Papa ist nun fort, wo bist du nur..

  • Hallo ihr Lieben,


    Ich stelle mir kurz vor.

    Mein Name ist Sarah, 27 Jahre alt, Mutter eines kleinen Sohnes und ich komme aus dem Forum Bauchspeicheldrüsenkrebs.


    Mein lieber Papa ist nach 6 Monaten Kampf, am 12.11.18 von uns gegangen.

    Ja, für mich hat er den Kampf nun gewonnen. Dieser blöde Krebs hat endlich keine Chance mehr, Papas Körper weiter einzunehmen.


    Wir waren bei ihm.. Er starb daheim, wie er sich das wünschte.

    Wobei, sterben wollte er eigentlich nicht.. Er wollte leben, unbedingt!!

    Bis zum Ende war er davon überzeugt, es irgendwie zu schaffen..


    Ich schreibe nun hier, um meine Gedanken irgendwie zu ordnen.. Vielleicht um Trost zu finden, mich auszutauschen.. Oder um mir einfach alles von der Seele zu schreiben..

    Entschuldigt also, wenn es manchmal ein durcheinander ist, aber Meine Gefühle und Gedanken sind es auch :(


    Nächste Woche Donnerstag ist die Beerdigung, und ich habe Angst.. So große Angst.

    Ich kann einfach nicht loslassen, ich will nicht akzeptieren was hier passiert.

    Nein. Es ist nicht fair.


    Meine eigene Angst vor dem Tod ist groß, und durch papas gehen ist dies nicht gerade weniger geworden.. Sterben ist nicht friedlich, das weiß ich nun.

    Für mich persönlich ist es unvorstellbar wo ein Mensch hingeht.

    Einige erklären das ganz simpel.. Wo waren wir denn schließlich vor dem Leben? Vor unserer Geburt?

    Tja, die Frage ist genauso schwer.. Wo waren wir..


    Ich vermisse papa. Kaum in Worte zu erfassen welch eine Sehnsucht man haben kann.. Wie weh das Herz tut. Wie krank meine Seele ist. Sie Schmerzt richtig.

    Papa hätte das sicherlich nicht gewollt, das wir Leiden.

    Aber es ist nicht zu ändern, sein Verlust hinterlässt eine große Lücke.. Er fehlt an jeder Ecke.




    Auch mein kleiner Sohn weiß Bescheid.

    Ich habe es ihm am sterbetag abende in Ruhe erzähl und kindgerecht erklärt.

    Seine Reaktion rührt mich zu Tränen..


    "wie kann der Opa denn im Himmel wohnen, sein zu Hause ist doch hier"

    Oder auch " seh ich opa dann nie mehr? Das macht mich traurig"

    "opa hat aber auch zu viel Fernseher geguckt, das war nicht gut".


    Ach und noch vieles mehr.. Und das von einem bald 3 jährigen..

    Er liebte seinen Opa sehr

  • Anhe

    Hat das Thema freigeschaltet
  • Liebe Sarah, auch ich habe meine Eltern beide viel zu früh verloren, meine Mutter an Krebs und meinen Vater an einen plötzlichen Herztod. Und das Gefühl einen Elternteil zu verlieren, ist mit keinem Gefühl auf der Welt vergleichbar, es tut mir sehr leid, dass Du es auch so jung erleben mußt.


    Mein geliebter Onkel ist auch vor zwei Monaten an Krebs gestorben und wir haben uns in dem Jahr vorher viel über das Sterben unterhalten. Wir mochten beide den Text aus Hermann Hesses "Stufen":


    Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde

    Uns neuen Räumen jung entgegen senden,

    Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,

    Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde!


    Wir wissen nicht, wo wir sein werden, wenn wir gehen, aber die Gegenwart meiner Eltern habe ich immer wieder mal spüren dürfen und daran glauben, dass es mehr gibt, als wir sehen können - vor allem in so einem schmerzlichen Abschied, wo alles den Blick und das Herz niederdrückt und benebelt.


    Sei herzlich gedrückt, Du hast ihm ein großes Geschenk gemacht, ihn so liebevoll zu begleiten.


  • Liebe Sarah,


    fühl Dich mal ganz fest gedrückt :kIch wünsche Dir und Deiner Familie ganz viel Kraft für die nächsten Tage und Wochen.


    Das Leben ist einfach nicht fair! Und die Reaktionen Deines Sohnes sind einfach herzzerreißend. Da merkt man, wie sehr er mit seinem Opa verbunden war...


