Krankengeschichten kurzgefasst

  • Ich mache mal den Anfang:


    Bei mir ist Mitte Januar 2011 anlässlich eines Krankenhausaufenthaltes wegen einer echten Grippe ein verdächtiger Herd im rechten Oberlappen entdeckt worden. Nach Bronchoskopie und Biopsie war schnell klar, dass ich ein Adenokarzinom hatte; Fernmetastasen wurden keine gefunden.


    Ich bin in der Lungenklinik Hemer operiert worden, angesetzt war Oberlappenresektion und vollständige Lymphknotenentnahme. Während der OP hat sich herausgestellt, dass es in Mittel- und Unterlappen noch zwei verdächtige Stellen gab. Sie haben Keilresektionen gemacht und den Schnellschnitt abgewartet - hat sich beides als harmlos rausgestellt. Leider waren aber die regionären Lymphknoten befallen.


    Deshalb habe ich dann vier Zyklen Chemotherapie mit Cisplatin und Vinorelbin erhalten. Die habe ich so schlecht vertragen, dass ich trotz bester Antiübelkeitstherapie immer 14 Tage nur gebrochen und mich in der dritten (freien) Woche wieder erholt habe. Außerdem haben sich Neuropathien in Fngern und Füßen ausgebildet. Aber ich habe durchgestanden.


    Dummerweise hat sich dann während der Chemotherapie schleichend eine Lungenembolie mit ganz vielen kleinen Emboli in beiden Lungenflügeln ausgebildet, die niemand bemerkt hat. (Ich hatte zunehmende Luftnot, aber jeder Arzt und die gesamte Umgebung hat das auf die Operation geschoben.) Die ist dann bei der ersten Kontroll-CT rausgekommen. Ich durfte noch nicht einmal vom CT-Tisch wieder aufstehen - ich kam sofort in den Rollstuhl und dann ins Bett, aus dem ich mich drei Tage nicht rausbewegen durfte. Anschließend habe ich ein Jahr lang Marcumar genommen und ganzbeinige Gummistrümpfe getragen (Thrombose war in der Kniekehle) - dann war alles gut.


    Durch viel Training und Überwindung des inneren Schweinehundes bin ich wieder fit und auch die Neuropathie fast völlig wieder losgeworden. Das einzige, was geblieben ist, ist eine leichte Nierenschädigung vom Cisplatin und ein ganz erheblicher Leberschaden durch die gesamte Chemotherapie. Den habe ich durch eine absolut kohlenhydratarme Diät im Griff. Lunge ist ein wenig eingeschränkt, aber das kann auch am Alter liegen (bin 58).


    Tumorstaging war pT1b pN1 M0 L0 V0 R0 G3, EGFR-Wildtyp (= keine Mutation), Schwerbehinderung mit einem GdB von 80. Außerdem bin ich bis heute in der ITACA-Studie im Kontrollarm, was mir eine regelmäßige Kontrolle über die üblichen fünf Jahre hinaus garantiert.

  • Hallo zusammen,


    da möchte ich mich doch auch mal kurz vorstellen. Mein (Vor-)Name ist Ulrich, ich bin zur Zeit 45 Jahre alt und wohne in Dortmund. Seit März 2014 weiss ich, dass ich die Herberge eines Adenokarzinoms im linken Oberlappen der Lunge bin. Die Lobektomie verlief soweit komplikationslos. Leider zeigten sich neben den befallenen Lymphknoten nahe des Tumors auch ein befallener LK im Mediastinum, was mir ein N2 und damit ein Stadium IIIa einbrachte.
    Mit diesem Stadium sind adjuvante Chemo und Bestrahlung angesagt. Die Chemo (Carboplatin/Vinorelbin) habe gerade hinter mich gebracht und starte nun mit der Bestrahlung des Mediastinums. Die Chemo ist soweit ohne größere Komplikationen verlaufen. Klar, Übelkeit, Abgeschlagenheit und fiese Verstopfung sind meine Begleiter gewesen - das hätte jedoch auch deutlich übler sein können. Carbo ist ja aber auch ein wenig harmloser in den Nebenwirkungen.
    Leider musste dann statt der adjuvanten Bestrahlungsdosis, doch die erlaubte Dosis ausgeschöpft werden, da sich ein Lymphknotenrezidiv gezeigt hat. Zusätzlich wurden nich 2 Zyklen Cisplatin/Pemetrexed gegeben. Fängt also schon gut an.


