Zytostatikum

  • Medikament, das die Zellteilung und damit das Zellwachstum hemmt

    Definition

    Ein Zytostatikum (Plural: Zytostatika) ist ein Medikament (natürlichen oder synthetischen Ursprungs), das direkt die Teilung von Zellen (die Proliferation) hemmt oder verhindert. Dadurch findet nur noch ein vermindertes oder gar kein Zellwachstum mehr statt. Eine systematische Behandlung mit Zytostatika nennt man Chemotherapie.

    Zytostatika werden insbesondere bei Krebserkrankungen eingesetzt, aber auch bei bestimmten Autoimmunerkrankungen. Sie wirken grundsätzlich auf alle Zellen und sind von daher für den gesamten Körper giftig - was mit einer erheblichen Menge an Nebenwirkungen einhergeht. Besonders gut wirken sie auf alle sich schnell teilenden Zellen, was sie zum Einsatz bei Krebs geeignet macht. Da aber auch beispielsweise Haare und Fingernägel aus sich besonders schnell teilenden Zellen bestehen, treten oft Haarausfall und Nagelschäden auf.



    Die folgende Auflistung ist der deutschen Wikipedia entnommen:

    Spezielle Zytostatikagruppen


    Alkylantien


    Alkylantien (Alkylanzien) sind die ältesten Zytostatika. Sie können Alkylgruppen auf die DNA übertragen. Da die Alkylantien mit zwei oder mehr funktionellen Gruppen versehen sind, können sie zwei DNA-Stränge vernetzen und dadurch verhindern, dass diese während der Zellteilung korrekt verdoppelt werden. Die Wirkung beruht also auf einer Hemmung der DNA-Replikation. Alkylantien sind mutagen und karzinogen. Ihre Hauptnebenwirkungen sind Übelkeit, Anämie und Immunschwächung. Sie werden bei Lymphomen, Leukämie, Brust- und Lungenkrebs sowie bei Sarkomen noch oft eingesetzt. Besondere Bedeutung haben sie gegen bösartige Hirntumoren.
    • Stickstoff-Lost-Derivate: Cyclophosphamid, Ifosfamid, Trofosfamid, Melphalan, Chlorambucil, Estramustin
    • Alkylsulfonate: Busulfan, Treosulfan
    • Nitrosoharnstoffe: Carmustin, Lomustin, Nimustin, Streptozocin
    • Procarbazin und Dacarbazin
    • Temozolomid
    • Thiotepa

    Platinanaloga

    Der Komplex Cisplatin und seine Verwandten gehören zu den wirksamsten Chemotherapeutika überhaupt. Sie verursachen ebenfalls Quervernetzungen der DNA durch kovalente Bindung des Platinatoms an zwei Nukleinbasen. Platine verursachen Übelkeit, Anämie, Gehör-, Nerven- und Nierenschäden. Ihr Haupteinsatzgebiet sind Hoden-, Gebärmutter- und Eierstockkrebs sowie Tumoren der Halsregion. Ein neueres Platin-Analogon, Oxaliplatin, wird derzeit bei Darmkrebs eingesetzt.
    • Cisplatin
    • Carboplatin
    • Oxaliplatin
    • Satraplatin

    Interkalantien

    Interkalantien binden nichtkovalent an die DNA und verhindern die Anbindung der Polymerasen, welche zur Replikation und Transkription der Erbsubstanz dienen. Das heißt, Zellteilung und Zellfunktion werden gestört. Die Substanzen werden wegen der geringen Rate an resistenten Tumoren sehr oft und bei fast allen soliden Tumoren eingesetzt; sie eignen sich auch als Mono-Therapie bei Patienten, die starkwirksame Kombinationen nicht vertragen. Übelkeit und Anämie sowie verschiedene Organschäden sind ihre häufigsten Nebenwirkungen.
    • Anthracycline: Doxorubicin (Adriamycin), Daunorubicin, Epirubicin, Idarubicin
    • Mitoxantron
    • Amsacrin