    Bei mir ist es knapp 1 Jahr her, dass mein Bruder an einem plötzlichen Herztod verstorben ist. Gerade war er noch da und hat Scherze mit uns gemacht und im nächsten Moment liegt er nach 3,5 Stunden Reanimationsversuchen still und blass im Krankenhaus und wir müssen uns von ihm verabschieden... Und doch habe ich seine Anwesenheit im letzten Jahr immer wieder gespürt und seine Stimme gehört. So ganz verlassen hat er uns bis heute noch nicht. Ich wünsche Dir, dass Dein Papa spürbar bei Dir bleibt und Dich auf dem vor Euch liegenden Weg unterstützt.


    Die Ohnmacht, die Du jetzt gerade mit Sicherheit fühlst, hat sich für mich im Lied "Haltet die Welt an" von Glashaus widergespiegelt, das auch an der Beisetzung gelaufen ist...


    Bei Gott: es fehlt ein Stück

    Haltet die Welt an

    Es fehlt ein Stück

    Sie soll stehen

    Und die Welt dreht sich weiter

    Und dass sie sich weiterdreht

    Ist für mich nicht zu begreifen

    Merkt sie nicht, dass einer fehlt?

    Haltet die Welt an

    Es fehlt ein Stück

    Haltet die Welt an

    Sie soll stehen


    Liebe Grüße

    Nicole

    Am Ende wird alles gut. <3 Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende. ^^
    -
    Oscar Wilde -

  • Danke für eure Nachrichten..


    Ja genau, ich fühle mich eine Ohnmacht.. Etwas was ich vorher noch nie gespürt habe. Mein Herz Schmerzt richtig, es tut wirklich weh.

    Ich mag Papa doch nur einmal noch umarmen, und sagen wie lieb ich ihn habe..

    Und ich würde mir wünschen, papa ruft von dort oben an, und sagt mir wie es ihm dort geht.. Aber das sind Wünsche die nie in Erfüllung gehen werden.



    Papas Zustand zuletzt war wirklich schlimm und innerlich habe ich gehofft er ist schnell erlöst.. Aber wo es nun so ist, Naja, fehlt er so.

    Papa und ich waren so stark verbunden, hatten ein sehr schönes Verhältnis, er war meine Stütze, zu jeder Zeit. Er hat mich immer am besten Verstanden..

    Ich war einfach ein totales Papakind..

    Gerade fühlt es sich an, als wäre unsere Verbindung unterbrochen..



    Wir werden das Lied Gute Reise von Jan & jascha spielen.

    Kaum bekannt, aber so wunderschön. Müsst ihr mal hören

  • Hallo Sara,

    schön von dir hier zu lesen. Ich hab mich gefragt wie es dir wohl geht.

    Hat das höher lagern deinen Papa etwas Erleichterung gebracht oder ging es eher schlechter dadurch?

    Wie du weißt sind wir beide gleich alt und auch nach drei Monaten kommt es mir einfach immer noch schlimm vor. Du schreibst es war nicht friedlich. Das war bei uns auch überphaut nicht der Fall und daran hab ich immer noch sehr zu knappern. Ich finde aber, das schreiben hier hilft.

    Hoffentlich tut es dir auch gut, oder dass du einen evtl anderen, aber guten, Weg für dich findest.

    Liebe Grüße

  • Hallo Sarah,


    zuerst mein tiefstes Mitgefühl für deinen/euren schweren Verlust und zugleich ein herzliches Willkommen von mir als zustädigem Moderator in diesem Teil des Forums.


    Schreibe dir deine Trauer, deine Fragen von der Seele. Alles, was dich berührt und quält. Ganz sicher wirst du Antworten und Hilfe erhalten.



    Liebe Grüße, Helmut

  • Hallo silland, hallo Helmut,



    Nein das höher lagern hat nicht viel gebracht, wir haben ihn dann wieder tiefer gelegt, da erschien uns die Atmung irgendwie leichter. Aber versucht hatten wir das..

    Zum Ende hin war das geglugger in der Atmung auch verschwunden.


    Was mich so quält ist, das wir papa die magensonde geben lassen haben.

    Zu dem Zeitpunkt war er schon Sediert.

    Trotzdem sah man ihm an das er das nicht wollte!

    Im Krankenhaus hatte er das nämlich auch immer abgelehnt.

    Nur der palliativarzt machte uns so eine Angst, dass Papa im Liegen erbrechen kann und dann daran ersticken konnte, das wir die Magensonde erlaubten.


    Als Papa dann Tod war, haben wir ihm die Sonde selbst gezogen.. Und die war viel zu kurz eingeführt.

    Die reichte, wenn überhaupt, bis zum Brustkorb.


    Papa hat während seines Kampfes oft seine Hand gehoben, und auf seinen Hals gezeigt.

    Ich glaube, es störte ihn.

    Das nimmt mich jetzt noch mit, weil ich von Anfang an gegen diese Sonde war.