    Während der diagnostischen Maßnahmen für den Adeno wurde ein kalter Knoten in der Schilddrüse gefunden, der bei dem PET-CT doch reichlich auffällig leuchtete. Direkt nach der Entlassung aus der Lungenklinik habe ich mich dann um das Teil (SD) gekümmert und nach zwei mehr oder minder erfolgreichen Feinnadelpunktionen wurde entschieden, dass es besser wäre, wenn die Schilddrüse entfernt werden würde. In dem letzten Punktat wurden Lungenzellen festgestellt, was mir dann auch noch ein M1 eingebracht hätte. Nach dem die Pathologen an der rausoperierten Schilddrüse ihr analytisches Werk getan hatten wurde mir kund getan, dass es doch ein eigenständiges, papilläres Schilddrüsenkarzinom wäre - herzlichen Glückwunsch, da weiss man nicht, ob man weinen oder lachen soll (ich habe mich zu letzterem entschieden). Das Stadium des SD-Karzinoms ist so, dass daraus eigentlich keine weitere Behandlungskonsequenzen folgen. Ich könnte mich also hier in zwei Bereichen tummeln, habe mich aber entschieden, dass ich nur das BC ernst nehmen werde. Danach ist dann, noch gerade so im Zeitfenster, die Chemo gestartet.


    Eigentlich hatte ich insgesamt gedacht, dass mich das Schicksal mit einem schweren Unfall im Jahre 2000 und dessen Folgen genug geprüft hätte und ich bei allen Einschränkungen, die sich daraus ergaben, wenigstens bei einer Zigarette entspannen könnte, dass hat sich als Fehleinschätzung herausgestellt. Somit habe ich natürlich auch das Rauchen im März aufgegeben - was mir wirklich schwer fällt. Ich habe das für mich als 20 jährige Pause deklariert, dann werde ich neu entscheiden, ob ich wieder Lust auf die Qualmerei habe. Ich denke allerdings, dass ich diese Entscheidung nicht mehr treffen werde und wenn doch, dann wäre es ein großes Glück, was ich wohl nicht mit Rauchen erneut gefährden würde... ;-)


    Das solls erstmal gewesen sein. Ich wünsche euch allen viel Kraft bei eurem (unserem) Kampf für das Leben!


    Ob ich hier einen Thread über den Verlauf aufmachen werden, weiß ich noch nicht. Ich habe mich ja aber bereits etwas in die Diskussion eingeschaltet, die mir sehr am Herzen liegt.


    Lieben Gruß und viel Kraft beim Kämpfen - dagehtnochwas

    Hoffe nicht ohne Zweifel und zweifle nicht ohne Hoffnung.


    Seneca (4 v.Chr. - 65 n.Chr.)

  • Hallo,


    ich heiße Angela, bin 60 Jahre und wohne in der Nähe von Neuss im Rheinland. Im Oktober 2014 habe ich die Diagnose Adenokarzinom im unteren Lappen des linken Lungenflügels erhalten. Der Unterlappen wurde in Essen entfernt und ich bekam anschließend eine adjuvante Chemotherapie mit Cisplatin und Vinorelbin. Davon zurückbehalten habe ich eine PNP an Händen und Füßen.
    Bei der zweiten Nachsorge CT wurde festgestellt, dass sich Metastasen im rechten Lungenflügel gebildet haben. Einige dieser Metastasen wurden in Essen durch einen Keilschnitt entfernt und ich wurde palliativ entlassen (hat mir in der Klinik niemand gesagt, musste ich dem Entlassungsbericht entnehmen).
    Bis Dezember 2015 habe ich heimatnah sechs Zyklen Docetaxel und der Immuntherapie Vargatef erhalten. Seitdem bekomme ich nur Vargatev. Die Metastasen waren nach den ersten drei Zyklen Docetaxel geschrumpft und nach der letzten ist das Wachstum zum Stillstand gekommen.
    Zwischendurch bin ich noch an beiden Augen operiert worden.


    So, das war's erstmal.