    Antibiotika

    Die Vertreter dieser Substanzgruppe mit antibakterieller und gleichzeitig zytostatischer Wirkung wurden aus Pilzen isoliert. Die Wirkmechanismen sind unterschiedlich, meist DNA-Vernetzung durch Interkalation oder Alkylierung. Es sind vorwiegend Peptide, daher können bei der Anwendung allergische Reaktionen auftreten. Weitere Nebenwirkungen sind Lungen- oder Leberschäden. In Protokollen gegen Hodenkrebs, Blasenkrebs und maligne Lymphome sind oft Antibiotika vertreten.
    • Bleomycin
    • Actinomycin D (Dactinomycin)
    • Mitomycin

    Mitosehemmer

    Diese Stoffe binden an das Tubulin, ein Eiweißmakromolekül, welches zur Zellteilung notwendig ist. Der Einsatz ist bei Lymphomen und Leukämien, seltener bei soliden Tumoren üblich. Ihre unangenehmste Nebenwirkung ist eine Schädigung des Nervensystems.
    • Alkaloide der Rosafarbenen Catharanthe (Catharanthus roseus, frühere Bezeichnung Vinca rosea): Vinorelbin, Vincristin (Oncovin), Vinblastin, Vindesin

    Taxane

    Eine relativ neue Substanzgruppe, obwohl sie bereits in den 1960er Jahren am National Cancer Institute in den USA durch ein systematisches Screening von 35.000 Pflanzengattungen entdeckt wurde, und zwar in der Pazifischen Eibe (Taxus brevifolia). Erst seit sie synthetisch hergestellt werden können (1994), finden Taxane zunehmende Verbreitung bei Brust-, Prostata- und Lungenkrebs und beim Hautkrebs, oft als Monotherapie. Die Wirkung beruht auf der Bildung von anomalen Molekülen im Zellskelett, was die geordnete Zellteilung verhindert.
    • Paclitaxel
    • Docetaxel
    • Cabazitaxel

    Topoisomerasehemmer

    Die Topoisomerasen I und II sind Enzyme, welche gezielte, reversible Unterbrechungen im DNA-Strang herstellen. Die Hemmung bewirkt irreguläre, nichtbehebbare DNA-Brüche und spontane Vernetzungen. Diese neue Substanzklasse ist vielversprechend bei soliden Tumoren, Lymphomen, Hirntumoren und kindlichen Tumoren. Ihre Neigung zur Knochenmarksdepression (Anämie) ist allerdings gefürchtet.
    • Topoisomerase-I-Inhibitoren: Camptothecin, Topotecan, Irinotecan
    • Topoisomerase-II-Inhibitoren (Epipodophyllotoxine): Etoposid, Teniposid

    Antimetabolite

    Antimetabolite werden als falsche Bausteine in die DNA oder RNA eingebaut oder verhindern den Einbau der korrekten Bausteine, und stören so die Zellteilung und den Stoffwechsel. Ihre Nebenwirkungen sind Übelkeit und Anämie sowie Nierenschäden.Darm- und Brustkrebs und viele andere solide Tumoren sowie Leukämie sind die Einsatzgebiete für Antimetaboliten. Man vermutet, dass die Empfindlichkeit der Zellen gegenüber Strahlung gesteigert wird. 5-Fluoruracil ist aus diesem Grund die wichtigste Substanz in der Radiochemotherapie.
    • Folsäureantagonisten: Methotrexat, Pemetrexed
    • Pyrimidinanaloga: Azacitidin, Decitabin, 5-Fluoruracil, Capecitabin, Doxifluridin, Cytosinarabinosid (Cytarabin), Gemcitabin
    • Purinanaloga: 6-Thioguanin, Pentostatin, Azathioprin, 6-Mercaptopurin, Fludarabin, Cladribin



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