    Und ich habe es nicht geschafft papa zu sagen wie sehr ich ihn liebe.. Fiel mir zu dem Zeitpunkt zu schwer..

    Das belastet mich.

  • Liebe Sarah, ich habe meinem Papa einen Brief mit in den Sarg gegeben, weil Vieles zwischen uns unausgesprochen blieb und ich glaube fest daran, dass der Inhalt angekommen ist, vielleicht ist das auch etwas für Dich. Ich habe ihn an ein kleines Gebinde mit Blumen gebunden, die etwas Besonderes für uns symbolisierten.


    Und Ihr hattet ein ganzes gemeinsames Leben miteinander das viele Facetten von Liebe beinhaltet hat - Dein Vater wußte, dass Du ihn liebst, das hast Du ihm besonders in den letzten Monaten gezeigt durch Deine ständige Nähe. Diese Liebe ist in Deinen Texten hier im Forum sichtbar und um so mehr war es das für ihn.

  • Das mit dem Brief wäre eine schöne Idee.


    Ich glaube auch das papa weiß wie sehr ich ihn liebe, dennoch, im Nachhinein hätte ich es auch nochmal sagen sollen.

  • Liebe Sarah,

    Willkommen auch in diesem Teil des Forums. Der Grund ist kein schöner, ich glaube, wir alle hier wäre froh, wenn es ihn nicht gäbe.

    Die Zeit nach dem Tod meiner Eltern bezeichne ich immer als Blase - nicht scheint real, die Zeit scheint still zu stehen und man fragt sich, wie es weitergehen soll. Mir hat geholfen, eins nach dem anderen abzuarbeiten, was anstand. Dabei hab ich manchmal ewig gebraucht für Dinge, die eigentlich ruck zuck erledigt sind.

    Du warst dabei, als Dein Papa gegangen ist. Das ist ein großes Geschenk. Und ich bin mir sicher, dein Papa wusste wie lieb Du ihn hast, auch wenn du es ihm nicht noch mal sagen konntest.

    Alles Liebe Bella

  • Liebe Sarah,


    hast Du vielleicht noch einmal die Chance, Dich am Sarg zu verabschieden? Das hat mir unheimlich geholfen. Wir konnten meinem Bruder so noch was persönliches mit auf seine letzte Reise geben und wir konnten ihm noch einmal sagen, dass wir ihn lieb haben und ihn unendlich vermissen werden...

    Es hat mir persönlich aber auch geholfen, ihn loszulassen. Ich habe ihn noch ein letztes Mal umarmt und da wurde mir dann so richtig bewusst, dass er nicht mehr da ist... denn mein Bruder war nie kalt sondern immer kuschelig warm...


    Alles Liebe,

    Nicole

    Am Ende wird alles gut. <3 Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende. ^^
    -
    Oscar Wilde -

  • Nein, Nicole diese Chance werde ich nicht mehr haben.

    Papa bekommt eine Urnen Beisetzung.

    Aber ich denke, die Beerdigung ist nochmal ein Symbol des Abschieds.

  • Ich werde die Beerdigung nutzen um papa nochmal alles zu sagen, und wenn es nur geistig ist.

    Er wird es spüren, das hoffe ich so sehr.


    Kennt hier jemand gute Bücher mit dem Thema Sterben? Leben nach dem Tod?

    Sterbebegleiten oder ähnliches?

  • Hallo Sarah,


    Bücher zu dem Thema kenne ich leider nicht. Ist vielleicht eine Trauergruppe eine Idee, Dich in den nächsten Wochen zu begleiten? Uns hat die Dame vom Bestattungsinstitut einige Ansprechpartner vermittelt und meine Schwägerin auch bei der Suche nach einer Trauertherapeutin unterstützt.


    Ich glaube fest daran, dass Dein Papa Dich an der Beerdigung hört und spürt, was Du ihm sagen wirst. Und er wird in Deinem Herzen immer bei Dir sein.


    Alles Liebe

    Nicole

    Am Ende wird alles gut. <3 Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende. ^^
    -
    Oscar Wilde -

  • Es gibt ein Buch von Elisabeth Kübler-Ross "Über den Tod und das Leben danach".


    Ebenso sehr bewegt haben mich zum Thema Tod Joan Didions Bücher "Das Jahr magischen Denkens" und (aber nur nachfolgend zu lesen) "Blaue Stunden".

  • Liebe Saraj, die Urnen haben meistens oben noch ein ganz kleines Fach, in das man etwas reinlegen kann.

    In das hab ich meinem Vater einen kleinen Brief und ein Bild meines Sohnes reingetan. Tat mir gut, zu wissen dass er was liebes von uns hat. Vielleicht kannst du das auch.