  • Hallo zusammen,
    das ist eine Herausforderung, meine Geschichte "kurz" zu fassen...
    Ende November 2013 anlässlich hartnäckiger Bronchitis - drei Mal Antibiotikum, drei Mal gleich danach wieder da - und arger Erschöpfung gleich zum CT geschickt worden. Da war was - 2,4 x 2,7 cm - aber was? Keine großartige Panik seitens der Ärzte, Bronchoskopie unauffällig, seltsame Form, Fibrom? Abszess? Man weiß es nicht. Bei der Frage ob biopsieren oder nicht hieß es, könne man, aber müsse eh weg, was immer es sei. Noch beobachten? Okay. Ende Februar 2014 war es 4,6 x 6 cm groß, dann doch Panik: OP am 21.03., Resektion rechts, obere Segmente. Schwierig, Komplikationen, alles anders als geplant, Blutungen usw. - dennoch, letztendlich mit Erfolg. Der nicht hielt. Bereits in der Nacht keine Luft bekommen, intubiert worden... Tracheastoma (chirurgisch) am 24.03. ...
    Am 6.5. wieder erwacht und erfahren, dass kaum einer daran geglaubt habe, in der Zwischenzeit Lungenversagen, diverses mich An-die-Wand-fahren bei Aufweckversuchen, zwei Wochen 42 Grad Fieber trotz Antibiose... Dennoch, ich wachte wieder auf. Am 9.5. verlegt in eine Fachklinik, um vom Beatmungsgerät weg zu kommen. Man zeigte mir den "Auftrag", beim Datum für Dekanülierung stand schon .06.2014, nur kein Tag.
    Am 15.05. wurde die Kanüle entfernt. Das lief also schneller als erhofft - aber der Rest nicht. Dauererbrechen, Blutdruckkrisen, Kreislaufkapriolen, seltsame Schmerzen (Bauch!?). Kaum eine Chance, meine atrophierten Muskeln aufzubauen. Die Klinik (bevor jemand anmerkt, das ginge doch nicht, doch, das geht!) meinte, sie beantrage keine AHBs, nur Reha bei ihnen im Haus, und dafür sei ich nicht rehafähig genug. Hatte gerade gelernt mich in den Rolli zu wuchten, da nahm man ihn mir weg, ich müsse laufen. Haha. Einen Tag heftig Gas gegeben, weil ich mal wieder vor die Tür wollte, mit Rollator rausgekämpft, Ergebnis: Gelenkentzündungen. Der Physio sagt: selbst Schuld, keine Gelenkflüssigkeit mehr nach so langer Zeit im Koma, wer rennt damit auch so viel durch die Gänge. Erst mal Schluss damit. Danke fürs Gespräch. Schmerzmedikation erstmal Fehlanzeige, weil ja der Magen zickt - als gäbs nur Ibuprofen auf der Welt. Nach viel Generv Novalgin. Dann, keine genaue Erinnerung an welchem Tag, noch vom Morphinentzug etwas verstrahlt, auf Normalstation verlegt, Besuch von der Sozialdiensttante: Sie müssen da eine psychische Blockade haben, dass sie nicht laufen. Wenn Sie sich nicht mehr Mühe geben, muss ich Sie ins Pflegeheim überleiten. Habe darauf verzichtet, den Dialog weiterzuführen, meinen Liebsten angerufen, der glücklicherweise der Heilerziehungspflege kundig ist, und ihn aufgefordert das Bettsofa im Wohnzimmer frei zu räumen und mich abzuholen.
    Habe mich also am 22.05. selbst entlassen. Physio zu Hause, dann vor Ort, Kurztrips mit Rollator in die Wahlheimat im Juni und Bergwanderung im Juli - dass ich die 8 km ohne zu sterben überstanden habe, hat mich von der Sauerstofftherapie zu Hause befreit. Am 11.08. bin ich wieder arbeiten gegangen, da der Rententräger nicht aus dem Quark kam mit einer Reha.
    Mitte September dann Reha. Dort erzählt man mir etwas über meinen Tumor, das mir nicht richtig scheint, aber ich kann mich nicht erinnern, überhaupt mal etwas darüber gelesen zu haben. Auch meine Augenmuskulatur ist atrophiert, lesen fällt schwer, ich hatte es vermieden. Es stellt sich heraus, dass die Rehaklinik nur einen Entlassungsbrief aus der letzten Klinik hat. Ich rufe meinen Hausarzt an, der sich durch die Akte wühlt und feststellt, er hat auch nichts anderes. Ich rufe im Krankenhaus an, in dem ich operiert wurde und erfahre, der Brief ist noch nicht ausgedruckt worden. Ist ja auch erst ein halbes Jahr her... Habe ihn dann angefordert, direkt an den Hausarzt, und mir dann die Infos geben lassen. Hatte einen NET, pT IIb, ein Lymphknoten befallen, von den benachbarten. Ganz unten bei den Diagnosen dann noch eine Info, die man auch gern mal vorher bekommen hätte: MRSA. Tja, komatösen Patienten gibt man wohl keine Chemo, somit hatte ich keine.
    Nach 4 x Nachsorge habe ich weitere abgelehnt. Am 13.04. habe ich eine CT, da Schmerzen im OP-Bereich.
    Danke für die Aufmerksamkeit!

