Trauer meines Vaters nach Mamas Tod

  • Hallo zusammen!


    Einige kennen mich sicher aus den BSDK-Angehörigen-Forum, wo ich einen eigenen Strang hatte.

    Im September ist meine Mama nach knapp 2 Jahren Krankheit mit 65 Jahren verstorben, einige Wochen nachdem mein gleichaltriger Vater in Rente gegangen ist.


    Anfangs dachte ich, Papa kommt den Umständen entsprechend gut klar. Anfangs gab es ja auch viel zu tun, außerdem ist er ehrenamtlich tätig, nimmt viele Termine wahr, ist also auch unter Leuten.


    kurz vor Mamas Tod hatte er mit geschwollenen, schmerzhaften Gelenken zu tun, es ging dann aber wieder. Jetzt kurz vor Weihnachten ein extremer Schub, er konnte kein Auto mehr fahren usw., Daher war er natürlich ans Haus gefesselt, ein echter Rückschritt. Aber man hatte letztlich die Ursache: Gicht.

    Also Ernährung umgestellt, Tabletten, wir dachten alles wird sich einpendeln.

    Dann plötzlich ein neuer Schub, unter top Harnsäure-Werten, also ist es wohl diesmal nicht die Gicht.


    Langsam denke ich, dass es die Psyche ist, die Trauer, die meinem Vater so zusetzt. Gestern waren wir über 2 Stunden bei ihm und schwupps wurde es besser.

    Wir wohnen um die Ecke, was natürlich ein großer Vorteil ist und daher sehen wir uns ja auch eh regelmäßig.


    Was mir noch auffällt: Papa verändert tatsächlich gar nichts...Mamas Handy und ihre Brille hat er nachdem wir ihre Sachen aus dem Krankenhaus geholt haben in der Küche abgelegt, da liegen sie unverändert. Eine Jacke hängt immer noch über einem Wohnzimmer-Stuhl usw.

    Er will schon, dass nach und nach gewisse Dinge wie Kleidung, Schuhe usw. entweder an uns Kinder gehen, oder gespendet werden. Aber er macht es nicht selbst, sondern lässt es mich machen. Die Initiative geht zwar von ihm aus, aber die Durchführung nicht.


    Ich weiß langsam auch nicht mehr weiter, gerade im Hinblick auf seine Gesundheit. Es ist ja ein Teufelskreis. Wenn er einen Schub hat, kann er ja auch gar nicht raus kommen. Der Hausarzt ist mit seinem Latein am Ende, Mittwoch gehen wir zum Rheumatologen.

    Aber wenn es doch die Psyche ist, wird auch er ihm nicht helfen können.

    Ich weiß halt auch nicht wie ich ihm aus diesem Loch helfen kann. Ein Tapetenwechsel wäre mal was, das habe ich ihm auch schon geraten. Vielleicht eine Kur oder Reha. Er ist Privatpatient, vielleicht ist es dann auch einfacher sowas verordnet zu bekommen.


    Wie war das bei euren Eltern????

    Wäre dankbar für Tipps und Ratschläge, was ich tun kann.


    Liebe Grüße!

    Ninjetta

  • The Witch

    Hat das Thema freigeschaltet
  • Liebe Ninjetta,


    ein interessanter Aspekt, den Du da ins Spiel bringst. Und Du bestätigst etwas was ich selber bei meiner Mutter beobachte. Leider spielt bei ihr noch die CML bzw. deren Medikation mit Glivec eine Rolle, beides fördert Gicht. Kurz vor Terminen, die sie wahrnehmen muss, aber nicht will, weil sie aktiv werden muss, kommen die Gichtanfälle zusätzlich dazu. Also ähnlich wie bei Deinem Vater. Leider kann ich aber keine Tipps oder Ratschläge geben, da meine Mutter alles, egal ob nun von den Ärzten oder der Familie kommend, ablehnt was ihr nicht genehm ist. Und wie Dein Vater selber nicht aktiv werden will, sondern es ggf. gerne delegiert.


    herzliche Grüße

    JF

  • Liebe Ninjetta


    Seit dem Tod deiner Mama sind erst vier Monate vergangen und deinem Papa wird Tag für Tag bewusst das seine andere Hälfte fehlt. Trauer braucht Zeit. Natürlich können seine gesundheitlichen Probleme psychischer Natur sein, aber auch nicht.