    Ein tolles Buch für Kinder ist ,, der Baum der Erinnerung,; . Sehr rührend.. vielleicht was für deinen kleinen Sohn?

    Ich hab sehr viele Krebs Biografien gelesen, weil ich unbedingt wissen wollte was in meinem Vater vorgegangen sein muss und ob er das verarbeiten konnte.. half mir nur bedingt .. suche auch noch nach einem guten Buch, dass mich besonders jetzt in der dunklen Jahreszeit unterstützt ..

    ich kenne deinen Schmerz so gut, mich trifft dann regelrecht ein Hammerschlag 😢 drück dich 😔

  • Guten Morgen an alle,


    Es ist so merkwürdig, aber ich ich schlafe seit Papas Tod nachts tief und fest.

    Bisher habe ich auch noch nicht von ihm geträumt, oder von dem Sterbetag.

    Erklären kann ich es mir nicht.


    Dafür überkommt mich die Traurigkeit sofort nach dem Aufstehen..

    Als würde ich immer hoffen, am nächsten Tag aufzustehen und Papa ist wieder da.

    Morgens ist die Traurigkeit wirklich schlimm und kaum zu bremsen.

    Alles hier im Haus erinnert mich an ihn, das Haus war seine Leidenschaft, er hat es geliebt im Garten zu arbeiten und hatte stets eine neue Idee.

    Und nun schau ich aus dem Fenster, in den Garten, und dort wird niemand mehr bauen und werkeln..


    Ich weiß nich wie dieses Leben laufen soll ohne Papa.

    Er hat unsere Familie wirklich aus gemacht, er war der Mittelpunkt.

  • Das Gefühl kenne ich nur zu gut.

    Auch als Papa noch bei uns war und es wieder schlechter wurde waren die Momente kurz nach dem aufwachen die schlimmsten. Da war die Hilflosigkeit und die Angst am stärksten sodass ich gar nicht mehr einschlafen konnte egal wie früh es war. Mittlerweile hat sich das etwas gelegt. Die Angst vergeht, dafür kommt die unermessliche Trauer ;(

    Ich hatte letztens einen Traum, da war Papa noch unter uns. Er war aber bereits krank und die Chemo wirkte nicht (mehr) im Traum. Die Angst vor dem was kommt, ob die andere Therapie anspricht etc. Ich wurde wieder völlig zurückgeworfen an die Morgen die so schlimm waren. Ich träumte zwar noch weiter, aber das hat in deinem Thread nichts zu suchen.. Kann dich aber sehr gut verstehen. :ka

  • Silland, du hast hier auch ein eigenen Thread sehe ich gerad, da werde ich mich mal durchlesen sobald die zeit da ist,und werde dir dort auch schreiben und dich unterstützen.


    Träumst du ansonsten viel von deinem Papa? Ich bisher noch nicht.

    Die Trauer ist auch nur morgens so schlimm. Tagsüber sind wir alle hier gut abgelenkt, durch die Vorbereitungen.

    Der große Fall kommt erst noch, nach der Beerdigung.

    Darauf stelle ich mich schonmal ein. Und auch die bevorstehenden Feiertage stell ich mir hart vor..


    Und nochwas..

    Ab Januar fang ich ein neuen Job an.. Habe ich große Angst vor.

    Den Arbeitsvertrag hab ich 1 Tag nach Papas Tod unterschrieben, wie gerne hätte ich ihm davon erzählt :(

    Ich kann mir nicht vorstellen wie das alles wird, wenn ich ab Januar wieder vollzeit arbeiten muss. Ich war jetzt 2 Jahre in Elternzeit und viel daheim bei meinen Eltern, das letzte Jahr habe ich viel abends oder Wochenende gearbeitet, um für Papa da sein zu können tagsüber, wird eine große Veränderung ab Januar.

    Für mich vielleicht eine gute Ablenkung, aber Zeit zum trauern bleibt nich viel.

    Und mama ist das auf einen Schlag ganz auf sich alleine gestellt..

    Alles Dinge die mir Angst machen momentan.

  • Neben den Büchern von Kübler-Ross hat mir von Eva Terhorst Das erste Trauerjahr geholfen, Dinge zu verstehen.

    Vielleicht ist der Beginn des Neuen Jahres mit deiner Arbeitsstelle auch eine Hilfe mit dem Verlust umzugehen. Mach dir jetzt bitte nicht zu viele Gedanken, gehe einen Schritt nach dem anderen, dann geht es. Ich habe auch nicht geglaubt dass das funktioniert - es hat mir aber geholfen, auch wenn es nicht einfach war und immer noch nicht ist...