    Things fall apart - but nothing breaks like a heart … (Mark Ronson)

  • Hallo, ihr habt vielleicht schon von mir im Tarceva-Thread gelesen. Ich bekam meine Diagnose im Jui 2016. Großer Tumor in der linken Lunge und eine Metastase im Hirnstamm (Beweis steht aus, da die Stelle gefährlich ist). Trotz Stadium IV wurde ich im November 2016 operiert. Durch die Tarcevatherapie war mein Tumor um gut die Hälfte geschrumpft. OP verlief gut, 2/3 des linken Lungenflügels sind weg. Damit kann man leben! Die Metastase sollte zunächst bestrahlt werden, dies wurde aber wegen der gefährlichen Lage abgesagt. Nun nehme ich weiter Tarceva, fühlre mich relativ gut. Klar nerven die Nebenwirkungen. Die Angst vor einem Rezidiv ist groß bei mir. Zwei Arbeitskollegen, die in 2016 die gleiche Diagnose hatten, sind in 2016 verstorben. Manchmal spüre ich einen Druck und eine Art Fremdkörpergefühl in der operierten Seite. Dann befürchte ich, dass es ein Rezidiv ist. Wie äußert sich das denn? Mir ist bisher nur bekannt, dass es Atemnot verursacht. Bei meiner letzten Kontrolle im Juni war alles in Ordnung.

  • Mein Name ist Monika. Ende April diesen Jahres, 2018, hatte ich einen Fahrradunfall und damit ging alles los. Wegen Drehschwindel wurde ein MRT gemacht um zu sehen, ob was an der Halswirbel ist. Resultat: 7 cm Schatten auf dem linken Lungeflügel. CT, Biopsie und ... kleinzelliger Lungentumor (T3 N0 M0) 2 Wochen später habe ich einen Knoten in der linken Brust ertastet. Wieder die ganzen Voruntersuchungen ... Brustkrebs.
    Im Marienhof imn Koblenz habe ich stationär meine erste Chemo ( Carboplatin/ Cisplatin und Etoposid) erhalten und nach der 2. ist evtl. eine Operation geplant. Mein Onkologe ( bei ihm habe ich am Mittwoch die 2.Chemo) ist allerdings für Chemo und Bestrahlung.
    Ich möchte auf jeden Fall eine Operation, auch der Knoten in der Brust soll operiert werden. Im Moment warte ich noch auf eine Zweitmeinung aus Essen (Hufelandklinik) Prof. Aigner.
    Niemals aufgeben ... nie, nie
    Nie

  • Hallo @MohnJ,


    als Moderatorin des Lungenkrebsbereiches heiße ich dich herzlich willkommen bei uns im Krebs-Infozentrum. Auf ein gutes Miteinander!


    Das liest sich ja nicht so schön bei dir - ist denn gesichert, dass die beiden Krebsarten unabhängig sind?

  • Hallo Hexe.
    Vielen Dank für die Aufnahme. Ja, es sind zwei unabhängige Herde. Mittlerweile habe ich die 2. Chemo hinter mir mit Cisplatin. Morgen ist das CT und dann wird alles weitere die Tumorkonferenz entscheiden.
    Der Brustkrebs wird im vorerst mit Aromatasehemmer (Letrozol) behandelt.
    Hoffe hier auf einen aktiven Austausch.


    Grüsse von Mohn aus Koblenz

  • Hallo aus dem Osten Deutschlands. Kurzfassen ist nicht meine Stärke, versuchen wir es mal so emotionslos wie möglich trotz schrecklicher Ärzte und einem zweifelhaften Krankenhaus (zertifizierte Lu. Klinik laut www).