    Ich habe bei meinen Vater beobachtet, das er nach dem Tod meiner Mama wehleidiger wurde, öfter zum Arzt ging als zuvor. Er hat sich nie wichtig genommen was die Gesundheit anging. Was die Sachen deiner Mama angeht das Entfernen, wenn er es möchte macht es gemeinsam, auf keinen Fall du allein.


    Es ist auch ein Schritt der Verarbeitung.


    Sprich offen mit deinem Papa über seine Gefühle über deine Sorgen und frag ihn ob er Hilfe braucht.



    Mein Vater hatte sich sehr verändert, hinzu kamen Dinge die ich nicht gut heißen konnte. Er selbst natürlich meinte alles wäre ok. Ca 1,5 Jahre nach Mamas Tod wurde aber auch ihm klar, das er Hilfe braucht das er allein nicht aus der Trauer raus kommt. 6 Wochen war er dann in einer psychatrischen Tagesklinik wo er lernte sein Tagesablauf ohne Mama zu organisieren.


    Es wurde besser er fand zurück ins Leben. Was geblieben ist, ist das große Vermissen. Es gibt immer noch viele Tage wo er unendlich traurig ist. Er fährt jeden Mittwoch und Samstag zum Friedhof (ist 20km entfernt) und spricht mit Mama.


    Helmut hat es mal schön beschrieben wir haben zwar denselben Menschen verloren wie unsere Väter, aber unsere Trauer ist anders.


    Du kannst nur für deinen Papa da sein, dich anbieten wenn er Hilfe braucht oder reden möchte.


    Drück dich Mausi

    Mama

    Diagnose BSDK am 05.02.2014


    * 28.07.1949

    † 22.06.2014



    Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.


    - Jean Paul -

  • Danke mausi69 und J.F.


    Ich werde ihn im Auge behalten, insbesondere was den Zusammenhang Psyche und Gesundheit betrifft. Habe meinen Verdacht bei ihm auch schon angesprochen und er meint selbst, dass er auch schon vermutet, dass da ein gewisser Zusammenhang besteht.

    Ich habe einfach nur Sorge, dass er in einen Strudel gerät, aus dem er nicht mehr raus kommt.


    Ich hab ja auch leicht reden.... ich habe weiterhin meine Arbeit die mir Spaß macht, meine Familie und ich "muss" nicht mit all den Erinnerungen direkt vor der Nase leben...

    aktuell geht es wieder etwas bergauf bei ihm, das freut mich.

  • Ich hab ja auch leicht reden.... ich habe weiterhin meine Arbeit die mir Spaß macht, meine Familie und ich "muss" nicht mit all den Erinnerungen direkt vor der Nase leben...

    Genau das ist der Unterschied, wir haben unser Leben noch, unsere Väter sind von jetzt auf gleich allein. Leben in dem Umfeld in dem sie mit unseren Müttern glücklich waren und jetzt ist alles neu.


    Geb ihm Zeit und achte auf ihn. Es ist gut das du mit ihm offen reden kannst. Und wenn du denkst er benötigt Hilfe, frag ihn ob er diese annehmen möchte.


    Liebe Grüße Mausi

    Mama

    Diagnose BSDK am 05.02.2014


    * 28.07.1949

    † 22.06.2014



    Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.


    - Jean Paul -

  • Hallo Ninjetta,


    natürlich kann die Psyche , die Trauer, eine Rolle spielen. Doch nur ein Arzt kann das feststellen. Was du tun kannst? Für ihn da sein, mit ihm reden. Nicht nur über Trauer, auch über alltägliches. Vielleicht kannst du ihn auch vorsichtig in dein/euer Leben einbinden, ihm quasi Aufgaben geben. Er fühlt sich dann vielleicht nicht so nutzlos und alleine.