    Drück dich

    Bella

  • Danke, die Bücher werde ich mir auf jeden Fall zulegen


    Ich überlege auch mich in die Hände von einem Therapeuten zu geben, ich zerbreche einfach an diesem Verlust und habe für rein garnix mehr ein lächeln übrig.

    Selbst mein kleiner Sohn kann mir keinen Halt geben..

    Ich bin so in dieser Trauer gefangen.. Ich nehme Sie auch an, gebe ihr Raum und Zeit.. Aber ich bin am allerersten Mal in meinem Leben an einem Punkt, wo es nicht mehr voran geht.

    Ich steh auf der Stelle.. Wie gefangen.

    Dieser Schmerz..Ich halte das nicht aus

  • Liebe Sarah


    Auch ich möchte dich hier in diesem Teil traurigerweise willkommen heißen.

    Vielleicht hilft es dir, wenn ich dir meine Erfahrungen mitteile wie ich mit der Trauer umgegangen bin.


    Vieles von dem was du schreibst, habe auch ich wenige Tage nach dem Tod meiner Mama gefühlt. Eine grenzenlose Leere. Die Tage bis zur Beisetzung waren die Hölle, Angst wie ich diesen endgültigen Abschied überstehen soll.


    Ich habe diesen Tag überstanden, habe meine Mama noch etwas mit auf die Reise gegeben.

    Die ersten Wochen waren die Hölle. Immer wieder Tränen, Fassungslosigkeit und Angst, auch Angst um meinen Papa. Gab es Momente wo man eigentlich mit seinem Mitmenschen hätte lachen können, glaubte ich nein du darfst das nicht, weil ich dachte Mama kann es nicht ich dann auch nicht.


    Geholfen haben mir in dieser Zeit meine tollen Arbeitskollegen und mein Mann. Ich musste sehr viel über meine Mama sprechen und ich hatte ein Umfeld das mir diese Möglichkeit gab.


    Heute über vier Jahre danach, bin ich fast wieder die die ich vor der Erkrankung meiner Mama war. Natürlich gibt es immer wieder Momente wo Tränen fließen und ich sie ganz arg vermisse, aber ich weiß auch das sie verdammt stolz auf mich wäre. Sie hätte nicht gewollt das die Trauer mein Leben bestimmt.


    Auch dein Papa hätte das nicht gewollt. Die Idee mit dem Brief ist toll auch ich habe das gemacht.


    Was ich dir auch unbedingt noch sagen möchte, du konntest deinem Papa zum Schluss nicht mehr sagen wie lieb du ihn hast. Er hat es doch gewusst und gespürt, weil du bei ihm warst. Quäle dich nicht mit Dingen die du nicht mehr ändern kannst.


    Viel Kraft zu dir Mausi

    Meine Mama
    ED BSDK 05.02.2014
    28.07.1949 - 22.06.2014


    Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.


    - Jean Paul -

  • Hey Sara,

    das hat Zeit, nun kümmer dich erst einmal um dich 😉


    Mausi hat geschrieben, dass ihre Mutter nicht wollte, dass sie immer traurig ist und bleibt.

    Das halte ich mir selbst immer vor.

    Papa hätte nicht gewollt, dass ich so traurig bin und nicht mehr glücklich werde. Es ist noch alles sehr frisch bei dir und auch die letzten drei Monate von mir waren nicht so wahnsinnig toll. Trotzdem hatte ich Momente in denen ich gelacht habe, auch wenn es nicht sehr viele waren.

    Unsere Väter hatten uns so gern und sie hätten sicher nicht gewollt, dass wir daran zerbrechen. Daran solltest du denken. Muss aber gestehen, dass ich das letzte mal vor die paar Stunden geweint habe und das vorletzte mal war gestern, sprich: Das kommt fast jeden Tag vor, weil es eben alle seine Zeit braucht.

    Grüße


  • Liebe Sarah, den Aufwachmoment habe ich auch als grauenvoll in Erinnerung. Eine traumlose Nacht war gut gegen die Erschöpfung und dann dieser Moment wo die Erkenntnis zuschlägt, dass das Leben nicht mehr ist, wie es war. Aber das wird bald besser werden, auch weil Du ja ein kleines Kind hast, das Deinen Morgen mit anderen Dingen füllen wird.

    Ich glaube unsere Seele schenkt uns dann Träume von den Verstorbenen, wenn wir es ertragen können. Erst müssen wir sie gehen lassen - auch innerlich - und dann werden wir wieder mit Erinnerungen und Begegnungen beschenkt, wenn wir es nicht erwarten und es uns plötzlich beschenkt.