    Mutter fühlt sich nicht gut und möchte ins Krankenhaus. Mrt und ct gemacht u. a. Da sagte man es gäbe einen Schatten auf der Lunge. Na danke!! Angst. Panik. Auch wenn es nicht gleich DAS sein muss. Trotzdem ab in die Lungenklinik um es abzuklären.

    Bronchoskopie würde keine gemacht. Es hieß es soll operiert werden und während dessen gleich entfernt und Gewebe Proben genommen werden. Gesagt getan. Tumor unter 2cm entnommen inkl LK. 6 von 28 waren befallen und ja, die Raumforderung war bösartig. Erst, nach der Operation hieß es, mehr muss nicht gemacht werden und dann sollte do h adjuvant chemo folgen wegen der LK. Wir sind eigentlich total gegen Chemie Keule, wehrten uns mit Händen und Füssen und würden dann extrem unter Druck gesetzt. Gegen unseren Willen wurde ein Termin bei der Radiologie in einem anderen KH zum Gespräch dort gemacht.

    Auf Fragen der Schwestern an den behandelnden Arzt ob noch Bronchoskopie gemacht werden soll hieß es "Nein. Denken Sie an unsere Ressourcen".

    Oktober Family Erkältung., Bronchitis. Alle. Wunderbar, das braucht man jetzt gar nicht. Und das vor der eventuellen Bestrahlung. Denn...

    Aus Angst wegen Druck der Ärzte haben wir Bestrahlung machen lassen 6 Wochen Periode. Vorher (noch mit Bronchitis) und nach 3 Wochen gab es ein ct. Zweiter mit Kontrastmittel, zuvor wohl ohne. Ein LK im Mediastinum leuchtet. Erneute Angst. Es wird von einem Lk Rezidiv gesprochen.


    So, nun sind wir mit Bestrahlung fertig und schauen uns nach anderen Ärzten um.

  • Hallo zusammen,


    so kurz wie möglich (also lang...):


    Sommer 2017 Knieschmerzen. Internist und Rheumatologe: Rheumatoide Arthritis. Aber selbst dafür viel zu hohe Entzündungswerte. Also erst mal Magen-Darmspiegelung: Alles super. Außerdem ab Oktober 2017 so ein lästiges Hüsterchen. Bestimmt die Heizungsluft, meint der Hausarzt. Trotzdem, am 3. Januar 2018 mal zum Lungenröntgen. Arzt sagt zu, dass er anruft, wenn da was zu sehen ist. Ruft nicht an. 11. April 2018: Ich wieder da, habe immer noch Hüsterchen, aber beim Röntgen wäre ja nix zu sehen gewesen, also insofern alles gut, sage ich. Nichts war gut. Der Arzt wird leicht blass, guckt auf seinen Monitor, sieht die Aufnahmen, die er via Internetplattform auch am 4. Januar 2018 schon hätte sehen können und wird hektisch.


    Kurzum: nichtkleinzelliges Adenokarcinom, ca. 9 x 8 x 7,5 cm im linken unteren Lungenlappen. Im Krankenhaus: "Ist bösartig, aber kurativ". 14 Tage später: "Ehm, wir behandeln Sie nur noch palliativ und operieren werden wir Sie auch nicht mehr." Dazwischen lag ein Pet-CT auf dem man die Lymphknoten entlang des Brustbeins allüberall hat leuchten sehen; eine davon auch auf der "anderen" Seite. Und eine Raumforderung in der linken Brust, von der sich nach Biopsie herausstellte, dass es sich wohl um eine Lungenkrebsmetastase handeln würde.

    Also: T4 N3 M1a (mammär) UICC Std. IV (Laut Statistiken Lebenserwartung von 8-12 Monaten).


    4 Zyklen Chemotherapie, also 8 Mal. 6 Mal mit Cisplatin 50 mg und Vinorelbin 25mg. Die letzten 2 Mal dann kombinierte Chemo-Radio-Therapie mit Cisplatin 40 mg und Vinorelbin 25 mg, dafür 30 Tage jeden Morgen ca. 5 Minuten Bestrahlung, in der letzten Woche noch mit `nem Boost. Das war dann so wie ein mittlerer Sonnenbrand auf dem Rücken.