    Ich könnte mir vorstellen, dass dein Vater sich in einer Phase der Realisierung befindet. Das kann durchaus eine Zeit dauern. Natürlich weiß er vom ersten Tag an, dass seine Frau/deine Mutter verstorben ist. Doch etwas wissen heißt nicht, auch damit zu leben oder damit leben zu können. Das muss man erst lernen.


    Dazu gehört auch, Gegenstände, Gebrauchsartikel, Kleidung und anderes weg zu räumen oder weg zu geben. Die einen bringen das schnell hinter sich, andere wiederum brauchen dafür lange Zeit oder schaffen es gar nie. Aus welchen Gründen auch immer.


    Er braucht Zeit. Viel Zeit und seine Gicht muss von den Ärzten ernst genommen werden. Egal, was die Ursache ist.


    Gibt es bei euch einen Trauerkreis oder ähnliches? Dort könnte er mit Gleichbetroffenen reden und ihnen zuhören. Wenn er möchte. Vielleicht wäre auch eine psychologische Betreuung eine Möglichkeit? Das muss nicht unbedingt bei einem Psychologen sein. Termine sind da schwer zu bekommen. Es gibt auch die Möglichkeit der "psychologischen Beratung". Muss man allerdings leider selbst bezahlen.



    Liebe Grüße, Helmut

  • Hey Ninjetta, wie gehts dir denn?

    Das mit deinem Vater tut mir Leid.

    Meiner Mama gehts auch nicht besonders gut. Ist glaube ich normal nach dem Ganzen. Es ist ein großer Unterschied, da du deine Familie hast. Sein Lebensmittelpunkt ist weg.. Nicht mehr greifbar. Ich vermisse meinen Papa auch sehr, nur neben mir liegt jemand, kocht mit mir, kauft mit mir ein. Papas Bett bleibt leer.. :(

    Dein Vater und meine Mama haben das nicht mehr. Auch wenn wir für sie da sind. Die meiste Zeit sind sie alleine.

    Grüße

  • Hey ihr Lieben!


    Danke für eure Antworten.

    Da die Kinder und ich uns momentan krankheitsmäßig abwechseln, war ich nicht so aktiv in den letzten Tagen.

    Genau wie ein paar Tage vor Mamas Tod hat letzte Woche 3 Tage vor ihrem Geburtstag eine schlimme Wurzelspitzenentzündung bei mir begonnen...das hat natürlich doppelt schlechte Erinnerungen geweckt.


    Den Geburtstag haben wir mit Papa verbracht: wie waren bei Mamas Lieblings-Italiener, auf dem Friedhof und ich hatte ihren Lieblingskuchen gemacht. So haben wir den Tag gut rum bekommen....vor allem Papa natürlich. Dem geht es körperlich wieder besser, er hat diese Woche Kleidung von Mama die ich in Kisten gepackt hatte zu einer caritativen Einrichtung gebracht, denke das war ein wichtiger Schritt.


    Ich werde ihn im Auge behalten und mal schauen, wie es sich entwickelt.

    Es ist wie du sagst Silland, die meiste Zeit zu Hause ist er eben so wie deine Mutter auch alleine. Und das in dieser tristen Zeit...

    Naja, am Wochenende wollen wir weiter bei ihm räumen, damit wir bald mit dem altersgerechten Umbau starten können im Haus. Das wird ein großes Projekt, das uns alle ablenken wird.

  • Hallo Ninjetta,


    ich habe meine Perücke damals gespendet. Adressen findet man übers Internet. Meine Bekannte hatte mehrere und hat sie dann über Ebay verkauft.

    Eine gewisse Zeit gab es eine Spendenaktion für Frauen in Südosteuropa.


    Vielleicht hilft dir das weiter.

    Alles Gute

    Geli

    Vergangenheit ist Geschichte,
    Zukunft ist Geheimnis,
    aber jeder Augenblick ein Geschenk. (Ina Deter)