    Das mit der neuen Arbeitsstelle wird bestimmt gut. Ich habe festgestellt, dass meine Eltern mir da am wenigsten fehlten, wo sie nie waren - die Arbeit war so ein Ort. Im Elternhaus oder im Privaten entstand eher Leere. Die Sorge um Deine Mama kann ich gut verstehen, aber mein Vater hat als Witwer Ressourcen in sich gefunden, die ich ihm nie zugetraut hätte und es war trotz all seiner Trauer ein gutes und reiches weiteres Leben.


    Dass Trauer in den ersten Tagen absolut übermächtig ist, das ist ganz normal, lass Dir die Zeit, es sind erst so wenige Tage, das ist normal, dass Du Dich gerade so fühlst. Therapeutische Hilfe kann eine Lösung sein, aber ich glaube auch, dass es oft einfach nur die Zeit ist, die wir brauchen. Nach der Beerdigung wird es vielleicht sogar besser, weil dann auch dieser Schwebezustand, in dem man oft unter Strom steht, ein Ende findet und auch die Angst vor diesem Tag.

  • Heute war ich mit Mama im Garten bisschen am arbeiten, alles winterfest machen und schon überkam es mich.

    Früher habe ich das immer mit Papa gemacht..

    Mir fehlt seine Stimme so..

    Heute sehen ich ständig diese Bilder.. Wie er durchs Haus jagte und ständig am rum werkeln war..

    Damals war es sooooo nervig, jetzt vermisse ich genau das :(

  • Liebe Saraj , auch von mir ein trauriges Willkommen hier.

    Wir haben alle die gleichen Erfahrungen machen müssen und das hat uns geprägt.

    Sicher weißt du, dass ich letztes Jahr meinen Mann verloren habe, auch durch BSDK. Wir hatten nur 2,5 Monate von der ED bis zum Schluss.

    Es braucht verdammt lange, damit einigermaßen zu leben. Und es tut immer noch sehr weh.

    Gerade heute Abend hatte ich wieder einen Weinanfall.

    Ich habe unzählige Bücher gekauft und gelesen, so wirklich geholfen haben sie mir nicht.

    Ich habe das große Glück gehabt, eine phantastische Trauerbegleiterin gefunden zu haben. Ihr habe ich es zu verdanken, dass ich nicht hinterher gegangen bin. Denn das wollte ich unbedingt. Meine Gedanken drehten sich nur darum. Dies ist GsD vorbei. Auch dieses Forum hier hat mir enorm geholfen und auch heute ist das Forum mit seinen Menschen ein ganz wichtiger Bestandteil in meinem Leben.

    Ich drück dich mal ganz doll ♥️♥️ und wünsche dir ganz liebe Menschen um dich herum.

    Liebe Grüße

    Michaela

    <3 Ein Engel sein nur für einen Tag und Dich wiedersehen <3

  • dennoch, im Nachhinein hätte ich es auch nochmal sagen sollen.

    Liebe Saraj


    Dieses "sich Vorwürfe machen", weil man das Gefühl hat, irgendwas falsch gemacht zu haben oder vergessen zu haben, kennt vermutlich jede/r hier.

    Ich glaube, es drückt aus, wie ohnmächtig man sich gegenüber all dem was passiert ist....


    Was würdest Du Deiner besten Freundin sagen-wäre sie an Deiner Stelle und würde sagen, was Du hier geschrieben hast?


    Mein Herz tat damals auch richtig weh, als meine Mutter starb - ganz doll und körperlich war der Schmerz :( als würde da jemand etwas herausreißen wollen.


    Es wird erträglicher, aber das dauert ...


    Ihr dürft nicht vergessen- der Tod eures geliebten Menschen hat euch eine große schmerzende Wunde zugefügt....behandelt und pflegt euch gut - eines Tages wird das Herz eine große Narbe tragen und der Schmerz wird tragbar sein.


    Alles Liebe, Angie

    <3Alles was du erlebst ist nicht umsonst, denn alles führt dich dahin woher du kommst...<3


  • Ich glaube unsere Seele schenkt uns dann Träume von den Verstorbenen, wenn wir es ertragen können. Erst müssen wir sie gehen lassen - auch innerlich - und dann werden wir wieder mit Erinnerungen und Begegnungen beschenkt, wenn wir es nicht erwarten und es uns plötzlich beschenkt.

    Das ist wirklich ein schöner Satz, und erst jetzt wird mir bewusst, wie wahr er ist.

    Und ein solcher Traum ist wirklich ein Geschenk....auch wenn es beim Aufwachen weh tut.


    mit ihren über alles geliebten Eltern für immer im Herzen

    Papa +15.10.12 (Prostatakrebs)
    Mama + 9.02.14 (Bauchspeicheldrüsenkrebs / Schlaganfall)

  • Dieses "sich Vorwürfe machen", weil man das Gefühl hat, irgendwas falsch gemacht zu haben oder vergessen zu haben, kennt vermutlich jede/r hier.