    Ich habe die ganze Zeit alle Haare behalten, mir war nie schlecht und ich bin bis auf sehr, sehr wenige Tage mit völliger Erschöpfung fast immer meiner Vollzeittätigkeit nachgegangen. Das "Kind" studiert noch und ich brauche das Geld. Außerdem wollte ich mir mit einem gewissen Trotz, Berliner würden sagen: Aus Daffke - mein "normales Leben" nicht schon in vorauseilender Unterwerfung und eigenhändiger Lähmung kaputt machen. Ablenkung und Tagesstruktur könnte ich mir ansonsten auch durchaus ohne meinen Arbeitgeber verschaffen.


    Sechs Wochen später Restaging (nach u.a. einer starren Bronchoskopie): Metastase in der Brust hat sich völlig aufgelöst. Untersuchtes Material aus den Lymphknoten: Nur inaktive Zellen gefunden. Primarius: irgendwas so auf die 6 cm geschrumpft.


    Die Tumor-Konferenz weicht von der Behandlungsleitlinie ab und entscheidet mit wichtigster Zustimmung der Thorax-Chirurgie im Rahmen einer Einzelfallentscheidung, doch noch zu operieren. 29.10.2018: Unterlappenresektion und mediastinale Lymphknotendessektion. Weh getan hat nichts, nur die Rippen fühlten sich lange so an wie bei einer mittleren Rippenprellung. Die Narbe ist sehr schön: Direkt am Brustansatz; lugt nur links ein bisschen heraus und verheilt bei meiner guten Pflege sehr schön.


    Postoperative Tumorformel: T0 N2 (1/17) M0. Leider sind in einer der 17 entfernten Lymphknoten, der, die am nächsten dem Zwerchfell saß, aktive Krebszellen gefunden worden. Ganz schreckliches hohes Risiko, macht mich wahnsinnig. Naja, fast. Ich tue alles, um nicht abzudriften. Ist schwer, ihr hier wisst es.


    31.01. und 30.04.2019: Zusammenfassend ergibt sich in den beiden ersten postoperativen Tumornachsorgen erfreulicherweise kein Anhalt für ein Tumorrezidiv.


    In "Breaking Bad" sagt der Arzt zu Walter White nach Abschluss der ersten Runde Chemotherapie: "You are not out of the woods."


    So ist es.


    In der Zwischenzeit amüsiere ich mich damit, mich so fit wie möglich für eine 2. Runde zu machen. Ich esse lecker (kann die Wörter "gesund" und "ausgewogen" nicht mehr hören, ist aber impliziert), mache ordentlich Sport ohne Verausgabungsanspruch, vor allem arbeite ich momentan an einem schöner werdenden Trizeps... ;-)


    Die Furcht bleibt.

    Nächster Termin: 09.08.2019.


    Ich lese jetzt hier im Forum seit bestimmt sechs Monaten, so viel Mut und Tapferkeit zwischen den Zeilen - das hat mir immer einmal wieder geholfen.

    Deshalb teile ich euch auch meine Geschichte nun mit.


    Grüße, die

    Leichte.


    P.S.: Die "Rheumatoide Arthritis" ist übrigens nach dem 1. Zyklus Chemotherapie ganz zügig verschwunden und damit seit Mai 2018 nie mehr aufgetaucht.

  • Hallo Leicht ,


    herzlich willkommen im Krebs-Infozentrum, auch wenn der Anlaß einer Registrierung in einem Krebsforum nie ein angenehmer ist. Hab Dank für Dein ausführliches Erstposting, dem man entnehmen kann, daß der Weg bis zur Diagnose ein verwirrender war. GsD ist bisher alles gut gegangen und so soll es auch bleiben.


    Wenn Du magst, kann ich Dein Posting in einen eigenständigen Strang umwandeln, so daß Du quasi einen "Heimathafen" hast, den Du, ungeachtet anderer Postings in anderen Threads, immer wieder ansteuern kannst, um unsere UserInnen auf dem Laufenden zu halten.


    Nun wünschen wir Dir erst einmal einen guten Austausch hier in der Gemeinschaft. Auf ein gutes Miteinander.


