gar nicht ? Jetzt im Nachhinein bin ich so schockiert, wie alles abgelaufen ist 😔. Wir haben alles für sie getan und doch war alles nicht gut genug ?? Sonst würde sie noch leben. Meine Mama wollte nicht sterben, war bis 1 Woche vor ihrem Tod noch voll da und dann ein Pflegefall, weil nichts mehr unternommen wurde... Ich komme damit sehr schwer klar. Die ganze Unwissenheit, aber das wiegen in Sicherheit im Krankenhaus und die vielen Versäumnisse kommen zusammen.


    Ich kann jedem nur raten, sich in ein Krebs-erfahrendes Krankenhaus zur Behandlung zu begeben. Nicht in das nächste! Immer alles zu hinterfragen, keine Untersuchung auszulassen, die Blutwerte immer genau zu kennen, einen guten Hausarzt mit offenem Ohr usw. zu haben. Bei metastasierten Krebs jeden Monat, auch besonders bei Anzeichen (Dauerschlecht, starkes, nächtliches Schwitzen, kein Appetit, würgen beim Essen, schweres Atmen, aufgeblähter Bauch, etc.) sofort einen Organultraschall zu machen! Dies waren die Anzeichen für Lebermetastasen und wir haben es nicht gewusst. Und heute würde ich mich selbst informieren, hier auf dieser Seite mit Betroffenen. Und so früh wie möglich eine private Zusatzversicherung für die Klinik abschließen. Der Unterschied gerade im Alter und sehr krank, ist enorm, leider! Im Laufe der Krebserkrankung meiner Mutter (1 Jahr und 9 Monate) musste ich sie für 3 Krankenhausaufenthalte auch 3 x auf privat umstellen. Vorher wurde sie nur liegengelassen, im Vielbettzimmer, einen Arzt sahen wir kaum. Eine Schande, ja, ich musste die Ärzte immer aufsuchen, ihnen nachrennen. Sehr krank und hilflos. Das waren unsere traurigen Erfahrungen.


    Wieso bekommt der Krebs noch immer soviele Chancen? Warum bekommen Betroffene und deren Familie noch immer keine umfassende Aufklärung und kein simples Faltblatt über Krebs übergeben ? Damit wäre doch schon soviel geholfen, das Krebsgrundwissen wäre vorhanden!! Man wüsste ca. was alles auftauchen kann.


    Ihr seid alle ebenso tapfer und ich drücke jedem ganz, ganz fest die Daumen und fühle mit euch!


    Von Herzen alles Liebe,

    Rainbow 🌈