    ...auch das kann ich bestätigen.....dieses Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben, hat mich auch schon viele Tränen gekostet.

    Daher, Sarah, mach dich nicht verrückt, im Nachhinein ist man immer schlauer, aber alles was du getan hast, hast du aus Liebe zu deinem Papa getan.


    mit ihren über alles geliebten Eltern für immer im Herzen

    Papa +15.10.12 (Prostatakrebs)
    Mama + 9.02.14 (Bauchspeicheldrüsenkrebs / Schlaganfall)

  • Hey,

    mir ging es genauso. Hab mir solche Vorwürfe gemacht etwas falsch gemacht zu haben - hinterher ist man immer schlauer. Auch nach drei Monaten denke ich noch daran, aber nicht mehr so oft. Die Frage was man zu Dritten gesagt hätte hat mir geholfen..

    Grüße

  • Die Frage was man zu Dritten gesagt hätte hat mir geholfen..


    Leider geht man mit sich selbst oftmals ganz anders um und viel härter ins Gericht, wo man anderen Verständnis und großes Mitgefühl hat/zeigt.


    Hab Mitgefühl mit Dir - vor allem mit dem kleinen Mädchen in Dir, dass seinen Papa vermisst (dem "inneren Kind").


    Daher sage ich oft: versorg dich gut/ sei gut und vor allem gnädig mit dir.


    Herzlichst,

    Angie

    <3Alles was du erlebst ist nicht umsonst, denn alles führt dich dahin woher du kommst...<3

  • Ja das ist wahr, man ist mit sich selbst viel kritischer..


    Heute erstmal aufgewacht ohne Weinkampf.

    Habe mir gestern Abend alte Videos von Papa angeguckt.. Und festgestellt, wie verändert papa die letzten Monate war.

    Seine Stimme.. Eine ganz andere.

    Die Art wie er sprach.

    Die krankheit hatte ihn gezeichnet, und erst jetzt wurde mir das ganz klar.


    Natürlich, papas Körper veränderte sich sichtlich durch die Gewichtsabnahme. Aber das sein Wesen so verändert war, war mir nicht bewusst.


    Ich habe alte Fotos und Videos gefunden von 2014,2015. Als ich hoch schwanger war bzw wo mein Sohn gerade geboren wurde..

    Diese Aufnahmen kannte ich überhaupt nicht, dementsprechend kullerten die Tränen.


    Papa hatte früher so ein wahnsinnigen Humor.. Ich musste ein wenig schmunzeln.. Es tat gut die Videos zu sehen..

  • Ja, manchmal liegen Glück und Trauer sehr nah beieinander.


    Am 17. kullerten bei mir auch ein paar Tränchen-es war ja Heikes Geburtstag- und eine ihrer Töchter hatte ein Foto von ihr in ihrem Whatsappstatus...

    Da sah ich all das was Du beschreibst auch, wie krank sie war und all das. Man sieht auf dem Bild nur sie, aber ich weiß die Situation noch, als wäre sie erst gestern gewesen-ich saß an der Seite ihres Bettes und sie sah mich an als besagtes Bild entstanden ist.


    Das ist über 8 Jahre her, aber berührt mich immer noch zutiefst und macht mich traurig, aber irgendwie auch glücklich, weil sie so sehr in mich vertraut hat und ich ihr so viel Freundschaft schenken konnte.


    Hab einen guten Tag <3

    <3Alles was du erlebst ist nicht umsonst, denn alles führt dich dahin woher du kommst...<3

  • Ja das sind solche Momente wo man die Tränen nicht verdrengen kann und auch nicht soll.


    Morgen steht die Beerdigung an.

    Ich bin gespannt wer alles kommen wird, papa hat in einem großen Unternehmen gearbeitet, seit seiner Ausbildung, und viele seiner Kollegen wollen kommen.

    Laut papas früheren Sekretärin, könnten über 100 Leute kommen.

    Ich weiß das papa sich darüber freuen würde. Seine Arbeit hat ihm viel bedeutet, und davon sprach er auch ständig.

    Ja, man könnte meinen, die Arbeit war seine zweite Familie, sein zu Hause.

  • Liebe Sarah,


    ich wünsche Dir von <3 viel Kraft für morgen und eine Schulter zum Anlehnen.


    Alles Liebe,

    Nicole

    Am Ende wird alles gut. <3 Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende. ^^
    -
    Oscar Wilde -

  • Alles geschafft.. Ich war stärker als gedacht, nur bei den gespielten Liedern kullerten die Tränen.

    Wir hatten ein ganz tollen freien Sprecher, meine Güte hat er das toll gemacht.