    Viele Grüße

    Anhe

  • Hey Leicht,


    erstmal Glückwunsch, dass es trotz der Dödeligkeit des Arztes noch geklappt hat mit der OP. Ich hatte auch einen befallenen Lymphknoten, lag aber mit septischem Schock im Koma, und das zog sich und zog sich und als es dann endlich vorbei war, war ich immer noch nicht in der Lage, mir über sowas wie Chemo Gedanken zu machen, also machte man nichts. Vier Monate später auf Reha haben sie gefragt, ob man da nicht noch mal ne Tumorkonferenz einberufen sollte, aber ich hatte ja nicht mal einen Onkologen und auch genug anderes zu tun, daher blieb es bei nichts.

    Und bis heute - 5 Jahre später - kam auch nichts nach.

    Das wünsche ich Dir auch!

    Alles Gute.

    Things fall apart - but nothing breaks like a heart … (Mark Ronson)

  • Imagia, du bist auch wirklich das vorzeigebsp schlechthin, dass der Körper in der Lage ist sich sekbst zu heilen :)


    Leicht, bei dieser Erst Diagnose, Größe des Tumors dann auf solch positives Ergebnis zu kommen. Toll. Weiter so :) den Mistbock von LK bekommst du auch noch klein.

  • Hallo anhe,


    au ja, eigener Strang wäre prima. Danke schön, auch für die nette Begrüßung.!


    Hallo imagia,


    oh ja - Deine Schilderung Deines, hrm äh "Mobilitätsproblems", erst Rolli, dann Rolli weg, Laufen, dann bloß nicht Laufen bis hin zur angedichteten psychischen Blockade und gerade noch verhinderter "Heimeinweisung " - boah - da hatte ich beim Lesen allein schon Schleudertrauma. Die Sache mit den fünf jahren möchte ich Dir so gern nachmachen...


    Viele Grüße,

    noch ` n schönen Maifeiertag, die

    Leichte


    P.S.: Ms Verzweifelt: Auch Dir vielen Dank für Aufmunterung; man wird sehen...

  • Hallo "Leicht",


    trotz der "schlimm lesenden Erstdiagnose" jetzt soweit gekommen - toll - einfach nur toll.

    Das liest sich anfangs fast so wie bei mir .... ewig lange Arztrennerei und vertane Zeit, bis endlich eine Diagnose festgestellt wurde.


    Alles liebe - und für August halte ich dann natürlich rechtzeitig die Daumen :thumbsup:


    Liebe Grüße
    Angi


    Glaube an Wunder, Liebe und Glück!
    Schau nach vorn und nicht zurück!
    Tu was du willst, und steh dazu, denn Dein Leben lebst nur Du!

    <3<3<3

  • Das kann dann in den Strang von Leicht verschoben werden:


    Liebe Leicht, schaffst du! Drücke alle Daumen! Positiv bleiben, sich das Leben so beglückend wie möglich einrichten... versuch die Furcht loszuwerden. Ich weiß, das ist alles andere als leicht, aber ich denke, mit das Wichtigste. Wünsche Dir neben dem super Trizeps auch alles andere Gute!


    Pätzi, wie da steht: hatte einen NET. Und Glück, dass er sich das kleine bisschen passende Gewebe in der Lunge ausgesucht hat, woanders hätte man

    ihn womöglich sehr viel später entdeckt, was wohl eher ungut gewesen wäre.


    Ms.Verzweifelt: naja, mein Körper is ziemlich am Hund... ich muss schon in erster Linie dem Chirurg danken. Nur den blöden Keim hättense behalten können...


    Ein verregnetes Hallo in die Runde, allen eine schöne Woche!

    Things fall apart - but nothing breaks like a heart … (Mark Ronson)

  • Es kann nicht alles glatt gehen, das wäre wirklich pures Wunder... :) aber die Hälfte der Strecke bis du dich gesund nennen darfst hast du ja überwunden.

    Soetwas wünscht man jedem!! :)

  • Hallo Enya09 - Andrea,


    eigentlich war dieser Strang hier gedacht, nach der KIz-Eröffnung Krankengeschichten kurzgefasst einzustellen, da sich einige aus einem anderen Forum kannten. Ich habe Dir einen eigenen Thread eingerichtet, den Du hier findest Enya09: Lungenkarzinom Stadium 1A2 . Dort kannst Du fortlaufend über Dich und Deine Erkrankung berichten und hast einen "eigenen" Heimat-Thread. Alle Postings wurden dort zusammengefasst.


    Viele Grüße

    Anhe