    Er hat unter anderem dieses Gedicht vorlesen welches mich sehr bewegte :



    An meinem Grabe


    Da steht ihr nun, wollt mich betrauern

    ihr glaubt, dass ich hier unten bin:

    ihr mögt vielleicht zunächst erschauern -

    doch schaut einmal genauer hin.

    Ich bin nicht hier - wie ihr vermutet,

    mein Körper mag hier unten sein,

    doch während die Musik noch tutet

    bin ich schon lang nicht mehr allein.

    Seht ihr die Blätter dort im Wind?

    Es sind sehr viele - sicherlich -

    doch achtet drauf wie schön sie sind;

    und eins der Blätter - das bin ich.

    Seht die Wolken am Himmel ziehen,

    schaut ihnen zu und denkt an mich,

    das Leben war doch nur geliehen,

    und eine Wolke - das bin ich.

    Die Schmetterlinge auf der Wiese,

    perfekt erschaffen - meisterlich,

    ich bin so fröhlich grad wie diese,

    und einer davon - das bin ich.

    Die Wellen, die vom Bach getragen,

    erinnern sie vielleicht an mich?

    Ihr müsst nicht lange danach fragen:

    denn eine Welle - das bin ich!

    Blumen erblühen in all ihrer Pracht

    die Rose und selbst der Wegerich,

    und alle sind für euch gemacht

    und eine Blume - das bin ich.

    Ich möchte nicht, dass ihr jetzt trauert,

    für mich wär das ganz fürchterlich.

    Tut Dinge, die ihr nie bedauert:

    Denn Eure Freude - das bin ich!


    Heinz Rickal

  • Meine Mama ist heute schlecht zurecht..

    Ihr geht's körperlich auch nicht gut, aber was will man erwarten :( die Seele ist krank, irgendwann macht such das auch körperlich bemerkbar.

    Ich hoffe ich kann für sie eine stütze sein..

    Mir fällt es allerdings schwer.

    Ich bin an einem Punkt, wo ich am liebsten niemanden sehen oder hören mag.

    Aber dann ist da noch mama. Die mich so dringend brauch..


    Ich versuche soviel Zeit wie möglich bei ihr zu verbringen..

  • danke für das Gedicht.

    Bitte gönn Dir auch die Ruhe, nach der Du Dich sehnst. Dann kannst du deiner Mama auch eine gute Stütze sein. Ich wünsche Dir viel Kraft

    Bella

  • Ja das machen wir auch, so wie möglich.

    Mein Bruder leidet seit Jahren an starken Depressionen und es ist oft nie anzusehen wie er zurecht kommt. Wie er selbst klar kommt.

    Er bräuchte eigentlich selbst eine extra Portion zuneigin und Hilfe.

  • Es ist so merkwürdig, zwischendurch hat man das Gefühl alles ist gut.

    Dann erschreck ich mich über diesen Zustand, das man so weitermachen kann als wäre nix.

    Ganz schwer zu beschreiben.. Als würde mich das alles hier nicht betreffen.

    Wisst ihr wie ich das meine?

    Dann kommen zwischendurch so kleine Schläge, so richtig ins Herz.

    Die mich hier wieder zurück holen in die Trauer.

    Dafür reicht ein Lied oder ein Foto..

  • Liebe Sarah,


    das Gefühl kenne ich nur zu gut. Ich denke, dass das ein Teil der Verarbeitung ist und einfach dazu gehört. Das Leben geht eben auch einfach weiter, auch wenn wir erst einmal nicht verstehen, wie es so sein kann...

    Auch nach etwas über einem Jahr treffen mich immer noch die kleinen Schläge und bringen die Trauer zurück. Aber sie werden weniger... Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst.


    Alles Liebe

    Nicole

    Am Ende wird alles gut. <3 Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende. ^^
    -
    Oscar Wilde -

  • Liebe Sarah

    ich weiß genau was du meinst, denn es ging mir ähnlich. man sucht Wege, das Geschehen zu verarbeiten und gleichzeitig geht das Leben weiter. diese Diskrepanz führt unweigerlich zu Situationen in denen man sich seltsam fühlt weil man etwas "Normales" tut. Oder weil man trauert. oder sich anders verhält als sonst...

    Alles Liebe zu Dir

    Bella

  • Ganz schwer zu beschreiben.. Als würde mich das alles hier nicht betreffen.

    Hallo Sarah,


    das passiert mir manchmal selbst heute noch. Das Gefühl: "Ich bin im falschen Film!?" Selbst nach fast 11 Jahren. Damals traurig, entsetzt. Heute oft auch umgekehrt. Was bleibt ist dankbare Erinnerung und manchmal ein kleiner Stich im Herzen.



    Liebe Grüße, Helmut